Wer interessiert sich noch für Kornkreise?

16 03 2012

Zumindest im Winter sind die Dinger ja hier, auf der Nordhalbkugel, recht selten zu finden. Dafür gibt es etwas Neues, denn der Winter ist die Zeit der Schneekreise! Und die sehen einfach wunderschön aus. Und dieses Mal ist es auch vollkommen klar, dass es nicht die Außerirdischen waren, die die schönen Bilder in die weiße Pracht gezaubert haben.
Der Künstler heißt Simon Beck und seine Bilder sind einfach atemberaubend! Hier ein Beispiel:





Preisgekrönte Wahrsagerriege

2 10 2011

Bei der diesjährigen Verleihung der IgNobel-Preise wurde gleich einer ganze Reihe von Wahrsagern und Hellsehern die beliebte Ehrung zu teil – und zwar im Bereich Mathematik, weil sie der Welt zeigten, dass man mit mathematischen Annahmen und Rechnungen vorsichtig umgehen sollte. Hier die Begründung im Original:

MATHEMATICS PRIZE
Dorothy Martin of the USA (who predicted the world would end in 1954), Pat Robertson of the USA (who predicted the world would end in 1982), Elizabeth Clare Prophet of the USA (who predicted the world would end in 1990), Lee Jang Rim of KOREA (who predicted the world would end in 1992), Credonia Mwerinde of UGANDA (who predicted the world would end in 1999), and Harold Camping of the USA (who predicted the world would end on September 6, 1994 and later predicted that the world will end on October 21, 2011), for teaching the world to be careful when making mathematical assumptions and calculations.

Klar, alle Genannten hatten für irgend ein Datum das Ende der Welt berechnet, und bei fast allen (der von Harold Camping vorhergesagte 21. Oktober dieses Jahres kommt ja erst noch …) verging der prognostizierte Tag ohne dass irgend etwas Besonderes passierte. Und Camping hatte sich bereits vor 6 Monaten blamiert, da er für den 21. Mai die so genannte Entrückung (“Rapture”) angekündigt hatte – von der die Welt nur deshalb etwas “merkte”, weil sich im Internet nicht wenige Leute ein Späßchen erlaubten und lustige “Rapture-Bomb-Fotos” publizierten.

In Holland versuchte irgend ein Fernsehprogramm den/die beste(n) Hellseher(in) der Welt zu küren – und wurde sogar fündig:

Am Ende steht die Gewinnerin fest: Elisabeth aus Norwegen wird ‘Beste Hellseherin der Welt’.

OK, das Ganze ist nicht neu, in Deutschland durfte im letzten Jahr sogar ein Skeptiker beim Hellseher-Casting in der Jury sitzen. Ob bei dieser Version auch ein Skeptiker dabei war weiß ich nicht, aber wie die Siegerin ihren frischen Ruhm mit einem ersten Statement gleich wieder ad absurdum führte ist glücklicherweise überliefert:

“Ich bin sehr sehr glücklich, ich hab nicht damit gerechnet, ich dachte Sylvia gewinnt!”

Dafür müsste ihr dieser “Titel” doch eigentlich direkt wieder entzogen werden …





Orakeltierfinale: Nelly gewinnt

10 07 2011

Wer hätte gedacht, dass das gestrige Viertelfinalspiel zwischen den deutschen und japanischen Kickerinnen gleichzeitig das Finale im Wettbewerb der Orakeltiere ist? Die Elefantendame Nelly hat dabei ihr 4. Spiel in Folge richtig geraten und darf sich daher als Siegerin wähnen. Wenn im nächsten Jahr die Herren um den Europameistertitel kämpfen kann sie ja versuchen ihren Titel zu verteidigen. Die SeaLife-Aquarien werden bestimmt wieder mit von der Partie sein, und vielleicht auch die vom Radiosender 1Live ins Rennen geschickte Orakelsau – obwohl: die hatte ja den deutschen Damen schon gegen Frankreich keinen Sieg zugetraut.





Acht Kandidaten: SeaLife sucht das neue Krakenorakel

24 06 2011

Nach dem großen Erfolg der Oberhausener Wahrsagerkrake Paul bei der Männerfußball-WM im letzten Jahr (8 Prognosen – 8 Treffer) versuchen die hiesigen SeaLife-Aquarien auch bei der Frauenfußball-WM mit ihren Tieren die Medien zu interessieren. Versuchten es einzelne Dependancen im letzten Jahr noch mit anderen Tieren – z.B. Seepferdchen oder Langusten -  setzen die SeaLife-Werbestrategen in diesem Jahr voll auf die achtarmigen Meeresbewohner. Lola, Otti, Ophira, Sammy, Uli, Stöpsel, Paul (natürlich der II., das Original ist im Oktober letzten Jahres verstorbenen) und Paula heißen laut dieser Meldung die Kandidaten für die Nachfolge der inzwischen sogar mit einem eigenen Denkmal geehrten Orakellegende aus Oberhausen.

Ich sage schon mal voraus, dass sich die mediale Begeisterung für das Orakelteam auf keinen Fall in Paulschen Dimensionen bewegen wird und dass – auch wenn die ein oder andere Krake mehrfach richtig liegt – kaum Kamerateams aus der ganzen Welt vor irgend ein Aquarium pilgern um zu beobachten aus welchem Näpfchen das jeweilige Tier sein Leckerchen holt. Bei 8 Kandidaten ist es übrigens nicht unwahrscheinlich, dass mindestens ein Tier die 3 Vorrundenspiele der deutschen Mannschaft richtig voraussagt – soweit es kein Unentschieden gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgend ein Oktopus bei allen drei Spielen richtig liegt beträgt knapp 40%, für zwei immerhin noch 20% (dafür, dass kein einziger Oktopus bei allen drei Spielen richtig liegt beträgt die Wahrscheinlichkeit ca. 35%).

Jetzt heißt es erstmal abwarten. Zum einen werden  in den nächsten Stunden die ersten Prognosen auf der SeaLife-Seite veröffentlicht und zum anderen könnten ja auch – wie im letzten Jahr – noch weitere Tierorakel auftauchen. Ob der Tierpark in Chemnitz wieder mitspielt? Oder 1Live mit einem Prognosehamster? Nur die Astrologen und Wahrsager scheinen sich nicht für das Thema zu interessieren – irgendwelche Prognosen habe ich von dieser Seite jedenfalls noch nicht gefunden.

Update:

Die Orakelkraken scheinen seit Paul ein wenig Wahrscheinlichkeitsrechnung gelernt zu haben. 3 mal Sieg für unsere Mädels, 3 mal Unentschieden und 2 mal Sieg für Kanada – sieht verdächtig nach Würfeln aus …





Brian-Gedenkfeier in Nürnberg?

22 04 2011

Eigentlich geht mir das ganze religiöse Getue jedweder Art ja am Allerwertesten vorbei, aber hier musste ich schon ganz heftig schmunzeln. In zwei Nürnberger Zeitungen hat ein evangelischer Dingens jetzt Todesanzeigen veröffentlicht, die an das Ableben eines Herrn Jesus Ben Josef im Jahre 34 n.Chr. erinnern. Das Geburtsjahr wird mit 4 v. Chr. angegeben, und jetzt frage ich mich für wen genau denn dann heute Nachmittag um 15:00 Uhr diese Trauerfeier stattfindet. Glaubt man Wikipedia, dann war es nicht der Jesus, als dessen Stellvertreter sich derzeit ein älterer Herr mit dem schönen Zweitvornamen Aloisius wähnt, denn dessen Todesjahr wird ja mit 30 oder 31 n. Chr. angegeben. Vielleicht war ja nur der Name falsch, und man möchte dieses Brians gedenken, dessen gleichzeitige Geburt mit dem etwas bekannteren Jesus (der ja 3 oder 4 Jahre früher gestorben zu sein scheint) in einem bekannten Kinofilm dokumentiert wurde:





Wer glaubt an Verschwörungstheorien?

13 04 2011

Sebastian Bartoschek ist Psychologe und beschäftigt sich ganz ernsthaft mit den unglaublichen Dingen, die manche Menschen für bare Münze nehmen: Verschwörungstheorien. Beim Science-Slam in Berlin hat er kürzlich mit einem Vortrag über seine Forschungen den ersten Platz belegt – schaut’s euch an, der Vortrag ist wirklich gelungen:





