Komplementärmedizin praktisch oder wie die Schweizer ihre Forderungen zum Thema Komplementärmedizin umsetzen können

18 05 2009

Die Schweizer haben sich mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, die Förderung der Komplementärmedizin in ihrer Verfassung zu verankern. Klar, dass sich im Vorfeld viele kritische Stimmen meldeten, die „Voodoo im Verfassungsrang“ fürchteten, die Homöopathie mit Urielles Badewasser verglichen oder vor der Kapitulation der Vernunft warnten. Aber ob die eidgenössischen Komplementärfans mit dieser Vorgabe wirklich etwas gewonnen haben ist noch gar nicht klar, denn jetzt fängt die Arbeit erst an und weiterer Streit ist vorprogrammiert. OK, wenn die Schweizer ein paar Lehrstühle für Komplementärmedizin einrichten wollen – bitte (bei ordentlicher Forschung kommt entweder gar nichts ‚raus oder es gibt ganz viele Nobelpreise). Wenn sie nichtärztliche Therapeuten anerkennen wollen – was soll’s, machen wir in Deutschland schon lange und schimpft sich „Heilpraktiker“. Wenn sie die 5 vor einigen Jahren aus dem Leistungskatalog der öffentlichen Krankenkassen gekippten alternativmedizinischen Methoden wieder bezahlt haben wollen – mir egal, ich bin kein Schweizer. Im Tagesanzeiger aus Zürich wird ein hochrangiger Befürworter der Kampagne wie folgt zitiert:

«Es braucht noch einige wenige wissenschaftliche Abklärungen bezüglich der Wirksamkeit»,

… und fügt hinzu, dass Methoden, die sich als nicht wirksam erweisen auch nicht in den Katalog der Krankenkassen aufgenommen werden. Einige wenige ist dabei – wenn man zum Beispiel die Homöopathie nimmt – sogar übertrieben. Mir würde erst mal eine einzige samt ordentlicher Replikation reichen – soweit sie mit einer genügend großen Anzahl von Probanden und doppelter Verblindung durchgeführt wurde. Auch in der Neuen Züricher Zeitung wird  das hervorgehoben:

Solange das Gesetz nicht geändert wird, führt der Weg aber – wie bei der Schulmedizin – nur über den Nachweis der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Das ist jetzt natürlich ein wenig doof für die Komplementärmedizinfreaks, denn wenn die Komplementärmedizin die gleiche Wirkungsnachweise bringen muss, dann würde sie ja dann doch nicht bezahlt – also fordern die Anhänger von Homöopathie etc. natürlich auch gerne Ausnahmen von der doch sehr vernünftigen Regel, dass Krankenkasen nur das bezahlen sollen, was auch wirklich nachweislich hilft. Dabei gilt Deutschland mit seinen im Arzneimitelgesetz definierten Ausnahmen durchaus als Vorbild – obwohl es doch eigentlich ein Skandal ist, dass die von dieser Ausnahmeregelung betroffenen Homöopathen tatsächlich immer noch einen Stoff D30 auf ihre Globuli-Fläschchen schreiben dürfen anstatt – wie es richtig wäre – enthält 100% Milchzucker. Wenn irgend ein Kinderriegel einen gesund klingenden Inhaltsstoff auflistet, der dann im Riegel nicht nachzuweisen ist, dann wird der Hersteller sofort (und zurecht) an den öffentlichen Pranger gestellt – Homöopathen dürfen diesen Betrug in Deutschland mit gesetzlicher Rückendeckung täglich tausendfach durchziehen …

Vielleicht hätten die Schweizer Komplementärmedizin ihre Forderung einfach anders formulieren sollen. Die Forderung nach der Förderung in die Verfassung aufzunehmen ist ja sowieso nur ein sehr halbherziger Schritt, denn alternativmedizinische Praxis liesse sich in vielen Bereichen einfach und problemlos mit verhältnismäßig geringen Kosten und ohne Belastung der Krankenkassen umsetzen – man hätte sich nur vorher bei einigen Alternativmedizinern informieren müssen. Deshalb hier meine Vorschläge zur Hebung der Schweizer Volksgesundheit:

1. Mein Lieblingsprodukt aus der esoterischen Wahnwitzmedizin, die Silent Healing CD überträgt andauernd über 34.000 homöopathische Heilmittel einfach dadurch, dass man sie in einem CD-Player abspielt. Mein Vorschlag: Ab dem 1.7. werden Lautsprecheranlagen in öffentlichen Gebäuden, Bahnhöfen, Schulen, Universitäten und vielleicht auch Supermärkten und Kaufhäusern mit diesen Wunderscheiben bestückt. Soweit keine notwendigen Durchsagen oder ähnliches erfolgt, kann die CD über eine Endlosschleife die Schweizer Bevölkerung mit Homöopathika versorgen.

… und übrigens: Die CD lässt sich ohne Qualitätsverlust in einem handelsüblichen CD-Brenner vervielfältigen und wenn man sie vorher schüttelt ändert sich auch die Reihenfolge der aufgespielten Homöopathika – damit umgeht man auch das Urheberrechtsproblem.

2. Die regionalen und überregionalen Behörden drucken ihre Briefe (Wahlbenachrichtigungen, Steuererklärungen, etc.) nicht mehr auf normalem Papier sondern auf Similis Cards. Diese brandneue „Homöopathie in Kartenform“ mag von einzelnen Science-Bloggern lächerlich gemacht werden, aber sie wird bei Tests wahrscheinlich genau so gut abscheiden wie die Silent Healing CD oder irgendein Standardhomöopathikum D50 aus der Apotheke.

Hält der Bürger beim Lesen der Mitteilung das Druckstück in der linken Hand und in der rechten ein Glas Wasser, hat er sofort ein Homöopathikum erzeugt. Leider sind diese Karten erst für 291 Homöopathika beim Hersteller erhältlich – also müssten noch einige tausend andere hergesetellt werden. Da gerade Kinder ja immer wieder als Belege für die Wirkung homöopathischer Präparate jenseits des Placeboeffects herhalten müssen, schlage ich vor, dass man den Kleinsten im Kindergarten immer mal wieder ein neues Homöopathikum in die linke Hand gibt – nach 2 oder 3 Minuten erhalten sie dann ein Blatt Papier und einen Stift und dürfen ihre Eindrücke zu Papier bringen – schwupps haben wir eine neue Similis-Card. Denn natürlich muss das Gekritzel dann die Informationen des Homöopathikums enthalten – da die Kinder ja keine Ahnung haben, was sie da in der Hand halten mussten kann das in der Folge gemalten Bild nur Ausdruck  des Homöopathikums sein! Da kann es keinen Zweifel geben!!

Notwendig ist dafür nur, dass Homöopahiefans vorab bei den Behörden angeben, welches Mittelchen sie gerade benötigen. Aber eigentlich dürften das ja sowieso nur in Ausnahmefälllen zur Anwendung kommen, da ja die Schweizer nach Vorschlag 1 tagtäglich flächendeckend homöopathisch „beschallt“ werden.

3. Da ja bekannt ist, dass auch Sham-Akupunktur (also das Stechen nicht in irgendwelche spezifischen Akupunktur-Punkte sondern irgendwo hin) „funktioniert“ werden in allen Ämtern zusätzlich zu den Toiletten kleine „Nadelkabinli“ eingeführt. Dort kann sich jeder auf ein Stüchlchen setzen, das auf der Sitzfläche kleine Nadeln hat. Leider können diese Sitze nicht gepolstert werden, denn nach jeder Benutzung hat der Eidgenosse eine antiseptische Spülung zu veranlassen, die das Stühlchen für den nächsten Bürger säubert.

4. Im in Basel ansässigen Mahatma Haus kann die Regierung Kristallkarten als Planungsvorlage für öffentliche Plätze bestellen und nutzen. Wenn Schokiläden, Fastfoodtempel und Tortencafes einen Platz umsäumen, dann sollte er in der Mitte mit dem Muster „Übergewicht loslassen“ verziert werden, bei gefährlichen Straßen sollte die Karte „Achtsam sein“ als Vorlage für die Gestaltung des Straßenbelags dienen. Weitere Anwedungen sind bei der großen Auswahl im Sortiment jederzeit und im öffentlichen Raum umsetzbar.

Das sind nur ein paar einfache Vorschläge auf die Schnelle – alle ziemlich schnell realisierbar und in der Wirkung ebenso gut belegt wie die meisten Verfahren der Komplementärmedizin, die mit dem Referendum um Anerkennung gieren.

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