Die Kunden der Astrologin

7 03 2009

Anfang März erschien im Schweizer Tagesanzeiger ein Interview mit der Astrologin Monika Kissling mit dem Titel „In der Not schauen die Banker in die Sterne„. Die Kommentare zu diesem Artikel waren dabei sehr eindeutig:

Mumpitz Mumpitz Mumpitz Wüsste die Dame alles hätten wir keine Krise ! Das man darüber noch einen Artikel bringt ist ebenfalls bedauerlich.

Ein derartiger Versuch von Volksverdummung wie dieser Artikel sollte eigentlich nicht einfach so durchgehen. Pure Eigenwerbung für Frau Kissling, ohne jede kritische Frage, wie z.B. welche ihrer Voraussagen – konkret! – denn tatsächlich eingetroffen ist?

Können die Wirtschaftswissenschaften noch tiefer sinken? Unglaublich, dass der Tagi eine Plattform bietet für solche Inhalte. Hätte der Zusammenschluss der UBS mit dem Bankverein also an einem andern Tag als am 8.12.1997 stattgefunden, hätten wir nun keine Finanzkrise? Wer glaubt solchen Schwachsinn?

Florian Freistetter hat sich in seinem Blog Astrodicticum Simplex auch zu diesem Interview geäußert und ich habe mich mal auf der Webseite der Astrologin umgesehen. Da gibt es doch tatsächlich monatliche „Sternenberichte„, in denen allerdings außer belanglosem Blabla nichts zu finden ist. Bestenfalls zeigt Frau Kissling, dass sie in den Tagen vor dem Schreiben der Texte die Nachrichten verfolgt hat – so heißt es für den Februar 2008:

So werden im Umeld von Finsternissen (-/+ 2-4 Wochen) auf globaler Ebene meist die Weichen für die Zukunft neu gestellt. In das aktuelle Finsternis-Zeitfenster fallen die Amtseinsetzung von Barack Obama und seine ersten Amtshandlungen. Interessant dürften aber auch die Entwicklungen in der katholischen Kirche sein, denn die Rückführung von vier exkomunizierten Bischöfen durch den Papst erfolgte ebenfalls kurz vor der Finsternis.

Noch interessanter ist die Seite ihrer Angebote für Unternehmen. So bietet sie Vorträge zu folgenden Themen an:

  • Am Puls der Zeit: Wissensvorsprung dank Astrologie
  • Zyklisches Denken – ein neues Verständnis der Zeit
  • Erfolg hat, wer die Zeichen der Zeit erkennt!
  • Zeitgeist 2009 – ein Blick in die Zukunft

OK, als Realsatire könnte man einen solchen Vortrag ja mal über sich ergehen lassen  – ob es allerdings unterhaltsam wäre ist zu bezweifeln. Erfahrungsgemäß verursachen solche Vorträge zunmindest bei mir nach ca. 10-15 Minuten einen Schwurbeloverflow im Hirn, der wahlweise  durch Frischluft oder bestimmte, leicht toxische, Getränke zu bekämpfen ist. Aber  hier ist natürlich alles ernst gemeint – ebenso wie das Consulting für Führungskräfte und die Unterstützung bei der Personalselektion. Für letztere wirbt sie mit folgendem Text:

Der richtige Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: Das Horoskop ist ein wertvolles Diagnoseinstrument für eignungsdiagnostische Abklärungen bei Anstellungen, Beförderungen und Weiterbildung. Es zeigt die Stärken und Konfliktbereiche eines Mitarbeiters auf und gibt Auskunft über Führungskompetenzen, soziale sowie persönliche Kompetenzen.

Eine astrologische Analyse weist Parallelen zum graphologischen Gutachten auf, umfasst jedoch zusätzlich die „zeitliche“ Dimension. Wo steht der Bewerber auf seinem Lebensweg? Ist die Zeit für ein langfristiges Engagement reif, oder präsentiert sich die nahe Zukunft wechselhaft? Welche Herausforderungen stellen sich in den kommenden Jahren?

Dass sich manche Unternehmen tatsächlich auf solchen Nonsens verlassen ist wenig überraschend, denn an den entscheidenden Stellen sitzen Menschen, die eben auch der einen oder anderen esoterischen Lehre erliegen können. Offen zugegeben wird das eher selten – welches Unternehmen möchte sich schon nachsagen lassen, dass seine Personalauswahl zumindest teilweise auf pseudowissenschaftlichem Humbug beruht?

Ob das auf die Unternehmen zutrifft die Frau Kissling in ihrer Kundenreferenzliste angibt weiß ich natürlich nicht. Gewundert haben mich einige der Namen auf der Liste aber schon – ob die tatsächlich wissen, dass sie dort als Referenz genannt werden? Ich habe bei einer kleinen Auswahl einfach ‚mal nachgefragt – immerhin finden sich auf der Liste zwei schweizer Dependancen ehemaliger Arbeitgeber von mir und ich möchte nicht auf Grund meines Horoskops eingestellt worden sein …

Advertisements

Aktionen

Information

One response

9 03 2009
Schwurbeloverflow im Hirn: Warum Topmanager in die Sterne schauen « Gunnarsohn’s Weblog

[…] Die Hardcore-Esoteriker werden in einem herrlichen Blog aufs Korn genommen: Der Wahrsagercheck’s Blog.: […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: