Jetzt doch: Bundesanstalt für Arbeit fördert Astrologieausbildung!

31 10 2009

Mitte September hatte die „Astropraxis“ von Frau Fritsch aus Hamburg schon auf astrologie.de vollmundig verkündet, dass die angebotene Astrologieausbildung bald über Bildungsgutscheine der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden kann. Der Artikel selbst wurde übrigens inzwischen wieder aus dem Portal entfernt, und auch ähnliche Ankündigungen auf der Webseite der Astropraxis waren einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen. Es wurde dann sogar gemutmaßt, dass mein Kommentar auf dem GWUP-Blog, in dem ich die Finanzierung einer solchen Ausbildung aus öffentlichen Mitteln als Skandal bezeichnete, vielleicht der Start einer urbanen Legende sein könnte …

Jetzt sieht es anders aus: Es ist keine urbane Legende sondern traurige Wahrheit! Auf KURSNET liefert die Eingabe des Stichworts Astrologie tatsächlich ein Kursangebot*, das mit Bildungsgutscheinen gefördert werden kann – allerdings nicht das der oben erwähnten Astropraxis von Frau Fritsch sondern das der Astrologieschule Sabine Bends u. Holger Faß GbR und natürlich fehlt ein entsprechender Hinweis auf deren Webseite nicht (ganz unten!). Schaut man auf die in KURSNET hinterlegte Kursbeschreibung, dann findet sich dort das Änderungsdatum 19.10.2009 – seit knapp 2 Wochen ist es also möglich, dass eine Ausbildung, die zum Ausnutzen der Hilflosigkeit von Menschen führen kann, aus Steuergeldern finanziert wird. OK, ich weiß natürlich dass nicht alle Astrologen als schamlose Abzocker via Astro-TV Anrufern das Geld aus der Tasche ziehen – aber das macht die Astrologie weder sinnvoller noch seriöser. Tatsache bleibt, dass jetzt pseudowissenschaftlicher Nonsens per Ausbildung zum Sternenschwurbler staatlich gefördert werden kann, und das kann man wirklich nur als skandalös bezeichnen!

Vielleicht sollte ich jetzt doch mal versuchen meine schon vor 6 Wochen vorgeschlagenen Kurse im KURSNET unterzubringen – weniger plausibel als die Astrologieausbildung sind sie auch nicht:

  • „Aufzucht und Haltung von Dinosauriern“ (im Bereich Tierzucht, -pflege, -haltung), immerhin gibt es dazu ein wunderbares Lehrbuch (das man vor einigen Jahren als Spektrum-Abonnent in einer pdf-Version herunterladen durfte)
  • Ausbildung zum „Gästeführer(in) Atlantis“ (im Bereich Reiseleitung, Fremdenführung), analog der sicherlich hervorragenden Ausbildung „Gästeführer(in) Eifel“ – mit dem kleinen Unterschied, dass das Reiseziel nicht so genau festglegt ist. Die Lokalisierungshypothesen erfordern ja Reisen in eine ganze Reihe touristisch interessanter Gegenden (die dann natürlich auch über die Bildungsgutscheine bezahlt werden sollten) …
  • „Tastaturbedienung per Telekinese“ – ein Kurs zur Optimierung der Computer-Skills: Kaum gedacht bewegen sich die Tasten automatisch, und das unabhängig davon ob nur Texte abgetippt oder komplexe Programme geschrieben werden sollen (für den Bereich EDV-/IT-Grundlagen)

* da das mit dem Webcite-Trick nicht funktioniert hat, hier ein paar Screenshots dazu:

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Initiative KKK: Köthen konsequent kuriert

29 10 2009

Schaut man sich in Wikipedia Bilder aus Köthen an, dann wirkt das kleine Städtchen in Sachsen-Anhalt durchaus nett und sympathisch. Blöd ist nur, dass sich die Stadt als „Homöopathiestadt“ versteht, weil der Erfinder des ultimativen Verdünnungswahnsinns dort ein paar Jahre lang gewirkt hat. Wissen die Stadtoberen eigentlich was das bedeutet? Teilweise ja, denn es „soll untersucht werden, ob die Therapieansätze der homöopathischen Medizin auch auf die Gesundung unseres Stadtkörpers angewendet werden können.“ heißt es in der Beschreibung des Stadtentwicklungsprojekts, das unter dem Motto „Homöopathie als Entwicklungskraft“ steht. Noch ist dieser Therapieansatz über den Versuch einer Anamnese (so nennen die Homöopathen eine einfache Befragung!) nicht hinausgekommen (und die fand  ja nur in einer Straße statt, der Rest der Stadt müsste auch noch befragt anamnesiert werden), denn was ein Sonnenblumenfeld oder die Gestaltung eines Platzes mit homöopathischer „Methodik“ zu tun hat, das erschließt sich Kennern dieser Materie eher nicht.

Spannend wird es allerdings erst dann, wenn die Stadt irgendwann wirklich Ernst mit der homöopathischen Behandlung macht. Streng nach Hahnemann könnte das folgendermaßen aussehen: Nehmen wir mal an wir haben eine häßliche Baulücke in irgend einer Innenstadtstraße. Da sich die Homöopathie lediglich um das Symptom („sieht häßlich aus“) kümmert und dann ein „Mittel“ auswählt, dass ein gleiches Symptom erzeugt (Simileprinzip), kann die Baulücke zum Beispiel mit einem – häßlichen – Hundehaufen kuriert werden. OK, der muss natürlich (Potenzierung!) stark verdünnt und verschüttelt werden – aber nicht in der Art des entsprechenden homöopathischen Präparats, hier würde es ja einzig und allein auf das Auge ankommen! Die Lösung ist einfach: Gaaaaaanz kleine Hundehaufen – z.B. in „Nanogröße“, je kleiner desto besser wegen der Potenzierung – werden regelmäßig von den Verantwortlichen vor der häßlichen Baulücke appliziert … … die sieht man zwar nicht, aber genau so „funktionieren“ ja auch die Globuli! Wenn schon Hahnemann, dann konsequent!

Deshalb möchte ich die Initiative KKK – Köthen konsequent kuriert gründen! Ziel dieser Initiative ist es, in der Homöopathiestadt Köthen die „Gesundung des Stadtkörpers“ konsequent nacht homöopathischer Lehre und gemäß obigem Beispiel voranzutreiben.

Problematisch sind nur all die Dinge, die laut Hahnemann möglichst vermieden oder entfernt werden [müssen], wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll, denn diese werden gravierende Auswirkungen auf das Stadtleben haben:

Kaffee (Tchibofilialen und Cafes werden geschlossen …) , feiner chinesischer und anderer Kräuterthee (… auch Tee darf nicht mehr verkauft oder gebrüht werden …); Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht (… Bier ist offensichtlich auch verboten, denn Hopfen dürfte unangemessen sein – Kneipen werden also geschlossen, Getränkemärkte müssen Bier aus dem Angebot nehmen …), sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure (… kein Eierlikör mehr, meine Damen!), alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen (… hat Douglas eine Filiale in Köthen? Falls ja: Schliessen und leer räumen!) mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer (das muss natürlich überprüft werden …), aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus (weg mit allen homöopathieinkompatiblen Zahncremes – da bleiben allerdings nicht viele übrig). Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen (… das Aus für alle griechischen, türkischen und asiatischen Restaurants …), gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z. B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet (… damit müssen auch Eisdielen und Konditoreien dicht machen …), rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten , u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen (hmm – was darf denn dann in Köthen überhaupt noch verzehrt werden? Wasser und Brot sind immerhin nicht ausgeschlossen, und sogar ein Gläschen Wein ist erlaubt!) als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke (OK, Köthener dürfen noch Schnaps mit viel Wasser trinken – aber keine Kräuterschnäpse, könnte ja eine Heilpflanze drin verarbeitet sein …); Stubenhitze (Heizung aus! Das spart auch Geld und schont die Umwelt!) , schafwollene Haut-Bekleidung (Baumwollfeinripp scheint ja erlaubt zu sein), sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft (Bürotätigkeiten in Köthen werden verboten), oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln) (wegen der Schaukeln werden Kinderspielplätze geschlossen, außerdem wird die Stadt autofrei), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten) (wird verhindert durch lautes gemeinsames Singen zwischen 11 und 15 Uhr), Lesen in wagerechter Lage (… wird nicht vergessen! s.u.), Nachtleben (Kneipen sind ja eh schon dicht, da ist diese Forderung leicht zu erfüllen), Unreinlichkeit (jeden Morgen ist Waschappell im Rathaus), unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften (entsprechende Bücher und Zeitungen werden aus der Stadt verbannt) , Onanism (das möchte ich jetzt nicht kommentieren) oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf (immerhin: Sex ist also erlaubt, aber nur die katholische Variante zur Kinderzeugung); Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses (das zu verhindern wird ganz schwierig!), leidenschaftliches Spiel (Spielsalons werden also auch geschlossen), übertriebene Anstrengung des Geistes (z.B. Denken!) und Körpers (Jogger und Walker müssen zu Hause bleiben, Bälle sollten vorsorglich konfisziert werden), vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ (erst wird alles „Unkarge“ verboten und dann das karge Darben … als Hahnemannstadtbewohner hat man es aber auch schwer …) u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll. Einige meiner Nachahmer scheinen durch Verbieten noch weit mehrer, ziemlich gleichgültiger Dinge die Diät des Kranken unnöthig zu erschweren, was nicht zu billigen ist. (zitiert aus dem §260, Organon der Heilkunst; außer den Kommentaren natürlich)

Tja, das wird heftig für die Köthener Bürger! Die beste Lösung wäre es natürlich, wenn man für die Zeit der homöopathischen Behandlung die Menschen einfach aus Köthen entfernt und die Stadt bis zur Genesung zu einer Art Sperrgebiet erklärt. Wer will denn diese ganze Litanei an Verboten kontrollieren? Und wer will die Verantwortung dafür übernehmen, dass nicht vielleicht ein paar böse, homöopathiefeindliche Skeptiker die Heilung durch einen Besuch in Köthen und den dortigen Verzehr mitgebrachter, „verbotener“ Speisen (scharfer Döner, Chinesisches aus der Szechuan-Küche oder gar ein leckeres indisches Vindaloo …) und Getränke (Kaffee, Tee,  Bier und den ein oder anderen unverdünnten Kräuterschnaps) oder irgendwelchen ungebührlichen Handlungen (z.B. auf einer Bank liegend „Spektrum der Wissenschaft“ lesen) die Heilung der Stadt Köthen gefährden? Lediglich ordentlich ausgebildeten Homöopathen sollte in der Heilungsphase noch Zutritt zur Stadt gewährt werden – irgend jemand muss ja die Nanohäufchen und ggf. andere Mittelchen applizieren und selbstverständlich dürfen diese Menschen dann auch in der Europäischen Homöopathiebibliothek schmökern (aber nicht im Liegen – s.o.). Dadurch ist die Heilung der Stadt übrigens auch garantiert: da so gut wie niemand mehr die oben erwähnte häßliche Baulücke sehen kann, ist ja auch das Symptom („Wie häßlich sieht das denn aus!“) sofort verschwunden.

Aber wohin mit den Einwohnern von Köthen? Da habe ich eine Idee:

Die Initiative KKK – Köthen konsequent kuriert ruft alle Homöopathen dieser Welt zur Mithilfe auf! Um die homöopathische Heilung der Stadt Köthen voranzutreiben braucht die Initiative KKK ihre Spende! Mit dieser Spende wird die Initiative KKK die Rahmenbedingungen schaffen, um der Stadt Köthen eine ganzheitliche homöopathische Heilung zu ermöglichen!

… in dem sie die Bürger für den Heilungszeitraum auf Kosten der Initiative KKK einfach an einen schönen Ort verbringt. Ob Mallorca, Kanarische Inseln, Österreich – in der Nebensaison (auf Schulferien muss keine Rücksicht genommen werden, der Unterricht an den Schulen wird am Ort der Verbringung fortgesetzt) und bei der Menge der zu verbringenden Personen (Mengenrabatt!) wird das bestimmt gar nicht soooo teuer. Und die Heilung der Stadt wird nicht nur zusätzlich durch zufrieden heimkehrende Bürger unterstützt, wenn sich das rumspricht werden nicht wenige Menschen versuchen ihren Wohnsitz nach Köthen zu verlegen und die Abwanderungstendenz ist gebannt. Deshalb:

Liebe Homöopathen, liebe Hersteller homöopathischer Produkte, bitte unterstützt die Initiative KKK – die Homöopathiestadt Köthen hat es verdient konsequent kuriert zu werden!





TMBG – Wissenschaftspopohrwürmer

26 10 2009

Wenn Tim Minchin’s geniales Beatpoem Storm schon als Skeptikerhymne bezeichnet wird, was macht man dann mit den neuen Songs von They might be giants? In den Scienceblogs wurde die neue CD (und DVD) schon gebührend gewürdigt, und dem Lob kann ich mich nur anschliessen. Welcher begeisterte Paläontologe wird nicht lauthals „that’s who I am“ singen, wenn das dazugehörige Lied der beiden Johns (Flansburgh und Linnell) läuft? Für Chemiker gibt’s den Ohrwurm „Meet the elements“ (bisher dachte ich,  für sie gäbe es nur „The Elements“ von dem eigentlich genialen Tom Lehrer, aber das ist natürlich irgendwie doch schon sehr altmodisch …) und die Biologie wird in Cells und Photosynthesis herrlich eingängig abgefeiert (… auf YouTube leider nicht zu finden). „Put it to the test“ erklärt die wissenschaftliche Methode (Klasse Video!), die in den beiden Songs „Why the sun shines“ (eigentlich ein Oldie – ob man so etwas heute noch irgendwo bekommen kann?) und dem direkt folgenden „Why the sun really shines“ auch gleich deutlich gemacht: Die These im ersten Song stimmt nämlich nicht, also machen die beiden einfach einen neuen Song mit einer besseren Erklärung. Die ganze CD macht einfach Spaß, und endlich kann ich mir auch die Reihenfolge der Farben des Regenbogens merken: Danke Roy G. Biv!

Auf dieser CD fehlt natürlich „mein“ Studienfach, aber dafür gibt’s ja „Here come the 123s“ mit so schönen Titeln wie „One Everything“ oder „I can add even“ und natürlich „Infinity„. Obwohl die Lyrics im Vergleich mit den Science-Texten eher schlecht abschneiden (nachlesen kann man den ganzen Kram im TMBG-Wiki) gibt es auf der 123-CD als absolutes Highlight den Wochentagssong:

… und solange es keine Mathe-CD von TMBG gibt kann ich mich ja noch mit diesem Song vergnügen:





Ab November: Böse Russen zerbröseln die USA

22 10 2009

Wenn ein russischer Diplomat den Zerfall der USA in 6 Teilstaaten vor 2011 prophezeit, dann hat das einen nicht geringen Belustigungsfaktor und man fragt sich ob dieser Igor Panarin hier nur grob gescherzt hat (wie weiland der US-Präsident Ronald Reagan, der vor gut 25 Jahren die Bombardierung der Sowjetunion binnen 5 Minuten ankündigte) oder völlig durchgeknallt ist. Unter Verschwörungsschwurblern nimmt man auch solcherlei Nonsens ernst – zumindest scheint dies ein gewisser Torsten Mann zu tun, der vor einem Monat nicht weniger als die binnen kurzer Zeit bevorstehende Invasion der USA ankündigte.

OK, das ganze liest sich, als hätte sich der Text eines Kommunistenhassers aus der Zeit des Kalten Krieges in die heutige Zeit verirrt, denn wie damals ist das Böse eindeutig identifiziert: Die Russen sind’s! Oder die Chinesen, oder beide … … auf jeden Fall ist’s irgendwie der böse Kommunismus, dessen Langzeitplan nun – bezogen auf die Vereinigten Staaten – endlich aufzugehen scheint. Für Europa sieht es übrigens auch nicht besser aus – aber das hatte der Mann ja bereits vor einem Jahr beschrieben, wobei das Ganze in Bezug auf Deutschland nach tiefbrauner Soße müffelt:

Vor allem die innere Schwäche Deutschlands, hervorgerufen durch die »Fünfte Kolonne« Moskaus in Gestalt der 68er-Bewegung und ihrer zersetzenden Folgeerscheinungen, zu denen auch die Friedensbewegung zählt, ist das größte Hindernis auf dem Weg zu wahrer nationaler Souveränität.

So eindeutig er die Schuld an allen drohenden Übeln bei den Russen findet, so schwer scheint sich der Autor mit Zahlen oder der Geografie zu tun. Nach dem folgenden, unter Schwarzsehern durchaus üblichen, Katastrophengeraune …

im Anschluss an einen massiven Atomschlag würden russische Truppen Alaska und Teile Kanadas besetzen,“

… bleiben bei Herrn Mann noch wieviele der 50 US-Bundesstaaten für China übrig? Genau:

„während China in den restlichen 48 Bundesstaten einfiele.“

Dass Kanada nicht zu den 50 Staaten gehört sollte er eigentlich wissen, aber Verschwörungsmathematik scheint sowieso eine sehr eigenwillige Disziplin zu sein. Im weiteren Verlauf des Textes nennt der Autor nämlich die 48 US-Bundesstaaten, die irgendwann den Chinesen zufallen sollen, beim Namen:

Kalifornien, Washington, Oregon, Nevada, Arizona, Utah und Idaho

Nun gut, das sind jetzt nur sieben, aber für Verschwörungsmathematiker scheint das schnurz zu sein. Sehr schön ist auch das kleine Bildchen, das die zukünftige „Aufteilung“ der USA zeigen soll: Mexiko krallt sich den Süden (wie und warum bleibt im Dunkeln), Kanada (… wurde das nicht gerade noch von den Russen besetzt????) den Norden und für die Europäische Union (… die dann bestimmt von Moskau dominiert ist …) bleibt auch noch etwas übrig. Schließlich sollen die Japaner – warum auch immer – Hawaii erhalten … … aber das scheint eine neuere Erkenntnis zu sein, da im März auf einem ähnlichen Bildchen noch die Chinesen das Urlaubsparadies zugeteilt bekamen (zumindest die Zuteilung Hawaiis an Japan scheint der Zahl 6 geschuldet zu sein – in so viele Teilstaaten soll die USA laut Paranin ja zerfallen).

Kleiner Tipp für  Herrn Mann: Nicht nur Bücher aus dem Kopp-Verlag lesen, auch wenn der das eigene Geschreibsel veröffentlicht. Und übrigens: Wie hieß noch dieser Staat, der in den letzten 20 Jahren in diverse Einzelteile (ich zähle jetzt nicht nach, aber es sind weit mehr als 6) mit wohlklingenden Namen wie Usbekisten, Kasachstan, Moldawien, Ukraine, Aserbeidschan, Georgien, Tadschikistan, Turkmenistan usw. usf. zerfallen ist? Na? Keine Idee? Ein Blick in den Atlas hilft …





Homöopathen bitte zum Selbstversuch – ein ernst gemeintes Angebot

20 10 2009

Wenn in den ScienceBlogs in irgendeinem Artikel oder in den Kommentaren die Homöopathie erwähnt wird, dann entwickeln sich nicht selten endlos lange Kommentarschlachten, in denen mit den immer gleichen Argumenten zwei Welten aufeinander prallen. Auf der einen Seite die Wissenschaftlerfraktion, die darauf hinweist, dass die Behauptungen der Homöopathie so ziemlich allem widersprechen, was man heute über  Physik, Chemie und Biologie weiß und dass bisher keine über Placebo-Effekte hinausgehende Wirksamkeit festgestellt werden konnte sobald man Homöopathika ordentlich doppelblind testet – auf der anderen Seite die Globuli-Anhänger die auf eigene positive Erfahrungen verweisen und bisweilen sogar positive Ergebnisse von Untersuchungen erwähnen (die sich bei näherem Hinsehen aber in der Regel als methodisch höchst fragwürdig herausstellen). Dabei könnten es die Homöopathieanhänger eigentlich der Wissenschaftsfraktion ganz einfach mal so richtig zeigen: Sie müssten sich nur ordentlich designten Selbstversuchen unterwerfen, denn wenn die Hahnemann-Anhänger tatsächlich in der Lage sind, echte Hochpotenz-Globuli rein auf Basis der Wirkung von „leeren“ Globuli zu unterscheiden, dann wäre das durchaus eindrucksvoll.

Der Selbstversuch der Homöopathen funktioniert folgendermaßen:

  1. Freiwille melden sich und geben ein Homöopathikum an, das sie an Hand der Wirkung erkennen zu können glauben. Angeben müssen sie noch, wie viele Globuli sie brauchen, um die Wirkung zu erkennen.
  2. Der Versuchsleiter vergibt an jede Testperson eine „Nummer“ und gibt den Namen des Homöopathikums an einen Apotheker weiter.
  3. Der Apothker besorgt das Homöopathikum und gleich aussehende, bzw. gleich schmeckende „leere“ Globuli (die gibt es im Versandhandel). Der Apotheker kennt nur die „Nummer“ des Testteilnehmers.
  4. Der Apotheker nimmt nun 2 geeignete Behältnisse (die lediglich numeriert sind), füllt in eines das Homöopathikum und in das andere die gleiche Anzahl „leerer Globuli“. Selbstverständlich wird dokumentiert, in welchem Gefäß das Homöopathikum und in welchem die leeren Globuli sind und natürlich werden ggf. notwendige Vorsichtsmaßnahmen beim Umfüllen (die nach Meinung der Homöopathen die Wirksamkeit beeinflußen können) beachtet.
  5. Der Apotheker gibt die beiden Gefäße an den Versuchsleiter zurück (und nennt natürlich die Nummer der Testperson).
  6. Der Versuchsleiter schickt nun auf Basis der Nummer der Testperson die beiden Gefäße an diese zum Testen.
  7. Die Testpersonen erhalten nun beide Gefäße und müssen binnen eines – von ihnen selbst vorab – festzulegenden Zeitraums entscheiden, in welchem Gefäß ihrer Meinung nach die echten Globuli sind. Sie müssen also lediglich zurückmelden, dass in Gefäß Nr. X Globuli zu finden waren und in Nr. Y nicht.
  8. Danach wird ausgewertet, in wieviel Prozent der Fälle die Homöopathiefraktion die „echten“ Globuli erkannt hat und natürlich auch, ob dieses Ergebnis auf einem Signifikanzniveau von 5% signifikant ist (das hängt ja auch von der Anzahl der Teilnehmer ab).

Der Versuch ist also für die Testteilnehmer sehr einfach durchzuführen, und natürlich können die Testteilnehmer – wenn sie zum Beispiel der Meinung sind sie bräuchten 1o Globuli um die Wirkung sicher zu erkennen – mehrfach teilnehmen, ja sie sollen es sogar (das verringert die Kosten). Dies bedeutet: Nach einem „Durchgang“ mit Rückmeldung des Ergebnisses durch die Testperson an den Versuchsleiterv erhält die Testperson zwei neue „Portionen“ …

Die Testorganisation ist lediglich ein logistisches Problem. Benötigt wird ein vertrauenswürdiger Apotheker (der die Globuli abfüllt) und eine ordentliche Verblindung. Einen Apotheker, der das Ganze ordentlich durchführt (und das Umfüllen  ggf. jeweils per Videokamera dokumentiert) würde sich wohl finden lassen, da bin ich sehr optimistisch. Die Verblindung per „Münzwurf“ und die Dokumentation sind ebenfalls einfach zu bewerkstelligen. Für den Versand werden allerdings entsprechende Behältnisse benötigt. Kleine Platikphiolen etwa oder irgendwelche kleine Gläschen – hier würde ich mich vorab informieren, bzw. müsste wissen, ob es von Seiten der Homöopathen irgendwelche Einschränkungen gibt.

Ebenfalls noch offen ist die Kostenfrage. Wer bezahlt die Globuli? Nun, dies sollten die Homöopathen bzw. die Homöopathieanhänger natürlich selbst tun, denn ein positives Ergebnis – vorausgesetzt es finden sich genug Freiwillige – wäre ja für diese eine wunderbare Sache – endlich könnte man den bösen Skeptikern mit einem sogar mit einem ausgewiesenen Skeptiker durchgeführten Versuch entgegentreten und stolz verkünden, dass die Wirkung der Globuli eben doch irgendwie „fühlbar“ ist. Das würde zwar der Aussage von Kate Chatfield, einer englischen Spitzenfunktionärin der Homöopathen, widersprechen (in diesem Report ist auf Seite 220 nachzulesen, dass man ihrer Meinung nach Homöopathika nur am Etikett unterscheiden kann …), aber für die Homöopathie wäre ein positives Ergebnis eines solchen Tests schon mehr als bemerkenswert.

Also los! Meldet euch, wenn ihr bereit seid, an einem solchen einfachen und völlig ungefährlichen Selbstversuch teilzunehmen! Ich warte auf eure Mails und stelle mich – natürlich unentgeldlich – als Versuchsleiter zur Verfügung. Bitte teilt mit, welche Globuli ihr erkennen zu können glaubt, sowie an Hand wievieler Globuli und innerhalb welchen Zeitraums ihr euer Ergebnis dem Versuchsleiter mitteilen könnt. Auf Basis dieser Rückmeldungen würde ich dann das Versuchsdesign noch genauer spezifizieren, einen Zeitplan entwerfen und diesen hier veröffentlichen. Meldungen bitte direkt per Mail an mich (webmaster[at]wahrsagercheck.de) und nicht über die Blogkommentare.

Ich bin mal gespannt, wie viele sich die Teilnahme an diesem Selbstversuch zutrauen …





Herr Köpfer aus Rosenberg bitte zum Test: die Lottozahlen bitte!

10 10 2009

Das kleine Städtchen Rosenfeld war mir bisher nicht bekannt. Die Stadtseite zeigt neben einem offensichlich erfreuen Kleinkind ein schmuckes Fachwerkhaus und unter Torismus & Freiziet erfährt man von der Existens eines Rad- und Wander-Shuttles an Sonn- und Feiertagen und dass das gastronomischen Angebot vom Imbiss in der Metzgerei Gührig über das  Traditionsgasthaus Sonne bis zum Restaurant Mömpel reicht. Das Alles wäre kaum erwähnenswert, hätte nicht der Schwarzwälder Bote dort einen wahren Supermann gefunden.

Peter Köpfer heißt dieser Mann, den die aktuelle Ausgabe des Schwarzwälder Boten mit einem Artikel würdigt, der nur in der Überschrift Fragezeichen beinhaltet (Heilen ? allein mit den Händen?). Der Rest des Artikels könnte aus jeder x-beliebigen Esoterikpostille stammen  – denn es werden auch die absurdesten Behauptungen des Herrn Köpfer einfach unkritisch und ohne das geringste Hinterfragen aneiandergereiht.

Schon die einfache Frage, warum er eigentlich nicht vorab die Öffentlichkeit gewarnt habe, wenn er schon als Hellseher „den Tsunami vorhergesagt, der im Dezember 2004 in Asien Tausende das Leben kostete“ vorausgesehen habe, wurde offensichtlich nicht gestellt. Als „Quelle“ reicht die Aussage des „Hellsehers“, es gäbe Zeugen. Der grenzenlose Zynismus, der in solchen Behauptungen steckt, scheint der Autorin des Artikels gar nicht aufgefallen zu sein: Wenn Herr Köpfer das wirklich vorhergesehen hatte, warum hat er nicht zumindest versucht, die Öffentlichkeit zu warnen? Das hätte Leben retten können … … hat er es wirklich gewußt und nicht versucht die Öffentlichkeit zu warnen, könnte man auf die Idee kommen, ihm zumindest eine gewisse Mitverantwortung für die über 200.000 Toten vorzuwerfen. Das gilt natürlich auch für die bei secret.tv erwähnten „Anschläge vom 11. September 2001, [und] die Flugzeug-Katastrophe von Überlingen (Bodensee)„, die er ebenfalls vorausgesehen haben will.

Da er außerdem mit seinen Händen heilen zu können behauptet, ist die Frage berechtigt, ob er das überhaupt darf. Der Artikel erwähnt nicht, ob Herr Köpfer Heilpraktiker ist, aber er darf beschreiben wie sein „Heilverfahren“ „funktioniert“:

»Ich lege meine Hände auf die Handinnenflächen des Patienten«, sagt Köpfer. »Dabei spüre ich Strömungen, und genau diese Energie gebe ich über die Hände weiter. Auf diese Weise setzt der Heilungsvorgang ein.«

Meines Wissens ist es in Deutschland strafbar, Heilbehandlungen ohne eine entsprechende Ausbildung anzubieten … .

Bleibt die pseudokritische Frage der Redakteurin, ob Herr Köpfer nicht auch die Lottozahlen voraussagen könnte und die Antwort überrascht:

»Ich denke, wenn ich es probieren würde, könnte ich es«,

Na wunderbar! Dann mal los!

Ich fordere hiermit Herrn Köpfer dazu auf, seinen vollmundigen Behauptungen Taten folgen zu lassen: Sie sagen die Lottozahlen voraus und veröffentlichen ihre Zahlen jeweils nach Schließen der Annahmestellen (im Internet oder durch Schicken per Mail oder SMS an mich – damit kann dann auch niemand mehr mit diesen Zahlen spielen). Hauptsache Herr Köpfer gibt die Zahlen rechtzeitig vor der Ziehung der Lottozahlen weiter … … und dann vergleichen wir, ob diese Fähigkeiten wirklich vorhanden sind.

Ob sich Herr Köpfer auf diesen sehr einfachen Test einlässt? Wahrscheinlicher ist, dass er entweder schweigt oder sich feige auf irgendwelche faulen Ausreden zurückzieht … … aber vielleicht werde ich ja ‚mal überrascht?





Astrologie und Bildungsgutscheine – Meine urbane Legende?

8 10 2009

Vor gut zwei Wochen hatte ich eine Meldung auf Astrologie.de zum Anlass genommen die Frage zu stellen, ob die Bundesagentur für Arbeit mit ihren Bildungsgutscheinen nun vielleicht Astrologieausbildungen fördern würde. Auch bei Florian auf Astrodicticum Simplex wurde das kurz thematisiert … … und vorgestern (6.10.2009) schien es tatsächlich so weit zu sein, denn auf der Webseite der „Astropraxis“ von Helen Fritsch war Folgendes zu lesen:

Zudem wurden alle Lehrgänge im Verzeichnis ‘KURSNET’ der Bundesagentur für Arbeit aufgenommen, Bildungsanbieter-ID: 54014, Kurs-Id: 2665581/1155557. Ab sofort werden alle unsere Fernlehrgänge von der Bundesagentur für Arbeit durch Bildungsgutscheine zu 100 Prozent gefördert! (Zertifikat-Nummer: 800809) Dies bedeutet für Arbeitslose (Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt nach SGB II und -III) oder Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht werden, dass eine 100%-ige Kostenübernahme Ihrer Ausbildung über uns möglich ist.

Auch Florian hatte einen Teil des Textes in seinen Blogbeitrag kopiert. Kein Wunder, dass ich auf dem GWUP-Blog dies kurz kommentierte und als Skandal bezeichnete (Zeit einen Beitrag für meinen Blog zu schreiben hatte ich nicht – das wollte ich im Laufe der Woche nachholen). Zwar war in der Datenbank KURSNET der Astrologiekurs von Frau Fritsch noch immer nicht als per Bildungsgutschein finanzierbar gekennzeichnet, aber da Frau Fritsch mit so genauen Angaben – inclusive der Zertifikatsnummer – warb, vertraute ich den Aussagen der Astrologin. Warum auch nicht? Der gesamte Internetauftritt von Frau Fritsch ist sehr um Seriosität bemüht und es gab für mich nicht den geringsten Anlass an ihrer Aussage auf der Webseite zu zweifeln. Der Begriff „Skandal“ bezog sich ja auch nicht auf das Angebot der Astropraxis sondern auf die Tatsache, dass dieses Angebot die für den möglichen Einsatz von Bildungsgutscheinen notwendige  Zertifizierung erhalten haben sollte. Per GWUP-Twitter wurde die Nachricht von diesem Skandal weiter verbreitet …

… aber gestern (7.10.2009) las sich das Ganze auf der Webseite der Astropraxis (kein Link! s.u.) schon wieder ganz anders:

Wir erfüllen akutell den ersten Step (Zertifizierung des Bildungsträgers). Der zweite Step ist beantragt und das Verfahren läuft.

Die Aussage vom Vortag war wieder verschwunden, und jetzt war die Zertifizierung des „zweiten Step“ beantragt. Der Politblogger nahm dies zum Anlass zu fragen, ob hier eine urbane Legende am Entstehen sein sollte. Er selbst war sich dabei ziemlich sicher:

Und zweitens traue ich der Arbeitslosenverwaltung Bundesagentur für Arbeit (BA) zwar eine ganze Menge Unfug zu, aber dass sie pure Scharlatanerie finanziell fördert, würde ich selbst ohne weitere Recherche kategorisch ausschließen.

Ob er dies angesichts des heute (8.10.2009) wieder veränderten Textes auf der Webseite von Frau Fritsch weiterhin kategorisch ausschließen möchte? Die aktuelle Version habe ich sicherheitshalber auf WebCite hinterlegt (2009-10-08. URL:http://www.astrologie-ausbildung.eu/. Accessed: 2009-10-08., Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/5kMik3ocM):

Zudem wurde im Oktober 2009 unser Ausbildungszenturm DAV-Hamburg AZWV zertifiziert. Die Hanseatische Zertifizierungsagentur (HZA) bestätigt, dass das System zur Qualitätssicherung unserer Organisation beurteilt wurde und die in der “Anerkennungs- und Zulassungsverordnung- Weiterbildung- AZWV” festgelegten Anforderungn erfüllt werden. Wir wurden als Träger für die Förderung der beruflichen Weiterbildung nach dem Recht der Arbeitsförderung zugelassen.

Was bedeutet das jetzt? Wird der Kurs jetzt gefördert oder nicht? Im KURSNET ist der Kurs aktuell noch nicht als durch Bildungsgutscheine finanzierbar gekennzeichnet und nach der Antwort, die ich von der  Bundesanstalt für Arbeit auf meine Anfrage hin bekam, steht die endgültige Entscheidung wohl noch aus:

Der Vorgang ist bekannt und wird zur Zeit geprüft.

Also heißt es aktuell: Abwarten und regelmäßig nachschauen, was sich auf der Seite der Astrologin bzw. im KURSNET tut! Urbane Legende oder Skandal? In diesem Fall wäre mir Ersteres lieber …








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