Werbewindbeutel

1 03 2009

Dass in der Werbung nicht immer die Wahrheit gesagt wird, dürfte dem Konsumentenvolk nicht unbekannt sein. Bis heute entlockt mir der Uraltwerbespruch eines Waschmittelherstellers , dass nach Benutzung eines bestimmten Pulvers die Wäsche “weißer als weiß” aus der Waschtrommel entnommen werden könne (wer war das eigentlich?), ein kopfschüttelndes Grinsen angesichts dieser schönen Paradoxie.

Die Organisation Foodwatch möchte nun öffentlichkeitswirksam auf unsinnige Werbeaussagen hinweisen und lässt Internetnutzer auf ihrer Webseite “abgespeist.de” darüber abstimmen, welches Produkt den “Goldenen Windbeutel” für die dreisteste Werbelüge erhalten soll. Bei Foodwatch geht es natürlich nur um Essbares, und ob der Begriff “Lüge” angesichts der in den letzten Jahren verschärften EU-Gesetze zu unlauteren Werbeaussagen hier wirklich angebracht ist darüber kann man streiten. Werbeaussagen müssen doch belegt werden – oder warum sonst wird bei vielen Werbespots Kleingedrucktes für Sekundenbruchteile eingeblendet, das den mit dicker Lupe bewaffneten Schnellleser über irgendwelche die Werbebehauptung unterstützenden Studien informiert?

Aber mal ganz ehrlich: Schminke und Übertreibungen erwartet man doch von der Werbung … … aber gleich so dreist wie bei dem vorgestellten Pesto? Dieses wirbt mit Olivenöl und Pinienkernen, besteht aber überwiegend aus Sonnenblumenöl und Cashewkernen. Die Ausrede des Herstellers faselt dann von einem “Lebensgefühl” – dabei möchte der Kunde doch eigentlich nur das erwerben was auch beworben wird … … aber beim Pesto wird wenigstens nichts Wissenschaftliches behauptet.

Ganz anders sieht es bei einem bekannten bioaktiven Joghurtdrink aus, denn dieser wir gleich mit ganz vielen Studien die die “Stärkung der Abwehrkräfte” belegen sollen, und da wird’s wirklich spannend. In der englischsprachigen Wikipedia ist der Streit darüber, ob die Werbebehauptungen nicht doch maßlos übertrieben sind, ein wenig dokumentiert und es werden einige der Studien im Detail erwähnt. Falls Foodwatch hier Recht hat (und meiner Meinung nach spricht Vieles dafür), so finanzieren die Konsumenten mit dem hohen Preis eben neben den Aktionären nicht nur die sicher nicht billigen Werbeauftritte eines bekannten TV-Wetterfroschs (der die im Verdauungstrakt wirksam werden sollenden, abwehrkarftstärkenden Kulturen auch gerne mal in die Achselhöhle zeichnet  – wie der Werbewahn berichtet – die anderen Actimel-Artikel dort sind übrigens ebenfalls sehr zu empfehlen …) sondern auch die positiven Studien zu diesem Produkt. Jeder Nonamebilligjoghurt aus den Kühlregal scheint die gleichen positiven Wirkungen zu haben – eine schöne und den Geldbeutel schonende Information für all jene, die sich ihre Abwehrkräfte bisher teuer zu “ertrinken” glauben. Was die Werbung allerdings verschweigt sind die Gefahren, die von den kleinen Fläschchen ausgehen: liegt wohl daran, dass die Werbung für Menschen gemacht wird und nicht  für Ratten!








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