Und schon wieder: Wahrsagerin verurteilt!

22 07 2009

Die Masche ist wirklich immer die Gleiche und ich wundere mich immer wieder, wie leicht es doch zu sein scheint, gutgläubigen Esoterikanhängern große Mengen an Bares abzunehmen. Dem Bericht des Bonner Generalanzeigers von heute ist eigentlich nichts hinzuzufügen – außer der Frage, wo denn die von der Täterin ergaunerten 33600 Euro (für die sich das Opfer verschuldete …) geblieben sind. Das Opfer wird in den nächsten 4 Jahren gerade Mal schlappe 50 Euro pro Monat (also insgesamt 2400 Euro) zurückerhalten was  wahrscheinlich nicht einmal die Zinsen für den aufgenommenen Kredit kompensieren dürfte. Ob das milde Urteil (7 Monate Haft auf Bewährung und Zahlung der erwähnten 50 Euro monatlich an das Opfer für 4 Jahre) nicht eher eine Ermutigung für Nachahmer darstellt? Hier die ganze Pressemeldung im Wortlaut:

Bonner Gericht verurteilt Wahrsagerin

Betrügerin kassierte 33 600 Euro für Fluchaufhebung mit Engelshilfe und verschwand

Von Rita Klein

Bonn. Als Wahrsagerin machte sich die Frau auf der Anklagebank im Sommer 2008 in der City an eine 27-jährige Frau heran – und bewies damit zumindest exzellente Menschenkenntnis: Die sensible und labile junge Frau befand sich gerade in einer gesundheitlich und emotional so verzweifelten Lage, dass sie für die Wahrsagerin leichte Beute war. Sie glaubte der Frau mit den angeblich übersinnlichen Kräften, dass ein Fluch auf ihr laste.

Und auch, dass die Wahrsagerin diesen Fluch mit Hilfe von Engeln vertreiben könne, wenn sie genug dafür zahle. Das tat die 27-Jährige, doch statt des Fluches war am Ende nur die angebliche Wahrsagerin mit insgesamt 33 600 Euro weg. Da suchte die 27-Jährige Hilfe bei höchst irdischen Instanzen, erstattete Anzeige und sieht die Frau, die ihre Hilfsbedürftig- und Gutgläubigkeit so schamlos ausgenutzt hat, nun vor Gericht wieder.

Schweigend hört sich die 28-jährige Angeklagte an, wie ihr Opfer schildert, was vor einem Jahr geschah: Wie die Frau sie als Wahrsagerin angesprochen und ihr auf den Kopf zugesagt habe, dass sie Hilfe brauche. Und da sie im Kontakt mit Engeln stehe, wisse sie, was zu tun sei, um den Fluch zu bannen. Das habe allerdings seinen Preis. Die verzweifelte junge Frau zahlte für drei angebliche Kerzen- und weitere Fluchbannungsrituale mit Engelsbeistand 2 600 Euro. Besser ging es ihr danach nicht.

Und so holte die Wahrsagerin am 27. August zum finalen Coup aus. Sie versprach der 27-Jährigen die endgültige Aufhebung des Fluches, wenn sie für ihre fünf Engel so viel Geld wie möglich bei der Bank leihe.

Aber wichtig sei: Eine blonde Bankmitarbeiterin müsse es ihr geben. Mit diesem Geld müsse sie in weißem Kleid und mit roten Rosen nach Saarbrücken kommen, ihr das Geld und zwei Ringe geben, damit sie, die Wahrsagerin, damit dreimal betend um die Kirche laufen könne.

Das Geld müsse die 27-Jährige dann zurück zur Bank bringen, wo sie es nur einer dunkelhaarigen Mitarbeiterin geben dürfe. Ihr Opfer lief von Bank zu Bank, bis ihr eine 31 000 Euro lieh, fuhr mit dem Geld nach Saarbrücken, gab es der Wahrsagerin – und sah es nie wieder.

„Hat Ihnen denn keiner Ihrer Engel gesagt, dass Sie das nicht tun dürfen?“ fragt Schöffenrichter Frank Liegat die Angeklagte süffisant. Die Mutter von vier Kindern, die von Sozialhilfe lebt, beteuert zwar, dass sie alles bereue.

Doch sie verzieht höchst verärgert das Gesicht, als das Gericht sie nicht nur wegen Betruges zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, sondern auch vier Jahre lang zur monatlichen Zahlung von 50 Euro an das Opfer. Das ist mittlerweile völlig verschuldet.

Artikel vom 22.07.2009

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One response

27 07 2009
Udo

@ wahrsagercheck,

willkommen zurück aus deinem verdienten Urlaub… 😉

Zur Sache:
Es ist einfach mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachzuvollziehen (ähm,…für mich jedenfalls), wie man nur so naiv (oder schon eher blöd?) sein muss, auf solche miesen Abzock-Tricks hereinzufallen. Es ist ausnahmslos unverständlich!

Die Entscheidung des Gerichts ist aus meiner Sicht aber genauso lachhaft…. die dümmliche Wahrsagerin kassiert über 30tausend Euro ab und braucht nur 2.400 Euro zurückzuzahlen? Das ist doch Schwachsinn hoch drei!. Entweder wird der Schaden vollständig reguliert oder die Nulpe geht ab in den Bau, BASTA!

Wie du schon erwähnt hast, ermutigt dies ansonsten doch nur weitere zwielichtige Gestalten zur Nachahmung, nach dem Motto: „Es passiert einem ja nix und vollständig zurückzahlen muss man ja auch nicht!“ …welch´ ein gerichtlicher Urteils-Unfug ist das denn?

Was passiert mit dem erheblichen Differenzbetrag?… Was sagt das Sozialamt eigentlich dazu? … die müssten von Amtswegen die bisherigen Leistungen aufgrund „erzieltem Einkommen“ für die nächste Zeit einstellen, oder?

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