15 Tote für die Leichenfledderer

24 03 2009

15 Tote in Winnenden – und der aktuelle Newsletter vom Allgeier-Verlag betreibt astrologische Ursachenforschung Leichenfledderei. Anders kann man es nicht nennen, wenn der Artikel unter der Rubrik Astrologie & Zeitgeschehen folgendes verspricht:

Der Amoklauf von Winnenden: der „böse“ Vollmond und die Motive des Täters aus astrologischer Sicht

Die Astrologie will also ein Geschehnis erklären, das nicht zu erklären ist. „Uranus spielte auch bei diesem furchtbaren Amoklauf in Winnenden eine Hauptrolle.“ ist da zu lesen oder „Die spezielle Zeitqualität des Attentats am 11. März war noch ein paar Spuren härter.“ und „Das Fass zum Überlaufen brachte aber ganz sicher der nun ebenfalls vorherrschende Vollmond in der Jungfrau, der in den Stunden des Amoklaufes ebenfalls auf der Achse Saturn-Uranus zu stehen kam.“  – Ach ne! Da haben wir ja noch Glück gehabt, dass nicht überall in Deutschland so etwas passiert ist, denn diese Konstellationen galten in der ganzen Republik. Und dass der Uranus und der Vollmond schuld sind, das ist für die Angehörigen der Opfer sicherlich beruhigend … … und außerdem hatten es die Astrologen natürlich vorher gewußt:

Bereits im vorigen Astroletter warnten wir vor diesem Zeitraum, indem die Sonne auf Uranus zulief und gleichzeitig in Opposition zu Saturn war.

Tatsächlich! Im  vorherigen Newsletter stand’s drin:

Die in den vergangenen Wochen vorherrschende Opposition zwischen Saturn und Uranus ist im März nicht mehr gradgenau und verliert deshalb an seiner Wirksamkeit. So jedenfalls möchte man meinen. Einen Strich durch diese Rechnung macht die Sonne, die in den Tagen um den 8. März Saturn gegenübersteht und in den Tagen um den 13. März Uranus überquert. Sie fungiert hier nach alter klassischer Regel als die „Überträgerin des Lichts“ und schafft hier quasi eine Spannung zwischen Saturn und Uranus, die bereits im Begriff war, sich aufzulösen.

Und was hat dieses Blabla jetzt mit Winnenden zu tun? Nichts natürlich, aber man kann ja mal daherschwurbeln, dass man vor einem Monat auch geschwurbelt hat.

Wenn schon die Medien – wie gewohnt – jegliche Scham angesichts einer solchen Tragödie vermissen lassen, dann kann der Allgeier-Newsletter nicht hintan stehen und fängt an das Täterhoroskop zu besprechen:

Diese „Schreckenskonstellation“ fiel nun auf die Häuser 5 und 11 als der 17-jährige Attentäter wild drauf los feuerte und insgesamt 15 Menschen erschoss. Das 5. Haus hat u.a. mit Liebe und Lebensfreude zu tun, das 11. mit Freundschaften, Hoffnungen, Wünschen und sozialen Kontakten.

Nach weiterem Geblubber wird’s hart:

Die angespannten Häuser 5 und 11 im Amoklauf-Horoskop deuten aus astrologischer Sicht darauf hin, dass er vom Leben ausgeschlossen und isoliert war, dass er keine Freunde hatte und dass er vor allem mit dem weiblichen Geschlecht, von dem er ziemlich sicher gemieden und abgelehnt wurde, enorme Konflikte hatte.

Genau! So geht das! Man braucht den Täter ja nicht zu kennen, der Blick ins Horoskop genügt: Einsamkeit und Triebstau – Vollmond in der Jungfrau und Uranus am Werk – Zackbumm! – 15 Tote!

… natürlich weiß man das erst hinterher (aus der Presse?) … … und natürlich gilt das nicht für alle einsamen 17-Jährigen … … und natürlich auch nicht für alle Jungs dieses Alters, die Probleme mit den Mädels haben … … und natürlich kann das beim nächsten Auftreten einer ähnlichen Konstellation ganz anders aussehen … … und natürlich hätte man nicht voraussehen können, dass … … die astrologischen Ausredephrasen bei konkreten Rückfragen sind bekannt!

Manchmal kann einem beim Lesen kurzer Newsletter schwer übel werden! Noch schlimmer wird’s nur bei den Oberastrologen von astrologix … … aber dieses traurige Hinundhergeschwalle auf dem Rücken der Opfer mag ich jetzt wirklich nicht kommentieren.

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One response

24 03 2009
Elke

Es ist nur noch widerlich und zum Kotzen, wie der Amoklauf für eigene Interessen ausgeschlachtet und interpretiert wird.

Außerdem und fern von der allgemeinen Diskussion gibt es noch Leute, die die Schulpflicht abschaffen wollen und den Amoklauf als Argument dafür nutzen. Andere sehen die Ursache der Tat in der Einnahme von Psychopharmaka oder Ritalin, obwohl niemand weiß, ob TimK. überhaupt Medikamente nahm.

Und dann gibt es auch noch eine ganz besonders abgespacete Verschwörungstheorie:

http://info.kopp-verlag.de/nc/news/winnenden-so-beginnt-die-tyrannei.html

[…] „Meine Einschätzung (mit der Betonung auf Schätzung): Winnenden ist Teil einer globalen Strategie zur totalen Entwaffnung der Bevölkerung (siehe auch den Artikel über den finnischen Amoklauf im Jahresrückblick 2009). Nicht umsonst wird bereits der Vater des angeblichen Alleintäters als Waffenbesitzer angegriffen und die Forderung nach zentraler Lagerung der Munition erhoben. Ganz offensichtlich steht die brutale Unterdrückung der Weltbevölkerung ins Haus, die solange nicht erfolgen kann, solange die Bevölkerungen zehn Mal mehr Waffen bunkern als Polizeien und Armeen. Die Massaker an Kindern bringen maximalen moralischen und emotionalen Druck zur Änderung von Waffengesetzen und Kontrolle von Waffen auf. Das Entsetzen ist berechtigt: Denn so beginnt die Tyrannei.

Da die angeblichen Alleintäter regelmäßig mausetot sind, sind Beweise für die offiziellen Versionen der Amokläufe nicht nötig. Die Erzählungen und Behauptungen von Staatsanwälten und Polizei genügen, weil es ein ordentliches Gerichtsverfahren gegen den angeblichen Alleintäter nicht geben wird. Die Pleiten um die gefälschte Ankündigung des Amoklaufs im Internet und die angebliche psychiatrische Behandlung von Tim K. sprechen Bände. Schon ist den Tyrannei-Behörden das Motiv für den Amoklauf abhanden gekommen. Und ohne Motiv ist natürlich die ganze Tat, so wie sie erzählt wird, futsch.

Dabei stellt sich doch die Frage: Wer hat ein Interesse, eine solche Amok-Ankündigung zu fälschen, wenn nicht Täter, die den Verdacht auf jemand anderen lenken wollen?

Dass die sogenannten »Ermittler« nun nach dem letzten Strohhalm greifen und nun auch noch den Computer der Mutter von Tim K. nach der heiß ersehnten Ankündigung des Massakers durchsuchen, ist da kein Wunder. Alles Anzeichen von nackter Panik bei den »Ermittlern«, denen der ganze »schöne« Amoklauf abhanden zu kommen droht.

Meine Empfehlung: Solidarische Masseneintritte in Schützenvereine – nicht zum Herumballern und natürlich nicht aus Waffenfetischismus, sondern zur Verteidigung eines liberalen Waffenrechts. Kein Nachgeben gegenüber dem Terror.

Soweit (leider nur) in Kürze.“ […]

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