Die Woche der homöopathischen Widersprüche

10 04 2012

Aktuell haben wir ja die Internationale Woche der Homöopathie. Zeit für den RatioBlog auf eines der absurdesten Homöopathika hinzuweisen, das es überhaupt gibt: Oscillococcinum – das Zeugs, das zwar irgendwie aus Entenleber hergestellt werden soll, das aber bei dieser Potenzierung Verdünnung (C200 = 1:10 hoch 400 – das Abtippen der vielen Nullen erspare ich mir jetzt) absolut gar keine Entenleber enthalten kann. Der Hersteller hatte es im letzten Jahr zu einiger Berühmtheit gebracht, da er drohte einen italienischen Blogger wegen eines kritischen Artikels abzumahnen (es gibt natürlich noch viel mehr Links zu diesem Thema …).

Das Motto der diesjährigen Woche ist sehr interessant: Homöopathie bei unerfülltem Kinderwunsch
In der kurzen Beschreibung werden natürlich auch vermeintlich wissenschaftliche Untersuchungen erwähnt, die zeigen sollen, dass mittels Homöopathie bei Männern die Anzahl der Spermien steigt. Ist das aber nicht vollkommen unhomöopathisch? Müsste nicht bei Männern mit einer hohen Spermienverdünnungpotenzierung mit einer viel höheren Fertilisationsrate gerechnet werden? In etwa so wie in diesem schönen Bild:

Und selbstverständlich gibt es auch das Homöopathikum Sperma hominis

… wobei ich gar nicht darüber nachdenken möchte wie das Zeugs in den verschiedenen Darreichungsformen Globuli, Tropfen und Zäpfchen (die Größe ist leider nicht angegeben) zur Anwendung kommen soll.

Noch schöner ist aber diese Seite. Es geht um “Cousto´s neues Verfahren zur Herstellung von Hochpotenzen für die homöopathische Medizin“, das im Folgenden beschrieben wird. Eindrucksvoll ist schon der Anfang des Textes:

Der Schweizer Mathematiker und Musikforscher Hans Cousto ist durch seine Publikationen über das von ihm entdeckte Gesetz der “Kosmischen Oktave” und den daraus hervorgegangen planetaren Tonfrequenzen weltweit bekannt geworden. Die Planetentöne werden von Therapeuten insbesonders für die Tonakupunktur mit Stimmgabeln angewendet (Ausführliches hierzu unter tune in).

Durch die konsequente Anwendung des Oktavgesetzes und neuer Erkenntnisse aus der Forschung von Hans Cousto im Bereich der klassischen Homöopathie entstand eine vollkommen neue Art der Herstellung von Hochpotenzen. Die ersten Grundüberlegungen basieren auf der Frage, warum eigentlich die Hochpotenzen nach Hanemann im Dezimalsystem hergestellt werden, obwohl weder die chemischen Elemente, noch der genetische Code auf der Basis 10 aufbauen. Sich auf die Schwingungsgesetze der Natur berufend, kam die Einsicht, daß die homöopathischen Hochpotenzen nicht mehr auf der Basis 10 sondern auf der Basis der 8 hergestellt werden müssen!

Der Rest ist so richtig herrlich abgedrehtes Wort- und Zahlengeschwurbel (auch die anderen Seiten dieser Internetpräsenz sind absurd: z.B. die erwähnte “Phonophorese“, also Tonpunktur – eine Art Akupunktur mit Stimmgabeln!!!), dass man fast überliest, dass der Autor hier tatsächlich Spermien schüttelt. Eine völlig neue Potenzierungsschreibweise ist dem Mann auch eingefallen: “CCLVI 16“, also 256 hoch 16. Wenn man bei Erwähnung des “Hare Krishna” Mantras (in voller Länge tatsächlich 32 Silben – passt also zur Basis 8) und irgendwelchen Mandalas als weitere Schüttelhilfsmittel glaubt, das war’s jetzt an Abstrusität, dann setzt der Mann locker noch eins drauf:

Eine Musik zur Begleitung dieser Schüttelvorgänge sollte im Ton G mit 194,18 Hz gestimmt sein, da die Hauptresonanz der DNS-Ketten ein G ist und ein G auch der Tageston der Erde ist.

Und natürlich hilft das:

Die Wirkung dieser Spermahochpotenzen ist übrigens erstaunlich – eine ganze Reihe von Freunden haben mir das schon nachgemacht und sind danach echt geiler geworden.

Nur das Ende dieser Seite ist eine Enttäuschung, ja eigentlich sogar ein Skandal! Der Autor weist auf Nebenwirkungen hin! Seine und seiner Freunde selbstgeschüttelte homöopathische Spermien (das meine ich natürlich nur im Sinne seiner beschriebenen Anweisungen) haben negative Auswirkungen:

Eine ganze Reihe hat allerdings so zwei bis drei Wochen nach Beginn des Einnehmens über Nierenschmerzen geklagt.

Ist das der Preis für’s – na ihr wisst schon? Ist ja nicht allzu hoch, denn …

Diese sind dann aber nach etwa 2 bis 3 Wochen wieder verschwunden (ohne absetzen der Hochpotenz).

Na bitte! Und was machen die – offensichtlich – Jungs dann:

Nun sind wir da am Weiterexperimentieren – und am Genießen der Wirkung !

Die Vorstellung ist betäubend: Ein paar Männer sitzen bei eigenartiger Musik, Mantras murmelnd vor Mandalas … …  und wenn sie nicht gestorben sind dann schütteln sie immer noch, und schütteln und schütteln und schütteln …








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