Vermeintliche und echte Aprilscherze – mit und ohne Homöopathie

4 04 2012

Ich bin ja kein großer Freund von Aprilscherzen. Entgehen kann man ihnen kaum, und zumindest in den Medien gibt es immer mal wieder den einen oder anderen, der mir zumindest ein Schmunzeln, wenn nicht gar ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Dieses Jahr war es eine Meldung in Telepolis. Natürlich ist es Quatsch, dass die Bewohner der ehemaligen DDR für ihren damaligen Konsum des Westfernsehens von der GEZ nachträglich zur Kasse gebeten werden sollen. Andererseits – und das macht für mich einen guten Aprilscherze aus – liegt diese Meldung gar nicht so weit neben der Realität. Vielleicht wurde dieser Scherz ja wirklich von dieser echten Meldung inspiriert: Ein Mann soll für die Zeit seiner Obdachlosigkeit GEZ-Gebühren nachzahlen

Wissenschatliche Scherze sind bisweilen schwerer zu entdecken. In Brasilien versuchte der Scientific American mit einer Homöopathiestory den 1. April zu feiern. Den Text selbst fand allerdings nicht nur ich wenig lustig, denn das Ganze könnte ohne eine einzige Änderung tatsächlich in irgendeinem Homöopathiebuch stehen. Das Ganze beginnt – wie hier berichtet wird – so:

Homeopathy is known as an alternative treatment for human beings, but few people know about its utilization on animals, plants, soils, and water. This technique is the target of critiques regarding results and efficacy.  One of them is about the “placebo effect” of its remedies, which do not contain any trace of the raw material used in its preparation. To answer this criticism, a clarification is necessary: homeopathy is not related to chemistry, but to quantum physics, because it works with energy, not with chemical compounds that can be qualified and quantified.

Aber Moment! War das jetzt überhaupt ein Aprilscherz oder meint der brasilianische Scientific American das Ernst? Gibt es überhaupt eine brasilianische Version des Scientific American? Ok, die letzte Frage lässt sich einfach beantworten: Ja, es gibt eine. Um die erste Frage zu beantworten müsste man schon mehr über den Artikel wissen. Auf der verlinkten brasilianischen Internetseite konnte ich ihn nicht finden (das muss aber nichts bedeuten, denn ich kann kein portugiesisch). Ein Aprilscherz auf der zitierenden Seite kann man ausschließen, denn der Artikel trägt das Datum 3. April. So darf also weiter – zum Beispiel hier – darüber diskutiert werden, ob das jetzt ein missglückter Aprilscherz oder völlig missglückte Wissenschaft war. Letzteres wäre viel ärgerlicher!

Bei diesem Beitrag in den Science-Blogs geht es – zum 1.April – auch um Homöopathie, bzw. einen vermeintlichen Beweis dafür. Hier erschließt sich der Scherz auch nicht beim schnellen Querlesen, aber es reichen schon ein genauer Blick auf die ersten beiden Sätze nach der Einleitung:

Behandelt wurden Menschen, die mindestens 5 Jahre an morbus algia imperceptible litten, einer sehr seltenen Schmerzerkrankung des Metencephalon. Die Studie wurde an 5.000 Patienten und Patientinnen in einem Krankenhaus in Barcelona durchgeführt.

Eine sehr seltene Krankheit soll an 5.000 Patienten über 5 Jahre beobachtet worden sein? Das ist natürlich lächerlich, aber noch lächerlicher ist, dass die Krankheit ja “imperceptible”, also gar nicht wahrnehmbar sein soll.

Interessant wird in beiden Fällen sein, ob nicht vielleicht irgendwelche Homöopathen diese Artikel auf ihrer Homepage oder in irgendwelchen Veröffentlichungen als Argument dafür verwenden, dass ja sogar die „richtige Wissenschaft“ sich durchaus positiv zu ihrer glaubensbasierten Pseudomedizin äußert. Dass Aprilscherze – wenn sie gut gemacht sind – durchaus ein längeres Eigenleben führen können, war im Mathlog nachzulesen: Eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung aus diesem SB-Artikel zum 1. April 2009 fand ihren Weg sogar in die deutschsprachige Wikipedia – und wurde erst nach der Veröffentlichung des Mathlog-Artikels bereinigt.

Auf Heilpraxis.net scheinen die Autoren ein wenig verpennt zu haben, denn ihr Aprilscherz stammt vom 2. April. Alleine die 2. Überschrift spricht Bände:

Anti-Homöopathie-Gegner planen keine Aktionen mehr

Herrlich! Den Rest kommentiert Bernd Harder – inclusive echter homöopathischer Tipps – auf dem GWUP-Blog.








Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 369 Followern an

%d Bloggern gefällt das: