Prognosen 2010 (Teil 4): Sternenschwurbeleien für die Börse

3 01 2010

Im Wirtschaftsressort auf heute.de, in der Welt und in der Schweizer Zeitschrift Cash durften sich Astrologen zum kommenden Börsenjahr äußern. Wie üblich trauen sich die Sterndeuter kaum irgendwelche nachprüfbaren Prognosen zu, ein Ausblick auf das Börsenjahr aus Sicht der Astrologen ist aber trotzdem interessant.  Gleich doppelt vertreten ist übrigens Winfried Noé, der seine Börsenkompetenz Ende 2007 in der Zeitschrift „Euro am Sonntag“ mit folgender Prognose manifestierte „2008 wird ein stabiles Börsenjahr, der DAX steigt bis Jahresende um fünf bis neun Prozent.“ OK, dass der DAX mit 8045 Punkten startete und zum Handelsende 2008  gerade mal 4810 Punkte aufwies, daran dürfte sich Herr Noé höchst ungern erinnern. Für 2009 war mir keine ähnliche Prognose von ihm bekannt, aber er selbst behauptet natürlich, dass sein Timing in Börsendingen 2009 durchaus spektakulär war:

Zu seiner Leidenschaft aber hat sich das Geschehen an den Märkten entwickelt. Kein Wunder: Wo könnte ein Blick in die Zukunft mehr wert sein als an der Börse – vom Lotto mal abgesehen? Noé mag keine Zahlen nennen, doch für sich persönlich ist er mit dem Anlagejahr 2009 recht zufrieden. „Ich bin im Februar in die Märkte eingestiegen.“ Nicht schlecht – Anfang März markierte der Dax bei rund 3600 Punkten sein Jahrestief, von dem aus er in einer beispiellosen Rallye zuletzt sogar die Marke von 6000 Zählern erreichte.

Soweit der Artikel aus der „Welt“ zu Noé, den ich ab jetzt als Quelle [1] bezeichnen werden.  Quelle [2] ist der kurze Text aus Cash, der den Schweizer Astrologen Claude Weiss zitiert,  und [3] der Artikel auf heute.de (der sich leider nicht nach WebCite überführen liess) in dem neben der Autorin des Buches „Brigitte Astrologie„, Roswitha Broszath, wieder Winfried Noé zu Wort kommt.

Ich versuche das Ganze mal chronologisch zu ordnen, also beginnen wir mit dem Januar:

Wir haben es mit einer Jupiter-Neptun-Konjunktion in den Fischen zu tun“, sagt Noé im Astrologen-Jargon. Heißt: Ein gutes Umfeld für weiter steigende Kurse, „6400 Punkte sind bis dahin durchaus möglich“ [1]

Mars und Merkur stehen einem Januar-Rally im Wege. Die Märkte dürften sich weiter seitwärts bewegen. Claude Weiss sieht die Konstellationen für neuen Schwung an den Aktienmärkten erst ab Mai 2010 gegeben. [2]

OK, Steigende Kurse oder Seitwärtsbewegung – oder etwas ganz anderes:

Schon um den Jahreswechsel geht es rund. „Wir werden einen explosiven Planetencocktail zu spüren bekommen, wie er absolut selten ist“, sagt er. Und mahnt: „Beim Terroranschlag auf das World Trade Center in New York bildeten Sonne, Mond, Saturn und Pluto ähnliche Spannungsaspekte.“ [3]

Oha! Und wer wird hier zitiert? Winfried Noé natürlich … … offensichtlich kommt der Herr bisweilen bei den Monaten ein wenig durcheinander:

„Ich sehe einen gerade-zu explosiven Planetencocktail“, warnt Noé. Schon im März oder April könnten die Märkte durch ein singuläres Ereignis – „Kragenweite 11. September, damals bildeten Sonne, Mond, Saturn und Pluto ähnliche Spannungsaspekte“ – einen herben Rückschlag erleiden.[1]

Na was denn jetzt? Jahreswechsel oder März/April? Aber der Mann hat ja zumindest eine Vermutung, wo das Ganze beginnen könnte:

Auslöser könnte etwa ein Ereignis in Großbritannien sein – für das Königreich stehen die Sterne schlecht, meint Noé. Und es bedarf auch keiner großen Fantasie, sich einen möglichen Grund auszumalen. „Die Gefahr einer Staatspleite ist keineswegs abgewendet“, sagt Noé. [1]

Ganz andere Sterne scheint Frau Broszath gedeutet zu haben:

Bis zum Mai gibt sie Entwarnung. „Bis dahin entwickeln sich die Börsenkurse ganz gut, sind zeitweise aber illusorisch überhöht.“ [3]

Aber danach kommt’s dann ganz dick:

„Der Höhepunkt der Krise liegt im Sommer“ [3]

Ab Juni will sie neue Spannungen erkennen. In diesem Zeitraum sei mit einem weltpolitischen Ereignis von großer Tragweite zu rechnen. „Das hätte dann natürlich auch Folgen für die Wirtschaft.“ [3]

Laut Weiss beginnt allerdings schon im Mai eine Börsenrallye:

Von Mai bis August dürfte laut Weiss eine Rally für einen Kursanstieg von 10 bis 15 Prozent sorgen.[2]

Noé drückt sich da eher kryptisch aus – kein Wunder, hat er doch seine Katastrophe bereits für einen früheren Zeitraum angekündigt …

Nach Durchschnaufen im Sommer sieht Noé dann bereits im Herbst weitere Belastungsproben auf die Märkte zukommen.[1]

… aber der Zeitung offensichtlich ein brisantes Datum verschwiegen:

„Um den 21. Juli wird es richtig brisant“, sagt der Münchner Astrologe Winfried Noé.[3]

Und Frau Broszath schwurbelt dazu von möglichen militärischen Verwicklungen:

Jupiter und Uranus wandern im Sommer ins Sternzeichen Widder. Broszath glaubt: „Das kann auf militärische Verwicklungen hindeuten.“ Ein kriegerisches Szenario? Könnte sein. Zumindest dann, wenn der Konflikt nicht entschieden angepackt und schnell gelöst wird. Muss aber nicht. Die Astrologin will keine Angst schüren: „Die Spannungen können durch überlegtes Verhalten bewältigt werden.“ [3]

Und was ist im Herbst? Es geht nach unten:

„Ein weiterer Kursrutsch im September oder Oktober könnte an den Märkten für die Ausbildung eines Doppeltiefs sorgen“, so Noé weiter.[1]

Und endlich könnte man ja fast so etwas wie Einigkeit zwischen zwei Sternschwurblern erkennen:

Nach August weisen die Planetenpositionen auf wachsende Spannungen hin. Nach Übertreibungen an den Aktienmärkten setzte sich, so der Astrologe, Ernüchterung durch. Das führe zu Korrekturen, die bis ins Jahr 2011 führten. [2]

Insgesamt also mal wieder das übliche Bild: Viel Geblubber, viel Widersprüchliches und so gut wie nichts Konkretes. Gegen dieses Geschwurbel hebt sich  die Prognose Nr. 73 aus Nikki Pezaro’s World Predictions für 2009 wirklich positiv ab. Von zeitlos schöner Eleganz hatte sie folgende ewig gültige Binsenweisheit abgesondert:

Stock Market up and down.

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One response

5 01 2010
LilovonKiesenwetter

Lilo von Kiesenwetter sagt es wird ein Anschlag auf Barack Obama verübt werden. (:

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