Katastrophenschnepfe auf Zeitreise

9 05 2013

Eigentlich wollte ich mich ja schon im Januar mit der zweiten der beiden Katastrophenschnepfen aus den Vorjahren beschäftigen, mit Christiane Durer. Ihre peinlichen Schwurbeleien für 2013 hatte ich mir schon damals als pdf heruntergeladen, aber es hat eben ein wenig gedauert. Dabei vermeldet sie schon auf Seite 1 Sensationelles:

Dies war meiner ersten Reise ins Jahr 2013 etwa im Oktober 2012.

Die Frau hat in diesem Satz zwar leichte grammatikalische Schwierigkeiten, behauptet aber in der Zeit reisen zu können. Sensationell! Bleibt natürlich die Frage wieso sie uns dann in den letzten Jahren immer so viel Unsinn erzählt hat … aber egal. Mal schauen, was sie auf ihrer Reise so gefunden hat

Das Jahr 2013 – für Europa und die Welt

OK, das Jahr zu finden war nicht schwer, aber was wird passieren?

Das Jahr 2013 wird ein bedrückendes Jahr. Vorbei der Jahr-­2012-­Untergangs-­Hype. Vorbei das adrenalingesteuerte Warten auf den Weltuntergang.

Richtig! Das mit dem Weltuntergangshype ist tatsächlich vorbei! Aber das wußten wir doch alle schon, denn das war ja 2012 …

Die Welt vieler Menschen ist untergegangen. Nicht nur in Griechenland, Spanien oder Italien.

Ähhh, und wieso jetzt? Hab’ ich da etwas verpasst?

2013 gleicht einem Erwachen in der Realität.

Echt? Sind wir vorher nicht in der Realität erwacht?

Die Welt hat sich total verändert, unmerklich, so wie der Neptun es versprochen hat. Und es ist noch lange nicht zu Ende.

Soooo total verändert hat sich die Welt ja nun doch nicht. Auch wenn es dieser Neptun ja irgendwie versprochen zu haben scheint.

Wir befinden uns in der Phase, in der die EU-­Wirtschafts-­Diktatur errichtet wird. Wir befinden uns mitten im Paradigmenwechsel.

Klingt ja furchtbar! Eine Wirtschaftsdiktatur!

Das Ganze endet innerhalb weniger Jahre in einer feudalistischen Diktatur.

Ja was denn nun? Wirtschaftsdiktatur oder feudalistische Diktatur? Kann sich die Frau nicht entscheiden?

Danach wendet sie sich dem Wetter zu, und heute kann man – rückschauend – sogar so eine Ahnung einer richtigen Prognose erkennen:

Der Winter 2012/13 wird in Europa nicht nur sehr kalt und schneereich

Doch, kalt wars, Schnee gab’s auch, aber davon …

es kommt auch immer wieder zu Stromausfällen

… habe ich irgendwie nichts mitgekriegt. Nach dem kühlen Frühjahr macht sie den Sonnenhungrigen für den Sommer wenig Hoffnung:

Sogar der Sommer 2013 wird kalt

Wenigstens wird aus ihrer Sicht eines nicht passieren:

doch es handelt sich nicht um den Kältesommer, der den von Irlmaier u.a. prognostizierten Russen-Überfall vorausgeht.

Die fünf Seiten sinnloses – und von keinerlei Fachwissen tangiertes – Börsengelaber kommentiere ich jetzt nicht, denn was danach kommt müssten wir doch eigentlich längst in der Tagesschau sehen können:

Doch die Konstellation beschreibt die Zeit, kurz bevor massive Gewalt beginnt. Im April/Mai/Juni erleben wir in Europa Gewalt, Armut,
Bürgerkrieg und Zerstörung.

Blablabla … … und so gehts noch seitenweise weiter. Wobei der Text insgesamt gar nicht so lang ist, denn Frau Durer schafft es zum Beispiel den folgende Satz auf 4 Zeilen zu dehnen:

Unmittelbar nach der Bundestagswahl wird die Bundesrepublik Deutschland massiv attackiert werden und eine ihrer größten Krisen seit ihrem Bestehen stürzen, oder gestürzt werden.

Wir wüssten natürlich schon gerne, wer da das Land attakiert und wie, aber scheinbar war Frau Durer bei ihrer Zeitreise nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, so dass sie sich an die Details nicht mehr erinnern kann. Dafür hat sie noch Prognosen für einzelne Länder auf Lager:

In Spanien und Griechenland bringt der Uranus ab Frühjahr Revolutionen.

OK, vielleicht ist der Uranus mit der Bahn unterwegs und hat Verspätung, bisher war da jedenfalls nix mit Revolution.

Portugal erlebt eine Auflösung der Regierung und die Auflösung verschiedener Gesetze sowie eine schleichende Verarmung.

Eine Auflösung von Gesetzen? Was soll das denn sein?

China In China ist mit Aufständen zu rechnen. Diese enden sehr unerfreulich.

Unerfreulich für wen?

Dazu kommt noch mehr Gefasel übr die USA, Russland, Iran, Schweiz, “United Kingdom” – irgendwie wird’s überall schlimmer, aber was will man von den Prognosen einer ausgewiesenen Katastrophenschnepfe auch anderes erwarten … … ach ja, natürlich, die üblichen Katastrophen:

Die extremen Wetterphänomene, die sich seit einigen Jahren häufen, werden noch öfter und intensiver auftreten. Extreme Hitze und noch extremere Kälte wechseln sich ab. Viele Menschen in einst warmen Ländern erleben Schnee und Eis, und erfrieren, weil sie keine Heizung
haben.
Es ist tatsächlich so, dass all die Katastrophen von Jahr zu Jahr immer häufiger und extremer auftreten. Es wird noch mehr Überschwemmungen und Erdbeben geben als 2011 und 2012. Außerdem kommt es erneut zu Vulkanausbrüchen und Umweltkatastrophen, evtl. sogar zu einer Nuklearkatastrophe.

Darüber hinaus wird die Erde von einem (kleinen!) Meteoriten oder Asteroiden (o.ä. … es könnte auch Weltraumschrott sein) getroffen. Die extremsten Konstellationen finden sich zwischen dem 29. Dezember 2013 bis 4.Januar2014.
Das Jahr 2013 wird ein Jahr der Unglücke. Viele meinen dann, dies hätte mit der Zahl 13 zu tun, doch dem ist natürlich nicht so. Es wird mehr Unglücke geben denn je. Auch Flugzeugkatastrophen, Zugunglücke, Umweltkatastrophen, Naturkatastrophen usw.

Immerhin äußert sie sich auch zu einem Ereignis, auf dessen Ergebnis man wirklich schon gespannt ist, zur Bundestagswahl:

Die Bundestagswahl in Deutschland

Derzeit ist auf jeden Fall erkennbar, dass Angela Merkel ihren unbedingten Machtwillen auch 2013 durchsetzen wird. Sie wird zwar gemobbt werden … aber sie hat jetzt auch wieder viel Glück und Erfolg.
Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, wird 2013 mit noch massiveren Attacken zu kämpfen haben als 2012.

Die Grünen möchten gerne 15% erreichen. An der Spitze steht derzeit Jürgen Trittin. Er kann den Grünen tatsächlich zu diesem angepeilten Erfolg verhelfen. 2013 wird er bei den Deutschen außerordentlich beliebt werden und in vielen Talkshows und anderen öffentlichen Veranstaltungen mit großem Erfolg seine Ideen verkünden.
Für die FDP steht noch kein Spitzenkandidat fest. Falls dies Philipp Rösler mit seiner Sonne Neptun Konstellation sein sollte, wird die FDP 2013 wohl nicht mehr in den Deutschen Bundestag einziehen.

Aha, also Merkel bleibt an der Macht, die Grünen kriegen 15% und die FDP kommt in den Bundestag (Rösler ist ja nicht Spitzenkandidat – aber wieso hat Frau Durer das eigentlich nicht gesehen?). Durchaus möglich, aber als Prognose wirklich sehr sparsam.

Es soll ja vorkommen, dass Frauen sich auf einer Reise einen anzwitschern, und irgendwie scheint Frau Durer sich auf ihrer Reise ins Jahr 2013 auch ganz schön einen angetüdelt zu haben. Wie sonst sollte man erklären, dass sie sich eigentlich an gar nichts mehr so genau erinnern kann? Ansonsten müsste man ja annehmen, dass sie gar keine Zeitreise unternommen hat! Ach nein, dann würde sie ja ihre Leser und Kunden irgendwie betrügen – und das würde man ja niemals behaupten mögen wollen …

(Das war Nummer 35 Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)





Hellseherversagen von der widerlichen Art: Sylvia Browne

7 05 2013

In den USA ist die selbsternannte Hellseherin Sylvia Browne ein richtiger Star. Auch die JREF (James Randi Educational Foundation) hat sich immer wieder mit ihr beschäftigt, ja sie hat sich sogar vor vielen Jahren vor laufenden Fernsehkameras dazu bereit erklärt, sich der berühmten 1.000.000 Milion Dollar Challenge zu stellen:

Natürlich hat sie das dann doch nicht getan (wie andere auch, z.B. Nikki Pezaro), aber wie zynisch es ist zu behaupten, man könne mit Toten reden hat sich erst jetzt wieder gezeigt. 10 Jahre nach ihrer Entführung gelang jetzt in den USA Amanda Berry und zwei weiteren Frauen die Flucht von ihren Entführern. Sylvia Browne jedoch hatte 19 Monate nach der Entführung der Mutter von Amanda Berry im Rahmen einer Fernsehshow mitgeteilt, dass ihre Tochter nicht mehr am Leben sei.

“She’s not alive, honey,” Sylvia Browne told her matter-of-factly. “Your daughter’s not the kind who wouldn’t call.”

Tja, Mrs. Browne – und nun? Haben Sie sich schon entschuldigt?

UPDATE: Hier gibt es ein kurzes Video dazu … … und James Randi hat’s natürlich auch kommentiert.





Frau Haller schaut ins Jahr 2013: Katastrophen und Schwurbeleien

20 01 2013

Im letzten Jahr hatte ich den beiden Katstrophenschnepfen Christiane Durer und Rosalinde Haller einen eigenen Artikel gewidmet, weil sie für 2012 wieder einmal allerlei Katastrophales vorausgesehen hatte. In diesem Jahr werde ich den beiden jeweils eigene Artikel widmen, denn irgendwie werden ihre Prognosetexte immer abgedrehter. Heute also ein Blick nach Wien …

Wie im letzten Jahr hat Frau Haller gleich mehrere Texte am Start. In “Das Jahr 2013” wird’s ziemlich verworren – unter anderem lässt sie gleich zu Beginn folgendes vom Stapel:

Das Thema ist Annehmen und Visionen haben.

OK, das ist schon mal schön geschwurbelt. Später fällt der Dame noch etwas ganz Sensationelles ein:

Verschiedene Gruppen mit auseinander klaffenden Idealen und Weltanschauungen werden aneinander geraten.

So etwas gab es ja noch nie!!! Sonst geraten ja immer die Gruppen mit gleichen Idealen und Weltanschauungen aneinander. Schließlich hat sie noch modische Tipps parat:

Wer sich etwas abgrenzen will, sollte blau und/oder schwarz tragen.

Uns wie wird’s in der Politik? Schauen wir doch im entsprechenden Text nach: Politik 2013. Gleich zu Beginn eine echte (!!!) Prognose – mit ein paar folgenden “Details”:

  • In Österreich sehe ich vorgezogene Neuwahlen.
  • Es wird eine ziemliche Aufsplittung bei den Parteien geben. Die eingesessenen Parteien haben mit Verlusten ihrer Stammwähler zu rechnen. Viele wechseln als Zeichen des Protestes.
  • Stronach und Strache liegen auf jeden Fall über der 10% Marke. Für Fr. Merkel wird es schwierig, sie kommt etwas in die Kritik.

Wieso bei soviel österreichischen Kram dann plötzlich Frau Merkel erwähnt wird ist unklar, was danach kommt schlicht lächerlich:

  • In Deutschland versucht man ebenfalls neu zu wählen, bevor man den Bürgern den Schulden Nachlass für Griechenland nahe bringt. 

Natürlich wird man versuchen in Deutschland zu wählen, schließlich endet die Legislaturperiode des Bundestags. Der Rest ist allgemeines Herumgerate, das ich in rot kommentiert habe:

  • In Ägypten muss Mursi wegen dauernder Unruhe gehen. (ok, kann ja sein) Auch auf Marocco greifen Unruhen über. (von wo aus? Ägypten ist ja weit …)
  • In Lybien erwarte ich eine Machtübernahme. (von wem?????)
  • Den Jemen sollte man meiden. Entführungen sind möglich. (Oha, wieder etwas ganz Neues!)
  • In der Türkei gibt es eine Veränderung punkto Regierungsmitglieder. (irgendein Amtsträger wird sicher ausgetauscht werden – also: genauer bitte!)
  • In Italien kann sich Monti nicht halten. Es kriselt politisch und finanziell. (Hmm – es gibt Neuwahlen, mal sehen was dort passiert)
  • In Griechenland bricht alles zusammen. (Was bedeutet das? Was ist “alles”?????)
  • Im Bereich Palästina – Israel gibt es etwas Erleichterung und die Öffnung eines Grenzüberganges. (Wow! Eine gute Nachricht!!!)
  • In Spanien gibt es ebenfalls Rückritte wegen Geld Problemen, es wird sich aber nichts bessern. (Blablabla!)
  • In Frankreich werden die Menschen zunehmend unzufrieden und gehen auf die Straße. Man wird feindlich gegen ehemalige Kolonial – Bürger eingestellt sein. (Blablabla!)
  • Rumänien stagniert und es gibt Ost Bank Probleme und neue Armut. (????)
  • In Südafrika wird es wieder unruhiger. In 4 – 5 zentral Afrikanischen Ländern gibt es Zusammenstöße zwischen der Bevölkerung bis hin zu Krieg. (… und in welchen Ländern????)
  • In Argentinien kämpft Fr. Kirchner gegen eine neue Abwertung und es gibt auch politische Probleme im Zusammenhang damit. Sie wird nicht mehr wieder gewählt. (sie wurde doch erst 2011 gewählt – muss die 2013 wirklich schon wieder gewählt werden?)
  • England versucht zwar sich aus den EU Problemen weitgehend heraus zu halten. Es wird jedoch nicht gelingen. (Blablabla!)

Zwei Texte von Frau Haller, und noch immer fehlt das Katastrophenfestival. In “Die Farbe des Jahres 2013” ist Solches auch nicht zu erwarten, aber ein paar Zitate lassen irgendwie tief blicken:

  • Anfang des Jahres gibt es Lila Flieder Töne.
  • Im Lauf des Jahres entsteht eine Gelb Schwingung.
  • Es gibt fallweise Spuren von Weiß in der Jahres Aura 2013.
  • Schlussendlich gibt es noch die Farbmischung
  • BRAUN die Farbe der Erde (Erdung, auf den Boden der Tatsachen kommen).

Ich assoziiere die Farbe Blau bei der Erstellung dieses “Textes”.

Wenden wir uns nun dem nächsten Thema zu: “Das Jahr 2013 Wirtschaft – Geld“. Frau Haller beginnt mit einem Satz, den ich hier nicht erwartet hätte:

Die Welt ist – wie von mir vorhergesagt nicht untergegangen.

Wenn sie untergegangen wäre würde das ja auch niemand mehr lesen. Der nächste Satz widerspricht aber einer ihrer letztjährigen Prognose:

Der Euro liegt jedoch in den Endzügen.

Für 2012 hatte sie ja noch das Ende des Euro prophezeit … … aber wie toll sie sich mit Wirtschaftsthemen auskennt zeigt sie danach:

Die Inflation beginnt. Zu viele Schulden, zu viel wertlos gewordenes Geld im Umlauf.

Zu viel Produktionskapazitäten, zu viel unbezahlbar werdende Arbeitsplätze, in Folge die Arbeitslosigkeit und beginnende Deflation.

Ja was denn nun? Beginnt die Inflation oder die Deflation? Scheint für Frau Haller irgendwie das Gleiche zu sein …

Und wo sind jetzt die Katastrophen? Die gibt es im Text”Allgemein Umwelt“, und es ist das übliche Katastrophengeraune. Ein paar Beispiele:

  • In den USA sehe ich einen Vulkan Ausbruch, auch eine große vernichtende Welle auf New York. Allerdings könnte diese auch erst in 1-2 Jahren kommen. Im Süden verstärkte Hurrikans und Tornados samt Überschwemmungen.
  • In Australien eine Tsunami Gefahr.
  • In Japan ist ebenfalls unruhige Energie. Ein 2. Atom – Unfall möglich, aber auch Vulkan, Sturm, Überflutung oder eine Mischung dieser Komponenten dadurch.

Nur die folgende Prognose fällt ein wenig aus dem Rahmen:

  • Sonneneruptionen, Gammastrahlen aus dem All stören die Elektronik auf der Erde und große Stromausfälle sind zu erwarten. Dies kann auch erst 2014 passieren.

Und natürlich gibt es noch mehr bei ihr zum Lesen, so benennt sie Schutzengel und Schutztier (Kafziel und Hanael bzw. Dachs), labert ein wenig über den Mond und es gibt noch ein chinesisches und ein”normales” Horoskop mit allerlei Belanglosem sowie – aktuell – die “Tagesenergien Jäner 2013″. Für den heutigen Tag schreibt sie da:

Sie sollten sich erden, etwas zu sich finden. Ideal wäre dies in der Natur  möglich. Schnelles Wachstum ist energetisch möglich. Sie könnten daher auch größere Anschaffungen planen. Ein hervorragender Tag um Informationen zu sammeln.

Lassen sie eine Portion Urvertrauen zu. Es gibt allerdings noch teilweise ungeklärte Situationen.

Es gibt praktischen Sinn für Gewinn.

Apropos Sinn: Wer in diesen Schwurbeleien irgendeinen Sinn findet, darf ihn gerne behalten.

(Jetzt sind es schon 34 Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)





Historisch-Materialistische Astrologie?

18 01 2013

Auf meiner Suche nach Prognosen für 2013 bin ich auf einen WordPress-Blog gestossen, der sich tatsächlich Historisch-materialistische Astrologie und Magik nennt. Was es damit auf sich hat wird im offensichtlich ersten Artikel auf diesem Blog (als Kommentar ist der Defaultkommentar jedes neuen WordPress-Blogs zu lesen und der Beitrag heißt “Hello World”) “erklärt”, wobei der Anfang erst ‘mal ganz vernünftig klingt:

Für die meisten Marxisten auf dem Planeten Erde ist die Astrologie, wie sie in Presse und Bewegtbildmedien als Waren angeboten wird, eine Sache, die unwissenschaftlich, irrational und allein dem Geldverdienen untergeordnet ist. Scharlatane und falsche Hexen bieten ihre Dienste durch überteuerte Telefonberatungen an, ohne auch nur im geringsten die Sterne oder die Karten für die Menschen deuten zu können. Daher sind ihre Prophezeihungen und Analysen oft beliebig und abstrakt – kurz gesagt falsch.

Was dann folgt ist entweder ein – mehr oder weniger gelungener – Scherz oder das übliche Astrologengelaber a la “alle Astrologen sind Scharlatane – außer mir”:

Die historisch-materialistische Astrologie hingegen steht mit beiden Beinen auf dem Boden der Wissenschaft und gewinnt ihre Erkenntnisse aus der genauen Beobachtung des Sternbildes, seiner energetisch-metaphysikalischen Wirkung auf den Planeten Erde und die auf ihm lebenden Wesen von Baum bis Bauer.

Als Hinweis auf den Scherzcharakter dieses “Konzepts” könnte die folgende Sequenz gelten:

Mit Hilfe vergleichender, historischer Forschung und den technisch hochwertigen High-End-Teleskopen aus der Demokratischen Volksrepublik Korea können wir mittlerweile genaue Lebensanalysen geben und Menschen dadurch in wichtigen Lebenslagen beraten und unterstützen. Uns geht es nicht ums Geld, sondern um den Klassenkampf und den Sieg des Kommunismus über Kapitalismus, Krieg und Krise.

High-End-Teleskope aus Nordkorea und die Astrologie als Mittel des Klassenkampfs? Sehr schräg … … und deshalb kann ich auch die Jahresprognose für 2013 (der zweite und bisher letzte Beitrag auf diesem Blog) nicht unbedingt ernst nehmen. Wenn dann noch wie in folgendem Satz …

Zum Beispiel werden aller Voraussicht nach weitere Regierungen durch die aufbegehrenden Massen gestürzt, was vor allem im südlichen Europa, Analtolien und in Afrika der Fall sein kann.

… eine Regierung von AnaLtolien gestürzt werden soll, dann ist das ein weiteres Kenzeichen für den – meines Erachtens wenig gelungenen – Scherzcharakter dieser Seite. Ganz schräg wird es bei den politischen Voraussagen, denn dort steht doch unter der Überschrift “Politik: die Rückkehr des Sozialismus 2013” tatsächlich Folgendes:

So könnte dies einen haushohen Sieg der Partei DIE LINKE bei den Bundestagswahlen 2013 in der Bundesrepublik Deutschland bedeuten. Unsere Spezialisten in den nordkoreanischen Sternenwarten gehen von einem Wert von über 15% aus und bescheinigen der schwarz-gelben Regierung einen katastrophalen Verlust.

Ja, klar! Ist schon recht! Jetzt geht aber mal schön wieder draußen spielen …

(es bleibt bei bisher 33 Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013 – da das Geschreibsel eh nicht mit einem Namen versehen ist zähle ich es bei den Prognosen nicht mit)





“Astrologie-Irrsinn” in Nürnberg

29 06 2012

Walter Rotter heißt der Mann, der diesen Irrsinn in Nürnberg, genauer: im Nürnberger Rathaus, auslöste. Was war passiert? Der Mann, den die Zeitung als Guru bezeichnet, wollte wohl schon jahrelang irgendwie die Stadt beraten und hatte “bereits erfolglos versucht, im Sozialreferat und beim Schulbürgermeister Fuß zu fassen.” Dann gelang ihm der große Coup: Er überzeugte die Leiterin im “Amt für Wirtschaft” und erhielt darauf hin entsprechende Aufträge dieser Leiterin. Die Mitarbeiter reagierten wohl ein wenig irritiert, als sie bei Personalgesprächen nach genauen Geburtsdaten gefragt wurden und beklagten sich beim Personalreferenten. Ergebnis: Die Leiterin ist ihren Job – und Herr Rotter seinen gut dotierten (2.500 Euro cash für 10 Gespräche mit einem Mitarbeiter) Auftrag los.

So richtig absurd wird die Sache aber dadurch, dass sich Herrr Rotter irgendwie von der Astrologie abzusetzen versucht:

„Ein Astrologe erstellt ein Horoskop. Dazu braucht er neben dem Geburtstag und der Geburtsstunde auch den Geburtsort und das Geburtsjahr“, erläutert Rotter den grundlegenden Unterschied zwischen der Sterndeuterei und seiner sogenannten PQS-Theorie. „Die Charaktereigenschaften eines Menschen werden mit seiner Geburt als Wesenskern definiert. Das heißt, dass mit dem Geburtstag und der Geburtsstunde der Grundcharakter und die Prägung eines Menschen festgelegt wird.“

Also betreibt Herr Rotter was? Nein, nicht vorsagen! Fängt mit “A” an und hört mit “strologie” auf. Mag sein (bzw. ist höchstwahrscheinlich), dass er da eine ganz eigene Variante der Sterndeutung praktiziert, aber es bleibt dabei, dass er alleine aus den Geburtsdaten (Tag und Stunde) irgendwelche Schlüsse über den “Grundcharakter” des Menschen zu ziehen meint – und sich damit von der Astrologie in Nichts unterscheidet.

Außerdem sollte man sowieso ein wenig stutzig werden, wenn man auf den Webseiten von Herrn Rotter folgendes liest:

Ich habe 40 Jahre Menschen studiert, beschreibt Rotter die Vorlaufzeit seines 1999 ausgestellten Patents.

Hmm, 40 Jahre? Eine echt lange Zeit! Aber 1999 ist lange vorbei, auf der aktuellen Homepage schreibt er, er betreibe

empirische Charakterforschung seit 46 Jahren

Schauen wir mal nach: Der Mann ist 1950 geboren, und wenn man seine Aussagen ernst nehmen möchte, dann hat er als 9-jähriger angefangen “Menschen zu studieren” und betreibt seinem 16. Lebensjahr “Charakterforschung”. Er muss ein ziemlich frühreifes Kerlchen gewesen sein, wenn er wirklich so früh angefangen haben sollte … … aber da wäre doch sicher auch Zeit gewesen zu erkennen, dass seine “PQS” genannte Methode nichts anderes als eine weitere astrologische Variante darstellt.

Aktuell wird übrigens darüber gestritten ob das Ganze nun vom Rechnungsprüfer in Augenschein genommen werden sollte. Eine Entscheidung gibt es noch nicht, aber wenn hier tatsächlich Steuergelder in Richtung dieses Astrologen geflossen sind, dann sollte man die dafür Verantwortlichen doch irgendwie auch finanziell in die Pflicht nehmen.





Wer gewinnt heute Abend? Sissi und Rosi oder Nicholas?

19 05 2012

Beim Finale der Fußball-Champions-League heute Abend in München scheinen sich drei Orakeltiere für die kommende Fußball-EM qualifizierrn zu wollen. Und schon jetzt steht fest, dass mindestens ein Tier gewinnen wird.
Die tierischen Tipps sind dabei wenig überraschend:
Die Münchner Dackedamel Sissi und Oktopus Rosi aus dem örtlichen SeaLife Aquarium (ohne Orakelkrake scheinen solche Spielchen – seit Paul’s Glückssträhne bei der WM 2010 – der Öffentlichkeit nicht zumutbar zu sein) sollen die Bayern favoritisieren, das in England lebende Lama Nicholas setzt auf Chelsea.
Ob wir heute den Beginn der erfolgreichen Karriere eines Orakeltiers sehen wird sich dann bei der Fußball-EM zeigen. Das “erfolgreiche” Tier darf sich mit Sicherheit bald am jeweiligen Nationalteam ausprobieren.





Quathemoc verletzt! Nachnominierung oder Weltuntergang?

10 05 2012

In den Wochen vor Fußballgroßereignissen steigt traditionell die Nervosität unter den Fans. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass sich immer wieder nominierte Spieler in Training oder Testspielen verletzen, so dass dann tagelang diskutiert werden kann, ob der Spieler vielleicht doch noch rechtzeitig gesundet oder ob nicht vielleicht doch ein anderer nachnominiert werden sollte. Aber wer interessiert sich schon für eine Fußball-EM, wenn es bei dem in der Überschrift erwähnten Quathemoc um nichts weniger als den Weltuntergang geht?

Denn Quathemoc ist der aus Vulkanstein gefertigte Maya-Schädel, der als einer von 13 am 21.12.2012 im Maya-Land irgendwie den Weltuntergang verhindern soll. So erzählte es zumindest die BILD und beruft sich dabei auf einen Herrn, der hier schon mehrfach erwähnt wurde. Aktuell erzählt der Mann sogar in einem Video ähnlichen Unsinn, nur das mit dem Weltuntergang verkneift er sich und überlässt das dem Schreiberling der Zeitung mit den großen Buchstaben. Blöd ist jetzt allerdings, dass der Schädel heruntergefallen ist und nun im Kinnbereich eine Macke hat:

Die ist zwar – wie man hier sehen kann – minimal im Vergleich zu der im Video dokumentierten Macke des Herrn Kristallschädelschwurblers (… obwohl: Wenn man bedenkt dass der Typ sogar Kristallschädelwasser vertreibt, könnte man auch auf die Idee kommen, dass der Mann nur ganz konsequent Leichtgläubige von der Last ihres monetären Besitzes befreien will), aber ob der Schädel jetzt noch “funktioniert” und zum Beispiel nochmals seinen Namen telepathieren kann oder stattdessen nur noch “AUAUAUAUAUAUAUAUAUAUA” aussendet, das bleibt abzuwarten. Ob das mit dem Aufstieg oder der Weltrettung mit einem verletzten, ja quasi demolierten Quathemoc überhaupt noch funktioniert? Wieso muss eigentlich so ein sensationeller Kristallschädel Schaden nehmen, wenn er von einem profanen Tisch plumpst? Hätte der (ich mein’ den Schädel, nicht den Tisch) nicht zumindest kurzzeitig die Gravitation aufheben können? Oder wenigstens eine Delle im Fußboden verursachen?

Aber vielleicht ist der Kristallschädelfritze sowieso irgendwie getäuscht worden. Vielleicht hat Quathemoc ja gelogen! Der Besitzer des jetzt demolierten Schädelsteins behauptet zum Beispiel, für den 21.12. wären Maya-Schädel in verschiedenen Farben wichtig, die irgendwie zusammen kommen müssten (weil – wir erinnern uns: Die Nazis waren der Überzeugung, dass 13 solcher Schädel existierten. Wer sie zusammenführt, besitzt einen Schlüssel zur Beherrschung der Welt. – Uäääährxxxx!). In diesem Text  kann man lesen, dass es doch einzig und allein um 13 Kristallschädel geht, und die haben (auch in der reichhaltigen Bebilderung) nur eine Farbe …

Nun gut, das mit den 13 Schädeln ist offensichtlicher Unsinn. Außerdem gibt es ein paar mehr davon, laut dieser Meldung sind’s 51! Die stammen übrigens mitnichten von den Maya (dort gibt’s das notwendige Ausgangsmaterial dafür gar nicht) sondern wahrscheinlich aus Idar-Oberstein. Von solchen Ausflügen in die Realität (… oder die deutsche Provinz – womit ich nichts gegen Idar-Oberstein gesagt haben möchte: ich fand das Städtchen bei meinen paar Besuchen durchaus nett) dürften sich Kristallschädeladepten keinesfalls beunruhigen lassen. Vielleicht grübeln die unterdessen darüber, wie man Quathemoc ggf. ersetzen, oder vielleicht auch reparieren heilen könnte. Für Letzteres bräuchte man einen Superkleber, für die Nachnominierung wohl eher einen neuen Schädel. Aber auch hier hilft das Internet:

Hier gibt’s ein Luxusstück für schlappe 2.400 Euro! Sieht genauso aus wie Quathemoc und wenn der Besitzer ein paar bewusstseinserweiternde Pilze (oder Ähnliches) einwirft, wird ihm auch sicher ein neuer Name dafür eingeflüstert werden einfallen (oder er postuliert -ganz langweilig – Quathemoc’s Kristall-”Seelenwanderung”).

Wenn’s dann doch ein Kristallschädel sein soll, kann man sogar Geld sparen. Der hier kostet nur 900 Euro …

… und im gleichen Laden gibt’s übrigens noch viel mehr Kristallschädel, und auch -schädelchen. In verschiedenen Größen und Farben kostet der Spaß zwischen 14,90 € (40 mm) und 433,00 € (13 cm). OK, da fehlt noch eine Kleinigkeit. Die Steine werden zu diesen Preisen quasi nackt angeboten. Der richtige Esoteriker leistet sich natürlich dazu noch die 25 € teure Aktivierung

Ob Klebstoff und eine Portion frische Aktivierung für Quathemoc reichen um den Weltuntergang zu verhindern?





Zweifelhafter Kinderspaß mit Wünschelruten

13 04 2012
In Köln durften sich im Zuge der alljährlich von der örtlichen Sparkasse gesponserten Ferienbelustigung Grundschulkinder tatsächlich in der Handhabung von Wünschelruten ausprobieren. Im Bericht der Lokalpresse (der Artikel in der Kölnischen Rundschau mit dem Titel “Wenn die Wünschelrute ausschlägt” ist derzeit noch kostenlos im Online-Archiv verfügbar – ansonsten habe ich ein schönes Bild der Seite, das in Facebook die Runde machte) wird dabei von der leitenden Scharlatanin Leiterin – einer Frau Klaes, die sich “Baubiologin” nennt und ein so genanntes  “Institut” betreibt – ausdrücklich festgestellt, dass die Kinder ja soooooo “offen” für diesen Mumpitz seien, und eben “nicht so verkopft”.
Und klar, die Kleinen fanden überall Wasseradern, obwohl es die doch – wie mir ein Geologe erläuterte – in dieser Gegend eigentlich gar nicht gibt. Aber das macht ja nichts, Hauptsache die Kids hatten ihren Spaß! “Der kleine Wünschelruten-Lehrgang ist Teil einer Themenwoche der SK Stiftung Kultur der Sparkasse Köln Bonn.“, konnte man in der Zeitung lesen, und weiter heißt es “Zu den Themen Mystik, Kult und Heiligtum in Köln können Grundschüler eine Woche lang verschiedenes lernen, ausprobieren und erleben.” Ach wäre das schön – und für die Kleinen nicht weniger spannend – gewesen, wenn man wirklich erklärt hätte wie das Rutengewese funktioniert. Ein paar kleine, spannende Versuche wären ohne großen Aufwand möglich gewesen – und die Kinder hätten etwas fürs Leben gelernt. Stattdessen gab’s falsche Pseudoerklärungen, wie die folgende:

Durch die Spannungen von Wasseradern kommt es durch die Füße des Rutengängers zu leichten Muskelkontraktionen in den Händen, so dass sich die Ruten bewegen

Nein Frau Klaes! Selbst wenn es Wasseradern gäbe könnten die nicht durch die Füße der Kids Muskelkontraktionen in den Händen auslösen. Das ist lächerlicher Bullshit! Außerdem widerspricht Ihnen da doch dieser Energetiker aus Österreich (diesen “Beruf” gibt’s da wirklich, und in mehreren, hochesoterischen Ausprägungen:  ”Humanenergetik“, “Tierenergetik” und “Lebensraum Consulting“), der die Sache mit dem Rutenausschlag ganz anders erklärt. Laut einem hier abgedruckten und mit einem Video garnierten Interview mit diesem Energetiker sind die Auslöser der Rutenausschläge zwar wie bei Frau Klaes “einfach Bäche, die unter der Erde verlaufen”, aber es ist keine Rede von “Spannungen”.  Der Mann will Folgendes wissen: “dieses fließende Wasser gibt Ionen ab, die den Körper beeinflussen“. Au weia! Hat Frau Klaes damit die Kinder nicht unnötig (!!!) irgendwelchen Gefahren ausgesetzt? Welche Wirkung diese Ionen haben, erklärt der kluge Herr mit dem wirren Mayernamen (oder war das doch umgekehrt?) mit einem eindrucksvollen Beispiel:

Wenn eine Forelle in einem Bach einen Wasserfall nach oben schwimmen muss, nutzt sie diese Ionen. Das Wasser fällt nach unten und erzeugt einen negativen Ionenstrom. Der Fisch springt mehrere Meter hoch und lässt sich sozusagen nach oben tragen.

Tja, esoterische Erklärungen für nicht Vorhandenes können wirklich recht lustig sein. Und nein, eigentlich gefährlich ist das ja nicht:

Die Ionen an sich sind nicht schädlich. Sie sind eigentlich Energiebringer. Wenn man erschöpft und müde ist, sollte man sich einige Minuten auf eine Wasserader stellen. Man wird dann regelrecht aufgeladen. Genau dieser Effekt ist aber beim Schlafen schädlich. Menschen brauchen ihre Ruhephasen. Wenn man dann ständig mit Energie aufgeladen wird, kann der Körper nicht rasten. Die Leute bekommen Kreuzweh und allerlei Beschwerden, für die Ärzte keine Ursache finden können.

Und ja, so einfach ist das! Wenn’s irgendwo zwickt sind die Ionen schuld. Und die bösen Dinger sind wirklich extrem mächtig:

Die Ionen steigen bis zu 100 Stockwerke nach oben und durchdringen alles.

Sie durchdringen sogar Telefonleitungen, wie der Herr zu berichten weiß:

Ich bin auf das Wasser sensibilisiert. Inzwischen kann ich grobe Auskünfte sogar über das Telefon erteilen.

Wow! Und am Ende kommt noch eine Warnung vor Scharlatanen:

“Man sollte auf alle Fälle hellhörig werden, sobald jemand versucht, irgendwelche Geräte zur Entstörung zu verkaufen, Einrichtungen, welche die Wasserionen abschirmen oder ähnliches. Diese Geräte funktionieren nicht.”

Und Frau Klaes? Sie “berät Sie in allen Fragen zur Sanierung, Abschirmung von Elektrosmog und Vermeidung von Belastungen” – auf deutsch: sie labert ihnen einen Ast an die Backe und wird empfehlen das Bett umzustellen. Ob sie auch entsprechende Geräte in einer solchen Nonsens-Beratung  verkaufen will weiß ich nicht, sie bietet aber ein paar lächerliche Entstörungs- und Lebensenergiechips an. Eine Anbieterin von solchem Unsinn auf Kinder loszulassen ist bei Leibe kein Ruhmesblatt für die mit organisierende Sparkasse.





Vermeintliche und echte Aprilscherze – mit und ohne Homöopathie

4 04 2012

Ich bin ja kein großer Freund von Aprilscherzen. Entgehen kann man ihnen kaum, und zumindest in den Medien gibt es immer mal wieder den einen oder anderen, der mir zumindest ein Schmunzeln, wenn nicht gar ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Dieses Jahr war es eine Meldung in Telepolis. Natürlich ist es Quatsch, dass die Bewohner der ehemaligen DDR für ihren damaligen Konsum des Westfernsehens von der GEZ nachträglich zur Kasse gebeten werden sollen. Andererseits – und das macht für mich einen guten Aprilscherze aus – liegt diese Meldung gar nicht so weit neben der Realität. Vielleicht wurde dieser Scherz ja wirklich von dieser echten Meldung inspiriert: Ein Mann soll für die Zeit seiner Obdachlosigkeit GEZ-Gebühren nachzahlen

Wissenschatliche Scherze sind bisweilen schwerer zu entdecken. In Brasilien versuchte der Scientific American mit einer Homöopathiestory den 1. April zu feiern. Den Text selbst fand allerdings nicht nur ich wenig lustig, denn das Ganze könnte ohne eine einzige Änderung tatsächlich in irgendeinem Homöopathiebuch stehen. Das Ganze beginnt – wie hier berichtet wird – so:

Homeopathy is known as an alternative treatment for human beings, but few people know about its utilization on animals, plants, soils, and water. This technique is the target of critiques regarding results and efficacy.  One of them is about the “placebo effect” of its remedies, which do not contain any trace of the raw material used in its preparation. To answer this criticism, a clarification is necessary: homeopathy is not related to chemistry, but to quantum physics, because it works with energy, not with chemical compounds that can be qualified and quantified.

Aber Moment! War das jetzt überhaupt ein Aprilscherz oder meint der brasilianische Scientific American das Ernst? Gibt es überhaupt eine brasilianische Version des Scientific American? Ok, die letzte Frage lässt sich einfach beantworten: Ja, es gibt eine. Um die erste Frage zu beantworten müsste man schon mehr über den Artikel wissen. Auf der verlinkten brasilianischen Internetseite konnte ich ihn nicht finden (das muss aber nichts bedeuten, denn ich kann kein portugiesisch). Ein Aprilscherz auf der zitierenden Seite kann man ausschließen, denn der Artikel trägt das Datum 3. April. So darf also weiter – zum Beispiel hier – darüber diskutiert werden, ob das jetzt ein missglückter Aprilscherz oder völlig missglückte Wissenschaft war. Letzteres wäre viel ärgerlicher!

Bei diesem Beitrag in den Science-Blogs geht es – zum 1.April – auch um Homöopathie, bzw. einen vermeintlichen Beweis dafür. Hier erschließt sich der Scherz auch nicht beim schnellen Querlesen, aber es reichen schon ein genauer Blick auf die ersten beiden Sätze nach der Einleitung:

Behandelt wurden Menschen, die mindestens 5 Jahre an morbus algia imperceptible litten, einer sehr seltenen Schmerzerkrankung des Metencephalon. Die Studie wurde an 5.000 Patienten und Patientinnen in einem Krankenhaus in Barcelona durchgeführt.

Eine sehr seltene Krankheit soll an 5.000 Patienten über 5 Jahre beobachtet worden sein? Das ist natürlich lächerlich, aber noch lächerlicher ist, dass die Krankheit ja “imperceptible”, also gar nicht wahrnehmbar sein soll.

Interessant wird in beiden Fällen sein, ob nicht vielleicht irgendwelche Homöopathen diese Artikel auf ihrer Homepage oder in irgendwelchen Veröffentlichungen als Argument dafür verwenden, dass ja sogar die „richtige Wissenschaft“ sich durchaus positiv zu ihrer glaubensbasierten Pseudomedizin äußert. Dass Aprilscherze – wenn sie gut gemacht sind – durchaus ein längeres Eigenleben führen können, war im Mathlog nachzulesen: Eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung aus diesem SB-Artikel zum 1. April 2009 fand ihren Weg sogar in die deutschsprachige Wikipedia – und wurde erst nach der Veröffentlichung des Mathlog-Artikels bereinigt.

Auf Heilpraxis.net scheinen die Autoren ein wenig verpennt zu haben, denn ihr Aprilscherz stammt vom 2. April. Alleine die 2. Überschrift spricht Bände:

Anti-Homöopathie-Gegner planen keine Aktionen mehr

Herrlich! Den Rest kommentiert Bernd Harder - inclusive echter homöopathischer Tipps – auf dem GWUP-Blog.





Schwachsinn hoch zehn …

3 04 2012

… ist dieser Artikel, in dem es einem BILD-Journalist aus Dresden gelingt in 224 Wörtern bzw. 1284 Zeichen eine rekordverdächtige Anzahl Unsinn unterzubringen. Nicht dass ich von der BILD-Zeitung intellektuell anspruchsvolle Artikel erwarte, aber dieser ist eine absolute Meisterleistung. Es geht um einen 11 cm hohen, schwarzen Schädel “aus Vulkangestein”, der einem Mann gehört (zu dem später mehr), der Reisen zu Kornkreisen organisiert und diesem Steinschädel magische Kräfte zuschreibt.

Angeblich ist der Kopf Tausende Jahre alt und stammt von den legendären Maya. 

Ja! Genau! Angeblich! Übrigens: Man könnte das ganz einfach wissenschaftlich überprüfen … … aber der mutmaßliche Journalist glaubt diesem Mann (zu dem später mehr) offensichtlich alles.

[...] glaubt, dass die Skulptur SS-Chef Heinrich Himmler († 44) gehörte. (5)

Muss es unbedingt diese stinkende, braune Sosse sein? Aber der Mann (zu dem später noch einiges zu erzählen ist) darf seinen Schwachsinn weiter verbreiten:

Der Dresdner dagegen erklärt, er habe recherchiert und herausgefunden, dass Himmler mit Geldern aus dem berüchtigten „Amt Ahnenerbe“ 1937 bis 1939 eine Expedition nach Tibet entsandte.

Für diese Recherche reicht ein kurzer Blick in die Wikipedia (hier die englische Webseite zum Thema) …

Dort sollen die Nazis solch einen Schädel aus einem Kloster geholt haben.

Äh, Moooooment! Wie kommt eigentlich ein Maya-Schädel (Mittelamerika) in ein nepalesisches Kloster (Mitten in Asien)? Das wäre eine einfache Frage gewesen, und die Antwort hätte mich wirklich sehr interessiert. Aber stattdessen gibt es das vermeintliche Gerücht eines eventuellen Schlüssels zur Weltherrschaft:

Die Nazis waren der Überzeugung, dass 13 solcher Schädel existierten. Wer sie zusammenführt, besitzt einen Schlüssel zur Beherrschung der Welt.

Wen interessiert eigentlich, von was die Nazis überzeugt waren? Viel interessanter ist sowieso die Geschichte, wie dieser Mann (zu dem gleich noch ein wenig zu sagen sein wird) den Steinschädel 2009 von jemanden geschenkt bekommen habe will, dessen Vater bei der Verhaftung Himmlers (jetzt reicht’s aber mit dem braunen Zuegs!) dabei gewesen sein soll. Und jetzt wird’s noch mystischer, denn der Schädel hat das dem Ex-Besitzer selbst eingeflüstert:

Sein Vater hätte ihn aufbewahrt. Doch nun forderte der Schädel, der ‚Quauthemoc‘ heiße und telepathisch Kontakt aufnehme, dass man ihn an mich übergebe.

Wow! Ein Kristallschädel mit eigenem, mystisch klingenden Namen, der sich seinen neuen Besitzer (gleich noch mehr zu ihm) selbst aussucht. Und wenn wir schon bei den Maya sind, dann muss natürlich auch noch dieses ominöse Datum aus dem Dezember dieses Jahres verbraten werden:

Ein Maya-Nachfahre hat jetzt Schädelbesitzer aus der ganzen Welt zu einem Treffen in die alte mexikanische Stadt Palenque eingeladen. Ausgerechnet für den 21. Dezember 2012 – dem letzten Tag des Maya-Kalenders, an dem angeblich die Welt untergeht!

Ja, ich habe den letzten Link getürkt! Normalerweise wird auf eine Seite der BILD verwiesen, aber bei Astrodicticum ist dann doch ein klein wenig mehr Information zu diesem Thema zu finden …

Aber nun zu dem Herrn, der hier unkommentiert seine braunen Referenzen und weitere Hirngespinste vorstellen darf, denn den musste ich hier schon des Öfteren erwähnen. Es ist niemand geringerer als der Erfinder der wunderbar lächerlichen Palmblattprognosen, in denen er für 2011/2012 unter anderem Folgendes gelesen haben will:

In den europäischen Metropolen wird es Aufstände geben, die sich zum großen Teil auch gegen dort ansässige Ausländer richten werden. Besonders blutige Kämpfe werden sich in Paris und Rom, aber auch in Madrid, London und Prag abspielen. In Rom wird auch der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche gestürmt. Zahlreiche Würdenträger sterben bei den Plünderungen, auch der Papst, der zwar zunächst fliehen kann, jedoch außerhalb von Rom in einen Hinterhalt von Plünderern gerät.

Was mich außerdem irritiert, ist die Tatsache, dass dieser Mann – ebenfalls aus den Palmblättern – nicht nur folgenden Satz gelesen haben will …

Die Möglichkeit, nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit zu reisen, wird durch Experimente im Jahr 2012 sowohl in der Schweiz als auch in Australien bewiesen werden.

… zu dem er die entsprechende Reise anbietet:

Jeder Mensch träumt vermutlich irgendwann im Leben davon, in eine andere Zeit zu reisen. Aber für die meisten wird das wohl ewig ein Traum bleiben.Wie soll das auch gehen? Unter dem Namen “Time Machine 1212″ hatten vor einigen Jahren ein paar Männer eine Idee, wie dieser Traum vielleicht doch zu verwirklichen geht. Diese Idee ist so simpel, dass man sie ruhig genial nennen kann. In einer einzigartigen Versuchsanordnung setzen nun der Diplom-Physiker Walter Gith, der Diplom-Ingenieur Uwe Aloé und der Ökonom Bernd Siebler als Initiatoren ihre Idee in die Wirklichkeit um. Unter der Annahme, dass ein Zeitreiseverfahren in der Zukunft entwickelt wird, hat das Projekt exzellente Chancen erfolgreich zu sein. Vielleicht wird ja auch gerade diese jetzige Initiative zur zukünftigen Erfindung eines Zeitreiseverfahrens massgeblich beitragen? Wenn am 12.12.2012 keine Zeitmaschine erscheinen sollte, wäre im Umkehrschluss der Beweis erbracht, dass Zeitreisen grundsätzlich nicht möglich sind. Erleben Sie mit uns am 12.12.2012 das “Jahrtausend-Zeitreise-Experiment” in Queensland/Australien.

Immerhin, das Timing der Reise nach Australien erlaubt, dass der entweder-an-alles-Glauber-oder-allen-Schwachsinn-für-sein-Geschäft-ausnutzende Herr Ritter noch rechtzeitig zu diesem ominösen Schädel-Event nach Palenque reisen kann. Meine Prognose für Palenque ist einfach: Leute, das mit der Weltherrschaft wird auch dann nicht klappen, wenn sich dort statt 13 dann doch 3000 Kristallschädelbesitzer einfinden werden …








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