Noch eine Rückschau: Überwiegend Bewährungsstrafen für betrügerische Wahrsagerinnen

30 12 2009

Zum Jahresende hat mich ein aktueller Fall zu einer kleinen Übersicht der mir bekannten Verurteilungen von Wahrsagerinnen und Wahrsagern (es waren dieses Jahr keine Männer dabei …) vor deutschen Gerichten des Jahres 2009 motiviert. Das Betrugsschema ist dabei weitgehend gleich, Strafmaß und Schadenshöhe variieren jedoch kräftig.

Ganz aktuell ist ein Fall aus Frankfurt: Wie die lokalen Medien (Offenbach-Post, FAZ und die Frankfurter Rundschau) berichteten hatte die Täterin in diesem Falle die alte Fluchmasche verwendet: Negatives voraussagen und dann gegen Entgeld irgendeinen Abwehrzauber versprechen. In diesem Falle sollte zur Vermeidung des anstehenden Unfalls irgendein Teufel ausgetrieben werden – die 300 Euro für das Ritual waren im Vergleich zu anderen, ähnlich gelagerten Fällen geradezu ein Schnäppchen. Dass die Täterin dann auch noch irgendwelche Schmuckstücke einkassiert und nur gegen die Zahlung von 3000 Euro zurückgeben wollte scheint ihr zum Verhängnis geworden zu sein: 1 Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen versuchten Betrugs und 150 Sozialstunden lautete das Urteil.

In anderen Fällen waren die Urteile der Gerichte wesentlich milder: Ende August war eine – übrigens einschlägig vorbestrafte – Wahrsagerin mit ähnlichen Praktiken in Bonn ebenfalls zu einer Bewährungsstrafe (1 Jahr und 10 Monate) und 150 Sozialstunden verurteilt worden – der Schaden betrug satte 170.000 Euro (!!!) von denen die Täterin lediglich 20.000 Euro an die Opfer zurückzahlen musste. Besonders unappetitlich an diesem Fall: Die Wahrsagerin hatte Heilung von einer schweren Krankheit versprochen und das Opfer hatte sogar einen Kredit über 50.000 Euro aufgenommen um die Gier der Betrügerin zu befriedigen.

Im Juli berichtete der Bonner Generalanzeiger über einen ähnlichen Fall: Damals lag der angerichtete Schaden bei 33.600 Euro und die Täterin wurde zu schlappen 7 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Opfer hat nun einen Kredit von ca. 30.000 Euro am Hals und erhält von der Täterin 4 Jahre lang lächerliche 50 Euro pro Monat …

Gleich mehrmals musste sich das Stuttgarter Landgericht mit einer Wahrsagerin beschäftigen, die ihren Kunden mindestens 180.000 Euro abgenommen hatte. Das Urteil: Eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren und eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten sowie die Erkenntnis, dass sich Gerichte mit solchen  Straftaten wohl doch etwas schwer tun.

Es ist schon seltsam, dass der versuchte Betrug in Frankfurt mit einer fast ebenso schweren Strafe geahndet wird wie z.B. das vollständige Ausnehmen der Opfer in Köln Ende August. OK, die Leichtgläubigkeit der Opfer wirkt sich da in der Regel strafmildend aus – aber warum eigentlich? Geht es hier wirklich „nur“ um Betrug?

Unter Betrug versteht man im strafrechtlichen Sinn ein Vermögensdelikt, bei dem der Täter in rechtswidriger Bereicherungsabsicht das Opfer durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen gezielt so irreführt, dass es sich selbst oder einen Dritten am Vermögen schädigt.

Haben die Täterinnen nicht doch eher versucht sich „durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern„? Falls ja, dann wäre dies kein Betrug sondern Erpressung, bzw. räuberische Erpressung, da „der Täter der räuberischen Erpressung [sich] die Beute vom eingeschüchterten Opfer übergeben lässt„. Ich bin ja kein Jurist, und ich weiß natürlich, dass die Opfer sich ihre Betrüger bisweilen sogar selbst aussuchen –  aber irgendwie scheint mir die Tatsache, dass die Täter für ihre Opfer in der Regel tatsächlich ein absurdes Bedrohungsszenario aufbauen doch recht wenig gewürdigt.

Ob die Gerichte in Österreich in solchen Fällen härter bestrafen? In diesem Jahr habe ich nur von einem Fall erfahren, und da kann man das Strafmaß durchaus als „etwas höher“ bezeichnen: Ein deutsches Ehepaar, dass seine Kunden auf Esoterikmessen anwarb und um mindestens 80.000 Euro erleichterte, wurde dort im Januar zu 20 Monaten Haft verurteilt (von denen mindestens 4 Monate abzusitzen waren), wobei hier immerhin ein Geständnis strafmildernd berücksichtigt werden konnte … (die Pressemeldung in ganzer Länge gibts dort).

Advertisements

Aktionen

Information

One response

30 12 2009
Tweets that mention Noch eine Rückschau: Überwiegend Bewährungsstrafen für betrügerische Wahrsagerinnen « Wahrsagerchecks Blog -- Topsy.com

[…] This post was mentioned on Twitter by Christian Specht, Michael Kunkel. Michael Kunkel said: Noch eine Rückschau: Überwiegend Bewährungsstrafen für betrügerische Wahrsagerinnen: http://wp.me/pm1tB-r5 […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: