Wahrsager auf RTL – Trash mit mieser Quote

4 01 2009

Gestern abend lieferte RTL mit seiner WahrsagershowDOKUMENTATION eine Stunde lang den Beleg, dass Wahrsager und Astrologen sich zwar gerne mit Treffern aus der Vergangenheit schmücken, für die Zukunft aber dann lieber doch nichts Konkretes voraussagen wollen. Im Life-Blog bei Astrodicticum Simplex trauten sich die Komentatoren viel bessere Prognosen zu – aber das natürlich nur außer Konkurrenz. Sollte BLOG-Teilnehmer(-in?) Bartleby Recht behalten („Heidi Klum wird Bundeskanzlerin, und Merkel heiratet Boris Becker, sie werden sieben Kinder haben und Becker wird dann Familienministerin. So sagt mein vollgeschneutztes Taschentuch.“), dann ist eine Erwähnung im nächsten Jahresrückblick selbstverständlich garantiert.

Das Panoptikum der selbsternannten Zukunftskenner war schon beeindruckend – hauptsächlich jedoch wegen der Skurilität der vorgestellten Auguren. Rolls Royce Liebhaber Lennart Wolf zum Beispiel scheut sich nicht seine Prognosetreffer aus der Vergangeheit auf seiner Webseite zu präsentieren – und zeigt, dass er trotz seiner jungen Jahre die Technik des ungenauen Schwafelns schon gar nicht so schlecht beherrscht: Nichtssagendes allgemeines Geraune, dass im Nachhinein mit den richtigen Namen versehen wird … … das kann ich auch:

2009 wird es Gewinner und Verlierer bei der Bundestagswahl geben, eine in der Öffentlichkeit stehende Person wird heiraten, eine andere sterben; eine Frau wird für Schlagzeilen sorgen und ein Fußballverein wird seinen Trainer entlassen.

Die entsprechenden Namen werde ich am Jahresende nennen – und Lennart Wolf zu einem Prognosetreffer gratulieren falls Carla Bruni wirklich schwanger wird.

Elizabeth Tessier hat sich trotz einer endlosen Reihe von Fehlprognosen auch dieses Mal wieder die Ehre gegeben und immerhin zugegeben, dass sie ein wenig spinnt. Wer sich über ihre Doktorarbeit informieren will, dem empfehle ich einen Text von Henri Broch und Jan Willem Nienhuys zu diesem Thema. Wenigstens hat sie mal wieder ein Datum genannt, aber was dann Ende Januar wirklich passieren wir werden wir ja bald wissen.

Das Spargelmikado (Copyright by „Gockel“ im Liveblog) hat mir übrigens von der Methode her am besten gefallen. Eine wunderbare Ergänzung der eh schon recht langen Liste von  Wahrsagemethoden, jetzt fehlt nur noch die vor einigen Jahren beim Bier auf der Skeptikerkonferenz entwickelte Methode der Flatomantie – des Wahrsagens aus der Deutung von Furzgeräuschen…

Die einzigen Helden waren meines Erachtens die afrikanischen Wahrsager. Wunderbar, wenn beimThema „Wirtschaft“ die Erntezeit erwähnt wird und noch schöner das Lottozahlenraten mittels geworfener „Knöchelchen“. Wobei ich mich immer noch frage, was in den hunderten von Gläschen und Döschenauf denen der afrikanischen Wahrsager zu sitzen schien wohl drin ist.

Immerhin gibt es jetzt ein paar neue Prognosen für die kommende Jahresrückschau – eine Prognose darüber, ob eine solche Sendung im nächsten Jahr eine Neuauflage erfährt traue ich mir jedoch nicht zu. Die Quote war ja nicht ganz so toll …

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3 responses

5 01 2009
Romay

Methode der Flatomantie – des Wahrsagens aus der Deutung von Furzgeräuschen:

Es gibt eine (in Teilen Pseudo-)Dokumentation, wenn ich mich recht erinnere im Rahmen der „Shocking Asia“-Filmreihe, in der liest eine Wahrsagerin aus dem … ähhh … Anus der Kunden. Dicht dran, oder?

(Dies war ein Beitrag aus der beliebten Reihe „Nutzloses Wissen“)

5 01 2009
wahrsagercheck

@Romay
so etwas gibt’s auch hierzulande: http://www.astrogenital.de/index.html

11 01 2009
Udo

Es ist doch einfach nicht zu fassen, was einem da von Seiten der ganzen „hochqualifizierten Zukunftsgucker“ angepriesen wurde. Wer soll denn bitteschön an einen solchen haarsträubenden Unsinn glauben? Wieviel muss sich die „normale“ Menschheit denn noch bieten lassen?

Wenn man sich einen solchen „Prognosekäse“ auch noch im TV anschauen kann, frage ich mich schon, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, mehr finanzielle Mittel für den Neubau von geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, oder ist dies etwa zuviel verlangt?

Im übrigen sollten sich auch die Programmverantwortlichen von RTL mal fragen, wie sie diesem alles überragenden und ungemein glaubwürdigen Portfolio an „Zukunftsdeutern“ auch noch eine Plattform zur Verbreitung ihrer absurden Prognosen zur Verfügung stellen können.
Oder gilt das Motto:“Alles egal, nur die Einschaltquoten zählen?“ Das wäre ja geradezu grotesk.

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