YouTube Frust und YouTube Lust – Update 3

31 03 2009

UPDATE 3:
OK, alles simple Copyrightprobleme und der „FriendlySceptic“ ist offensichtlich wieder auf YouTube-Sendung.

Aktuell kann man aus noch ungeklärten Gründen bei YouTube die von der James Randi Educational Foundation eingestellten Videos nicht anschauen. Der Account wurde „suspended„. Ein Protestvideo gibt es auch schon, und es wird gebeten, dies weiter zu verbreiten sowie sich bei YouTube zu beschweren.

Soweit der YouTube Frust … … aber es gibt ja immer noch genug Gutes bei YouTube, ja sogar ein echtes Highlight für Skeptiker: „Storm“ von Tim Minchin ist einfach wunderbar und beschreibt eine Situation, die Skeptikern wohlbekannt sein dürfte.

Minchin ist übrigens auch derjenige, der für den Nachweis eines paranormalen Phänomens das „Preisgeld“ um sein Klavier, eines seiner Beine und seine Frau erhöht hat.

Jetzt hoffe ich nur, dass dieser Versuch vom Handy zu posten auch die Links vernünftig dargestellt hat …

UPDATE:
OK, der falsche Link geht auf meine Kappe (ist korrigiert) – aber jetzt fehlen auf YouTube auch einige Videos von „Rational Response“, einer weiteren Quelle für skeptische und insbesondere religionskritsche Videos.
Man könnte es ja glatt für vorauseilenden Gehorsam bei der Umsetzung einer völlig irrsinnigen UN-Resolution halten …

Noch ein Nachtrag:
Auf 2 Youtube-Videos wird von massiven „votebotting“-Attacken auf religionskritische und skeptische Websites berichtet. Beim Votebotting werden Videos auf Grund der Stichworte bzw. des bereit stellenden Accounts durch einen Bot mies bewertet, was sich dann natürlich beim Ranking bei einer YouTube-Suche bemerkbar macht. Dem Kommentar auf diesem Video ist nichts hinzuzufügen:
THE COWARDS ARE BACK!

UPDATE 2:
Wie schon in einem Kommentar heute nachmittag geschrieben:
In den Randi-Videos sollen sich Ausschnitte aus einer Oprah Winfrey Show befunden haben, die nicht freigegeben waren. YouTube sperrt in solchen Fällen erst den Account und informiert erst dann …
… und das geiche gilt wohl auch für die Rational Responders, da diese gerne mal Beispiele aus irgendwelchen Bibelkanälen oder ähnlichem verwendet hatten (und da kennen die Oberchristen gar keinen Spaß …). Ich hatte gar nicht gemerkt, dass dies eine ältere Geschichte ist, ärgerlich und ein Frustgrund bleibt es trotzdem!





Astrologe verschenkt echtes Geld!

30 03 2009

Der Astrologe Gerald Peraeus hatte mich schon Ende Februar mit seinem Wall-E-Horoskop verblüfft, jetzt überrascht er mich total. Da ich seinen Newsletter von einer netten Bekannten regelmäßig weitergeleitet bekomme weiß ich zum Beispiel, dass der Herr Magister (Österreicher mögen ja jede Art von Titeln) Anfang Mai auf der Münchner Esoterikmesse zu „bewundern“ sein wird. Aus diesem  Grund bietet er seinen Newsletter-Empfängern an, dass er deren Eintrittspreis cash zurückzahlt:

Als besonderes Dankeschön fürs treue Mitlesen refundiere ich den Eintrittspreis, der in bar zur Abholung bereit liegt (STAND-NUMMER 125!!)

OK, der Besuch einer Esoterikmesse ist nicht unbedingt ein Geschenk und außerdem ist die Erstattung des Esomessentickets an eine kleine Bedingung gebunden:

Voraussetzung dafür ist lediglich die Anmeldung zu einem Gratisgespräch mit mir unter Bekanntgabe meines Expertencodes 437737 auf folgendem Link:
https://www.questico.de/k3/join.do
und das Führen eines wenigstens 5-minütigen Gesprächs über die Questico-Line bis spätestens 29.04.2009. Das Gespräch kostet tatsächlich keinen Cent (auch die Telefonkosten übernimmt Questico), ist aber wirklich sehr wertvoll! Damit ich Ihr Gespräch auch dieser Aktion zuordnen kann, nennen Sie bitte bei der Abholung Ihren Usernamen, den Sie bei Questico frei wählen können.

Ach so, der Mann wirbt also für Questico und erhält wahrscheinlich eine „Vermittlungsprovision“, wenn sich jemand dort mit Angabe des Peraeusschen Expertencodes anmeldet. Und ohne den Eintrittspreis für die Münchner Esoterikmesse zu kennen würde ich vermuten, dass die Anwerbeprämie bei mehr als 5 Euro liegt. Denn genau das verspricht er all denen zu überweisen, die nicht nach München kommen können – sich aber trotzdem bis dahin mit seiner Zahlenkombination bei Questico anmelden:

Manche meiner Leser nehmen diesen Dienst bereits in Anspruch, manche können nicht auf die Messe kommen – liebe XXXXXXX, auch da gibt es ein Dankeschön von mir:  5 Euro auf Ihr Konto*, wenn Sie mir bis 29.04.2009 in wenigstens 10 Minuten erzählen, was Sie bewegt! Damit ich Ihr Gespräch auch dieser Aktion zuordnen kann, mailen Sie bitte Ihren Usernamen, den Sie bei Questico frei wählen können, sowie Ihre Bankdaten*, die Gutschrift erfolgt umgehend nach der Messe, also in Kalenderwoche 19.

Ein wenig blöd ist natürlich, dass man vor dem Abkassieren 10 Minuten mit ihm reden muss, während für den Esomesseneintritt 5 Minuten Zeitverschwendung genügen …





Palmblätter aus Mönchengladbach (mit aktuellem Update)

29 03 2009

Vor einiger Zeit hatte ich über die kopierten Terrorprognosen aus den Palmblättern des Herrn Ritter geschrieben, heute muss ich – nach dem Lesen des taz-Artikels „Der übersinnliche DAX“ und dem Folgen des Links zu den Anbietern von Esoterikmessen – mich doch noch einmal zum Thema Palmblätter äußern. Denn auch wenn es Herrn Ritter, der ja Reisen zu den Palmblattbibliotheken in Indien feil bietet, nicht unbedingt gefallen dürfte, es gibt auch so etwas wie eine deutsche Palmblattbibliothek: bei Hildegard Matheika in Mönchengladbach. Auf ihren Namen kam ich durch das Verzeichnis der „Esoterikexperten“ auf der Webseite der Esoterikmesse-Veranstalter, denn dort firmiert sie als einzige Palmblattexpertin. Und ihre (Selbst-)Beschreibung klingt schon toll:


8000 Jahre? Nun ja, die anderen Palmblattjünger übertreiben da weniger und nennen 5000 Jahre, aber auch das stimmt ja nicht so ganz, denn sie schreibt  ja selbst, wie diese Blätter in ihren Besitz gelangten:

Für Frau Matheika sind also Palmblätter aus dem 16. und 17. Jahrhundert 8000 Jahre alt … … und selbstverständlich erklärt sie nicht, warum die Vergangenheit und Zukunft ihrer Kunden gerade in diesen Blättern stehen soll. Wahrscheinlich hat sie dafür keine Zeit, denn Frau Matheika ist nämlich 200 Tage im Jahr unterwegs und bietet ihre Arbeit an [der im Folgenden zitierte Text ist im Internet nicht mehr verfügbar, listet aber nur einen Teil der Angebote dieser Frau von ihrer Webseite auf]

„zum Teil Kartenlegen, Lesen aus der Palmblattbibliothek, Kontakt zum Jenseits, biete Pilgerreisen an nach Lourdes, dann Deeksha-Reisen nach Bali – einfach um den Menschen zu helfen …“

Boah! Diese Frau kann ja fast alles! Und auf ihrer Webseite kommt noch viel mehr (Die Screenshots der im Internet veröffentlichten Webseite von Frau Matheika habe ich am 23.3.2012 erneut erstellt. Außerdem wurden die Seiten aus Dokumentationsgründen bei WebCite archiviert) – zum Beispiel ist sie auch Meisterin der weißen Magie und kann alles Böse entfernen:

Das kennt man ja! Wenn’s schief läuft im Leben haben andere Schuld – und Matheika kann natürlich helfen:

Matheika, die Expertin für die Abwehr alles Bösen!

Wissenschaftlich erforscht? Aha! Und wie war das Ergebnis? Hat sie den Randi-Preis gewonnen? Natürlich nicht, aber wenn – wie in den Zeiten der Finanzkrise ja durchaus üblich – die Gier nach Geld als „negativ“ zu bewerten ist, dann kann Matheika sicher helfen … … denn ihre Hände haben die Kraft zu nehmen – bevorzugt Bares aus dem Portemonaie der Kunden!

Klar,  Matheika opfert sich und nimmt das negativ beladene Geld an sich. Verlogene, zynische Abzocke ist das – aber die Kunden auf den Esoterikmessen sind das ja gewohnt und haben es wohl nicht besser verdient. Wer bei der hanebüchenen Verbindung von Lourdes, weißer Magie und Palmblattbibliotheken nicht irgendwie stutzig wird, dem ist wohl nicht mehr zu helfen – hätte Matheika noch gechannelte Botschaften des Osterhasen in ihrem Repertoire, es würde kaum auffallen.

(Die Screenshots der im Internet veröffentlichten Webseite von Frau Matheika habe ich am 23.3.2012 erneut erstellt. Außerdem wurden die Seiten aus Dokumentationsgründen bei WebCite archiviert und können bei Bedarf jederzeit wieder abgerufen werden.)





Astroblabla für Managementseminar

29 03 2009

Das Managementzentrum Witten veranstaltet vom 19.-21. November in Berlin die  „3. Biennale für Management und Beratung“ unter der Überschrift „X-Organisationen: Neue Gegenwart„. Der Einführungstext auf den  Webseiten des Seminars beginnt völlig unverdächtig mit einer für solche unspezifischen Managerseminare üblichen, allgemeinen Beschreibung (die ich ein wenig gekürzt habe):

Die Krise am Kapitalmarkt mit ihren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft beschränkt sich nicht nur auf das Ökonomische, sie ist auch eine Krise unserer Denkmodelle. Wirtschaft und Politik sind ratlos und suchen nach einer neuen Balance. Leben wir in einer Gegenwart, die wir verstehen?  […] Unter dem Titel Neue Gegenwart wird sich der dritte Kongress X-Organisationen mit den Fragen dieser Zeit beschäftigen. […] Der Titel Neue Gegenwart gibt uns die Suchrichtung vor: Wir leben und erleben uns in einer neuen Gegenwart, deren Konturen noch unklar sind. […]

Aha! Man will sich mit den Fragen der Zeit beschäftigen – obwohl irgendwelche Konturen noch unklar sind…

Im Herbst 2008 wurde die Krise offensichtlich, im November 2009 findet der Kongress statt. – Dieses Jahr gibt Gelegenheit zu einem Zwischenresümee: Wo stehen wir, wie geht es weiter?

… und zumindest ein „Zwischenresümee“ ziehen. Zwischen was eigentlich? Wenigstens weiß man schon, dass man den Versuch wagt über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen:

Neben Ökonomen und Soziologen werden wir Vertreter benachbarter Disziplinen (z.B. Ethnologen, Philosophen, Politologen), aber auch Künstler und Dramaturgen oder…

man glaubt es kaum:

… Wahrsager befragen.

Und das hat man sogar schon im Vorfeld getan, wie das Video mit einer Astrologin*, die sich zu dem Kongress äußert, zeigt. Und was die zu sagen hat ist schon schwerstes Blablageschütz: Sätze wie „Hier ist eine Konstellation, die Hoffnung gibt, dem Ganzen“ oder „Man wird sich aktiv beschäftigen, mit dem Unsichtbaren“ sind eigentlich schon sinnfrei genug , aber die Astrologin* hat dann wirklich goldende Tipps für die Manager auf Lager:

Man muß neu, wirklich neu, anfangen – aber sich trauen zu sagen, wir sind mitten auf dem Ozean, wir wissen überhaupt nicht wo’s weiter – das ist ein Nebel, und da drin wird sozusagen eine Schneise gefahren. Durch den Nebel. Also das ist wie so ’ne Bootsfahrt auf dem Kanal durch den Nebel und man weiß nicht genau, wie wird denn das eigentlich.

Herrlich! Das hat die Zukunft nun mal so an sich, dass man sie nicht vorher kennt. Eine umwerfend neue Erkenntnis! Im weiteren Verlauf wird es irgendwie völig konfus: die Sterndeuterin faselt etwas vom Rahmen der Veranstaltung, der „sehr offiziell“ sein kann, aber „nach innen hin offen und weich gestaltet“ sein soll und empfiehlt Sofas, Grünpflanzen und Essensmöglichkeiten. Höchst ungewöhnlich bei einem Managementseminar – sonst kauern die Manager bei solchen Seminaren bekanntlich in ungetünchten Räumlichkeiten hungernd auf dem nackten Boden. Danach folgt eine einzige schleimende Lobhudelei für die Organisatoren und die Interviewerin. Wäre dies bei Astro TV über den Sender gelaufen hätte man kopfschüttelnd weitergezappt, aber hier scheinen die Organisatoren diese Schwurbeleien tatsächlich ernst zu nehmen – oder warum wirbt man sonst damit? Dabei sind die Aussagen der Astrologin so allgemein und nichtssagend gehalten, dass man sie fast wortgleich auch jeder anderen Veranstaltung unterjubeln könnte – natürlich inclusive der Schleimspur.

OK, ob man ein „Managementzentrum“ wirklich ernst nehmen sollte, das mit dem Motto Wer eine Lösung sucht, hat ein Problem! wirbt und sich mit dem intelligenten Umgang mit Nichtwissen zu beschäftigen behauptet?

* akute Namensallergie





Vulkanausbruch zu spät

24 03 2009

Eigentlich hätte der Mount Redoubt ja schon Anfang März ausbrechen sollen – das zumindest hatte der Astrologe Sonaru vorausgesagt. Jetzt war es endlich soweit, die Süddeutsche und andere Medien melden, dass der von den Wissenschaftlern vor Ort schon seit einiger Zeit als nicht unwahrscheinlich eingestufte Ausbruch nun stattgefunden hat.
An irgendwelche „Sternenregeln“ hat er sich dabei wohl nicht gehalten – zumindest nicht an die von Sonaru. Aber wie ich die Astrologen kenne werden sie für den Ausbruchszeitpunkt bestimmt irgend eine Konstellation finden, die das Ganze „ausgelöst“ haben soll. Ich kann ja heute Abend mal mein Astrologieprogramm anwerfen und Vorschläge machen: Irgendeine gradgenaue Winkelbeziehung zwischen zwei astrologischen Objekten wie Planeten, Asteroiden, berechneten Punkten oder fiktiven Planeten werde ich schon finden.





15 Tote für die Leichenfledderer

24 03 2009

15 Tote in Winnenden – und der aktuelle Newsletter vom Allgeier-Verlag betreibt astrologische Ursachenforschung Leichenfledderei. Anders kann man es nicht nennen, wenn der Artikel unter der Rubrik Astrologie & Zeitgeschehen folgendes verspricht:

Der Amoklauf von Winnenden: der „böse“ Vollmond und die Motive des Täters aus astrologischer Sicht

Die Astrologie will also ein Geschehnis erklären, das nicht zu erklären ist. „Uranus spielte auch bei diesem furchtbaren Amoklauf in Winnenden eine Hauptrolle.“ ist da zu lesen oder „Die spezielle Zeitqualität des Attentats am 11. März war noch ein paar Spuren härter.“ und „Das Fass zum Überlaufen brachte aber ganz sicher der nun ebenfalls vorherrschende Vollmond in der Jungfrau, der in den Stunden des Amoklaufes ebenfalls auf der Achse Saturn-Uranus zu stehen kam.“  – Ach ne! Da haben wir ja noch Glück gehabt, dass nicht überall in Deutschland so etwas passiert ist, denn diese Konstellationen galten in der ganzen Republik. Und dass der Uranus und der Vollmond schuld sind, das ist für die Angehörigen der Opfer sicherlich beruhigend … … und außerdem hatten es die Astrologen natürlich vorher gewußt:

Bereits im vorigen Astroletter warnten wir vor diesem Zeitraum, indem die Sonne auf Uranus zulief und gleichzeitig in Opposition zu Saturn war.

Tatsächlich! Im  vorherigen Newsletter stand’s drin:

Die in den vergangenen Wochen vorherrschende Opposition zwischen Saturn und Uranus ist im März nicht mehr gradgenau und verliert deshalb an seiner Wirksamkeit. So jedenfalls möchte man meinen. Einen Strich durch diese Rechnung macht die Sonne, die in den Tagen um den 8. März Saturn gegenübersteht und in den Tagen um den 13. März Uranus überquert. Sie fungiert hier nach alter klassischer Regel als die „Überträgerin des Lichts“ und schafft hier quasi eine Spannung zwischen Saturn und Uranus, die bereits im Begriff war, sich aufzulösen.

Und was hat dieses Blabla jetzt mit Winnenden zu tun? Nichts natürlich, aber man kann ja mal daherschwurbeln, dass man vor einem Monat auch geschwurbelt hat.

Wenn schon die Medien – wie gewohnt – jegliche Scham angesichts einer solchen Tragödie vermissen lassen, dann kann der Allgeier-Newsletter nicht hintan stehen und fängt an das Täterhoroskop zu besprechen:

Diese „Schreckenskonstellation“ fiel nun auf die Häuser 5 und 11 als der 17-jährige Attentäter wild drauf los feuerte und insgesamt 15 Menschen erschoss. Das 5. Haus hat u.a. mit Liebe und Lebensfreude zu tun, das 11. mit Freundschaften, Hoffnungen, Wünschen und sozialen Kontakten.

Nach weiterem Geblubber wird’s hart:

Die angespannten Häuser 5 und 11 im Amoklauf-Horoskop deuten aus astrologischer Sicht darauf hin, dass er vom Leben ausgeschlossen und isoliert war, dass er keine Freunde hatte und dass er vor allem mit dem weiblichen Geschlecht, von dem er ziemlich sicher gemieden und abgelehnt wurde, enorme Konflikte hatte.

Genau! So geht das! Man braucht den Täter ja nicht zu kennen, der Blick ins Horoskop genügt: Einsamkeit und Triebstau – Vollmond in der Jungfrau und Uranus am Werk – Zackbumm! – 15 Tote!

… natürlich weiß man das erst hinterher (aus der Presse?) … … und natürlich gilt das nicht für alle einsamen 17-Jährigen … … und natürlich auch nicht für alle Jungs dieses Alters, die Probleme mit den Mädels haben … … und natürlich kann das beim nächsten Auftreten einer ähnlichen Konstellation ganz anders aussehen … … und natürlich hätte man nicht voraussehen können, dass … … die astrologischen Ausredephrasen bei konkreten Rückfragen sind bekannt!

Manchmal kann einem beim Lesen kurzer Newsletter schwer übel werden! Noch schlimmer wird’s nur bei den Oberastrologen von astrologix … … aber dieses traurige Hinundhergeschwalle auf dem Rücken der Opfer mag ich jetzt wirklich nicht kommentieren.





Satire vs. Esoterik 0:1

20 03 2009

Qualitätsbloggerin Buchstaeblich hat ihre hübsche Beschreibung der Herstellung einer CD  zur Ohral-Homöopathie unter Satire eingeordnet und da gehört sie auch hin. Ihre Tonverdünnung ist aber noch gar nichts  gegen den realen Wahnsinn esoterischer Produkt- und Voodooangebote. Eine CD mit in „reiner Stille“ Verdünntem kann man nämlich schon seit Jahren in England bestellen – zum Beispiel bei Energetic Medicine Research oder World Development Systems.

Die Beschreibung ist Realsatire pur und beginnt zum Beispiel so:

The Silent Healing CD is 74 minutes of powerful silence – just pop it into your CD player and press Play, sit back, and FEEL the difference.

Nach einigem Gefasel von „advanced technology“ und „energy system“ wird auch erklärt, warum die CD so wirksam ist:

The CD contains over 34,000 different homoeopathic type remedies, which have been sampled and stored on the Silent Healing CD.

Wow! Damit wissen wir endlich, dass – bei 74 Minuten Laufzeit – ein gesampletes Homöopathikum in durchschnittlich 0,13 Sekunden Stille aufgelöst werden kann. Wie das funktioniert wird leider verschwiegen, aber dafür gibt es eine riesige Menge an Wirkung:

Balancing energies of people, room, office and space clearing.
Helps Feng Shui.
Counteracts adverse energy from TV, TV games, computer games, computer and Internet.
Promotes clearer thinking, whatever you are doing!
Reduces the effects of “sick office syndrome”.
Creates clear space for meditation and daily work.
Offers self-healing during the day and/or night.
Promotes deeper more restful sleep.
Helps calm children and animals.
Promotes healthier environment for house and greenhouse plants.
Exercises body’s ability to recognise beneficial healing

Fehlt nur noch, dass die CD das Körpergewicht reduzieren hilft, Viagra ersetzen kann und für dauerhaften Weltfrieden sorgt – für £34,00 (es geht auch teurer) ist das ein absolutes Schnäppchen. Und wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem empfehle ich das Ganze doch einfach selbst zu testen: Einen 5-minütigen Ausschnitt kann man nämlich hier herunterladen und dann ganz in Ruhe anhören auf sich wirken lassen. Und das schönste: Wenn man den Download als Endlosschleife über die Lautsprecher schweigen lässt verwandeln sich die unbeschallten Räume automatisch in eine Heilpraktikerpraxis …





Haftstrafe für Wahrsagerin

19 03 2009

Der Prozess gegen eine Kölner Wahrsagerin in Stuttgart ist zu Ende. Zwei Jahre und neun Monate lang kann die nun Verurteilte ihre „Dienste“ lediglich hinter Gefängnismauern anbieten. Zwar hatte die Staatsanwaltschaft eine weit höhere Strafe gefordert, aber die Dummheit ihrer Kunden (die ja „freiwillig“ bezahlten) wurde strafmildernd angerechnet. Ganz freiwillig haben die natürlich nicht bezahlt, denn sie wurden von der Wahrsagerin massiv unter Druck gesetzt. Und die kurz skizzierten Einzelfälle zeigen wie so oft: Menschen in Lebenskrisen sind leichte Opfer für Scharlatane und  Betrüger – und für die Täter wirkt sich die Schwäche der Opfer sogar noch strafmildernd aus.
Dass die Frau – laut Stuttgarter Nachrichten – einen „Wahrsager-Gewerbeschein“ hatte verwundert mich. Kann man tatsächlich in diesem unseren Lande einen Gewerbeschein zum Betrügen von Kunden erwerben? Oder war es ein „Irgendwelche- Beratungsdienstleistungen-Gewerbeschein-zu-Unterhaltungszwecken“, mit dem die Verurteilte auf Kundenfang ging? Im letzteren Fall war das für die Geschädigten eine sehr teure „Unterhaltung“ …
Wie hoch die Dunkelziffer bei solchen Betrügereien ist möchte ich mir gar nicht ausmalen. Nur wenige haben den Mut öffentlich zu bekennen, dass sie auf diese Art ausgenommen wurden. Da meine Telefonnummer über die GWUP-Seiten leicht ermittelbar ist erhalte ich im Schnitt ein Mal pro Monat Anrufe von auf diese oder ähnliche Weise Geschädigten, die jedoch nicht bereit sind darüber in der Öffentlichkeit zu reden – auch wenn der angerichtete monetäre Schaden schon mal locker für den Kauf eines kleinen Neuwagens (mal mit, mal ohne Abwrackprämie) gereicht hätte.





Vermischtes: Lourdeswunder, Astrologietag und mehr

17 03 2009

Wie Manfred Dimde behauptet auch Ray O. Nolan gerne er hätte irgend einen Nostradamus-Code entschlüsselt und könne aus den alten Verslein die Zukunft vorhersehen. Wie die anderen Nostradamusdeuter auch gehört Nolan üblicherweise zu den Schwarzsehern, hat aber für September 2009 eine gute Nachricht auf einer seiner Internetseiten parat und prophezeit das Wunder von Lourdes:

Die „zweite Vorsehung“ könnte nicht nur bedeuten, dass es an diesem 22. September 2009 zunächst zu Hunderten und in der Folge zu Tausenden neuen Wunderheilungen kommt, sondern vielleicht auch, dass es zu einem neuen, optisch sicht-baren Wunder kommt, über dass man noch lange sprechen wird („was vom hohen Himmel nicht fortgewischt werden kann!“). Auch hier bin ich mir sicher, dass wir   n a c h   diesem Ereignis die ein oder andere Textstelle erst wirklich verste-hen werden.

Diese Seite darf man übrigens zitieren, bei anderen Seiten möchte Nolan dies mit folgendem kleinen Text verhindern:

Copyright 2004-2009 by Ray O. Nolan
C.d.C. 2749, PY-1209 Asunción (Paraguay)

(Falls Sie dennoch Fotos oder Texte von dieser Homepage klauen wollen, erwartet Sie
im günstigsten Fall eine Rechnung in Höhe von 100.- Euro pro 1 bis 2000 Zeichen/Buchstaben
bzw. 100.- Euro pro Foto.)
Ich an Ihrer Stelle würd’s bleiben lassen und mir eigene Texte einfallen lassen.

Der Mann scheint tatsächlich zu glauben, irgendjemand wolle seinen Unsinn über die letzten sechs Päpste und die letzten 4 US-Präsidenten kopieren. Schon die Zählung der US-Präsidenten ist höchst eigenwillig: Obama ist der 44. Präsident, nicht der 18. …

Der Deutsche Astrologen Verband feiert am Freitag seinen „Tag der Astrologie“ und möchte „der Öffentlichkeit die Astrologie – als bedeutendste Symbolsprache des Abendlandes – wieder ins Bewusstsein zu rufen„. Klappern gehört zum Handwerk, aber das Ziel  „über die Unesco die Etablierung eines internationalen Tages der Astrologie zu erreichen“ zeugt mal wieder von einer masslosen Selbstüberschätzung der Astrologenfraktion.

Tauchen Sie ein in eine Welt voller Spiritualität und Inspiration –“ was wie die Einladung zu einem Wochenende mit irgendwelchen esoterischen Ritualen beginnt endet ganz profan „mit dem ersten spirituellen Mobilfunkanbieter qiwani-mobil„. Die Welt listete diesen Anbieter in einer Übersicht spezieller Handytarife auf und geboten werden Tageshoroskop, Wellnesstipps, verschiedene Orakel, Mondgeblubber und Esoterikwerbung satt. Ob mit solch spirituellen Angeboten tatsächlich ein Gegengewicht zu dem von Esoterikern häufig gefürchteten pösen Elektrosmog erreicht werden kann bleibt anzuwarten.

Absolut empfehlenswert ist der Gastbeitrag von Pianoman bei Astrodicticum Simplex über eine Veranstaltung im Forum Berufsbildung: am 12.3. hatte dort ein Bewerbungsprofi über Die eigene Berufung finden – Psychologische Astrologie als Wegweiser für Berufsfindung und Bewerbung“ referiert und Pianoman kommentiert und analysiert das Geschehen unter dem Titel „Instant Karma“ oder „Die Faulheit des Psychologen“.





Nostradamus 2009 – kein Ende des Dimdeschwurbels

16 03 2009

Fast schon eine Art lästige Pflichtlektüre ist das jährliche Nostradamus-Taschenbüchlein von Manfred Dimde,  das auf dem Umschlag für 2009 – wie in den Vorjahren auch – „Die aktuellen Prophezeiungen“ sowie einen „Schlüssel zur Zukunft“ verspricht. Zur Abwechslung war auf dem Cover noch „Beginn der Weltschicksalsjahre“ zu lesen – in den Vorjahren wollte an gleicher Stelle noch der Satz „Neues von Nostradamus“ sugerrieren, Herr Dimde hätte Neuigkeiten zu berichten.

Aber der Reihe nach. Zu Beginn betreibt Dimde, etwas Selbstbeweihräucherung und schreibt dass er bereits 1982 besonders dramatische Zeiten für die Jahre 2011 bis 2014 dräuen sah – und verschweigt diskret all seine Nonsensprognosen aus früheren Büchern. Sollte nicht schon 2002 Stuttgart im atomaren Feuer verglüht sein?

Danach (Seite 11) phantasiert Dimde unter der Überschrift „Seherinstumente“ über Kristallkugeln und den Gral bevor er ab Seite 17 versucht die Astrologie „einmal anders“ zu erklären. Wie letzterer Artikel den Dreh von Barcodes zur Astrologie mittel des Bildes eines Zebras findet ist schon bemerkenswert lächerlich: Er blendet das schwarz-weiß gestreifte Zebra vor den schwarz-weiß gestreiften Barcode und „erklärt“, dass „immer wenn im Vergleich zwischen Barcode und Zebra eine Übereinstimmung hinsichtlich eines Balkens besteht, wird beim Träger des Musters, wie man so schön sagt, etwas ausgelöst„. Zur Verfeinerung fügt Dimde noch hinzu, dass der Barcode in Bewegung ist und merkt an, dass „sowohl schwarze als auch weiße Balken Einfluß auf das Zebra haben„.  Bin mal gespant, ob diese Barcodeanalogie in der Zukunft auch mal von echten Astrologen verwendet wird …

Es folgen 50 Seiten, auf denen Dimde Fundsachen aus dem Internet und diversen Nachrichtenmagazinen mit kleinen Kommentierungen präsentiert.  Warum er dies tut bleibt unklar, denn eine Beziehung zu seinen „Deutungen“ der Vorjahre fehlt völlig. Den Leser fordert er auf, die Nachrichten selbst in die alten Jahrbücher von 2006 und 2007 einzutragen – eine ziemlich blöde Aufforderung, da die Texte vom 12. April 2007 bis zum 22. April 2008 datiert sind. Ich vermute, dass hier schlicht und einfach ein Kopierfehler vorlag, denn die Seiten 21 und 22 von Nostradamus 2009 sind mit den Seiten 13 und 14 von Nostradamus 2008 absolut identisch. Inhaltlich ist vielleicht der Kommentar auf Seite 59 zum 27.12.2007 interessant: Da er schon im Buch Nostradmus 2004 von einer Frau als „Drahtzieherin“ künftigen Unheils schwadronierte konnte er zu diesem Datum mit einem fett gedruckten „Sie war es nicht!“ die ermorderte ehemalige pakistanische Premierministerin Benazir Bhutto ausschliessen. Ich hatte ja schon vor Jahren eher eine Angela oder eine Hillary vermutet …

Ab Seite 73 kommt dann endlich die Nostradamus-Prophezeiung für 2009 – bzw. das übliche Geraune, aus dem sich beim besten Willen kein Sinn erschliessen lässt. Es beginnt schon damit, dass er die Standardübersetzung schlicht ignoriert und schon bei seiner eigenen Übersetzung alles Mögliche hineinfantasiert. Danach kommt sein eigenes „Inflationsverfahren“, denn jede hingeraunte Nostradamuszeile bläst er zu einem neuen, noch unverständlicheren Vierzeiler auf, in den er dann – wie üblich – allerlei Katastrophen hineinphantasieren kann. Es geht – GÄÄÄÄHN – mal wieder um den dritten Weltkrieg (von dem 1oo Staaten betroffen sein werden), um irgendjemanden der aus Kastillien stammt, um eine Art Giftattacke, die den Boden 14 Jahre lang vergiftet und um den 8. Dezember 2009, an dem irgendetwas passieren oder vorbereitet werden soll.

Schwupps ist Seite 109 erreicht und schon geht’s ins Kalendarium. Pro Woche gibt es eine Doppelseite wobei rechts nur ein Horoskopbild und leere Zeilen zum Selbereintragen von Ereignissen zu finden sind. Links gibt es für jeden Tag ein „Astrothema“ und „Besonderheiten und allgemeine Tendenzen in dieser Woche“ (gegliedert nach Welt, Deutschland und Privat). Das Astrothema ist ein belangloser Nonsenssatz (heute z.B. „Auf einem Fischmarkt wird ein Wal versteigert„, morgen: „Freunde, die schunkeln„, gestern „Der linke Arm tut weh“) und man soll aus diesem Quatsch seine eigenen Prognosen herauslesen. Unter Besonderheiten wird nebulös und sinnfrei geschwurbelt – für  diese Woche im Angebot:

Unerfahrene und einfältige, aber dafür umso selbstbewusstere Politiker beginnen der Welt ihren Willen aufzuzwingen. (Welt)

Erfolge in der Forschung werden von Politikern übersehen. Dadurch kann das Fundament für die Lösung eines Problems der Zeit noch nicht gelegt werden. (Deutschland)

Diese Woche (12.-18.3.) bietet übrigens sogar eine der ganz wenigen, fast schon genial exakten Prognosen:

In der Landwirtschaft wird im Zusammenhang mit Futtermitteln ein ungewöhnlicher Skandal enthüllt. (Deutschland)

Über den Rest kann man eigentlich nur schweigen- wäre da nicht ganz am Ende des Buches (Seite 245) ein absolutes Highlight zu finden: Nach mehreren Seiten „Nostradamus und unsere Zukunft im WELTRAUM“ erklärt Dimde, mit welchen Begriffen Nostradamus moderne Technik beschrieben hat:

  • Die Lichter               Künstliche Sonnen im Erdorbit
  • Der Kopf                   Im Weltraum kreisende Computeranlagen
  • Der Spieß                  Ein besonderer Typ Raumschiff
  • Neue Himmel         Veränderte Planetenbahnen unseres Systems
  • Der Stein                   Gerät mit einer bestimmten Funktion

Da fehlt nur noch eine kurze Definition:

  • Der Papiermüll           Buch des Nostradamusdeuters Dimde







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