Epic Fail bei zielgruppenorientierter Werbung

3 03 2011

Soll ich jetzt “Schreien vor Glück“? Ich bin nämlich auserwählt! Die CNS24 AG (Motto: “the portal for success“) sucht neue Kunden und macht mir eindeutige Angebote weil sie mich für ein

mediennahes Astrologieunternehmen”

hält. Im Anschreiben wird auf andere Startups verwiesen, die der Laden bereits in ihren “Telekommunikations-Wachstumsplänen” unterstützt hat: Zalando und die Astroabzockerschwurbler von Viversum. Letztere hatten sogar eine Exklusivitätsvereinbarung mit dem in Torgau ansässigen Unternehmen, und da diese jetzt ausläuft suchen die dortigen Werbestrategen neue Kunden. Aber es reicht eben nicht, einfach die Verantwortlichen irgendwelcher Webseiten anzuschreiben, die sich auf irgend eine Weise mit Astrologie beschäftigen … … da nützen auch kleine Geschenke (ein DIN A4-Notizblock und ein Mauspad) nichts, man sollte sich bei Marketingmaßnahmen die Empfänger solcher Angebot schon ein wenig genauer anschauen. Wäre ich tatsächlich ein (das wiederhole ich gerne) “mediennahes Astrologieunternehmen“, dann müsste ich zum Beispiel wie folgt kalkulieren:

Wenn ein abzuzockender Kunde Beratungskunde bei einer “MEINER” (nicht Viversum, die kriegen bestimmt Menegenrabatt) Berater bzw. Beraterinnen anruft, dann muss ich an die CNS24 AG pro Minute folgende Preise zahlen (falls es ein Anruf aus dem deutschen Festnetz ist):

  • 0,0099 € für den Kanal vom Kunden zu CNS24
  • 0,0099 € für den Kanal von CNS24 zum Berater
  • 0,005 € für die Bereitstellung des Kanals

das ergibt 2,5ct. pro Minute -  dazu noch die Mehrwertsteuer, dann sind wir bei ungefähr 3ct. oder 0,03€ pro Minute.

Wenn meine BeraterINNEN jetzt 1,99 Euro pro Minute vom Kunden verlangen und dabei nur einen knappen Euro pro Minute ausgezahlt bekommen (so sagte es mir eine ehemalige Beraterin, die allerdings nichts mit Viversum zu tun hatte), dann würde ich ja pro Minute …

Nein, das rechne ich jetzt nicht aus! Das könnt ihr ja selbst machen …

PS: Die Preisliste und den Werbebrief werde ich morgen einscannen und auf Wunsch gerne an Interessierte übermitteln! Das Mauspad werde ich aber behalten!





BGH-Urteil zum Kartenlegen schlägt Wellen

14 01 2011

Das BGH hat gestern kein endgültiges Urteil im Fall der Kartenlegerin, die von einem ihrem Kunden Geld einklagen wollte, bekannt gegeben sondern das Ganze an die Vorinstanz zurückverwiesen. In der Pressemeldung nimmt der BGH wie folgt Stellung:

  • Der III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat zunächst die Annahme der Vorinstanzen gebilligt, dass die von der Klägerin versprochene Leistung objektiv unmöglich ist.
  • [daraus folgt] nicht zwingend, dass der Vergütungsanspruch der Klägerin nach § 326 Abs. 1 Satz 1 BGB* entfällt. Die Vertragsparteien können im Rahmen der Vertragsfreiheit und in Anerkennung ihrer Selbstverantwortung wirksam vereinbaren, dass eine Seite sich – gegen Entgelt – dazu verpflichtet, Leistungen zu erbringen, deren Grundlagen und Wirkungen nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und Technik nicht erweislich sind [...]
  • [Ist dem Kunden klar,] dass die Geeignetheit und Tauglichkeit dieser Leistungen zur Erreichung des von ihm gewünschten Erfolgs rational nicht erklärbar ist, so würde es Inhalt und Zweck des Vertrags sowie den Motiven und Vorstellungen der Parteien widersprechen, den Vergütungsanspruch des Dienstverpflichteten zu verneinen.

Also: Wenn der Kunde wusste, dass er sein Geld für absoluten Nonsens ausgeben würde, dann darf die Kartenlegerin auch Geld dafür verlangen? Ganz klar ist das Ganze ja noch nicht, und das Oberlandesgericht darf jetzt erst einmal eine weitere, möglicherweise entscheidende, Frage klären, die im früheren Urteil gar nicht betrachtet wurde. Es muss nämlich noch geklärt werden,

  • ob die Vereinbarung der Parteien nach § 138 BGB*** wegen Sittenwidrigkeit nichtig ist. In diesem Zusammenhang darf nicht verkannt werden, dass sich viele Personen, die derartige Verträge schließen, in einer schwierigen Lebenssituation befinden oder es sich bei ihnen um leichtgläubige, unerfahrene oder psychisch labile Menschen handelt. Daher dürfen in solchen Fällen keine allzu hohen Anforderungen an einen Verstoß gegen die guten Sitten im Sinne des § 138 Abs. 1 BGB gestellt werden.

Der erwähnte § 138, BGB beschäftigt sich mit den Themen “Sittenwidriges Rechtsgeschäft” und “Wucher” und Satz 1 lautet:

(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.

Mit dieser Frage darf sich nun das Oberlandesgericht beschäftigen …

Inzwischen streiten die juristischen Kommentatoren, was von diesem Urteil zu halten sei. Im GWUP-Blog (mit vielen Links zu Presseartikeln zum Thema) befürchtet der Hamburger Jurist Dr. Jan-Peter Ewert, dass dieses Urteil eher negative Auswirkungen haben wird:

Das heutige Urteil birgt die Gefahr, Tür und Tor für Klagen von Kurpfuschern jeglicher Couleur zu öffnen. Musste in der Vergangenheit der Kunde nur darlegen, dass die vereinbarte Leistung den Naturgesetzen widerspricht, um aus dem Zahlungsanspruch herauszukommen, muss er nunmehr belegen, dass er sich in einer Notlage befand, die ausgebeutet wurde. [...]

Schwieriger wird die Lage für Opfer von Quacksalbern damit aber allemal.

In der Legal Tribune äußert sichProf. Dr. Hans Prütting (Inhaber des Lehrstuhls für deutsches und ausländisches Zivilprozessrecht an der Universität zu Köln) wesentlich positiver und sieht ein ganz anderes Szenario:

Soweit die Wahrsagerin als Klägerin im vorliegenden Fall ihren Zahlungsanspruch mit der verfassungsrechtlichen Garantie der Vertragsfreiheit, der Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses und der Berufsfreiheit untermauert hatte, kommt dem keinerlei Gewicht zu.

Keine der verfassungsrechtlich genannten Garantien erlaubt es einem Wahrsager, betrügerisch zu handeln oder Kunden durch wucherische Vertragsbedingungen zu schädigen. Gleiches würde gelten, wenn ein Wahrsager den Versuch machte, rechtliche Konsequenzen durch vertragliche Vereinbarungen oder gar durch allgemeine Geschäftsbedingungen zu umgehen.

Rechtliche Konsequenz eines wucherischen Geschäfts ist die Nichtigkeit des Dienstvertrags. Die auf Grundlage dieses nun nichtigen Vertrags erbrachten Leistungen erfolgten dann ohne Rechtsgrund.

… und nicht nur das, Prütting sieht sogar gute Chancen, falls der Kunde auf Rückzahlung bereits erbrachter Zahlungen klagen würde:

Der von der Wahrsagerin verklagte Kunde kann also nicht nur die Zahlung gemäß § 821 BGB verweigern. Er kann auch gemäß § 812 BGB alles zurückverlangen, was er der Wahrsagerin gezahlt hat. Hoffentlich hat sie das Geld auf die hohe Kante gelegt. Sie müsste es ja eigentlich gewusst haben.

Dabei hilft die Einschätzung des BGH, dass in diesen Fällen keine hohen Anforderungen an den “Verstoß gegen die guten Sitten” angelegt werden dürfen.

Ralf Neugebauer (Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf und Köln) schreibt in seinem Blog nur vorläufig über das Thema und verweist auf die Tatsache, dass die genaue Begründung des BGH-Spruchs noch gar nicht veröffentlicht ist. In seiner ersten Bewertung schreibt er:

Vertragsfreiheit ist sicher wichtig. Man kann auch durchaus den strengen Standpunkt vertreten, dass Verträge eben eingehalten werden müssen. Wenn sich also alle darüber einig sind, dass Magie nach wissenschaftlichen Kriterien wirkungslos ist, warum sollen sie dann darüber keinen Vertrag schließen dürfen? Genau bei dieser Annahme habe ich aber ein  Problem. Wer glaubt, dass ein Magier in die Zukunft sehen kann, der irrt. Er glaubt ja gerade, dass der Magier mit seinen Mitteln den versprochenen Erfolg erzielen kann. Der Kunde ist sich also gerade nicht darüber im Klaren, dass er sich auf eine unmögliche Dienstleistung einlässt. Ist er damit nicht schutzbedürftig? Insbesondere, wenn man an Fälle wie diesen denkt, in denen der Kunde einen beträchtlichen Teil seines Vermögens für solchen Aberglauben ausgibt.

Er hält das Urteil zumindest für nicht ungefährlich, denn er fährt fort:

Ob es in allen Fällen gelingt, diesen Schutz über das Verdikt der Sittenwidrigkeit zu erreichen, dürfte zweifelhaft sein.

Die Argumentation finde ich übrigens höchst aufschlußreich, endet sie doch in einem typischen Paradoxon a la Catch-22: Wenn alle Beteiligten wissen, dass Kartenlegen (o.ä.) Nonsens ist, warum sollten sie dann einen Vertrag schließen? Wenn ein solcher Vertrag geschlossen wird, dann muss also der Kunde von dem Nonsens nichts gewußt haben und hat damit eine – möglicherweise vorübergehende – “geistige Schwäche” offenbart, die wiederum vom Anbieter nicht ausgenutzt werden darf …

Im Law-Blog von Udo Vetter sind beim diesbezüglichen Artikel die Kommentare das Spannendere, da ansonsten fast ausschließlich die Pressemeldung es BGH zitiert wird. Mein Lieblingskommentar stammt von einem Menschen namens “Lutz” und findet sich in Kommentar Nr. 11:

Wird nicht bei jedem Dienstvertrag nur das Tätigwerden – und nicht der Erfolg der Tätigkeit – geschuldet? M.E. hätte man darauf abstellen können und sich jegliche Ausführungen über eine Unmöglichkeit der Leistung sparen können.

Mit anderen Worten: Der Voodoo-Hexer schuldet eben nur, dass er seine Show abzieht und Nadeln in die Puppe piekst und nicht, dass es bei der betreffenen Person aua macht. Diese Tätigkeit ist nicht unmöglich.

Wenn sich der Voodoo-Hexer im Rahmen der Vertragsfreiheit dazu verpflichtet, bei der betreffenden Person ein aua zu bewirken – ja dann hat er eben Pech gehabt und bekommt – wegen objektiver Unmöglichkeit – kein Geld.

Insgesamt also ein eher diffuses Bild – weder Freibrief für die Kartenleger noch dezidierte Stärkung des Verbraucherschutzes. Für mich erinnert das an ein ganz anderes Thema, bei dem der Markt allerdings viel stärker und viel restriktiver reguliert ist: die Finanzdienstleistungsbranche!

Dort hat der Kunde die Möglichkeit den Verkäufer (bzw. Vermittler) zu verklagen, wenn dieser ihn nicht über alle Risiken der Anlage – schriftlich! – aufgeklärt hat. Wie schön wäre es, wenn dies in ähnlicher Form (die Beschreibung der Risiken bei Finanzprodukten muss nach aktueller Gesetzeslage auch für Laien verständlich sein!) auch bei Kartenlegern, Wahrsagern und Astrologen der Fall sein müsste. Dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Wer das “Kleingedruckte” nicht liest ist definitiv selbst schuld
  2. Ohne entsprechende Hinweise sind diese Verträge nichtig (und der Kunde muss nicht zahlen)

OK, ich weiß natürlich, dass auch die Gesetze zur Regulierung der Finanzdienstleister, Banken und Versicherungen noch alles andere als perfekt ist, aber immerhin ist es ein Schritt in die richtige (d.h. den Verbraucher/Kunden schützende) Richtung. Im esoterischen Zukunftsschwurbelmarkt ist man leider meilenweit von solchen Regelungen entfernt. Dabei gab es sogar schon mal eine entsprechende Gesetzesinitiative, die allerdings im Sande verlaufen ist. Der Gesetzentwurf  zielte eigentlich eher auf das Geschäft mit irgendwelchen Psycho-Seminaren und war ebenfalls noch nicht perfekt, aber alleine §2 Abs. 1 und 2 würden die Kunden erheblich besser stellen:

§ 2 Form und Inhalt des Vertrages
(1) Verträge nach § 1 bedürfen der Schriftform.
(2) Die Vertragsurkunde muss Angaben enthalten

  • über die genaue Bezeichnung und zustellungsfähige Anschrift des Unternehmers, bei juristischen Personen und rechtfähigen Personengesellschaften auch über die Person des gesetzlichen Vertreters,
  • zur genauen Beschreibung der Leistung und des angestrebten Ziels einschließlich
    • einer kurzen Beschreibung der angewandten Methode,
    • der vertretenen ethischen Werte und
    • der theoretischen Grundlagen,
  • über die berufliche Qualifikation der Personen, die die Dienstleistung erbringen,
  • über Art sowie die voraussichtliche Anzahl und Dauer der Veranstaltungen,
  • darüber, ob die Veranstaltungen in Gruppen oder einzeln durchgeführt werden sollen,
  • über den Gesamtpreis sowie den Einzelpreis je Veranstaltung,
  • darüber, ob Begleitmaterial erworben werden muss, und welche Kosten hierdurch entstehen,
  • darüber, ob der Vertragsgegenstand Teil eines Gesamtkonzepts ist, und über den Preis der hierzu gehörenden Leistungen,
  • darüber, welche Risiken und Nebenwirkungen die angewandten Methoden haben und
  • welcher Personenkreis hierdurch gefährdet sein könnte.

So heißt es erst ‘mal abwarten – irgendwann wird es eine weitere Entscheidung des OLG Stuttgart geben und ich bin schon mal gespannt wie das jetzt ausgeht …





BGH, BGB und Tarotkarten

14 12 2010

Das Bürgerliche Gesetzbuch ist eine bisweilen verstörende, aber manchemal auch durchaus spannende Lektüre. Um die richtige “Übersetzung” einiger Paragraphen aus dem BGB ging es in einer Sitzung des Bundesgerichtshofs vom 2. Dezember 2010. Die Robenträger mussten sich mit einem Fall auseinandersetzen, das hier bereits im Juni Thema war und eigentlich auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 8.4.2010 zurückging – die Bezahlung einer Tarotkartenlegerin.

Es ging dabei natürlich um Bares, genau um 6.723,50 Euro. Diese wollte der Kunde im Januar 2009 einer Kartenlegerin nicht mehr zahlen, nachdem er im Laufe des Jahres 2008 sage und schreibe 35.000 Euro an die Dame abgedrückt hatte und berief sich auf den einschlägigen Paragraphen 275 Abs 1 des BGB:

§ 275 Ausschluss der Leistungspflicht

(1) Der Anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist.

Nun ja, irgendwelche Schicksalsberatungen auf Basis von Tarotkarten sind nun mal nicht möglich, für niemanden. Deshalb muss in diesem Falle außerdem § 611 bemüht werden:

§ 611 Vertragstypische Pflichten beim Dienstvertrag

(1) Durch den Dienstvertrag wird derjenige, welcher Dienste zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

… und da diese zugesagte Leistung schlicht und einfach nicht erbringbar ist, kann die Dame eben dafür keine Zahlung verlangen. Die Leitsätze des Urteils lassen eigentlich keine Fragen offen:

Das Versprechen einer Lebensberatung, die sich auf die magischen Kräfte gelegter Karten gründet, ist auf eine im Rechtssinn unmögliche Leistung gerichtet. Ein Honoraranspruch für diese Leistung besteht nicht.

Das Urteil erwähnt sogar explizit, dass es sich um andere Fragen dieser “Dienstleistung” gar nicht gekümmert hat:

Dahinstehen kann im Übrigen auch, ob der Wuchertatbestand gegeben ist (§ 138 Abs. 2 BGB), nachdem die Preise der Klägerin sich deutlich von den Preisen abheben, die im Internet regelmäßig für telefonisches Wahrsagen verlangt werden (0,99 EUR/min).

Ich bin schon mal gespannt, zu welchem Ergebnis das BGH bei der Beurteilung dieses Falles gekommen ist – am 13. Januar (kein Freitag) wird das Ergebnis veröffentlicht werden und es bleibt zu hoffen, dass solcher Abzocke in Zukunft mit Verweis auf dieses Urteil ein Riegel vorgeschoben werden kann.





Fundsache

9 08 2010

Diese Zitate sind überwiegend extraklasse, aber meine Top 5 möchte ich trotzdem hier nochmals herausstellen (Nummerierung siehe Link):

7. Religion is regarded by the common people as true, by the wise as false, and by the rulers as useful. – Seneca the Younger

29. It will yet be the proud boast of women that they never contributed a line to the Bible. – George W. Foote

38. To say that atheism requires faith is as dim-witted as saying that disbelief in pixies or leprechauns takes faith. Even if Einstein himself told me there was an elf on my shoulder, I would still ask for proof and I wouldn’t be wrong to ask. – Geoff Mather

45. A lie is a lie even if everyone believes it. The truth is the truth even if nobody believes it. – David Stevens

102. People who don’t like their beliefs being laughed at shouldn’t have such funny beliefs. – Anonymous

OK, der Rest ist auch klasse, aber ich wollte ja ncht einfach nur kopieren … … den darf ich den Nichtlinklickern aber nicht vorenthalten:

89. Atheists will celebrate life, while you’re in church celebrating death. – Anonymous








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