Potentiale im Gesicht

10 03 2009

„Was umstrittene Persönlichkeitstrainer in Unternehmen anrichten“ ist der Untertitel des lesenswerten Buches „Der Griff nach der Psyche“ von Bärbel Schwertfeger aus dem Jahr 1998. Das Werk selbst ist leider nur noch antiquarisch verfügbar, aber die Autorin ist weiterhin in diesem Bereich aktiv. Unter dem Titel „Verräterische Beule am Kopf“ berichtete sie im November 2006 in einem Spiegel-Artikel über einen gerade aktuellen Wahnsinn aus der esoterischen Rumpelkammer: die Psycho-Physiognomik – eine 1:1-Fortführung der Physiognomik mit der schon die Nationalsozialisten ihr Eugenik-Programm pseudowissenschaftlich zu unterfüttern verstanden. Dass es offensichtlich Unternehmen gibt, die sich auch heute bei der Personalauswahl auf ein solches „Instrument“ verlassen ist an sich schon kaum zu glauben. „So sehe er etwa am Aufbau des Hinterkopfs und Unterkiefers, ob jemand eher harmoniegetrieben sei. Die Willensstärke erkenne er an der Nase.“ wird ein Personaler zitiert – man möchte ihn zu gerne fragen, ob sich die Willensstärke ändert, wenn bei einer Person mittels plastischer Chirurgie eine Nasenkorrektur vorgenommen wird.

Inzwischen gibt es ein solches Angebot sogar online für jedermann: Auf der Webseite Facionic – Discover your potential reicht das Einsenden zweier Fotos und man erhält – je nach Wunsch – sein Persönlichkeitsprofil oder sein Partnerschaftsprofil. Und dass es funktioniert, dafür verweist die Webseite auf einige Presseartikel, die ganz deutlich zeigen, wie wissenschaftlich das Ganze ist:

  • ein Artikel in der Fernsehwoche (Ausgabe vom 6.3.09; Seite 14/15)
  • ein Artikel aus Wallstreet online vom 20.11.2008
  • drei Spiegelartikel

Nun ja, die Fernsehwoche ist nicht gerade für Wissenschaftlichkeit berühmt (der Artikel ist so überzeugend wie eine Astrologiewerbung) und in Wallstreet online wird nur darauf hingewiesen, dass es ab jetzt Facionic gibt. Mit den Spiegelartikeln verhält es sich da etwas anders. Ein Artikel hat nichts mit dem Thema zu tun (es geht um Autos!), die beiden anderen beschreiben die jeweils gleiche Studie – einmal unter dem Titel „Erfolg steht Managern ins Gesicht geschrieben“ ein weiteres Mal unter „Das Antlitz der Sieger„. In dieser Studie konnten Probanden nur an Hand von Schwarz-Weiß-Fotos ziemlich gut unterscheiden, ob der Abgebildete ein eher erfolgreicher oder eher erfolgloser Manager war. Immerhin, möchte man sagen, aber stützt dies wirklich die Behauptung, dass man aus dem Gesicht eines Menschen seine Talente, Eigenschaften, Potentiale und Fähigkeiten ermitteln könne?

Aber auf Facionic wird das Ganze ja auch erklärt:

Grundlage der Physiognomik ist die Erkenntnis, dass das menschliche Erscheinungsbild einerseits auf genetischen Grundlagen aufbaut, zusätzlich jedoch auch sehr stark durch Erlebnisse und Erfahrungen wie auch Erziehung und Bildung, also durch anhaltende Aktivitäten des Gehirns geprägt wird.

Eine ziemlich gewagte Behauptung, zu der ich doch gerne den ein oder anderen Beleg hätte…

An allen Stellen eines menschlichen Körpers, an denen ein starker Energiefluss herrscht, zeigen sich formbildende Veränderungen.

Genau! Wenn ich zu viel esse, dann zeigen sich formbildende Veränderungen in Form einer Plautze – aber wo sonst herrscht ein starker „Energiefluß“ im Körper? Oder wird hier nur mal wieder das Wort „Energie“ verwendet weil es so schön klingt?

So wie ein Muskel, der über längere Zeit stark beansprucht wird, sich ausdehnt und vergrößert, reagiert auch das menschliche Gesicht auf die immer wiederkehrenden energetischen Reize geistiger Aktivität mit Ausdehnung und Veränderung.

Ein wunderbarer Satz! Mittels geistiger Aktivität kann ich also meine Gesichtsszüge verändern? Belege bitte! Um welche „energetischen Reize“ handelt es sich hier? Wie wirken sie?

In fortgesetzter Forschungsarbeit und Weiterentwicklung der Physiognomik ist es der FACIONIC AG gelungen, durch die Zuordnung von Arealen und Ausprägungen zu definierten Begabungen, Fähigkeiten und Eigenschaften die Methode so zu systematisieren, dass eine klare, nachvollziehbare und verlässliche Analyse der Merkmale des menschlichen Gesichts möglich ist.

Tatsächlich? Wo ist das nachzulesen? Wo sind diese bahnbrechenden Erkenntnisse veröffentlicht? Aber natürlich sucht man auf der Webseite diese Art von Quellen vergeblich. Es geht ja nur darum, seine pseudowissenschaftlichen Dienstleistungen zu verkaufen – und da behauptet man halt mal ziemlich genau das, was Astrologen von ihrer „Kunst“ auch behaupten. Potential, Beruf und Partnerschaft kann man übrigens auch aus anderen Körperteilen lesen lassen: Ob der oben zitierte Personalmensch seine Bewerber um entsprechende Bilder bittet wenn er an die Fähigkeiten von Frau Olschewski glaubt?





Die Kunden der Astrologin

7 03 2009

Anfang März erschien im Schweizer Tagesanzeiger ein Interview mit der Astrologin Monika Kissling mit dem Titel „In der Not schauen die Banker in die Sterne„. Die Kommentare zu diesem Artikel waren dabei sehr eindeutig:

Mumpitz Mumpitz Mumpitz Wüsste die Dame alles hätten wir keine Krise ! Das man darüber noch einen Artikel bringt ist ebenfalls bedauerlich.

Ein derartiger Versuch von Volksverdummung wie dieser Artikel sollte eigentlich nicht einfach so durchgehen. Pure Eigenwerbung für Frau Kissling, ohne jede kritische Frage, wie z.B. welche ihrer Voraussagen – konkret! – denn tatsächlich eingetroffen ist?

Können die Wirtschaftswissenschaften noch tiefer sinken? Unglaublich, dass der Tagi eine Plattform bietet für solche Inhalte. Hätte der Zusammenschluss der UBS mit dem Bankverein also an einem andern Tag als am 8.12.1997 stattgefunden, hätten wir nun keine Finanzkrise? Wer glaubt solchen Schwachsinn?

Florian Freistetter hat sich in seinem Blog Astrodicticum Simplex auch zu diesem Interview geäußert und ich habe mich mal auf der Webseite der Astrologin umgesehen. Da gibt es doch tatsächlich monatliche „Sternenberichte„, in denen allerdings außer belanglosem Blabla nichts zu finden ist. Bestenfalls zeigt Frau Kissling, dass sie in den Tagen vor dem Schreiben der Texte die Nachrichten verfolgt hat – so heißt es für den Februar 2008:

So werden im Umeld von Finsternissen (-/+ 2-4 Wochen) auf globaler Ebene meist die Weichen für die Zukunft neu gestellt. In das aktuelle Finsternis-Zeitfenster fallen die Amtseinsetzung von Barack Obama und seine ersten Amtshandlungen. Interessant dürften aber auch die Entwicklungen in der katholischen Kirche sein, denn die Rückführung von vier exkomunizierten Bischöfen durch den Papst erfolgte ebenfalls kurz vor der Finsternis.

Noch interessanter ist die Seite ihrer Angebote für Unternehmen. So bietet sie Vorträge zu folgenden Themen an:

  • Am Puls der Zeit: Wissensvorsprung dank Astrologie
  • Zyklisches Denken – ein neues Verständnis der Zeit
  • Erfolg hat, wer die Zeichen der Zeit erkennt!
  • Zeitgeist 2009 – ein Blick in die Zukunft

OK, als Realsatire könnte man einen solchen Vortrag ja mal über sich ergehen lassen  – ob es allerdings unterhaltsam wäre ist zu bezweifeln. Erfahrungsgemäß verursachen solche Vorträge zunmindest bei mir nach ca. 10-15 Minuten einen Schwurbeloverflow im Hirn, der wahlweise  durch Frischluft oder bestimmte, leicht toxische, Getränke zu bekämpfen ist. Aber  hier ist natürlich alles ernst gemeint – ebenso wie das Consulting für Führungskräfte und die Unterstützung bei der Personalselektion. Für letztere wirbt sie mit folgendem Text:

Der richtige Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort: Das Horoskop ist ein wertvolles Diagnoseinstrument für eignungsdiagnostische Abklärungen bei Anstellungen, Beförderungen und Weiterbildung. Es zeigt die Stärken und Konfliktbereiche eines Mitarbeiters auf und gibt Auskunft über Führungskompetenzen, soziale sowie persönliche Kompetenzen.

Eine astrologische Analyse weist Parallelen zum graphologischen Gutachten auf, umfasst jedoch zusätzlich die „zeitliche“ Dimension. Wo steht der Bewerber auf seinem Lebensweg? Ist die Zeit für ein langfristiges Engagement reif, oder präsentiert sich die nahe Zukunft wechselhaft? Welche Herausforderungen stellen sich in den kommenden Jahren?

Dass sich manche Unternehmen tatsächlich auf solchen Nonsens verlassen ist wenig überraschend, denn an den entscheidenden Stellen sitzen Menschen, die eben auch der einen oder anderen esoterischen Lehre erliegen können. Offen zugegeben wird das eher selten – welches Unternehmen möchte sich schon nachsagen lassen, dass seine Personalauswahl zumindest teilweise auf pseudowissenschaftlichem Humbug beruht?

Ob das auf die Unternehmen zutrifft die Frau Kissling in ihrer Kundenreferenzliste angibt weiß ich natürlich nicht. Gewundert haben mich einige der Namen auf der Liste aber schon – ob die tatsächlich wissen, dass sie dort als Referenz genannt werden? Ich habe bei einer kleinen Auswahl einfach ‚mal nachgefragt – immerhin finden sich auf der Liste zwei schweizer Dependancen ehemaliger Arbeitgeber von mir und ich möchte nicht auf Grund meines Horoskops eingestellt worden sein …





Das erwartet uns 2009 (Teil 5) – Kopierte Terrorprognosen aus dem Palmblatt

5 03 2009

Die Palmblattbibliotheken in Indien gehören wahrscheinlich den teuersten Optionen, wenn man denn einen esoterischen Blick in seine eigene Zukunft werfen möchte. Dass man bereits 2250 Jahre v. u. Z. „Palmenpaier“ zur Aufzeichung verwendet haben soll ist sicher interessant und für Historiker dürfte der Inhalt eine Menge Erkenntnisse über das Leben der Menschen damals liefern. Die Behauptung, dass in den so genannten Palmblattbibliotheken für jeden, der eine solche Bibliothek besucht, ein persönliches Palmblatt mit seinem eigenen, persönlichen Schicksal hinterlegt sein soll ist jedoch eher absurd. Da es eine Vielzahl dieser „Bibliotheken“ gibt gehen die Adepten dieser Mumpitztheorie außerdem davon aus, dass die Ersteller der Palmblätter bereits bei der Beschriftung der Blättchen anno dunnemals (vor 5000 Jahren!!!) wussten, wer denn da irgendwann ‚mal zu ihnen kommen wird. Auf einer Seite des Eso-Mystik-Shops Esotheka liest sich der Versuch einer Erklärung so:

Doch wie war ihm das möglich? Entweder hat er die Fähigkeit gehabt seine Klarträume so zu bestimmen, dass er die Daten und Fakten von allen Menschen, die jemals dort hinkommen werden, aufschreiben konnte oder wurde ihm die Fähigkeit gegeben, wie es in indischen Quellen gesagt wird, einen Blick in das Weltgedächtnis zu werfen.

Ach so, das „Weltgedächtnis“, oft auch Akasha-Chronik genannt. Und was haben sie dort über die einzelnen Menschen aufgeschrieben? Nach dem Reisebericht von Olaf Schreiber, der im Dezember 1999 zwei Palmblattbibliotheken besucht hatte und seinem Bericht die Überschrift Nadi, Ola und Betrug voranstellt, ist die Antwort klar und eindeutig: NICHTS!

Wenn wir einem gewissen Herrn Thomas Ritter glauben wollen, dann ist aber nicht nur das Schicksal einzelner Menschen, sondern sogar das ganzer Länder und Kontinente in den Palmblattbibliotheken hinterlegt: Den Rest des Beitrags lesen »





Aktuell im Spiegel: Diplomatenwahrsager aus Moskau

5 03 2009

Wer ist schon Nostradamus? Der wirkliche König aller Wahrsager wird bald Igor Paranin heißen. Der Mann ist immerhin Dekan der Diplomatenakademie in Moskau und sollte wissen wovon er redet, wenn er prophezeit, dass Barack Obama noch in diesem Jahr Kriegsrecht über die USA verhängen wird. Außerdem werde die USA bis 2011 in 6 Teilstaaten zerfallen und Alaska wieder an Russland gehen.
Letzteres eröffnet ganz neue Karrierechancen für die Möchtegernpräsidentschaftskandidatin Sarah Palin: Sie könnte sich ja in ein paar Jahren um die russische Präsidentschaft bewerben – ich prophezeie hiermit, dass sie das auch tun wird (aber nur falls Panarin Recht hat).





Vermischtes: Betrügerische Wahrsager, gottlose Mobilfunkmasten und mehr

4 03 2009

Wieder mal gibt es einen Prozess gegen eine Wahrsagerin, die das schöne einfache Spielchen gespielt hat:rede den Kunden irgend einen Fluch ein und zaubere ihn dann gegen viel Bares wieder weg. Der krasseste Fall aus dieser – endlosen – Serie wurde übrigens  2007  in Konstanz verhandelt. Der damalige Täter hatte sich mit einer ähnlich hohen Summe bei einer einzigen Familie bedient – bis zu deren Pleite und wurde dann zu einer – meines Erachtens recht kurzen angesichts einer ähnlichen Vorstrafe – Haftstrafe verurteilt.

Der ultimative Grund für die Gottlosigkeit der Gesellschaft ist gefunden: Die Mobilfunkmasten sind schuld! Mehr dazu gibt’s bei Frischer Wind in den Science Blogs.

Ähnlich lustig ist das Fundstück meines Lieblings-Sciencebloggers Florian Freistetter: Er stellt die Astro-Dynamische-Manifestation vor – eine Methode, mit der man seinem eigenen Horoskop entgehen können soll. Was wohl „normale Astrologen“ dazu sagen?

Der Schweizer Wahrsager Mike Shiva zeigt derweilen, dass er am letzten Samstag „Wetten dass?“ gesehen hat: Im Schweizer Blick sieht er für Bobeles Hochzeitspläne kosmisch-erotisch rosarot.  Wenn’s klappt hatte Iris Treppner mit ihrer Prognose nicht recht: Sie hatte Kurzzeitbeziehungen aus den Sternen gelesen. Immerhin: Auch Shiva sieht finanzielle Probleme für den Leimer Ex-Schlägerschwinger – das war auch schon bei weiteren Auguren zu lesen. Ob sich Boris‘ Finanzen daran halten?

Ein neuer „Weltrekord“ wurde ebenfalls vermeldet: Eine Frau hat der Nigeria-Connection 350.000 € überwiesen. Dass sie aus Österreich ist sollte kein Grund für Häme sein, denn wie auf einer niederländischen Webseite für solcherlei Betrugsfälle zu lesen, gilt Clever people ‘are easier to con’.





Lechts und Rinks: George Crabb beschreibt 1813 den Unterschied zwischen Astronomie und Astrologie

3 03 2009

In der Presse kommt es immer mal wieder zur Begriffsverwechselung zwischen AstroLOGie und AstroNOMie. Erst vor wenigen Tagen berichte der Lokalteil einer Zeitung von einer Messe zum neunten Hückelhovener Astronomietag, der von der Astrologie-AG des örtlichen Gymnasiums organisiert gewesen sein soll und auch dieser Bericht über den Start des Portals „Academic Earth“ behauptet es gäbe dort von renommierten Universitäten wie Yale oder dem MIT Vorlesungen „von Astrology und Biology bis Philosophie und Religion“. Dabei ist diese Velwechserung ganz sicher kein neues Problem, denn schon in seinem 1813 erschienen Buch „English Synonyms Explained in Alphabetical Order; with Cupious Illustrations and Examples drawn from the Best Writers“ listet der Autor George Crabb neben anderen synonymen Begriffen – auch Astrologie und Astronomie auf. Dabei ist ihm vollkommen klar, dass es sich in diesem Fall eben nicht um Synonyme handelt – denn er erklärt den Unterschied in ziemlich deutlichen Worten:

The  astronomer studies the course and movement of the stars; the astrologer reasons on their influence.

