2 E-Petitionen und google

14 04 2010

Gibt es jemanden, der noch nie google mit irgend einem Namen (vielleicht auch dem eigenen) gefüttert hat? Ich vermute ja eher nein – und manchmal ist das Ergebnis einer solchen Suche ja irgendwie entlarvend …

Als ich vor ein paar Wochen über die Kämmtrail-Verschwörer und ihre – inzwischen nicht mehr zeichenbare – E-petition berichtete, hatte ich mir für die Petitionsliste einen Link angelegt. Jetzt habe ich dort wieder einmal nachgeschaut … … und zwei – nun ja – interessante Petitionen gefunden.

In dieser geht es um die Heilpraktikerprüfung. Der Petent möchte erreichen, dass man bei einer Wiederholung der Prüfung vom schriftlichen Teil (einem Ankreuztest, bei dem 75% der Fragen richtig beantwortet sein müssen) befreit wird, wenn man diesen schon bei einem vorherigen Versuch – wie auch immer – bestanden hat. Ob der Petent selbst von diesem – bei Uniprüfungen völlig normalen – Procedere betroffen war, darüber kann man natürlich nur spekulieren, seine Begündung ist jedenfalls völlig lächerlich. In der dazugehörigen Diskussion wird ihm dann auch tüchtig der Marsch geblasen.

In der zweiten Petition geht es um das Heilmittelwerbegesetz. Das gilt ja nicht nur für Arzneimittel und Medizinprodukte, sondern es findet auch Anwendung wenn sich bei der Werbung für irgendein Produkt (§ 1 Abs.1 Satz 2)  …

… die Werbeaussage auf die Erkennung, Beseitigung oder Linderung von Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhaften Beschwerden bei Mensch oder Tier bezieht […].

Im Klartext heißt das eigentlich nur, dass man beim Werben mit Gesundheitsversprechen sich eben diesem Gesetz zu unterwerfen hat und es sich nach § 3 des Gesetzes immer dann um eine irreführende Werbeaussage handelt, wenn

Arzneimitteln, Verfahren, Behandlungen, Gegenständen oder anderen Mitteln eine therapeutische Wirksamkeit oder Wirkungen beigelegt werden, die sie nicht haben,

Doof ist das natürlich immer dann, wenn man mit solchen Ausagen gerne werben möchte, es aber keinerlei Beleg für die Gesundheitsversprechen gibt. Zum Beispiel für irgendwelche Wasseraufbereitungsmaschinen für mehrere hundert Euros wie diesen IonQuell Wasser-Ionisierer (man beachte das Impressum) oder für irgendwelche Mittelchen zum „Entschlackungsschwachsinn„, die es in diesem Laden bzw. im dazugehörigen Webshop gibt (man beachte das zugehörige Impressum).

Stattdessen möchte der Petent lieber folgenden Paragraphen lesen:

Gestattet sind Hinweise auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften bei Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmitteln, Verfahren, Behandlungen und Gegenständen ohne Bezug auf die in der Anlage bezeichneten Krankheiten, wenn sie bei üblichem Gebrauch keine schädigenden Wirkungen haben.

Jo, genau! Anstatt dass der Anbieter seine Werbebehauptungen belegen muss, soll er also nur nachweisen müssen, dass sein Zeugs bei „üblichem Gebrauch“ nicht schädlich ist? Vermutlich wird als erste die Zigarettenindustrie reagieren, den „üblichen Gebrauch“ mit „nicht anzünden“ definieren und ihre Nichtmehrglimmstengel als Beruhigungsmittel in Streßsituationen bewerben.

Und wohin führte die Namenssuche über google? Zu einem Matheprof (der nichts mit den Petitionen zu tun hat) und vielen Schwurbeltexten, absurden Produktangeboten und hanebüchenen Beiträgen in einigen Blogs: dieser Petent scheint wirklich nichts unversucht zu lassen, seinen Unsinn unter’s Volk zu bringen. Zum Glück ist die Resonanz auf seine Petition bisher äußerst mager.

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6 responses

29 04 2010
Jack24

Danke für den Tip mit den E-Petitionen, hoffentlich wird mal eine Petition eingereicht um Heilpraktiker als solches abzuschaffen oder eine strafrechtliche Gleichstellung zur Medizin zu erreichen mit Dokumentation der Behandlung, Wirksamkeitsbeleg etc.

30 04 2010
wahrsagercheck

@Jack24
Es gibt derzeit eine Petition (allerdings nicht in den e-Petitionen), in der gefordert wird dass Heilpraktiker Kinder, Schwangere und „Betreute“ nicht mehr behandeln dürfen (http://www.rueckspiegel.org/index.php/site/comments/da_muss_etwas_geschehen/). Das ist immerhin ein Anfang, denn dass man sich dieser zweifelhaften Erblast (siehe http://www.toxcenter.de/artikel/Heilpraktiker-ein-schnoedes-Hitlererbe.php) gänzlich entledigt, darauf wage ich nicht zu hoffen.

30 04 2010
Jack24

Danke für den Link, hab mir schon einen Vermerk gemacht, und hoffe, dass die Petition auch eingereicht wird. Ich befürworte hier absolut eine öffentliche Diskussion, den meisten Menschen, die bei einem dieser selbsternannten Heilkundigen Hilfe suchen, ist doch gar nicht klar, wie lasch die Voraussetzungen für diese Tätigkeit sind und dass da praktisch völlige Laien herumdiagnostizieren, mal abgesehen davon, dass sich die meisten pseudomedizinischen Verfahren in den von ihnen in Anspruch genommenen Ansätzen auch noch direkt selbst widersprechen. Also – von meiner Seite Daumendrücken, dass die Petition kommt.

30 04 2010
Jack24

hab grad gelesen, die Petition wird nicht zur Mitzeichnung feigegeben, sondern intern bearbeitet. Bei der Lockerung der Prüfungsvorschriften für Heilpraktiker hatte man keine Bedenken, das offen zu diskutieren

30 04 2010
Elke

Die Petition wurde vom Ausschuss zwar angenommen, aber sie wurde nicht veröffentlicht und zur Unterschrift online gestellt. Laut Auskunft des Petitionsausschusses wird darüber verhandelt werden. Da kann man echt gespannt sein.

30 04 2010
wahrsagercheck

… über die Petition wird – wenn ich mich richtig an die Planung erinnern kann – auch im Rahmen des Publikumstags bei der rasant nahenden GWUP-Konferenz in Essen (http://www.gwup.org/component/content/article/37/953-gwup-konferenz-2010-warum-menschen-unfug-glauben) berichtet werden. Ich bin schon mal gespannt …

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