Hochprozentige Trefferquote: Whiskey, Werbung und die Zukunft

26 02 2010

Auf der Webseite von der Computerzeitschrift PC-Welt gibt es aktuell einen sehr schönen Artikel über eine ganz spezielle Art der Zukunftsprognose. Unter dem Motto „Für Männer, die über das Morgen hinausplanen“ warb die Whiskeymarke „Seagram“ in den 40-er Jahren mit einer ganzen Reihe von  Spekulationen über zukünftige Technologien, die man – aus heutiger Sicht – als weitgehend zutreffend bezeichnen kann. OK, das gilt glücklicherweise nicht für alle Utopien der damals offensichtlich sehr technikgläubigen Werbefritzen, denn ob man wirklich die Wüsten mittels Atomkraftwerken in blühende Landschaften verwandeln sollte, darüber könnte man trefflich streiten. Andere der vorausgesagten technischen Neuerungen sind heute längst im Alltag angekommen – entweder genau so wie es die schönen alten Bilder zeigen oder doch zumindest in verblüffend ähnlicher Form:

  • 3D-Kinofilme gab es in der Realität erst 9 Jahre später (… das Highlight des 53/54-er 3D-Kinohypes dürfte der herrliche Horrorklassiker „Der Schrecken vom Amazonas sein“ – vor einigen Jahren hab‘ ich den mal in 3D in einem Kino gesehen und war wirklich begeistert, auch wenn die damalige Technik natürlich nicht mit heutigen 3D-Werken a la Avatar vergleichbar ist)
  • das Radiotelefon sieht zwar nicht aus wie ein heutiges Handy, aber es soll wohl so funktionieren (und das die Mikros eines Headsets heute sehr viel kleiner sind konnte man sich damals wohl schelcht vorstellen).
  • im Bild zur Kommunikation der Zukunft sieht das Mobiltelefon schon ziemlich genau so aus wie ein Handy der ersten Generation aus den 90er Jahren, und auch die anderen Ideen waren alles andere als abwegig auch wenn die technische Realisierung einen etwas anderen Weg genommen hat.

Unter den weiteren, vorausgesagten Innovationen befinden sich die von den heutigen Flughäfen bekannten Laufbänder, Bildtelefonie, Flachbildschirme in Kneipen und das wunderscöne Zukunftsbüro, bei dem ledigklich das Design der Geräte nicht dem heutigen Geschmack zu entsprechen scheint. Insgesamt wirklich sehr schöne „Prognosen“ mit einer „Trefferquote“, die Hellseher, Wahrsager und Astrologen vor Neid erblassen lassen müsste, denn deren Trefferquote scheint im Vergleich dazu lächerlich gering.

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Briten verbieten Homöopathie?

24 02 2010

Die Überschrift im Ärzteblatt klingt ja richtig eindeutig:

Britische Politiker fordern Verbot der Homöopathie

Aber all den Verdünnungsfreaks sei gesagt, sie ist so nicht ganz richtig. Wie man der ausführlichen Stellungnahme des Parlamentsauschusses entnehmen kann geht es lediglich darum, homöopathische Mittel aus dem Leistungskatalog des NHS (National Health Service) zu entfernen. Die Gründe werden in der verlinkten Stellungnahme aufgeführt und sind natürlich ein wenig trocken formulier. Die britischen Homöopathen finden das erwartungsgemäß gar nicht gut und zeigen in ihrer Antwort, dass sie beim Lesen des Reports (275 Seiten) noch nicht auf Seite 7 (bzw. Seite13 im pdf) angekommen sind.„The committee did not entertain evidence of effectiveness, which is actually what patients care most about. “ kann eigentlich nur bedeuten, dass die Abschnitte zum Thema „The distinction betwen efficiacy and effectiveness“ und die folgenden Beschreibungen des Placebo-Effekts von der British Homeopathic Association entweder nicht gelesen oder nicht verstanden wurden.

Schöner (und kürzer) ist natürlich diese von dem Engländer Jake Archibald stammende und von Astrodicticum Simplex übersetzte Metapher zum Verdünnungswahnsinn. Die erklärt an einem einfachen Beispiel sehr schön wie Gespräche zwischen freundlichen Skeptikern und aktiven Glaubulisten üblicherweise ablaufen …





Placebo!

10 02 2010

Diesem Video, das eben bei Astrodicticum Simplex verlinkt wurde, ist wirklich nichts hinzuzufügen – außer vielleicht eine gute deutsche Übersetzung:





Schamanin vor Gericht: 5 Jahre Knast (Update)

3 02 2010

Eine selbst ernannte Schamanin und Wahrsagerin namens Madame Sophia muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Baden-Baden verantworten. 630.000 Euro soll sie ihren Kunden abgeknöpft haben und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind durchaus heftig: gewerbsmäßiger Betrug und Erpressung(!!). Einer ihrer Verteidiger – laut dem verlinkten Spiegel-Artikel wird sie gleich von mehreren „renommierten Strafverteidigern“ vertreten – hat natürlich auch etwas zu ihrer Verteidigung vorzutragen:

Sie hat magische Fähigkeiten, ist in ihrer Sippe als Schamanin anerkannt und schon in mehreren TV-Sendungen aufgetreten“

Magische Fähigkeiten? Los, zeigen! Bin schon mal gespannt, welche Fähigkeiten das sind! Und die Liste der TV-Sendungen wüsste ich ja auch gerne – wahrscheinlich Astro-TV oder ein ähnlicher Abzock-Sender. Aber vielleicht besteht ihre Magie ja darin, Geld verschwinden zu lassen? Bisher hat die Staatsanwaltschaft jedenfalls nichts von der Beute dem von den Kunden ganz sicher freiwillig gespendeten „Energieausgleich“ gefunden. Ob das den „renommierten Strafverteidigern“ zu denken gibt? Immerhin wollen die doch gerne bezahlt werden …

Ansonsten sind das wieder einmal die üblichen Geschichten, bei denen Menschen in Lebenskrisen schamlos ausgenutzt und abgezockt werden. „Wer an so etwas glaubt, wurde auch nicht getäuscht“, soll einer ihrer Anwälte noch gesagt haben … …. der Zynismus hinter dieser Aussage wird  nur  noch von der Gier seiner Mandantin getoppt: Die hatte nämlich zwischen 2005 und 2007 auch noch unberechtigterweise Arbeitslosengeld kassiert …

Update (4.2.): Das Landgericht hat überraschend bereits gestern ein Urteil gefällt und auf die vier weiteren angesetzten Prozesstermine verzichtet: 5 Jahre Haft!





Homöopathische Überdosis – britische Glaubulistin macht Verbesserungsvorschläge

2 02 2010

Am Samstag hat die 10:23 Campaign – eine Gruppe britischer Skeptiker, die der Öffentlichkeit mit dem packenden Slogan „there’s nothing in it“ die Wahrheit über die Pseudomedizin der Verdünnungsschüttlungsfetischisten erklären will – den Versuch gewagt, sich mittels einer homöopathischen Überdosis zu vergiften. Inzwischen gibt es auf YouTube einige Videos dieser Aktion (z.B. Southhampton, Leicester, BrightonLeeds …) und auch australische Skeptiker sorgten am Samstag für einen unerwarteten Umsatzzuwachs irgendwelcher Hersteller homöopathischer Globuli, wie nicht nur ein Video aus Sydney zeigt. Jetzt hat auch Spiegel-Online die Kampagne erwähnt und seither tobt die bei diesem Thema übliche und unvermeidliche Kommentarschlacht mit den bekannten Argumenten von „Alles Unsinn“ über „Mir hat’s aber super geholfen“ bis zu hanebüchenen Erklärungsversuchen mit allerhand unpassenden Beispielen (… incl. Beschimpfen der Schulmedizin und falsch verstandener Studien zur Akkupunktur).

Wie der Skeptical Letter Writer berichtet wurde das Event in London auch von zwei Homöopathinnen besucht, die sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen wollten. Louise McLean ist eine von ihnen und hat auch eine „Erklärung“, warum dieser Versuch von vorne herein so gar nicht funktionieren konnte:

Of course homeopaths know that one dose of however many pills taken together in one go, is the equivalent of only one dose, because it is the time frame that counts.

Ich gebe zu, dass ich dieses Argument zum ersten Mal gelesen habe. Wieviele Globuli bei einer Dosis geschluckt werden ist also egal? Das hat mir eine streng homöopathische Ärztin vor gut zwei Jahren auf einer Fete aber ganz anders erklärt. Ich hatte bei ihr fast einen Herzkasper ausgelöst, weil ich von den von ihr für eine Freundin mitgebrachten Zuckerkügelchen („Aber nicht mehr als drei pro Tag, die sind ziemlich hoch potenziert“) eine ganze Handvoll heruntergewürgt hatte … … sie beobachtete mich für den Rest des Abends, war ehrlich besorgt und erklärte das Ausbleiben jeglicher Wirkung am Ende mit den üblichen Phrasen: Dieses Mittel würde eben bei mir nicht ansprechen … …da müsste man erst mal eine genaue Anamnese … … und überhaupt wirken Homöopathika nicht, wenn man Wein oder Bier trinkt … … aber zurück zur Erklärung von Louise McLean:

So if they had repeatedly taken a dose every hour for the rest of the day, the skeptics would most certainly have felt the effects.

Für diesen Vorschlag muss man der Frau ja fast schon danken, denn es ist eine sehr schöne Idee für die nächste Aktion. Skeptiker treffen sich um 12:00 Uhr und nehmen dann für die nächsten 12 Stunden alle 60 Minuten ein Kügelchen ein –  für die Zeit zwischen den Einnahmen könnte man ein paar sinnvolle Vorträge und vielleicht ein kleines Kulturprogramm einplanen, dazu ein paar nette Gespräche unter Skeptikern … … da wär‘ ich doch sofort dabei!

Therefore this little stunt ‘proves’ little, although I wouldn’t be surprised if some of them sheepishly confess that they did experience some symptoms later, because after taking a homeopathic remedy, especially 30c or above, the effects can be felt for days afterwards.

Ach, man muss erst ein paar Tage warten, bis sich die Wirkung einstellt? Hmm – das könnte natürlich auch der Grund für die nicht funktionierende Überdosis sein: Die Skeptiker haben zwischen der Einname des Mittels und der Wirkung ein paar Tage später möglicherweise eine der vielen Regeln verletzt, die laut Hahnemann’s Organon die Wirksamkeit der Homöopathie verhindern können. Welche das so alles sind hatte ich ja schon in meinem Beitrag über die Homöopathiestadt Köthen zitiert …

PS: Der Skeptical Letter Writer hat Louise McLean übrigens per Mail herausgefordert: Es geht um eine 5.000 Pfund-Spende für die Opfer des Erdbebens in Haiti …








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