The astronomer calculates and seldom errs, as his calculations are based on fixed rules and actual observations – the astrologer deals in conjectures, and his imagination often deceives him.

The astronomer explains what he knows and merits the esteem of the learned – the astrologer hazards what he thinks and seaks to please.

A thirst for knowledge leads to the study of astronomy; an inequitude of the future has given rise to astrology.

Many important results for the arts of navigation, agriculture,  and of civil society in general, have been drawn from astronomical researches.  Many serious and mischievous effects have been produced on the minds of the ignorant, from their faith in the dreams of the astrologer.

Mich wundert allerdings seit Jahren, dass ich noch niemals eine Verwechslung „in die andere Richtung“ gefunden habe. Immer macht sich die Astrologie fälschlicherweise auf dem Platz der Astronomie breit, nie ist es umgekehrt … … oder kennt hier jemand ein Gegenbeispiel?





Werbewindbeutel

1 03 2009

Dass in der Werbung nicht immer die Wahrheit gesagt wird, dürfte dem Konsumentenvolk nicht unbekannt sein. Bis heute entlockt mir der Uraltwerbespruch eines Waschmittelherstellers , dass nach Benutzung eines bestimmten Pulvers die Wäsche „weißer als weiß“ aus der Waschtrommel entnommen werden könne (wer war das eigentlich?), ein kopfschüttelndes Grinsen angesichts dieser schönen Paradoxie.

Die Organisation Foodwatch möchte nun öffentlichkeitswirksam auf unsinnige Werbeaussagen hinweisen und lässt Internetnutzer auf ihrer Webseite „abgespeist.de“ darüber abstimmen, welches Produkt den „Goldenen Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge erhalten soll. Bei Foodwatch geht es natürlich nur um Essbares, und ob der Begriff „Lüge“ angesichts der in den letzten Jahren verschärften EU-Gesetze zu unlauteren Werbeaussagen hier wirklich angebracht ist darüber kann man streiten. Werbeaussagen müssen doch belegt werden – oder warum sonst wird bei vielen Werbespots Kleingedrucktes für Sekundenbruchteile eingeblendet, das den mit dicker Lupe bewaffneten Schnellleser über irgendwelche die Werbebehauptung unterstützenden Studien informiert?

Aber mal ganz ehrlich: Schminke und Übertreibungen erwartet man doch von der Werbung … … aber gleich so dreist wie bei dem vorgestellten Pesto? Dieses wirbt mit Olivenöl und Pinienkernen, besteht aber überwiegend aus Sonnenblumenöl und Cashewkernen. Die Ausrede des Herstellers faselt dann von einem „Lebensgefühl“ – dabei möchte der Kunde doch eigentlich nur das erwerben was auch beworben wird … … aber beim Pesto wird wenigstens nichts Wissenschaftliches behauptet.

Ganz anders sieht es bei einem bekannten bioaktiven Joghurtdrink aus, denn dieser wir gleich mit ganz vielen Studien die die „Stärkung der Abwehrkräfte“ belegen sollen, und da wird’s wirklich spannend. In der englischsprachigen Wikipedia ist der Streit darüber, ob die Werbebehauptungen nicht doch maßlos übertrieben sind, ein wenig dokumentiert und es werden einige der Studien im Detail erwähnt. Falls Foodwatch hier Recht hat (und meiner Meinung nach spricht Vieles dafür), so finanzieren die Konsumenten mit dem hohen Preis eben neben den Aktionären nicht nur die sicher nicht billigen Werbeauftritte eines bekannten TV-Wetterfroschs (der die im Verdauungstrakt wirksam werden sollenden, abwehrkarftstärkenden Kulturen auch gerne mal in die Achselhöhle zeichnet  – wie der Werbewahn berichtet – die anderen Actimel-Artikel dort sind übrigens ebenfalls sehr zu empfehlen …) sondern auch die positiven Studien zu diesem Produkt. Jeder Nonamebilligjoghurt aus den Kühlregal scheint die gleichen positiven Wirkungen zu haben – eine schöne und den Geldbeutel schonende Information für all jene, die sich ihre Abwehrkräfte bisher teuer zu „ertrinken“ glauben. Was die Werbung allerdings verschweigt sind die Gefahren, die von den kleinen Fläschchen ausgehen: liegt wohl daran, dass die Werbung für Menschen gemacht wird und nicht  für Ratten!








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