… und noch eine betrügerische Wahrsagerin verurteilt

29 08 2009

Bonn scheint eine Hochburg für die Verurteilung von Wahrsagerinnen zu sein. Nachdem bereits vor 5 Wochen eine Wahrsagerin wegen Betrugs verurteilt wurde gab es diese Woche einen fast gleichen Fall zu verhandeln. Wie damals endete das Ganze mit einer Bewährungsstrafe – dieses Mal waren es ein Jahr und 10 Monate für die auch in diesem Fall wieder einschlägig vorbestrafte Täterin, also mehr als 3 Mal so viel wie im Fall aus dem Monat Juli. OK, der bei den Opfern angerichtete Schaden war auch beträchtlich höher. Um sage und schreibe fast 170.000 Euro hatte die Täterin ihre zwei Opfer betrogen … … und auch dieses Mal scheint es sich um ein „gutes Geschäft“ gehandelt zu haben. Die Täterin ist zwar jetzt vorbestraft, aber neben der Bewährungsstrafe und 15o Stunden Sozialarbeit musse sie laut Urteil lediglich 20.000 Euro an die Opfer zurückzahlen.  Ob die Summe an beide zusammen oder jedes Opfer einzeln zu zahlen ist, darüber gibt der Artikel leider keine Auskunft (Lilith meint 10.000 € pro Opfer). Es bleiben also in jedem Fall fast 130.000 Euro übrig – dafür, dass die Frau nun 4 Jahre nicht strafällig werden darf hat sie also vorgesorgt: Mindestens 2.500 Euro steuerfrei pro Monat, da müssen andere Leute schon ordentlich für schuften.

Den traurigen Artikel aus der Kölnischen Rundschau über zwei kranke Frauen, die von einer skrupellosen Betrügerin ausgeplündert wurden habe ich hier ‚mal im Volltext reinkopiert:

Haft auf Bewährung

Wahrsagerin versprach Heilung

Von Ulrike Schödel, 27.08.09, 15:26h, aktualisiert 27.08.09, 19:20h

Das Bonner Amtsgericht hat eine Wahrsagerin aus Köln zu einer Haftsstrafe auf Bewährung verurteilt. Die 25-Jährige hatte zwei kranken Frauen insgesamt um 170.000 Euro betrogen und ihnen im Gegenzug Heilung versprochen.

BONN. Im vergangenen Jahr sei sie sehr krank gewesen, erinnerte sich Monika S. (Name geändert) gestern als Zeugin vor dem Bonner Amtsgericht. Keiner habe ihr helfen können. Da sei ihr die Angeklagte, die ihr die Heilung versprach, wie ein Geschenk des Himmels erschienen. „Ich glaube an solche Dinge“, räumte die 42-jährige ein. Schließlich hatte die junge Wahrsagerin ihr „auch noch richtige Dinge aus der Vergangenheit“ gesagt. Das Vertrauen war unumstößlich und für ihre Heilung war Monika S. bereit, alles zu zahlen. Am Ende waren es 105 000 Euro, die sie der 25-Jährigen ausgehändigt hatte. Dafür hatte die Frau ihr Erspartes aufgelöst und sogar einen Kredit über 50 000 Euro aufgenommen. Das Amtsgericht hat die 25-jährige Wahrsagerin gestern wegen schweren Betrugs in 18 Fällen zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. Neben Monika S. hatte sie auch noch ein zweites Opfer über den Tisch gezogen. In der Bad Godesberger Fußgängerzone hatte sie einer 52-jährigen Frau, die unheilbar erkrankt ist, die Heilung versprochen. Ihr nahm sie über 60 000 Euro ab. In beiden Fällen hatte die Angeklagte den kranken Frauen zusätzliche Angst gemacht, in dem sie ihnen skrupellos weissagte, sie seien von bösen Flüchen befallen, die allerdings mit Geldzahlungen zu lösen seien.

Bei Monika S. war es sehr konkret: In ihrem Leben, so hatte es ihr die Wahrsagerin erzählt, gebe es einen bösen Mann, der ihr Leben zerstören wolle und dafür sogar 200 000 Euro bezahlt habe. Wenn sie, so die Prophezeiung der Angeklagten, den bösen Fluch abwenden wolle, müsse sie einen ähnlich hohen Betrag zur Verfügung stellen. Den wolle sie ihrer Großmutter, die eine große Heilerin sei, schicken. Sobald der Fluch aufgelöst sei, bekäme sie das Geld zurück. Das aber blieb verschwunden.

Dem Spuk vorerst ein Ende gesetzt hat die Schwester der 52-Jährigen, die dabei war, leichtgläubig alles zu versetzen: Sie zeigte die Wahrsagerin an; die Polizei überwachte die Angeklagte telefonisch und stieß dadurch auch auf Monika S.

Die Angeklagte, die bereits als Jugendliche einschlägig vorbestraft war, legte gestern ein umfassendes Geständnis ab und mit einer kleinen „Wiedergutmachung“ zog sie ihren Hals ein letztes Mal aus der Schlinge: Durch die Zahlung von 20 000 Euro an die beiden Frauen wurde die Strafe „so gerade eben noch mal zur Bewährung“ ausgesetzt. Wo das ganze Geld geblieben ist, wollte die Mutter von drei Kindern nicht sagen. Nur angedeutet, aber unaufgeklärt blieb der Verdacht, dass die 25-Jährige das Geld nicht für sich behalten, sondern an ihren Familien-Clan abgeben musste. 150 Sozialstunden muss sie jetzt freiwillig leisten – und vier Jahre lang nicht straffällig werden.

Monika S. zeigte sich gestern zwar „tief enttäuscht“ von der Frau, mit der sie sich „befreundet gefühlt“ hatte, war aber immer noch davon überzeugt, dass sie ihr geholfen hat. Die schwer kranke 52-Jährige musste nicht aussagen.

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2 responses

27 12 2013
Angela

ich finde es echt schlimm, dass es so viele Betrüger auf diesem Feld gibt, die den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Das Gebiet der Esoterik oder Zukunftsdeutung ist ein hochsensibles Gebiet, wo man Menschen in not auch ehrlich und mit Respekt helfen soll gegen eine moderate Entlohnung.

28 12 2013
wahrsagercheck

@Angela
Werbung für irgendwelche Seiten, die Kartenlegen anbieten wird bei mir rigoros entfernt.
Auch wenn man meint, ehrlich gegenüber den – zahlenden (!!!) – Kunden zu sein bleibt der Fakt, dass Kartenlegen einfach nicht funktionieren kann. Wenn Sie das Gegenteil beweisen können, dann tuen sie das bitte – es wartet eine schlappe Million Dollar an Preisgeld für den Beleg einer solchen Fähigkeit (… seit vielen Jahren übrigens).

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