Astrologische Bildungsgutscheine (Teil 6): Jetzt fließt die Kohle …

8 03 2010

… und zwar aus den Töpfen der Bundesanstalt für Arbeit in die Taschen der einzigen, für die Annahme von solchen Bildungsgutscheinen bisher zertifizierten, Sternenschwurbelausbildungsstätte. Jetzt berichtete die Hamburger Morgenpost darüber, und über diesen Artikel ist ganz aktuell etwas bei Astrodicticum Simplex zu lesen (… bin mal gespannt, was aus dem Interview mit der Zeitung wird, das Florian dort ankündigt).  Etwas ausführlicher geht übrigens die Webseite der Kursveranstalterin selbst auf die zwei jetzt aus Steuermitteln geförderten Damen ein. Im Artikel geht es dabei zunächst um das Urteil des Bundesverfasungsgerichts zu Hartz IV und Frau Fritsch ordnet dieses Urteil zunächst mal astrologisch ein

Nimmt man die Unterzeichnung des Grundgesetzes als Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland, so ergibt sich eine interessante Radix zur Betrachtung der Qualitäten dieses Landes:

Bundesrepublik Deutschland

Unterzeichnung des Grundgesetzes, 23.05.1949, 17:00 Uhr, Bonn

Die Berufung, Mitgefühl zu entwickeln (MC im Krebs), wird von einer starken Neptunstellung in Konjunktion zum Aszendenten im 12. Haus und im Trigon zum AC-Herrscher Venus untermauert. Im Bewusstsein ist nicht immer alles so klar, wie es erscheint, wohl ist aber die Stimmung von starker Empathie und dem Wunsch nach Harmonie im Umgang miteinander geprägt. Da nicht immer alles so klar ist (rückläufiger Merkur) bedarf das Grundgesetz offenbar starker Hüter, also eines Verfassungsgerichts, das in wichtigen Fragen entscheidende Klärung schafft, um Neptun auf den richtigen Weg zu bringen und Dinge deutlich zu machen.

Ein herrlicher Text! Reine Leere – und natürlich erklärt sie nirgendwo, warum sie gerade dieses Datum benutzt (wie lange dauerte die Unterzeichnung denn? Hat sie um 17:00 Uhr begonnen oder geendet? Und warum hat sie nicht die folgende Mitternachtsstunde genommen, denn da trat das Gesetz in Kraft…), wobei dies bekanntlich sowieso egal sein dürfte.

Vor dem Interview mit den beiden Damen, deren Ausbildung jetzt auch von meinen Steuern bezahlt wird, wird kurz auf deren Lebenslauf eingegangen, aber diesen möchte ich wirklich nicht kommentieren. Gegen Ende werden die beiden dann nach Tipps gefragt „für den Umgang mit der Arbeitsagentur bzw. Arge, um an den Bildungsgutschein zu kommen“. Klar, für die Ausbildungsstätte ist es sehr wichtig, dass man noch mehr Leute in Selbstbetrug ausbilden und sich dies vom Steuerzahler bezahlen lassen kann. Während die erste Dame da noch auf ganz profane Überredungskünste gesetzt zu haben scheint…

Ich denke, es ist ganz wichtig, den Mitarbeitern bei den Behörden klar zu machen, dass es sich hier um einen seriösen Beruf mit Zukunftsperspektiven handelt, der vielfältige Möglichkeiten bietet. Es zeichnet sich im Moment ja schon der Trend ab, dass die seriöse Astrologie immer mehr Akzeptanz finden wird.

… will die andere keine Ratschläge geben …

Leider kann ich keinerlei konventionelle Ratschläge geben, da es bei mir anscheinend ganz anders gelaufen ist als bei den meisten, mit denen ich bis jetzt geredet habe oder von denen ich gehört habe.

… hat aber trotzdem eine Vermutung für ihren Erfolg:

Aber ich bin wohl auch die Einzige, die generell bei Behördengängen in der Wartezeit still für sich Licht-Meditation betreibt.

Und? Hat’s geholfen?

Tatsächlich bin ich in der Folge dann auch immer sehr kooperativen Sachbearbeitern zugeteilt worden.

