Homöopathen bitte zum Selbstversuch – ein ernst gemeintes Angebot

20 10 2009

Wenn in den ScienceBlogs in irgendeinem Artikel oder in den Kommentaren die Homöopathie erwähnt wird, dann entwickeln sich nicht selten endlos lange Kommentarschlachten, in denen mit den immer gleichen Argumenten zwei Welten aufeinander prallen. Auf der einen Seite die Wissenschaftlerfraktion, die darauf hinweist, dass die Behauptungen der Homöopathie so ziemlich allem widersprechen, was man heute über  Physik, Chemie und Biologie weiß und dass bisher keine über Placebo-Effekte hinausgehende Wirksamkeit festgestellt werden konnte sobald man Homöopathika ordentlich doppelblind testet – auf der anderen Seite die Globuli-Anhänger die auf eigene positive Erfahrungen verweisen und bisweilen sogar positive Ergebnisse von Untersuchungen erwähnen (die sich bei näherem Hinsehen aber in der Regel als methodisch höchst fragwürdig herausstellen). Dabei könnten es die Homöopathieanhänger eigentlich der Wissenschaftsfraktion ganz einfach mal so richtig zeigen: Sie müssten sich nur ordentlich designten Selbstversuchen unterwerfen, denn wenn die Hahnemann-Anhänger tatsächlich in der Lage sind, echte Hochpotenz-Globuli rein auf Basis der Wirkung von „leeren“ Globuli zu unterscheiden, dann wäre das durchaus eindrucksvoll.

Der Selbstversuch der Homöopathen funktioniert folgendermaßen:

  1. Freiwille melden sich und geben ein Homöopathikum an, das sie an Hand der Wirkung erkennen zu können glauben. Angeben müssen sie noch, wie viele Globuli sie brauchen, um die Wirkung zu erkennen.
  2. Der Versuchsleiter vergibt an jede Testperson eine „Nummer“ und gibt den Namen des Homöopathikums an einen Apotheker weiter.
  3. Der Apothker besorgt das Homöopathikum und gleich aussehende, bzw. gleich schmeckende „leere“ Globuli (die gibt es im Versandhandel). Der Apotheker kennt nur die „Nummer“ des Testteilnehmers.
  4. Der Apotheker nimmt nun 2 geeignete Behältnisse (die lediglich numeriert sind), füllt in eines das Homöopathikum und in das andere die gleiche Anzahl „leerer Globuli“. Selbstverständlich wird dokumentiert, in welchem Gefäß das Homöopathikum und in welchem die leeren Globuli sind und natürlich werden ggf. notwendige Vorsichtsmaßnahmen beim Umfüllen (die nach Meinung der Homöopathen die Wirksamkeit beeinflußen können) beachtet.
  5. Der Apotheker gibt die beiden Gefäße an den Versuchsleiter zurück (und nennt natürlich die Nummer der Testperson).
  6. Der Versuchsleiter schickt nun auf Basis der Nummer der Testperson die beiden Gefäße an diese zum Testen.
  7. Die Testpersonen erhalten nun beide Gefäße und müssen binnen eines – von ihnen selbst vorab – festzulegenden Zeitraums entscheiden, in welchem Gefäß ihrer Meinung nach die echten Globuli sind. Sie müssen also lediglich zurückmelden, dass in Gefäß Nr. X Globuli zu finden waren und in Nr. Y nicht.
  8. Danach wird ausgewertet, in wieviel Prozent der Fälle die Homöopathiefraktion die „echten“ Globuli erkannt hat und natürlich auch, ob dieses Ergebnis auf einem Signifikanzniveau von 5% signifikant ist (das hängt ja auch von der Anzahl der Teilnehmer ab).

Der Versuch ist also für die Testteilnehmer sehr einfach durchzuführen, und natürlich können die Testteilnehmer – wenn sie zum Beispiel der Meinung sind sie bräuchten 1o Globuli um die Wirkung sicher zu erkennen – mehrfach teilnehmen, ja sie sollen es sogar (das verringert die Kosten). Dies bedeutet: Nach einem „Durchgang“ mit Rückmeldung des Ergebnisses durch die Testperson an den Versuchsleiterv erhält die Testperson zwei neue „Portionen“ …

Die Testorganisation ist lediglich ein logistisches Problem. Benötigt wird ein vertrauenswürdiger Apotheker (der die Globuli abfüllt) und eine ordentliche Verblindung. Einen Apotheker, der das Ganze ordentlich durchführt (und das Umfüllen  ggf. jeweils per Videokamera dokumentiert) würde sich wohl finden lassen, da bin ich sehr optimistisch. Die Verblindung per „Münzwurf“ und die Dokumentation sind ebenfalls einfach zu bewerkstelligen. Für den Versand werden allerdings entsprechende Behältnisse benötigt. Kleine Platikphiolen etwa oder irgendwelche kleine Gläschen – hier würde ich mich vorab informieren, bzw. müsste wissen, ob es von Seiten der Homöopathen irgendwelche Einschränkungen gibt.

Ebenfalls noch offen ist die Kostenfrage. Wer bezahlt die Globuli? Nun, dies sollten die Homöopathen bzw. die Homöopathieanhänger natürlich selbst tun, denn ein positives Ergebnis – vorausgesetzt es finden sich genug Freiwillige – wäre ja für diese eine wunderbare Sache – endlich könnte man den bösen Skeptikern mit einem sogar mit einem ausgewiesenen Skeptiker durchgeführten Versuch entgegentreten und stolz verkünden, dass die Wirkung der Globuli eben doch irgendwie „fühlbar“ ist. Das würde zwar der Aussage von Kate Chatfield, einer englischen Spitzenfunktionärin der Homöopathen, widersprechen (in diesem Report ist auf Seite 220 nachzulesen, dass man ihrer Meinung nach Homöopathika nur am Etikett unterscheiden kann …), aber für die Homöopathie wäre ein positives Ergebnis eines solchen Tests schon mehr als bemerkenswert.

Also los! Meldet euch, wenn ihr bereit seid, an einem solchen einfachen und völlig ungefährlichen Selbstversuch teilzunehmen! Ich warte auf eure Mails und stelle mich – natürlich unentgeldlich – als Versuchsleiter zur Verfügung. Bitte teilt mit, welche Globuli ihr erkennen zu können glaubt, sowie an Hand wievieler Globuli und innerhalb welchen Zeitraums ihr euer Ergebnis dem Versuchsleiter mitteilen könnt. Auf Basis dieser Rückmeldungen würde ich dann das Versuchsdesign noch genauer spezifizieren, einen Zeitplan entwerfen und diesen hier veröffentlichen. Meldungen bitte direkt per Mail an mich (webmaster[at]wahrsagercheck.de) und nicht über die Blogkommentare.

Ich bin mal gespannt, wie viele sich die Teilnahme an diesem Selbstversuch zutrauen …

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14 responses

20 10 2009
fatmike812

Endlich wer, der sich die Mühe macht und für Homeopathen deppensicher erklärt was verblinden heißt… offensichtlich hat das 200 Jahre lang keiner deppeneinfach genug geschafft – ob das reichen wird; ich befürchte: leider nein.

21 10 2009
Toby

Die Homös werden da nichts unternehmen. Zu ihrem Lügengebäude und der Runddummimmunisierung gehört ja auch das Dogma, solche Beweise „nicht zu brauchen“, da man ja sowieso schon „wisse“, daß die Homöpascheiße funktioniert. Deshalb geht auch kein Homöopath nach Afrika, um dort die AIDS-Waisen zu retten. ER weiß doch, daß DIE sich heilen könnten, und wenn DIE das nicht wissen ist es nicht sein Problem.

21 10 2009
rambaldi

Wenn etwas deppensicher wird, wird das Universum schlimmere Deppen hervorbringen.

26 10 2009
Adromir

In den Scienceblogs schwimmt irgendwo in einem Kommentar nen Textauszug aus den 1930gern. Dort wird beschrieben, daß mit einer Gruppe von Homöopathen der Test durchgeführt wurde, anhand der Symptombeschreibung zweier Gruppen (Placebo und Verumgruppe)

1) Welche Gruppe das verum bekommen hat
2) Welches Homöopathische Mittel verabreicht wurde.

Was soll man anders erwarten: Sie konnten es nicht.

gefunden:

Aus Fritz Donners „Bemerkungen zu der Überprüfung der Homöopathie durch das RGA 1936 bis 1939“
Nux vomica C30; 3xhintereinander Placebo, anschließend 1x Verum. Die Prüfer erhielten Placebos mit dem Hinweis, es handele sich um Placebos. Sie bemerkten keine Symptome. Bei Beginn der „richtigen“ Prüfung trat eine ausgedehnte Symptomatik auf. Sie wussten schlicht nicht, dass es sich immer noch um Placebo handelte.
Fritz Donner : „Unter Nux C 30 traten aber keine für das Mittel charakteristischen Symptome auf. Bei der Schlußbesprechung griff F. Gisevius erwartungsvoll nach den Protokollen und zeigte sich sehr befriedigt über das Ergebnis. Er hatte inzwischen vergessen (!), dass die ersten 3 Flaschen Placebo enthielten und nahm an, dass man wie sonst üblich gleich mit C30 begonnen habe und las aus den während der Placeboeinnahme beobachteten Erscheinungen eine Anzahl für Nux passende Symptome heraus! Dies war nun eine erhebliche und bis dahin nicht weiter betrachtete Fehlerquelle. Weiß der Prüfungsleiter, welches Mittel geprüft wird, dann ist er doch leicht bereit, aus der Menge der von den Prüfern vermerkten Symptome diejenigen herauszuangeln, die für das betreffende Mittel sprechen könnten.“

Und weiter Donner, Silicea AMP :
„Die Hälfte der Prüfer erhielt Placebos, die andere das Mittel in C30. Niemand der die Prüfung beobachtenden Herren wusste, wer zur einen und wer zur anderen Gruppe gehörte. Nach Abschluß der Prüfung wurden die einzelnen Prüfungsprotokolle vervielfältigt und verschiedenen homöopathischen Ärzten vorgelegt, die entscheiden sollten, welches Mittel geprüft wurde.
Sie konnten es nicht herausfinden.
Dann wurde mitgeteilt, dass die eine Hälfte Placebos bekommen habe; in den Protokollen wären die Nummern teils in arabischen, teils in römischen Zahlen angegeben und zwar mit der einen Zahlenart die Placeboprüfer, mit der anderen diejenige Gruppe, deren Prüfer das betr. Mittel eingenommen haben.
Niemand konnte herausfinden, welches die Placebogruppe war, da in beiden Gruppen etwa die gleichgroße Zahl von Symptomen beobachtet wurde.

Als dann den Kollegen eröffnet wurde, dass es sich um eine Siliceaprüfung handle, da gelang es auch jetzt keinem, herauszufinden, welche Gruppe die Placebogruppe … war.

Nun war bei den Prüfungen aufgefallen, dass H. Rabe (1. Vorsitzender des homöo. Zentralvereins) unter den von den Prüfern bei ihren jeweiligen Vorstellungen angegebenen Symptomen immer nach Siliceasymptomen angelte.
Als eines tages – möglicherweise wegen naßkalten Wetters – zwei der Prüfer ein Feuchtigkeitsgefühl in der Nase wie bei einem beginnenden Schnupfen angaben und auf Rabes anschließende Frage noch einige weitere diesbezüglichen Symptome nannten, da war der nach Siliceasymptomen fischende Kollege hell begeistert und erklärte diese Erscheinungen für eindeutige Mittelwirkung.
Als nach Beendigung der Prüfung der Briefumschlag geöffnet wurde, der die Namen der Silicea- und die der Placeboprüfer enthielt, ergab sich, dass die „eindeutigen Siliceasymptome“ bei Prüfern aufgetreten waren, die nur Placebos eingenommen hatten.

Zwei der mitbeobachtenden Professoren kamen zu mir, um zu fragen, ob den bei homöopathischen Arzneiprüfungen der Prüfungsleiter immer wisse, welches Mittel geprüft wird? Dann hätten doch alle seit Hahnemann gemachten Nachprüfungn nur einen äußerst zweifelhaften Wert, da der Prüfungsleiter dann unter den angegebenen Symptomen eben die heraussuche, die für das geprüfte Mittel sprechen. Nun, so war es eben leider.“

26 10 2009
wahrsagercheck

@Adromir
Ich kenne die „Donner-Texte“ und die Ergebnisse dieser Versuche. Deshalb möchte ich ja auch die Homöopathenfraktion zu doppelblinden Selbstversuchen ermutigen …
… der Vorteil wäre, dass jeder sein Lieblingshomöopathikum (dessen Wirkung ihm/ihr ja gut bekannt sein sollte) testet, egal welches das auch immer ist.

26 10 2009
Adromir

Man könnte so einen Versuch ja von der GWUP durchführen lassen. Obwohl, keine schlechte Idee, wahrscheinlich kämen dann Vorwürfe, daß der Test manipuliert gewesen wäre..

1 11 2009
Links und Video der Woche (2009/43+44) :: cimddwc

[…] Homöopathen bitte zum Selbstversuch – ein ernst gemeintes Angebot beim Wahrsagercheck-Blog […]

17 11 2009
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom bei Kindern, was tun? | Meine Kindererziehung

[…] Fettsäuren erforderlich. Aber auch eine homöopathische Therapie mit der Gabe von dem Homöopathika „Zappelin” ist laut neuesten Studien sehr erfolgversprechend. Oftmals wird bei der […]

17 11 2009
wahrsagercheck

@Kindererziehungsblog
Was dieser Pingback soll erschließt sich mir ja nicht, denn im Text werden Homöopathika empfohlen und eine ganze Reihe von unwissenschaftlichen Vermutungen geäußert, das übliche Arsenal an böser, böser Medizin:

Oftmals wird bei der Diagnosestellung festgestellt das bestimmte Auslöser, wie z.B Impfblockaden/Impfschäden, Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel wie Weizen, Milch, Pollen oder Tierhaare oder auch Toxische Belastungen aus der Umwelt sowie von Medikamenten ursächlich für das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom bei Kinder ist.

Aha! Oftmals wird festgestellt … … So, so! Von wem? Wie? Welche Belege gibt es dafür? Wo kann man das nachlesen?

17 11 2009
Adromir

Und? Hat sich schon jemand gemeldet?

18 11 2009
wahrsagercheck

@Adromir
Ich habe 3 Mails von Glaubulifreaks bekommen – jeweils mit Begründungen warum sie bei einem solchen Test NICHT mitmachen wollen bzw. können. Wollte eh ein wenig darüber schreiben …

18 11 2009
Adromir

Qoud erat expectandum 😉

15 01 2010
Suzie

Es gab in der Vergangenheit schon einige, die den Beweis der Wirkung von Homöopathie antreten wollten. Benveniste, Ennis, Franziska Schmidt, Prof. Wolfgang Süß und Prof. Karen Nieber u.a.

Es dürfte sich bei den Homöopathen herumgesprochen haben, dass es bisher nicht funktioniert hat.
Und das berühmte Wassergedächtnis ist ja durch N. Huse auch widerlegt.

Ich würde mich über Teilnehmer freuen, aber ich bezweifle stark, dass der Aufruf von Erfolg gekrönt sein wird. 😉

16 01 2010
wahrsagercheck

Bisher kommen von Homöopathen nur die – nicht unerwarteten – absurden Ausflüchte und Ausreden. Dabei ist ein solcher Versuch wirklich sehr einfach – viel einfacher als z.B. die Versuche von Nieber (ich habe mich immer gefragt, wo da denn die Anamnese war …) oder Benveniste.
Die einizige Gefahr für Homöopathen besteht darin, dass sie bei einem solchen Versuch am eigenen Leib erfahren können, dass sie möglicherweise (ich möchte dem Ergebnis eines solchen Versuchs ja nicht vorgreifen) seit Jahren einem Selbstbetrug unterliegen …

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