Prognosen 2010 (Teil 2): Palmblattblabla und Banalitätenparade

30 12 2009

So langsam trudeln die Prognosen für 2010 ein, und es zeigt sich mal wieder, dass die Auguren auch für das kommende Jahr nicht in der Lage zu sein scheinen irgendetwas Konkretes vorauszusagen. Ausnahme ist der Palmblattdeuter Thomas Ritter, der auch in seiner Prognose für 2010 nicht auf konkrete Terrorprognosen verzichten möchte. Immerhin hat er seine Terrorprognose für 2010 nicht noch einmal wörtlich aus dem Vorjahr kopiert, denn dieses Mal sollen Flugzeuge mit Raketen beschossen werden und zwar „in der dritten Woche des siebten Monats und der zweiten Woche des achten Monats“ – für die Orte des Unheils fehlt ihm allerdings Phantasie oder eine Deutschlandkarte: Wieder sollen Frankfurt und Berlin leiden. Der Rest seines Textes folgt dem gewohnten Schema und ist dann doch wieder aus seinen früheren Prognosen kopiert und wie gewohnt liefern die Palmblätter die üblichen Schwarzsehereien mit öffentlichen Unruhen überall. Weitere aus den Palmblättern herausgefaselte Aussagen wie „Dieser Mann ist jedoch ein kluger Politiker“ (über Irans Präsidenten Ahmadinedschad), „der US-Dollar , aber auch der Euro werden weiter extrem an Wert verlieren“ (gegenüber welcher Währung denn?) oder „In Europa und Nordamerika treten seit auch 2008 verstärkt bis dahin unbekannte Wetterphänomene wie Wirbelstürme und Starkregen auf. Diese Phänomene sind das Resultat von Experimenten, welche von einigen Nationen, darunter den USA, mit dem Klima veranstaltet werden (sind hier HAARP oder auch die Chemtrails gemeint? – Anm. Thomas Ritter).“  muss man nicht kommentieren: Wer solcherlei Schwachfug tatsächlich ernst nimmt, der hat seinen Verstand wohl gerade in den Urlaub geschickt. Nur so ist es auch zu erklären, dass man es als Leser zwischen den Zeilen immer mal wieder tiefbräunlich durchschimmern sieht …

Antonia Langsdorf verweigert sowohl auf ihrer Webseite als auch in zwei kurzen Texten in der Zeitschrift „auf einen Blick“ (Heft 52 vom 17.12.2009) jegliche konkrete Aussage. Bei Fürst Albert von Monaco bietet sie Trennung, Hochzeit und Verlobung als Prognose an oder eben nichts von alledem – in Köln ansässig hätte sie auch kürzer und prägnanter „Prinz Albert von Monaco? – Es kütt wie es kütt!“ schreiben können. Ob es die deutschen Kicker bei der WM stören wird, dass die „Planeten in Jogi Löws Geburtshoroskop (3. Februar1960) ganz schön unter Stress“ stehen? Der Rest ist reinstes Blabla mit Sätzen wie „Löw ist gut beraten, wenn er beizeiten einen Plan B ausarbeitet“ oder (für das Finale) „Löw muss dann eine Entscheidung fällen. Sie entscheidet über das Wohl oder Wehe der deutschen Mannschaft„. Ob sie überhaupt das Finale erreichen? „Unsere Jungs werden sich unter seiner Führung weit nach vorne kämpfen. Ob sie den Titel jedoch nach Hause bringen, ist fraglich.“ – Ja, genau! Die Sterne werden hier auch dieses Mal keine Antwort geben und Frau Langsdorf hätte sich diese wortreichen Verrenkungen im Nichtswissen auch sparen können.

Antonia Langsdorf war auch in der illustren Runde vertreten, die von der BILD-Zeitung eingeladen war um das Jahreshoroskop 2010 zu beraten. Aber weder sie noch Michael Allgeier, Erich Bauer oder Christiane Woelky gaben mehr als Plattitüden zum besten:

  • Sonnenjahre sind tatsächlich heiß und trocken. Mit so einem Sommer rechne ich auch für 2010. (Erich Bauer)
  • Es wird einen guten Wein geben. Das Sonnenjahr 2003 bescherte uns einen Super-Jahrgang, genau wie die Sonnenjahre davor. (Antonia Langsdorf)
  • Der Sonneneinfluss wird für mehr Selbstentfaltung und Außendarstellung sorgen. Es wird noch mehr Starkult, noch mehr Showbusiness, noch mehr Talkshow-Auftritte geben. (Michael Allgeier)
  • Ich könnte mir vorstellen, dass die Sonne, die ja das Herz beherrscht, eine größere Herzlichkeit mit sich bringt. (Antonia Langsdorf)

OK, bei trocken und heiß könnte man ja Vergleichswerte finden – z.B. mindestens x% mehr Sonnenstunden oder eine im Sommer um mindestens y Grad höhere Durchschnittstemperatur in Verbindung mit einer gegenüber dem langjährigen (Anzahl der Jahre ist vorab zu definieren!) Durchschnitt reduzierten Niederschlagsmenge – aber das traut sich Erich Bauer ebensowenig festzulegen wie Frau Langsdorf ihre Kriterien für „guten“ Wein. Der Rest ist sowieso sinnfreies Geschwurbel. Aber es wird dann ja noch schlimmer:

  • Ganz so einfach ist es leider nicht, denn wir werden den Einfluss anderer Planeten ziemlich heftig zu spüren bekommen. (Christiane Woelky)
  • Die Schwergewichte unter den Planeten, also Pluto, Saturn, Uranus und Neptun, werden eine Kreuzformation am Himmel bilden. Sie stehen alle in den Anfangsgraden der sogenannten Kardinalzeichen, nämlich im Steinbock, Widder, Krebs und in der Waage. Die Problematik, unter der wir seit einiger Zeit leiden, wird sich zuspitzen, und zwar im August. (Antonia Langsdorf)

Um welche Problematik es geht und was wir im Detail zu spüren bekommen, das wird natürlich verschwiegen. Oder doch nicht?

  • Alle Jahre, in denen es eine Saturn-Pluto-Spannung gab, waren schwierig. Wir hatten sie bei den Weltwirtschaftskrisen, zu Beginn der beiden Weltkriege, auch bei Naturkatastrophen. (Michael Allgeier)

Also drohen – mal wieder – Weltwirtschaftskrise, Naturkatastrophen und Weltkriege?

  • Nein, es muss sich doch nicht wiederholen. Das Jahr wird nicht leicht, aber wir sind optimistisch. (Erich Bauer)

Puh! Da haben wir ja gegebenenfalls eventuell noch mal Glück gehabt! Und was uns ansonsten erwartet, das trauen sich die Astrologen wieder einmal nicht zu sagen, stattdessen nur hohle Phrasen wie:

  • Die Zeiten, die kommen, sind aufregend, anstrengend, aber sie besitzen großes Potenzial für jeden von uns. (Antonia Langsdorf)
  • Es wird eine Reinigungsphase geben, in der alte Mauern eingerissen werden. Die Berufswelt wird sich weiter verändern, noch mehr Menschen werden in freie Berufe gehen. (Michael Allgeier)
  • Die Kernfrage des neuen Jahres lautet: Wir gut können wir freiwillig Altes loslassen und uns Neuem zuwenden? Es ist das schwierigste überhaupt. (Erich Bauer)

Über das Lottoblabla von Woelky und Allgeier schweige ich jetzt doch lieber, denn auch Monika Meyer soll hier nicht zu kurz kommen. In der Schwäbischen Zeitung wird sie wie folgt zitiert:

  • „Schon 2009 gab es weltweit große Bewegungen, was sich 2010 fortsetzen wird“, sagt die Astrologin. Für alle Menschen ständen Veränderungen an, wobei egozentrisches von christlich-sozialem Verhalten abgelöst werde.

Aha! Genauer ist sie nur beim Tipp für eine Gemeinderatssitzung zum lokal so wichtigen Thema Innenstadtsanierung: Am 22. Februar zwischen 18.40 Uhr und 18.50 Uhr sollten die Räte abstimmen. Ob sich der ihr persönlich bekannte Bürgermeister – der trotz einer schlechten astrologischen Prognose gewählt worden war – dies zu Herzen nimmt, bleibt abzuwarten.


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8 responses

30 12 2009
Joerg

Ich sehe schon, meine Vorhersagen waren viel zu spezifisch…aber wenn meine Fähigkeiten nunmal so arbeiten…

30 12 2009
Tweets that mention Prognosen 2010 (Teil 2): Palmblattblabla und Banalitätenparade « Wahrsagerchecks Blog -- Topsy.com

[…] This post was mentioned on Twitter by astrodicticum, Michael Kunkel. Michael Kunkel said: Prognosen 2010 (Teil 2): Palmblattblabla und Banalitätenparade: http://wp.me/pm1tB-ri […]

30 12 2009
cimddwc

Die beste Voraussage liefert immer noch Fred fon Flatter.😉

30 12 2009
wahrsagercheck

@cimddwc
Superlink! Danke!

30 12 2009
Schmetter-Ling

Kürzlich in einem Dumme-Sprüche-Kalender gelesen:
„Auch morgen wieder werden die Niederschläge bis zum Boden reichen.“

22 12 2010
GWUP bei “EinsPlus” | gwup | die skeptiker

[…] unter anderem meine Wenigkeit, der connection-Redaktionsleiter Wolf Schneider, Penny McLean und die Astrologin Antonia […]

3 01 2011
“Seriöse” und “unseriöse” Astrologie | gwup | die skeptiker

[…] schlicht gesagt: Es ist vollkommen egal, ob Langsdorf, Schilddorfer etc. fünf Minuten oder fünf Tage für ein Horoskop aufwenden – Unsinn wird ja […]

1 09 2014
Maria

Werte Leser,
Ich selbst bin auf so eine Reise reingefallen und habe 2 Lesungen in Indien gemacht bei denen rein gar nichts zutraf, ausser den Daten die ich selbst angab. Nicht nur das sondern die Lesungen haben sich sogar zu 100% widersprochen und das nicht nur bei mir. Auf Rückfragen erhielt man ausweichende Antworten. Ich hoffe dass laut Karma-Gesetz dieser Betrug auf die Verursacher zurückfällt (kleiner Trost für tausende Euro Verlust).
Ach übrigens die wenigsten sind einer Indien-Reise gewachsen….
Und wenn es die Inder nicht können kann es Frau M. aus Mönchengladbach erst recht nicht. Die Tempel und Rishis würde die Blätter auch nie weitergeben
warum auch, früher wurde alles auf Palmblatt geschrieben vielleicht hat Sie ein altes Kuchenrezept haha. Und selbst das kann sie nicht lesen da die Sprache jahrelanges Studium in Indien benötigt. Sie sagt sie erfühlt die Antwort statt zu lesen.

Die Inder verdienen nicht schlecht eine Lesung entspricht einem Monatsgehalt
man wird auch aufgefordert zu spenden und gesegnete Objekte wie ein heiliges Stopfei aus dem Ganges zu kaufen, kostet je ein indisches gutes Monatsgehalt.

Ich rate zudem von den Pauschalreisen ab, da mir die Verbindung zwischen Veranstalter, Swami und Rishi zu suspekt vorkamen (bin mit Ritter gereist gilt aber sich auch für die anderen Anbieter) von der Reiseleitung ganz zu schweigen.
Lasst es bleiben!
Gruss Maria

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