Wow! Ein Wunder! Kooperative Sachbearbeiter dank Lichtmeditation – das ist doch wirklich der Tipp des Tages! Man sollte die Dame allerdings fragen, welche Art der Licht-Meditation denn dafür angewendet werden muss – bei google liefert das Stichwort immerhin ca. 246.000 Ergebnisse …

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6 responses

16 03 2010
wo kann ich

„Arge, um an den Bildungsgutschein zu kommen

16 03 2010
wahrsagercheck

… ist doch ganz einfach: Licht-Meditation im Wartebereich …

18 04 2010
Karsten F. Kröncke

Was soll die Aufregung? Was bringt sie? Der Staat finanziert die Ausbildung in vielen Berufe (mit ihren Lehrstühlen an unseren Fachhochschulen und Universitäten), deren Sinn und vor allem „Wissenschaftlichkeit“ man ebenso hinterfragen kann.
Es gibt Wichtigeres. Z.B. über solche Themen, über die sich wirklich lohnt nachzudenken, nach Lösungen zu suchen, immer wieder neu, ohne Pause und Unterlass: z.B. Verschuldungen der Staaten (Deutschland allein in 2010: 1.7 Billionen), Verschwendungen der Staates (siehe „Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes“) sowie Atomwaffen und Atomkraftwerke mit ihrem Müll (Entsorgung?), Rüstungswirtschaft, Verunreinigung der Luft, des Wasser und der Erde durch die Industrie mit ihrer Wissenschaftlichkeit und in ihrem Machbarkeitswahn (z.B. Lebensmittelchemiker, „hier stehe ich und mache euch eine Tomatensuppe, die nie eine Tomate gesehen hat …“). Millionen Menschen hungern und dursten, sind auf der Flucht vor Gewalt, leben in menschunwürdigen Behausungen (Slums) usw., usw. Elend, wohin das Augen schaut. Helft helfen.

19 04 2010
wahrsagercheck

@Karsten F. Kröncke
Welche Ausbildungen und welche Lehrstühle meinen Sie?
OK, mir würden auch ein paar einfallen, aber so allgemeine Sätze haben meines Erachtens null Aussagekraft.
Und der Rest ihres Textes hat mit dem Thema meines Posts irgendwie gar nichts zu tun. Oder meinen sie jetzt, dass man das Geld für die Astrologieausbildung vielleicht lieber dafür verwenden sollte irgendwelchen Menschen, die im Elend leben zu helfen? Da könnte ich sogar zustimmen, denn dann wäre das Geld wenigstens nicht zum Fenster hinaus geworfen (… wie bei der Finanzierung einer Ausbildung in einer Pseudowissenschaft).

19 04 2010
Karsten F. Kröncke

Das Geld für die vom Arbeitsamt unterstützte Astrologieausbildung wird, im Verhältnis zu anderen Massnahmen (deren Sinn man auch kritisch hinterfragen kann), wohl im Promillebereich liegen. Also ums Geld („mit meinen Steuern!“) kann es hier wohl nicht gehen. Bleibt nur noch die Kritik wegen „Ausbildung in einer Pseudowissenschaft“ (gut, dass auch Ihnen ein paar andere einfallen würden, unsere Gesellschaft benötigt davon wohl einige).
Leider kenne ich nicht die Kriterien, die zum Bildungsgutschein führten, aber ich unterstelle der Bundesanstalt für Arbeit, dass sie sehr sorgfältig geprüft hat. Die Entscheidung muss ich nicht gut finden, aber ich bemühe mich darin, sie zu tolerieren im Sinne unseres Grundgesetzes (freie Berufswahl und damit auch Ausbildung und gleichberechtigte Förderung) und unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung, die ein friedliches Nebeneinander stärkt, unser aller Ziel.

10 07 2010
R. Schmitz

@ Karsten f. Kröncke
Ich denke auch, „ums Geld („mit meinen Steuern!“) kann es hier wohl nicht gehen“ – sehr schön analysiert!
Natürlich hat die Bundesanstalt für Arbeit sorgfältig geprüft und sicherlich hatte Frau Fritsch dazu einiges nach- und vorzuweisen. Diese Tatsache zu „schlucken“ fällt leider manchem nicht leicht.

@ wahrsagercheck
„Seriös“ ist es, die Dinge vor der Kritik zu prüfen. Das „Hörensagen“ ist höchst unwissenschaftlich…

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