Kleiner Bettelpost

11 05 2013

Es gibt Dienste im Web, die müsste man sofort erfinden, wenn es sie nicht schon gäbe. Nein, ich meine nicht facebook oder Twitter, ich meine einen der genialsten kleinen Dienste, den das Web zu bieten hat:

WebCite®

Das Problem ist Folgendes: Egal ob für einen Blog oder für eine wissenschaftliche Arbeit, das Zitieren von Internetquellen ist nicht ganz trivial. Während man bei dem Zitieren von Texten aus Büchern durch die Angabe des Buches und der Seite, von der das Zitat stammt, auf der sicheren Seite ist hat man bei Quellen aus dem Internet das Problem, dass diese sich jeder Zeit ändern können.  Was tun? Die Webseite ausdrucken, einen Screenshot ziehen oder einfach auf der Festplatte speichern? Alles nicht so optimal! Und genau hier hilft WebCite® ein.

WebCite® sichert Webseiten im aktuellen Zustand, und liefert dafür eine spezielle WebCite®-URL (die außerdem noch Datum und Uhrzeit der Speicherung erfasst).  Damit ist es viel leichter und effektiver Quellen aus irgend welchen Webseiten zu benutzen (ok, es gibt Webseiten, bei denen das mit WebCite® nicht funktioniert – diese sind aber eher selten). Ein wunderbarer Dienst, der nicht einmal etwas kostet. Allerdings st dieser Dienst jetzt gefährdet, denn die Betreiber melden auf ihrere Webseite folgendes:

WebCite will stop accepting new submissions end of 2013, unless we reach our fundraising goals to modernize and expand this service.

OK, das Projekt braucht Geld, und ich habe auch schon brav meinen Obulus geleistet, damit dieser Dienst weiter bestehen kann. Ich fände es schön, wenn noch mehr Leute dieses Projekt mit einer kleinen Spende unterstützen würden. Nähere Informationen gibt es übrigens bei FundRazr.

Also Leute, gebt reichlich für einen guten Zweck, auch wenn diese Spende nicht von der Steuer abgesetzt werden kann.





Walulis kuckt Astro TV

30 09 2012

Nur kurz ein paar Minuten aus “Walulis sieht fern“. Bei seinem Blick auf den TV-Wahnsinn hat Walulis auch bei Astro-TV Station gemacht und einfach mal ein Beispiel des Herrn Kreibich überprüft:

Klar, die Abzocke mit solchem Kram ist eine absolute Sauerei. Eigentlich unvorstellbar, dass jemand ernsthaft glaubt, dieser Clown würde tatsächlich diese Steine aus Bermuda holen. Und er hat ja noch mehr auf Lager, zum Beispiel das:

Solche Dinge gibt es dann noch in mehreren Farben, und immer beträgt der Preis satte 90 Euro (fast). Dabei muss man dar nicht bei dem Herrn K. bestellen, wenn man sich solches Zeugs anschaffen will:

Sieht doch genau so aus, oder? Ist auch genau so groß:

Kostet aber wesentlich weniger:

Ich hoffe ja, dass Herr Kreibich wirklich bei diesem ebay-Anbieter seine Steine bestellt hat, denn dann war der Umsatz bisher nicht allzu hoch:





Frau M. kennt einen Anwalt …

14 03 2012

… und der hat ihr – wenn man der mir zugesandten Mail glauben möchte – verraten, dass sie hier im Blog erwähnt wurde. Ihrer Meinung nach würde mein Beitrag gegen §824 BGB bzw. §1004 BGB verstoßen, außerdem hätte ich durch das Zitieren einiger Passagen ihrer Homepage (ohne vorher nachzufragen) das Urheberrecht verletzt …

Um welchen Beitrag es sich dabei handelt hat sie allerdings nicht geschrieben – ob’s der war, den ich vor 1081 Tagen online gestellt hatte?

Aber wenn die Frau schon einen Anwalt kennt, dann sollte sie sich von diesem ‘mal §275 BGB (insbesondere Abs. 1) erklären lassen. Darunter dürften nämlich ihre vielfältigen Angebote fallen. Außerdem sollte der Rechtsanwalt die Dame auch auf dieses Gesetz hinweisen, insbesondere auf §3 und §6, Abs. 2.





Hochprozentige Trefferquote: Whiskey, Werbung und die Zukunft

26 02 2010

Auf der Webseite von der Computerzeitschrift PC-Welt gibt es aktuell einen sehr schönen Artikel über eine ganz spezielle Art der Zukunftsprognose. Unter dem Motto “Für Männer, die über das Morgen hinausplanen” warb die Whiskeymarke “Seagram” in den 40-er Jahren mit einer ganzen Reihe von  Spekulationen über zukünftige Technologien, die man – aus heutiger Sicht – als weitgehend zutreffend bezeichnen kann. OK, das gilt glücklicherweise nicht für alle Utopien der damals offensichtlich sehr technikgläubigen Werbefritzen, denn ob man wirklich die Wüsten mittels Atomkraftwerken in blühende Landschaften verwandeln sollte, darüber könnte man trefflich streiten. Andere der vorausgesagten technischen Neuerungen sind heute längst im Alltag angekommen – entweder genau so wie es die schönen alten Bilder zeigen oder doch zumindest in verblüffend ähnlicher Form:

  • 3D-Kinofilme gab es in der Realität erst 9 Jahre später (… das Highlight des 53/54-er 3D-Kinohypes dürfte der herrliche Horrorklassiker “Der Schrecken vom Amazonas sein” – vor einigen Jahren hab’ ich den mal in 3D in einem Kino gesehen und war wirklich begeistert, auch wenn die damalige Technik natürlich nicht mit heutigen 3D-Werken a la Avatar vergleichbar ist)
  • das Radiotelefon sieht zwar nicht aus wie ein heutiges Handy, aber es soll wohl so funktionieren (und das die Mikros eines Headsets heute sehr viel kleiner sind konnte man sich damals wohl schelcht vorstellen).
  • im Bild zur Kommunikation der Zukunft sieht das Mobiltelefon schon ziemlich genau so aus wie ein Handy der ersten Generation aus den 90er Jahren, und auch die anderen Ideen waren alles andere als abwegig auch wenn die technische Realisierung einen etwas anderen Weg genommen hat.

Unter den weiteren, vorausgesagten Innovationen befinden sich die von den heutigen Flughäfen bekannten Laufbänder, Bildtelefonie, Flachbildschirme in Kneipen und das wunderscöne Zukunftsbüro, bei dem ledigklich das Design der Geräte nicht dem heutigen Geschmack zu entsprechen scheint. Insgesamt wirklich sehr schöne “Prognosen” mit einer “Trefferquote”, die Hellseher, Wahrsager und Astrologen vor Neid erblassen lassen müsste, denn deren Trefferquote scheint im Vergleich dazu lächerlich gering.





Bundesagentur zahlt für Astrologieausbildung???

18 09 2009

Noch nicht könnte man erleichtert aufatmen. Aber wenn schon die Österreicher solche Ausbildungen Scharlateneriekurse fördern, dann probieren einschlägige Anbieter natürlich auch hierzulande irgendwie an die öffentlichen Fördertöpfe zu gelangen.  In einer Meldung auf Astrologie.de spricht Helen Fritsch schon mal vorab ganz gezielt Arbeitslose an und wirbt für ihre Ausbildung zum Astrologen/ zur Astrologin mit folgender Überschrift:

Arbeitslos und an einer Astrologie-Ausbildung interessiert, die 100%-ig durch die Bildungsagentur für Arbeit finanziert wird?

Weiter heißt es in der Meldung:

Unsere Ausbildung ist staatlich zugelassen und voraussichtlich ab 1. Oktober 2009 nach AZWV- zertifizert. Das bedeutet für Arbeitslose, dass eine 100%-ige Finanzierung der Ausbildung über Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit möglich ist!

OK, das heißt also, dass diese Ausbildung noch nicht AZWV-zertifiziert ist, die Ausbildungsträger jedoch bis Anfang nächsten Monats mit einer Zertifizierung rechnen. Tatsächlich findet man in der Systematik auf KURSNET, dem Portal für berufliche Weiterbildung, unter C771-14-c5 (das sind die  Fortbildungen zu Astrologie, Graphologie und parawissenschaftliche Therapien) 14 Kursangebote,  die allerdings derzeit noch nicht über Bildungsgutscheine finanziert werden können (man kann bei KURSNET nach Kursen filtern, für die Bildungsgutscheine eingesetzt werden können).

Hoffentlich bleibt das auch so, es ist ja schon schlimm genug, dass in KURSNET seitenweise esoterische Nonsensfortbildungen aufgelistet werden. Sollten Astrologie-Ausbildungen tatsächlich über Bildungsgutscheine – und damit von der Allgemeinheit -  finanziert werden können, dann spricht nichts dagegen, dass auch für den Besuch der folgenden (Online-)Kurse Bildungsgutscheine eingesetzt werden können:

  • Aufzucht und Haltung von Dinosauriern” (im Bereich Tierzucht, -pflege, -haltung), immerhin gibt es dazu ein wunderbares Lehrbuch (das man vor einigen Jahren als Spektrum-Abonnent in einer pdf-Version herunterladen durfte)
  • Ausbildung zum “Gästeführer(in) Atlantis” (im Bereich Reiseleitung, Fremdenführung), analog der sicherlich hervorragenden Ausbildung “Gästeführer(in) Eifel” – mit dem kleinen Unterschied, dass das Reiseziel nicht so genau festglegt ist. Die Lokalisierungshypothesen erfordern ja Reisen in eine ganze Reihe touristisch interessanter Gegenden (die dann natürlich auch über die Bildungsgutscheine bezahlt werden sollten) …
  • “Tastaturbedienung per Telekinese” – ein Kurs zur Optimierung der Computer-Skills: Kaum gedacht bewegen sich die Tasten automatisch, und das unabhängig davon ob nur Texte abgetippt oder komplexe Programme geschrieben werden sollen (für den Bereich EDV-/IT-Grundlagen)

Weitere Kursvorschläge nehme ich gerne entgegen – die Gründung eines Ausbildungsinstituts dürfte ja nicht allzu schwer sein. Und die Zertifizierung wird mit dem Verweis auf die Astrologie dann ganz bestimmt auch klappen.

Ich muss mur mir nur noch Gedanken um die Kosten machen – immerhin schlägt die Anerkennung laut Bundesgesetzblatt (siehe letzte Seite) locker mit 10.000 Euro zu Buche. Ich glaube ich mach’s wie Frau Fritsch: Bei etwas über 2000 Euro pro Kurs (das verlangt sie nämlich) brauche ich nur 6 Ausbildungswillige um aus dem Minus zu kommen …





Der Paungger-Poppe-Zahlenwahn: Primitivnumerologie

14 08 2009

16 Jahre nach dem Mondschwurbel-Megaseller “Vom richtigen Zeitpunkt” (… und vieler folgender “Mondwerke” voller unsinniger,  unbelegter und teilweise gefährlicher Behauptungen – mondgläubige Menschen aus meinem Umfeld wollten z.B. wichtige Operationen verschieben weil der Mondkalender irgendwelche Gefahren herbeifantasiert hatte) wagt sich das Bestsellerautorenpaar Johanna Paungger-Poppe und Thomas Poppe an ein neues Thema: In ihrem neuesten Machwerk behauptet Frau Paungger-Poppe sich an weiteres Geheimwissen von Tiroler Bergbauern erinnern zu können. Spielte das Mondgefasel der Autoren immerhin noch zumindest teilweise mit den bekannten (falschen!) Mondmythen, so behauptet sie jetzt sich an etwas ganz anderes erinnern zu können:

Mit diesem Buch möchte ich Sie mit einem ganz besonderen Kapitel des Lebens auf unserem Tiroler Bergbauernhof bekannt machen: mit dem alten Wissen, welch weit reichenden und einschneidenden Einfluss die Zahlen des Geburtsdatums haben.

Ob sie diesen Satz tatsächlich glaubt weiß ich nicht – in jedem Fall verkauft sich vermeintlich altes Wissen unter Esoterikern immer gut – man muss sich nur auf irgend eine Gruppe von Leuten berufen denen man entweder selten im Großstadtalltag begegnet oder die ganz weit weg wohnen. Frau Paungger-Poppe hat sich für ersteren Weg entschieden und da hilft es natürlich, dass sie tatsächlich aus Tirol stammt. Über ihre abstruse Numerologievariante namens “Tiroler Zahlenrad” schreibt sie:

Für das Leben mit dem Zahlenrad gab es bei uns keine Lehrbücher, es gab keine „einführenden Gespräche” in der Familie. Wir wussten, wie sicher seine Anwendung funktioniert, wir wussten aber nicht, warum sie funktioniert. Wir lebten damit, erfuhren fast täglich seinen Sinn und Wert, und damit ließen wir es bewenden. Wir nahmen es so selbstverständlich hin wie den Lauf der Jahreszeiten, wie den Donner nach einem Blitz. Das Zahlenrad war uns in Fleisch und Blut übergegangen, es nicht anzuwenden wäre uns verrückt, seltsam, unsinnig vorgekommen. Den Rest des Beitrags lesen »





Joghurtstudien

10 08 2009

Im März hatte die Verbraucherorganisation foodwatch den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge an den Marktführer im Geschäft mit probiotischen Joghurts verliehen. Dass da intensiv mit wissenschaftlichen Studien geworben wird ist nichts Neues, seit einiger Zeit darf sich in einem Werbespot sogar ein junger Mensch als Teilnehmer einer Studie outen und strahlend verkünden, dass er die Joghurtplörre (sorry, das Zeugs schmeckt mir einfach nicht!) inzwischen freiwillig jeden Tag aus den kleinen Fläschlein nuckelt. Aber warum blenden die bloß immer zusätzlich noch etwas klein Gedrucktes ein? Dort liest man dann irgendetwas von “im Rahmen einer gesunden Lebensführung” und ich frage mich dann immer, warum ein Mensch mit einer gesunden Lebensführung überhaupt noch irgendwelche zusätzlichen “Hilfsmittel” brauchen soll …

Inzwischen ist in “Service Gesundheit” auf wdr5 ein kurzer Bericht zum Thema Studien zu probiotischen Joghurts (zum Nachhören hier) erschienen, und die wissenschaftlichen Ergebnisse scheinen – im Sinne der probiotischen Joghurts wohlwollend ausgedrückt – zumindest zweifelhaft.

Ob die Qualität der Studien, auf die sich der Hersteller beruft, wirklich so schlecht ist, wie das der Wissenschaftler im Bericht erwähnt lässt sich übrigens für einen Laien wie mich nicht direkt nachprüfen: Actimel hat lediglich die Abstracts verschiedener Studien verlinkt,  und dort kann man – wennn man sich von unten nach oben hangelt – zunächst mal lesen, dass bei Ratten, Ratten und Mäusen irgendwelche Effekte zu beobachten sein sollen. Schaut man in die Abstracts der  als “Beweis” angegebenen klinischen Studien, so werden die Fragezeichen nicht kleiner. In einer doppelblinden und placebo-kontrollierten Studie wurden 135 Senioren (Durchschnittsalter 74) untersucht, die mit Antibiotika behandelt wurden. Dass in der Probiotikgruppe nur 7 von 57, in der Placebo-Gruppe jedoch 19 von 56 Testteilnehmern an Durchfall erkrankten (und damit ein signifikantes Ergebnis erzeugten) ist durchaus interesant, aber mich würde auch interessieren, was mit den restlichen 22 Personen aus dem Test passierte und ob bzw. warum diese Studie die Werbeaussagen rechtfertigen kann wenn ich keine Antibiotika nehme. In einer anderen Studie, in der es ebenfalls um Durchfall ging, steht sogar im Abstract, dass sich ein Unterschied lediglich bei der “stool consistency” ergab – was diese “Ausscheidungskonsistenz” mit den Werbeaussagen (gestärkte Abwehrkräfte!) zu tun haben soll erschließt sich mir nicht. Nach einer weiteren Studie kommen etwa die Hälfte der mit dem Joghurt eingenommen Lactobacillus casei DN-114 001 im Darm an, mehr als ein Viertel verlässt diesen jedoch auch wieder. Bei 2 anderern Studien war die Anzahl der Probanden recht gering (12 gesunde Personen bzw. sieben Freiwillige), so dass man die vollmundigen Versprechungen wohl kaum damit begründen kann. Zumindest kann ich mir das nicht vorstellen, aber vielleicht kann das jemand vom Fach erklären, der nicht unbedingt auf der Lohnliste der Joghurtproduzenten steht.

Aber was soll’s, das Ganze ist Werbung! Und wer diesen Aussagen blind vertraut, der hat eh nix kapiert. Gleich zu Beginn des wdr5-Beitrags weisen die Autoren übrigens darauf hin, dass schon vor hundert Jahren Joghurt mit Bildern von “steinalten bulgarische Bauern” beworben wurde – heute muss eben die Wissenschaft herhalten und man nutzt – durchaus geschickt – aus, dass die meisten Konsumenten über Wissenschaft ebenso viel wissen wie damals über bulgarische Landwirte.





… und wieder keine SoFi-Katastrophe

22 07 2009

Heute morgen gab es eine Sonnenfinsternis in Asien und wie vor knapp 11 Jahren in Europa haben die üblichen Katastrophenpropheten mit ihren Voraussagen mal wieder nicht Recht gehabt. Waren es 1999 bei uns eine ganze Reihe von Nostradamusdeutern sowie die bekannte schweizer Sternverdeuterin Elisabth Teissier, die im Zuge der damaligen Sonenfinsternis gar schröckliche Katastrophen befürchteten so waren es hier ziemlich konkrete Voraussagen von Erdbeben und möglicherweise drohenden Tsunamis, über die Florian in seinem Blog Astrodictuicum Simplex berichtete. Die Prognose war dabei sogar überaus genau …

6+ Magnitude Quake on 22 July 2009 at 3:00 pm Local Japanese time. This will be follower by two level 5+ Earthquakes and a Tsunami between 5:00 pm and 7:00 pm. The tsunami will start out in the pacific ocean (to the South East of Japan … Along the fault line) and hit all the islands to the south west of Japan, Indonesia and even reach New Zealand. The major quakes will actually be along the fault lines inthe Ocean.

… und stützte sich übrigens nicht auf irgend einen alten oder neuen Propheten, sondern die Autoren beriefen sich auf Simulationen der Wirkungen der Gravitationskräfte auf tektonische Platten. Was die Autoren hier simuliert haben wollen ist jetzt egal, denn die Realität war es offensichtlich nicht. Viel spannender und schöner sind die ebenfalls bei Florian zu findenden Bilder der Sonnenfinsternis

Dass die Sonnenfinsternis auch hierzulande die esoterische Beraterbranche inspirieren soll zeigen die heutigen Pressemeldungen des Beraterportals viversum. Die auf Businessportal24.com und PresseEcho.de veröffentlichten Werbetexte sollten ja eigentlich gleich sein, doch scheinen den für die Veröffentlichung zuständigen Mitarbeitern nicht bekannt zu sein, wie man Links in eine Pressemeldung setzt. So liest sich das Ganze jetzt bei Businessportal24 eigenartiger Weise so …

Einer der führenden Anbieter für Astrologie viversum, Horoskope viversum und Esoterik viversum ist viversum.”

… während bei PresseEcho wenigstens noch die – sicher beabsichtigten – Links zu erkennen sind …

Einer der führenden Anbieter für Astrologie http://www.viversum.de/astrologie.php, Horoskope http://www.viversum.de/horoskop.php und Esoterik http://www.viversum.de/esoterik.php ist viversum.

… die jedoch nicht funktionieren. Die Beschreibung der Sonnenfinsternis ist auch ein wenig seltsam geraten – oder erinnert sich irgendjemand an einen aus der Sonne herausbrechenden Mond im August 1999?

Das besondere an einer Sonnenfinsternis ist, wie am helllichten Tag das Sonnenlicht seine Kraft verliert und die Farben langsam verblassen, bis hin zu dem Moment, wo aus der leuchtenden Sonnen heraus der Mond hervorbricht.

Immerhin stimmt das Ende irgendwie:

Der faszinierende Anblick der zart leuchtenden Sonnenkorona ist überwältigend.

Was das mit dem folgenden Werbeblabla über Astrologie zu tun haben soll, das ist den Autoren der viversum-Meldung wohl ebenso schleierhaft wie das Setzen von Links in Texten …





Astrologen auf Tour: Der Lehmann-Clan (mit kleinem Update)

15 06 2009

Der Name Lehmann wird seit dem Spätsommer 2008 in der Öffentlichkeit meist mit der Pleite einer Investmentbank und deren Folgen für die Anleger in Verbindung gebracht. Der Name steht aber auch für eine andere Art monetärer Verluste: Die Mitglieder des Lehmann-Clans – selbst ernannte (Diplom-)Parapsychologen, Astrologen und Handleser – ziehen auf ihren “Tourneen” durch Deutschland, Österreich und die Schweiz regelmäßig leichtgläubigen Kunden dreistellige Eurobeträge für ein Stündchen Palaver aus der Tasche – und manchmal sogar mehr. Und das nicht erst seit gestern, denn bereits 1993 erwähnt der Focus-Artikel “Blendkraft der Sterne” den Lehmann-Clan:

Den „Vulgär“-Astrologen sind auch die „Tournee“-Astrologen zuzuordnen, die von Stadt zu Stadt pilgern und – angekündigt von der Lokalpresse – ihre Deutersessions abhalten. Besonders aktive Mitglieder des fahrenden Astro-Volkes: Madame Indira (bürgerlich Lehmann) aus Kötzting, Bayerischer Wald, Patricia Bahrani (bürgerlich Lehmann), Tochter von Madame Indira, Rei Souli (bürgerlich Lehmann), Sohn von Madame Indira, sowie Madame Fatima (bürgerlich Eichel) aus München.

Die Masche mit der Lokalpresse

Bei ihren Reisen durch die Lande verschicken die reisenden Sternenschwafler in der Regel etwas Werbematerial an die Lokalpresse des zukünftigen Auftrittsorts und laden zu einem Pressetermin. Dort gibt es ein wenig nettes Blabla und gerne wird auch Gutes über die Zukunft des aktuellen Ortes verbreitet: Irgendetwas Positives mit Kultur soll in naher Zukunft geschehen und neue Arbeitsplätze durch Ansiedlung eines neuen Unternehmens soll es geben – dazu noch ein wenig heiteres Prognoseraten (Vertreter des Lehmann-Clans gehören zu den häufigsten Quellen des jährlichen Prognoserückblicks der GWUP) und in der Lokalpresse wird das Ganze dann mit den Werbematerialien vermischt dem Publikum dargeboten. Wenn’s optimal läuft, wird am Ende des Artikels noch eine Handynummer für die Terminvereinbarung angegeben … … perfekte Werbung ohne Kosten! Einige Beispiele finden sich auf meiner vor vielen Jahren erstellten Fanseite eines Clanmitgleids …

Da nicht jede Lokalzeitung diese Spielchen mit macht, gibt man noch die ein oder andere Kleinanzeige auf und schon kann man den Astrologiegläubigen das Geld aus der Tasche ziehen.

Die Mitglieder des Lehmann-Clans

Bereits 1993 erwähnt wurde Ludmilla Lehmann oder auch Madame Indira. Sie wird allerdings keine Tournee mehr unternehmen, denn sie starb – nachzulesen auf dieser Webseite – Anfang Dezember 2008. Laut Frankfurter Lokalteil der FAZ vom 13.6.2002 verlangte sie 180 Euro für ein Gespräch. Wer sich einen typischen  Barnumtext von ihr anhören möchte, dem sei dieser Link zu einem Gespräch mit SWR1 empfohlen (dass ein öffentlich rechtlicher Radiosender einer Astrologin so viel Platz einräumt, das wäre ein anderes Thema …) und auch hier schaffte sie es die Lehmann-übliche Standardwerbung als “Deutschlands bekannteste Wahrsagerin” unterzubringen.

Lange Jahre war Patricia Bahrani alias Patricia Schwennold geborene Lehmann das aktivste Familienmitglied. Seit den Neunzigern war sie – siehe meine “Fanseite” – immer wieder im Lande unterwegs, sagte allen möglichen Unsinn voraus und wurde in der Regel mit folgendem Lebenslauf angekündigt:

Die Vorhersagerin wurde vor 34 Jahren als Tochter eines Inders und einer Österreicherin geboren, ging mit 15 Lenzen mit ihrem Vater, einem Architekten, für drei Jahre nach Indien, lebte ein Jahr lang in einem Internat in einem Buddhistenkloster, wurde in fernöstliche Lebensphilosophie eingewiesen. (zu Patricia Schwennold, Neue Ruhr Zeitung, Moers, 14.5.2002)

Ihr Bekanntheitsgrad aus den Prognoserückschauen der GWUP führte übrigens dazu, dass sie in so manchem Pressegespräch unangenehme Fragen zu ihren Fehlprognosen beantworten musste, die sie mit Ausreden wie “ihre Daten seien nicht genau gewesen” oder “die Presse hätte sie falsch ausgelegt” konterte. Aus privaten Anrufen und Mails weiß ich außerdem, dass die Frau auch schon mal einer Kundin den binnen weniger Monate nahenden Tod vorhersagte (natürlich war’s falsch, aber die an Astrologie glaubende Frau hatte totale Panik!). Inzwischen gibt sie sich mehr als Parapsychologin aus und hält Vorträge zum Thema Reinkarnation. Seit kurzer Zeit hat sie auch wieder eine Homepage (auf der allerdings ein uralter Text zu finden ist – ich vermute aus 2002 oder 2003) und sogar ein XING-Profil. Dort nennt sie sich als Freiberuflerin “General Manager” und “Therapeut” und gibt das Ayurveda-Center Schloß Aistersheim in Österreich an (… das aber keine weiteren Spuren im Web hinterlassen hat … … das Schloß natürlich schon, aber Ayurveda?). Außerdem bietet sie Seminare an – so konnten Interessierte Anfang Mai im österreichischen Linz ein solches für “Menschen mit spirituellem Hintergrund” besuchen – was da für 496 Euro pro Nase geboten wurde weiß ich nicht, aber die Beschreibung klingt eindrucksvoll:

Ich werde Ihnen auf realer und wissenschaftlicher Basis erklären, welche Kräfte, Mythen und Phänomene zwischen Himmel und Erde aktiv sind. Auch was Ihr Beitrag und Ihr Platz in diesem Ganzen Unglaublichen ist.”

Wissenschaftliche Basis? Lächerlich!

Mit dem fast gleichen Lebenslauf ist bis heute Rei Souli alias Roman LehmannSohn einer Österreicherin und eines Inders” (Tiroler Tageszeitung, 16.3.2004) unterwegs.  Er erzählt gerne, dass er ungefähr 800 Jahre alt sei, schmückt sich mit nicht nachprüfbaren Prognosetreffern und schien im Frühjahr 2009 durch die  Schweiz zu reisen, wie man im RatgeberNews-Blog oder in der örtlichen Lokalpresse (Kreuzlingen) nachlesen kann. Dort verlangte er übrigens 230 Fränkli pro Stunde. Auch er hat in den Prognoserückblicken der GWUP seine Spuren hinterlassen …

Anton Lehmann alias Shandro Ramagani ist eher im Internet aktiv. Früher war er auch unterwegs, wie ein Artikel aus Berlin (in dem er mit seiner mutmaßlichen Schwester Patricia verglichen wurde) zeigt, aber scheinbar war das Betreiben von Webseiten lukrativer. Seine “Shandro Ramagani Gesellschaft für Esoterik und Parapsychologie mbH” sitzt inzwischen in Unterschleißheim bei München, die  Werbeagentur Anton Lehmann, die für seine Webseite verantwortlich ist, zeigt noch immer eine Adresse aus Duisburg. Er betrieb bis Ende 2008 das esoterische Internetportal Okulus Videns, für das er für 1 Million Euro (kein Scherz!) kürzlich einen Käufer suchte. Auch war er Webmaster der Seite von Patricia Bahrani/Schwennold/Lehmann und es verwundert nicht, dass die “Testperson”, mit der er für seine Wahrsageseminare unter dem Titel “Remote Vewing” warb ausgerechnet Patricia Schwennold hieß …

UPDATE: Anton Lehmann ist inzwischen übrigens als Questico-Berater aktiv … … und seine “Fans” berichten dort über ihn! (Nachtrag 19.7.: Der Link zur Diskussion über ihn beim “Gofeminin”-Forum funktioniert leider nicht mehr – dort hatten sich einige ehemalige Berater von Okulus Videns über seine Zahlungsmoral geäußert …)

Völlig aus dem Internet verschwunden ist die Seite von Albert Lehmann. Sie wird zwar bisweilen noch auf obskuren Esoterikseiten aufgelistet, aber ein Klick auf den Link zum weltbekannten Wahrsager führt ins Leere. Er betrieb ein “Wahrsagerlädchen” in Bruchsal bei Karlsruhe und die Seite verschwand just zur selben Zeit, als ein Wahrsager in einem spektakulären Prozess wegen Betrugs zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde … … Zufall?

Verhältnismäßig neu in der Szene scheint ein Mann zu sein, der sich Francesco Schwennold nennt (sein richtiger Vorname ist wohl “Marcel” wie eine seiner Kundinnen nach einem Gespräch mit ihm berichtete). Den Sprung in die Lokalpresse hat er offensichtlich noch nicht geschafft, aber er bietet seine Dienste als reisender Astrologe und Handleser per Kleinanzeigen wie dieser aus dem Kölner Stadtanzeiger vom4./5.4.2009 an:

Astrologe und Parapsychologe Francesco S. kommt nach Köln!

Francesco Schwennold der seine Jugend in Indien verbrachte und dort die Astrologie, Parapsychologie und Chirologie erlernte, kommt jetzt nach Köln. Mit seinen Prognosen verblüffte er Medien, Politiker und auch Privatpersonen. Der Starastrologe, der in Indien in die Geheimnisse der Fernöstlichen eingewiesen wurde, lernte dort die drei verschiedenen Arten (indische, chinesische und klassische Astrologie) praktizieren und kombinieren. Jeder der eine persönliche Beratung möchte, hat vom 01.04.2009 bis 07.04.2009 die Gelegenheit dazu in Punkto Liebe, Beruf, Gesundheit, Familie und Anlagen einen persönlichen Rat zu bekommen. Preis pro Beratung 100 Euro.

Weitere Informationen und Terminvereinbarung unter Tel. XXXX-XXXXXXX

Also wieder mal genau der gleiche Lebenslauf, die gleichen Behauptungen – alles wie gehabt! Eine weitere Kundin berichtete, dass er zusätzlich zu der Beratungsgebühr noch “Energiearbeit” für mehrere Hundert Euro (samt Ratenzahlungsvertrag) anbot, um “negative Energien” beim (abtrünnigen) Lebenspartner der Kundin zu beseitigen. Die übliche Abzockmasche also – man findet irgendetwas Negatives und verspricht gegen Entgeld die Beseitigung des “entdeckten” Übels. Immerhin scheint Schwennold dieses Spielchen nicht ganz so extrem zu betreiben wie andere, aber auch ein paar hundert Euro sind bares Geld, für das bestimmt bessere Verwendungsmöglichkeiten denkbar sind als es dem Familienvermögen des Lehmann-Clans zuzufügen.

PS: Über die Zusendung eingescannter Artikel oder Kleinanzeigen von den bzw. über die oben erwähnten Mitglieder des Lehmann-Clans würde ich mich freuen …





Werbung für “Heilsteine” unzulässig

3 04 2009

Ein interessantes Urteil hat das Landgericht Hamburg gefällt: Werbung für “Heilsteine” ist selbst dann unzulässig, wenn der Anbieter darauf hinweist, dass es für die in die Steine hineinphantasierten Wirkungen keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Ein wirklich schönes Urteil, das die Frage offen lässt, ob sich die vielfältigen Webangebote zu Heilsteinen nun ändern werden.

Ob Seiten wie diese oder  jene von dem Urteil betroffen sind könnte ebenfalls eine spannende Frage sein. Dort wird zwar nicht direkt etwas verkauft, sondern es werden nur mit den üblichen Eso-buzzwords garnierte Pseudoerklärungen geliefert, aber im Urteil des Gerichts steht auch folgender Satz:

Der Unterlassungsanspruch gegen die Klägerin umfasste aber nicht nur das Verbot, Steinen krank¬heitsheilende Wirkung beizulegen, sondern auch das Verbot, die Steine im konkreten Zusammenhang als „Heilsteine“ zu bezeichnen. Denn nach Ansicht des Gerichts stellt die Bezeichnung „Heilsteine“ im Kontext mit der Werbung für die angeblich krankheitslindernde Wirkung von Steinen eine unzulässige Werbeangabe i.S.d UWG und HWG dar.

Zum Thema “Einfluß der Steine auf den Menschen” gab es auf der Skeptikertagung 2002 einen schönen Vortrag des Geologen Klaus Olschewski – den Bericht darüber möchte ich den Lesern nicht vorenthalten:

Der anschließende Vortrag des Geologen Klaus Olschewski beschäftigte sich mit der Frage “Welchen Einfluss haben Steine, Minerale und Edelsteine auf den Menschen?” Zunächst gab Olschewski einen Überblick über die verschiedenen Gesteinsarten und erläuterte, wie die einzelnen Steine auf den Menschen wirken. Wohl jedem bekannt ist das in Höhlen auftretende Radon. Dies kann in Dosen, wie sie unterirdisch auftreten, schädlich sein, wird aber im Kurbetrieb therapeutisch immer noch eingesetzt. Bekannt sind auch durch Gesteine verursachte Krankheiten wie Silikose und Asbestose. Neben der schädlichen Wirkung sind durchaus auch positive Auswirkungen bekannt. So gibt es einen Deo-Stein (aus Alaun), der das Schwitzen unterbindet und als Blutstillstift adstringierend wirkt. Oder das “Höllenstein” genannte Silbernitrat, welches zur Behandlung von Warzen eingesetzt werden kann, da es katalytisch auf Sauerstoff wirkt und die Warzenviren schädigt.

Der Referent ging dann über zur Gemmologie, der Edelsteinkunde. Zu den Edelsteinen zählen u. a. Bernstein, Perlen, Korallen und Elfenbein – bei Preisen von 20 Euro pro Gramm (4000 Euro pro Karat) sei hier eine eindeutige Wirkung auf die Psyche der Frauen festzustellen – eine Bemerkung, die ihren erheiternden Effekt nicht verfehlte. Olschewski widmete sich dann aber den in Mode gekommenen Heilsteinen. Ein guter Heilstein müsse auf jeden Fall bunt und attraktiv sein. Von Esoterikern werden fast alle attraktiven Minerale gegen jede Art von Beschwerden eingesetzt. In der Szene sind zurzeit “Donuts” in Mode, ringförmig geschliffene, flache Anhänger, die an Lederschnüren getragen werden. Dem Tigerauge etwa schreibt man positiven Einfluss auf Lunge, Augen und Darm zu, es soll helfen bei hormoneller Überfunktion, Knochenkrankheit, Asthma usw. usw. Kein Steinchen, dem nicht eine Vielzahl von Heilwirkungen zugeschrieben werde – und Achat helfe sowieso gegen alles!

Daneben gibt es noch die Heilstein-Alchemie. Hier wird etwa die Asche von angeblich heilenden Steinen, z. B. von Diamant (!), aufgegossen mit Regenwasser, als Elixier verabreicht. Damit solle die “Information” des Heilsteines weitergegeben werden. Oder es werden “Tees” zubereitet, wobei z. B. der grüne Malachit gegen den Grünen Star eingesetzt wird. Die Steine werden auch getragen, wobei sie mit schädlicher Energie aufgeladen werden, sodass man sie danach wieder entladen muss, um sie schließlich wieder mit positiver Energie aufladen zu können. Mondstein etwa legt man zu diesem Zweck bei Vollmond ans Fenster. Die Palette der Anwendungsmöglichkeiten ist schier unendlich…

Entbehren solche Behauptungen jeder Grundlage, sollte man mögliche schädliche Wirkungen von Steinen ernster nehmen. So werden etwa so genannte Handschmeichler aus Zinnober vertrieben. Zinnober ist Quecksilbersulfid, das schon durch schwache Säuren wie etwa im Handschweiß gelöst wird, wodurch Quecksilber über die Haut aufgenommen werden kann. Das Mineral Rotnickelkies, das von Esoterikern gegen Anämie empfohlen wird, verwittert schon an der Erdoberfläche. Dabei entstehen u. a. Arsenate und Nickeloxide, die zum einen giftig und karzinogen sind und zum anderen hochallergen wirken können. Als Schmuckanhänger sollten auch radioaktive Zirkone nur dann eingesetzt werden, wenn man, so Olschewski, “von der Trägerin als Universalerbe eingesetzt wurde”. In den meisten Heilsteinbüchern fehle jedoch der Hinweis auf die Gefahren durch Mineralien.








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