Kurze WM-Prognosen-Updates: Paul sieht Maradona weinen! (Neu am 1.7.: Kobi auch!)

29 06 2010

Der kollektive Freudentaumel der hiesigen Fußball-Fans nach dem 4:1 Sieg im „Klassiker“ Deutschland gegen England geht so langsam in die Vorfreude auf das Viertelfinale gegen Argentinien über – trotzdem möchte ich kurz auf ein paar Prognosen zum England-Spiel zurückblicken. Die beiden Astrologen, die auf den Sieg der Deutschen nicht nur hofften, sondern dies auch irgendwie astrologisch „begründeten“ lagen mit ihren Tipps dieses Mal richtig. Auch der indische Astroyogi (!!!), der eine Siegwahrscheinlichkeit von 51,3% für die Löw-Kicker aus den Sternen ermittelt haben wollte, wird sich eines Treffers rühmen. Dagegen hatte Herr Amann für’s Achtelfinale wohl andere Sterne kontaktiert, denn bei ihm hätte England gewinnen sollen (seine vielen Vorrundenprognosen hat er inzwischen übrigens entfernt – so sah das am Ende aus).

Eine astrologische Prognose für das Argentinien-Spiel gibt es bereits im Starfish-Blog:

Aber vielleicht ist ja Uranus mitten in der Mond/Jupiter-Konjunktion ein Hinweis auf Überraschungen. Auch die Sonne/Südknoten-Konjunktion scheint mir Chancen für den Underdog Deutschland anzuzeigen, und zwar nach dem regulären Spielende. Vielleicht schafft Deutschland es, eine Verlängerung zu erzwingen, evtl. sogar mit anschließendem Elfmeterschießen. Dann könnte ich mir einen Erfolg der deutschen Mannschaft vorstellen.

So richtig überzeugend klingt das ja nicht – aber immerhin besteht ein wenig Hoffnung.

Nachdem Oktopus Paul auch den Achtelfinalsieg der Bundeskicker richtig „vorhergesagt“ und es damit auch in England zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat, dürfte nun bei den argentinischen Fußballfans das große Zittern beginnen:

Tintenfisch-WM-Orakel: Deutschland

besiegt Argentinien

Paul hat wieder zugeschlagen, und das Leckerli mit der deutschen Fahne gewählt! Bei seiner bisherigen WM-Trefferquote (100%) kann also eigentlich gar nichts passieren und die ’schland-Rufer stehen Samstag Abend wieder Fahnen schwingend am Straßenrand. Ob Maradona’s viele Bekreuzigungen vor jeder Halbzeit (waren es vor dem Spiel am Samstag laut Fernsehkommentator nicht genau 8 Stück?) diesen Zauber mittels göttlichem Beistand abwehren können? Zur Beruhigung der Hand Gottes und seiner Landsleute sei angemerkt, dass Paul nicht immer unfehlbar war: bei der EM 2008 lag er nämlich zumindest beim Vorrundenspiel gegen Kroatien falsch. Damals soll das Chemnitzer Tierorakel richtig gelegen haben – oder vielleicht doch nicht? Schaut man sich die aktuellen WM-Tipps aus Chemnitz an, so sieht es eher danach aus als hätte die Zoobelegschaft das Verhalten der Tiere falsch gedeutet. Welch anderer Grund für das kollektive Versagen von Leon (Stachelschwein – Niederlage gegen Australien), Petty (Flußpferd – Sieg gegen Serbien), Anton (Springtamarin – Niederlage gegen Ghana) und den Polarfüchsen (Niederlage gegen England) ist denn sonst denkbar?

Update 1 vom 30.6.:

Wie die WAZ meldete (dort gibt’s auch ein kleines Video) hat sich Oktopus Paul beim Tipp für das Argentinien-Spiel extrem viel Zeit gelassen. War seine Prognose für das England-Spiel binnen Minutenfrist gegessen (im wahrsten Sinne des Wortes) dauerte es dieses Mal 47 Minuten bis sich Paul zu einer Entscheidung durchringen konnte. Nun kann man spekulieren, ob dies irgend eine Bedeutung hat …

Übrigens sehen die Prognosen beim Castrol World-Cup-Predictor inzwischen wieder besser aus für das deutsche Team. Lag die Titelwahrscheinlichkeit vor dem Achtelfinale noch bei 5,4% …

… so stieg sie jetzt auf 9,4%:

Argentinien liegt hier allerdings knapp besser und beim direkten Vergleich sehen die Schmierölanalytiker Maradona’s Truppe mit einer Wahrscheinlichkeit von 52% vorne … … vor dem Achtelfinale hatten sie allerdings eine ähnliche Gewinnwahrscheinlichkeit für die Engländer berechnet:

Update 2 vom 30.6.:

Herr Amann hat zwar noch keine Prognosen für das anstehende Viertelfinale veröffentlicht, aber er ist sich zu 90% sicher dass Argentinien Weltmeister wird.

Update 3 vom 30.6.:

Herr Amann hat inzwischen die Achtelfinals „berechnet“. Seine Prognosen sehen (s.o.) für die deutschen Kicker nicht so rosig aus.

Abzuwarten bleibt auch, wie ein weiteres Tierorakel das Spiel am Samstag einschätzt. Im Tierheim Weimar darf Hund Kobi vor jedem Spiel entscheiden, ob er lieber Bratwurst (für Deutschland) oder ein anderes Futter (aus dem Land des Gegners) schnabulieren möchte. Was er für das Spiel gegen Australien orakelt hat weiß ich nicht, aber das serbische Cevapcici hat er jedenfalls der Bratwurst vorgezogen. Dass er Banane (Ghana) und Fish&Chips (England) verschmähte ist ja durchaus zu verstehen – ob er aber bei seiner nächsten Orakelei einem leckeren argentinischen Rindersteak widerstehen kann?

Update 4 vom 1.7.:

Noch eine schöne und absolut genaue Prognose gibt’s überraschenderweise bei der PC Welt: Zweimal Müller und Klose in der 90. sollen für einen 3:2-Sieg sorgen … … oder hat der Autor hier einfach nur von einer Simulation am PC berichtet?

Update 5 vom 1.7.:

Mit einem Video eindeutig belegt: Das Weimarer Hundeorakel namens Kobi widerspricht Oktopus Paul auch bei dieser Prognose nicht und zieht tatsächlich die deutsche Bratwurst dem argentinischen Rindersteak vor – also noch ein „Orakel-Punkt“ für ’schland!

Apropos Punkte: Auf dieser Seite ändert sich scheinbar (außer dem Namen der gegnerischen Mannschaften) gar nichts. Die deutschen Ersatzspieler Aogo und Butt sind noch immer rotgefährdet (auch der derzeit verletzte Cacau) und Özil noch immer Schiri’s Liebling – irgendwie doch etwas laaaaangweilig …

Update 6 vom 2.7.:

Jetzt hat sich auch das Chemnitzer Tierorakel wieder gemeldet – und widerspricht zum fünften Mal den Prognosen von Oktopus Paul und Tierheimbello Kobi (s.o.). Dieses Mal durfte die 6-jährige Lippenbärin Renate das Siegerteam voraussagen, und – nach der Deutung der Tierpfleger – hat sie sich für Argentinien entschieden. Aber wie ich bereits weiter oben vermutete, müssen sich die Tierpfleger langsam fragen lassen, ob sie ihre Tiere wirklich richtig verstehen …

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WM-Prognosen Update: Hemispheren, Trikotfarben, Kraken, ein Erzengel und die Sterne

23 06 2010

Deutschlands WM-Gewinnwahrscheinlichkeit ist beim World Cup-Predictor des Co-Sponsors Castrol nach der Pleite gegen Serbien wieder gefallen. Dafür taucht jetzt erstmals Portugal in der Spitzengruppe auf – und Uruguay hat jetzt die gleiche Wahrscheinlichkeit wie die deutsche Mannschaft vor Turnierbeginn. Der regelmäßige Update der Seite lässt netterweise ausgeschiedene Teams auch gleich „verschwinden“:

Ob sich nach dem Spiel heute Abend auch die deutsche Fahne im „Schattenreich“ der Titelwahrscheinlichkeiten wieder findet bleibt anzuwarten. Die Fans werden sich natürlich gerne auf die Prognose von Hellseherin Annelie Eik (Vielen dank an den Vechtablog!) verlassen, die ihr direkt vom Erzengel Gabriel eingeflüstert wurde. OK, das Ende der deutschen Titelträume hat sie auch vorhergesagt, denn mit dem Halbfinale soll’s nichts werden – es sei denn der Erzengel hat sie angelogen.

Wer sich lieber an die Prognosen real existierender Wesen hält, dem sei Paul empfohlen. Der im Sealife Oberhausen lebende Oktopus soll bei seinen Prognosen zu den bisherigen WM-Spielen der deutschen Mannschaft eine 100%ige Trefferquote haben – für das Ghana-Spiel setzt das Krakenorakel wieder auf Deutschland! Ob Paul treffsicherer ist als seine Kollegen Benedikt und Angus bei der WM 2006? Diese sahen damals die  deutsche Mannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien ausscheiden …

Das astrologische WM-Tippspiel im Forum von astrologie.de liefert neben Ergebnisprognosen sogar noch Ratereien für den Zeitpunkt des ersten Treffers – komischerweise unterscheiden sich die Prognosen der Astropraktiker, auch wenn gleich zwei Mal das erste Tor für die 14. Spielminute prognostiziert wird. Nicht ganz so genau, aber immerhin optimistisch, schaut dieser Astrologe in die Sterne:

Also könnte man sagen, beide Favoriten gewinnen. Wir tun das mal und sagen hier einen Sieg für Deutschland und einen für Serbien voraus.

Update (23.6., 13:20 Uhr): Im Starfish-Blog wird auch gehofft, aber dort scheint die Autorin in den Sternen nichts Genaues zum Ghana-Spiel erkennen zu können:

Schwierig, schwierig. Ich glaube, die Sterne wollen mir nicht sagen, wer heute Abend gewinnt. Vielleicht ist das eine der Situationen, in der einfach noch alles offen ist und der Kosmos jetzt die Frage nicht beantworten kann.

Ob Herr Amann seine Prognoseseite mit den heutigen Spielen anreichert weiß ich nicht ( ich werde kurz vor 16:00 Uhr nochmals nachschauen und dann ggf. ein Update einfügen – Update 23.6., 22:48 Uhr: Für die Spiele heute gab es tatsächlich keine Prognosen von Herrn Amann … … die Seiten von 16, 18 und 22 Uhr sind jeweils auf WebCite archiviert – Update 24.6. 14:30: Für heute gibt’s wieder Prognosen), bisher ist seine Trefferquote jedenfalls nicht allzu berauschend. Bei 34 Spielen zu denen er einen wahrscheinlichen Sieger genannt hatte lag er 14 Mal richtig und  11 Mal falsch (die 9 Unentschieden fallen – gemäß seiner eigenen Treffer-Definition – aus der Wertung). Auch auf einen Titelgewinner will er sich astrologisch bisher noch nicht festlegen sondern bietet mit Argentinien, Brasilien, Deutschland, England und Uruguay fünf mögliche Weltmeister an.

Die südafrikanische Stundenastrologin Jaqueline Brook traut sich auch nicht, irgendeinen „astrologischen Favoriten“ zu küren. Sie sieht den Sieger in der „nördlichen Hemisphere“ beheimatet – Glück für Brasilien, denn dieses Land rechnet sie sowohl der südlichen als auch der nördlichen zu, Argentinien und Uruguay hätten demnach allerdings keine Chance. Spätestens zum Halbfinale will sie sich auf einen Favoriten festlegen (dann ist die Auswahl ja auch weniger groß) und überläßt es ihren Lesern ob diese die Ergebnisse schon vor dem jeweiligen Anstoß wissen wollen:

As the tournament unfolds I will take a closer look at certain teams and add the predictions for those matches to this article on this web site; it is up to the reader to decide if they wish to know the outcome of these events prior to kick-off, or not. The most exciting weeks will obviously be those of the semi finals and finals and by then I will have decided on a firm favourite!

Andi Singh aus Malysia will zumindest die Trikot-Farben der besten Teams aus den Sternen gelesen haben:

teams wearing green, purple, gray and brown would do well at this year’s World Cup.

Aha, und das grüne Team wird das braune im Finale schlagen … … fragt sich nur, welches Team überhaupt in braunen Trikots aufläuft! Vielleicht sollte sich der DFB jetzt ganz schnell noch neue Trikots bestellen, denn soweit ich weiß haben die deutschen Leibchen keine der genannten Farben – aber bitte nicht blau oder rot, denn damit sieht’s im Finale ebenfalls schlecht aus.





Kein Honoraranspruch für „Lebensberatung“ durch Kartenlegen

18 06 2010

Ein wunderbares Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart:

Das Versprechen einer Lebensberatung, die sich auf die magischen Kräfte gelegter Karten gründet, ist auf eine im Rechtssinn unmögliche Leistung gerichtet. Ein Honoraranspruch für diese Leistung besteht nicht.

In der Rechtslupe gibt’s dazu einen ausführlichen Artikel. In dem dort beschriebenen Fall ging es um die übliche Telefonabzocke eins der üblichen Angebote zur telefonischen Lebensberatung mittels Tarotkarten. Die Kartenlegerin hatte ihrem Kunden zwar nicht versprochen, dass das von ihr aus den Karten fantasierte Zeugs eintreten wird, aber das Gericht äußerte sich klar und deutlich:

Ein Vergütungsanspruch besteht allerdings nicht, weil die von der Klägerin versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind, so dass der Anspruch auf die Gegenleistung entfällt (§§ 326 Abs. 1, 275 Abs. 1 BGB).

Eigentlich müsste Questico ja jetzt sofort sein Geschäftsmodell ändern …





Weitere WM-Prognosen und Zahlenspielereien

17 06 2010

Das südafrikanische Summermärchen (kein Tippfehler) ist ja bereits voll im Gange, aber hin und wieder gibt es noch neue Prognosen zum Ausgang der WM. So hat sich der Mannheimer Wahrsager Emanuell Charis bei seiner Favoritenprognose auf die üblichen Verdächtigen „festgelegt“ – und sieht Deutschland als Vizeweltmeister. Einzelne Astrologen versuchen sogar so ziemlich jedes Spiel irgendwie vorherzusagen – bin mal gespannt, ob sie das bis zum Ende durchhalten, und ob die Ergebnisse dann in irgend einer Form überraschend sind.

Ist es nicht viel lustiger, beim kenntnisfreien Herumschwafeln mit Freunden eigene Prognosen zu erstellen und mit der Realität abzugleichen? Auch ohne tiefer gehende Fußballkenntnisse habe ich letzten Sonntag beim gemeinsamen Deutschland-Spiel-Kucken eine solche gewagt – das Ergebnis erinnerte dann allerdings  eher an folgendes Video:

Der damit beworbene Goal-Predictor ist eine wirklich nette Spielerei. Die von den Machern vorbelegten „Stärkepunkte“ in Angriff, Abwehr und 11m-Treffsicherheit kann man dort für alle Länder auf einer Skala von 0-9 beliebig ändern und ein Programm berechnet dann eine – jeweils neue – Ergebnisprognose für das gesamte Turnier (unter Berücksichtigung der aktuellen Ergebnisse). Wie das verwendete „Gaussian mathematical model for football match simulation“ genau funktioniert wird leider nicht verraten, aber mit ein wenig Manipulation habe ich folgende Ergebnisprognosen für Halbfinale und Finale gebastelt:

OK, das war jetzt natürlich völlig unrealistisch – zumindest was die einzelnen Spielergebnisse angeht. Noch unrealistischer ist freilich diese – wohl lustig gemeinte –  „Prognose“ des YouTube-Users „EpicClown“: bei ihm siegt Nordkorea im Finale gegen Neuseeland …

Auch die im Spiegel ewähnten Zahlenspielereien sind nicht ernst zu nehmen, denn hier geht es lediglich darum mit irgendwelchen obskuren Rechenexempeln den nächsten WM-Titel für die deutschen Balltreter irgendwie auf das Jahr 2010 zu rechnen … … oder – falls es dann doch nicht klappt – eben auf 2014. Ebenfalls im Spiegel begründet der FDP-Mann Dirk Niebel, warum der vierte deutsche WM-Titel – im Gegensatz zu 2006 – dieses Mal nicht zu vermeiden sei: Weil die FDP – wie bei den Titelgewinnen zuvor – mit in der Regierung sitzt! OK, die FDP saß auch während der Weltmeisterschaften 1998, 1994, 1986, 1982 und 1978 in der Regierung – also doch eher ein schlechtes Omen?

Derweil haben sich übrigens die Weltmeisterwahrscheinlichkeiten im bereits erwähntenWorld-Cup-Predictor“ nach der ersten Spielrunde in Südafrika verändert: Brasilien liegt noch immer vorne (22,0% statt 23,4%), dahinter folgen aber jetzt die Niederlande (16,2% statt 9,8%), England (10,4% statt 10,3%), Spanien (10,2% statt 17,0%), Deutschland (9,2% statt 5,7%) und Argentinien (9,0% statt 7,5%) – in etwas veränderter Reihenfolge.

Wahrscheinlichkeiten, Sternenschwurbel, mehr oder weniger lustige Raterei – es wird auch dieses Mal sein wie immer: Irgendjemand wird mit seiner Prognose Recht gehabt haben …





Fußball WM und Astrologie: kaum Prognosen, viel Blabla (Update)

11 06 2010

Hatte nicht Herr Amann aus Österreich ab dem 10. Juni seine astrologischen WM-Prognosen angekündigt? Ja, hatte er, aber auf seinem Blog sind sie bisher schlicht und einfach nicht zu finden. Ob die Prognosen so feinstofflich sind, dass man sie gar nicht mehr lesen kann? Vielleicht bezog sich das „ohne Gewähr“ in seiner Ankündigung vom 31.5. ja auch nicht auf die Richtigkeit der Prognosen sondern darauf, ob er sie überhaupt der Öffentlichkeit präsentiert …

Update, 14.6.: Inzwischen hat Herr Amann seine ersten Prognosen (… und heute Abend ist es schon eine mehr …) tatsächlich präsentiert – und dazu ein recht eigenartiges „Regelwerk“ zur Bewertung. Als Prognosen gibt er Prozentwerte für den Sieg einer der beiden Mannschaften an, als Fehler will er seine Prognose aber nur dann gewertet wissen, wenn die Mannschaft mit der höheren Wahrscheinlichkeit verliert. In seinen eigenen Worten:

Fehlinterpretationen gelten erst dann, wenn derjenige Staat verlieren würde, der als Sieger berrechnet wurde. Unentschieden gilt also nicht als Fehlinterptetation.

Mal sehen, ob er sich neben den bisherigen 8 (jetzt 9) Prognosen noch weitere zutraut … … bisher lag er bei 3 Spielen falsch, eines ging Unentschieden aus (wenn er es nicht als „Fehlinterpretation“ gezählt haben will, ok – dann ist es aber auch kein Treffer) und 4 Mal lag er richtig.

Seine Wiener Kollegin Rosalinde Haller erbat sich – laut dieser Meldung – noch ein wenig Bedenkzeit. Mal sehen, ob und wenn ja wann sie versucht ihre Traumquote von der EM 2008 zu toppen. Damals lag sie mit ihren sehr ausführlichen Tipps weitgehend daneben: Keines der von ihr im Februar ins Halbfinale prognostizierten Teams erreichte dieses tatsächlich …

Auch Iris Treppner, Spezialistin in den Disziplinen Prozentrechnung und Dreiste Übertreibung, hatte auf einer ihrer vielen Webseite angekündigt:

Sobald die Spielpläne stehen, gibt es auf dieser Seite weitere Informationen!

Gibt es aber nicht. So bleibt’s bei ihrer alten Prognose für ein Finale dessen Sieger „erst nach Verlängerung und vielleicht sogar erst beim 11-Meter-Schießen“ ermittelt wird: England – Argentinien

Im bayrischen Rundfunk durfte Petra Renzi fast 6 Minuten lang weitgehend Positives über die deutsche Mannschaft ins Mikro blubbern – zumindest bis zum Achtelfinale, denn die folgenden Tage sind dann „schlecht bestrahlt„. Sinnfrei und völlig wirr kicherte sich die Dame durch ein Interview – dessen Moderator man für die nächsten Tage eine Horde dauertrötender Vuzuela-Fans in die direkte Nachbarschaft wünschen möchte. Warum stellt der Mann nicht einmal eine konkrete Frage?

Aber nicht alle Sternenschwurbler verweigern die Prognosen so vollständig. Im Starfish-Blog gibt es eine wenig überraschende Prognose zum Spiel Deutschland gegen Australien – der erwartete Sieg der deutschen Kicker wird in der unter Astrologen üblichen Schwurbelsprache wie folgt begründet:

Ein wichtiger Faktor ist jedoch der Glückspunkt (Pars Fortuna), hier auf 26° Wassermann im 1. Haus. Er bildet ein Antiszium (Spiegelpunkt) zur Spitze des 10. Hauses, was ein sehr deutliches Argument für einen Sieg der Favoriten-Mannschaft ist. Zusätzlich bildet der Nebensignifikator für die deutsche Mannschaft, Mars, ein Sextil zum Antiszium des Glückspunktes.

Das muss man nicht verstehen – aber wer mag kann ja im Astrologenwiki solche Begriffe nachschlagen.

Solchen Umstand vermeidet man als Leser dieser Seite. Das 0:0 würde ich dabei nicht als Prognose für das Spiel verstehen wollen, denn hier werden lediglich irgendwie astrologisch den einzelnen Spielern bis zu 5 Fußbälle zugeordnet – also keinerlei Schwurbeltexte und eine Logik, die der ’schland-Fan auch nach dem 15. Bier noch verstehen kann (Ob die 92:82,5 Fußbälle irgendwie das Ergebnis symbolisieren sollen?). Außerdem gibt es bei einigen Spielern noch kleine, kurze Anmerkungen die irgendwie nach Fußball klingen – und durchaus überraschende Erkenntnisse liefern. Jetzt wissen wir nämlich, dass die Nummer 3 im Nationalmannschaftstor für das erste Spiel nicht nur einen „Publikum-Beliebtheitsprunkt“ sein eigen nennen kann, sondern auch „leicht rotgefährdet“ ist. Gilt das auch, wenn er gar nicht spielt? Andere Spiele haben einen „Fleißigkeitspunkt“ (der immer mit der Gefahr eines Platzverweises korreliert: „Extrem rotgefährdet„), einen „Technikpunkt“, einen „Gefährlichkeitspunkt“ – ein Australier hat gar einen Raubkatzen-(Torgefährlichkeits)punkt … … ob das Löw zu einer Sonderbewachung animiert?

Welche Bedeutung „Überraschungspunkt“ oder „Talismann-Glückspunkt“ haben weiß ich nicht, aber beim „Schiri-Lieblingspunkt“ habe ich ganz klare Vorstellungen: Mesut Özil wird also besonders viel und/oder hart foulen dürfen, ohne eine gelbe oder rote Karte bzw. einen Elfmeter für den Gegner zu riskieren … oder er erhält einen unberechtigten Elfmeter zugesprochen (Update: Ob seine mit einer gelben Karte bestrafte Schwalbe der Versuch war, den Schiri-Lieblingspunkt irgendwie „einzulösen“???). Eigenartig finde ich nur, dass auch ein Spieler der gegnerischen Mannschaft so einen Schiri-Lieblingspunkt hat. Wie entscheidet der Schiri, wenn sich ausgerechnet diese beiden auf dem Platz unsanft begegnen?

Ob man noch auf weitere astrologische Prognosen zur WM warten sollte? Wenn sogar Helen Fritsch, Leiterin der Hamburger Astropraxis (…  bei der man sich einzelne Kurse von der Bundesagentur für Arbeit finanzieren lassen kann …) schreibt …

Astrologische Prognosen über das konkrete Abschneiden einzelner Mannschaften sind unseriös,

… und sich dabei auf den Deutschen Astrologen Verband beruft, dann könnten sich die Sterndeuter doch all die Mühe beim Schreiben einer astrologische klingenden Begründung gleich sparen und – wie viele andere auch – einfach aus Spaß ein wenig raten. Eine bessere Trefferquote ist mit der Astrololgie bekanntlich eh nicht zu erzielen.

Weitere Prognosen gibt es hier und da und dort





wiso hat’s endlich gemerkt: Astrologie auf Staatskosten

8 06 2010

Nachdem sowohl auf Astrodicticum Simplex als auch hier mehrmals darüber berichtet wurde, dass die Bundesagentur für Arbeit auch Kurse in Astrologie bezahlt, hat es jetzt – über ein halbes Jahr später – auch die ZDF-Sendung wiso (ganz am Ende ab 30:03) gemerkt. Das Angebot ist nicht nur – wie von der Moderatorin angemerkt – „sehr speziell“, es ist einfach lächerlich und skandalösl! 610 Euro im Monat für eine solche „Ausbildung“? Ich weiß ja, dass man das Ganze auch viel billiger machen kann, die Pseudoqualität würde es – aus Sicht des Kunden – wohl nicht verringern (ich habe inzwischen mehrere Menschen mit einem Horoskop beglückt, dass ich mit dem dort erwähnten und für 2,99 Euro gekauften Computerprogramm erstellt hatte – niemand hat sich beschwert!!!)!

Der Bundesverband der deutschen Psychologinnen und Psychologen hält das Ganze auch zurecht für unseriös und redet Klartext: Das Ganze sei fachlich unhaltbar und es würde Schindluder mit der Psychologie betrieben. Die Ausbildung bereite für ein Berufsbild vor, dass es gar nicht gibt … … wobei letztere Aussage natürlich falsch ist: Scharlatane gab es schon immer, und wird es – leider – immer geben. Dabei ist es schnurzpiepegal, ob diese Scharlatane wissen, dass sie Scharlatane sind oder ob sie sich – wie im Falle der Astrologie recht häufig – einfach nur selbst betrügen: Scharlatan bleibt Scharlatan und die Aussagen der Astrologie bleiben Mumpitz. Wenn aber die Bundesagentur für Arbeit solchen Mumpitz finanziert, dann kann man das nur als Skandal bezeichnen.





Prognosen 2010 (Teil 7): WM-Prognosen aller Art

7 06 2010

Kurz vor der Fußball-WM in Südafrika nimmt erwartungsgemäß auch die Zahl der Prognosen zum Ausgang des Kickerspektakels zu. Dabei könnten die Quellen der im Folgenden vorgestellten Prognosen unterschiedlicher kaum sein. Von Astrologen über mehr oder weniger fachkundige Ratereien bis zu statistischen Simulationsmodellen reicht die Bandbreite. Beginnen möchte ich mit drei Prognosen aus dem Bereich Mathematik/Statistik/Ökonometrie.

Als Co-Sponsor der Titelkämpfe hat sich Castrol mächtig ins Zeug gelegt und bietet auf einer  Fußballseite einen „World-Cup-Predictor„. Dort kann man nicht nur die Wahrscheinlichkeiten für den Titelgewinn der einzelnen Nationen, sondern sogar die Wahrscheinlichkeiten jedes im Turnier möglichen Spielergebnisses (zumindest in der Form Sieg – Unentschieden – Niederlage) und einiges mehr abfragen. Das Ganze wird offensichtlich laufend upgedated, denn die angegebenen Wahrscheinlichkeiten ändern sich immer wieder ein wenig.  Die Namen der drei Topfavoriten blieben allerdings in den letzten Tagen gleich: Brasilien (aktuell: 23,4%) vor Spanien (17,0%) und England (10,3%). Hinter den Niederlanden (9,8%) und Argentinien (7,5%) folgen die Bundeskicker mit 5,7% auf Rang 6.

Deka-Bank und UBS haben für ihre WM-Broschüren ebenfalls fleißig mit statistischen Simulationen herumgespielt. Auch hier hat Brasilien die jeweils höchste Siegeswahrscheinlichkeit. Während aber die Ergebnisse bei der DEKA-Bank den Castrol-Berechnungen noch weitgehend ähneln (bei der DEKA folgen Spanien, Niederlande, England, Italien und Deutschland) sieht die Reihenfolge hinter Brasilien (22%) bei der UBS ganz anders aus: Deutschland (18%),  Italien (13%), Niederlande (8%), Frankreich (6%) und Argentinien (5%) liegen allesamt vor Spanien und England (jeweils 4%). OK, wer jetzt im aktuellen Spektrum der Wissenschaft den Artikel ‚Ist Fußball Glücksspiel?‘ aus den Mathematischen Unterhaltungen gelesen hat, der wird auf diese Prognosen eh nichts geben. Wie der Autor dort am Ende anmerkt lässt sich das ansonsten (… im Liga-Alltag) recht zuverlässige mathematische Modell (… zuverlässig im Vergleich zu einem Zufallsgenerator) auf eine Weltmeisterschaft gar nicht übertragen, da ‚diese nur alle vier Jahre stattfindet und sich die Zusammensetzung der Mannschaften in diesem Zeitraum stark ändert.‘

Die Astrologen drücken sich ja normalerweise eher kryptisch aus, es gibt allerdings auch Ausnahmen: Dieser Astrologe verbreitet die frohe Botschaft für die Oranje-Kicker sogar über ein Video:

Österreich spielt zwar gar nicht mit, aber auch in der Alpenrepublik kann man in die Sterne schauen und daraus irgendwelche Nonsensschlüsse ziehen. Ich bin schon mal gespannt, welche Prognosen uns von Herrn Amann erwarten: In seinem Blog kündigte er am 30. 5. an, dass er ab dem 10. 6. astrologische Fußballergebnisse zur Verfügung stellen wird – selbstverständlich ‚ohne Gewähr‘. Mal abwarten, was da so kommt …

Über einige weitere Prognosen aus der Astrologenszene hat Florian Freistetter aktuell berichtet. Entgangen ist ihm allerdings die genialste aller Prognosen – und die Auszeichung dafür gebührt ohne Einschränkungen Winfried Noe:  Kurz vor Weihnachten 2009 hatte er  im Kalenderblog auf die Frage nach dem kommenden Fußball-Weltmeister mit folgendem Sätzchen geantwortet:

“Das beste Team.”

Genaueres verraten die Sterne wohl nicht, aber vielleicht wissen Tarotkarten oder irgendwelche ‚Psychics‘ mehr? Sue Knock zum Beispiel traut sich was: Sie sieht schon jetzt, dass Ghana die WM gewinnen wird – und dass Deutschland und England nach starkem Beginn abfallen werden (während sich Italien und Frankreich im Laufe des Turniers steigern). Ein Kartenleger auf dieser Seite nennt die vier Halbfinalisten (Brasilien, England, Italien und Argentinien) und überlässt den Rest irgendwelchen Göttern. Das kanadische Medium Blair Robertson setzt auf die Spanier … … also irgendwie kommen immer die gleichen Namen –  oder eben gar keine.

Da sind mir Prognosen wie die Folgenden wesentlich lieber, denn da berufen sich die Autoren eigentlich auf gar nichts. Reine Raterei also? Vielleicht auch einfach eine Mischung aus Spaß, Wunschdenken und Youtube-Spielerei – die bisweilen aber wenig erfolgreich ist. So dauert das erste Video quälend lange 9 Minuten und ist wegen einer extrem dilletantischen Tonmischung weitgehend unverständlich – aber es wird ein ‚Sieger‘ benannt: England!

Der folgende Clip ist zumindest technisch ganz ok – er beginnt mit dem entscheidenden Elfmeter der WM 2006, liefert nette Flaggenanimationen und die erwarteten Ergebnisse aller Vorrundengruppen – für die entscheidenden K.O.-Runden danach reicht dann eine einzige schäbige Grafik (ab 4:20):

Argentinien als Titelträger? Die Fußballfans hierzulande werden eher folgendes Video lieben: Dort wird ein vollständiges Turnierszenario mit allen (!!!!) Spielergebnissen geboten und …

… einem Sieger der dann tatsächlich Deutschland heißen soll.

Da aber sowieso die Prognostiker aus den jeweiligen Ländern wohl am liebsten ihr eigenes Team vorne sehen, ist der folgende Clip für die Fußballfans aller teilnehmenden Länder zu empfehlen:

Herrlich kurz und wunderbar klar wird die Botschaft transportiert: Das eigene Team wird den Cup gewinnen – jetzt oder irgendwann später! Zumindest macht man sich mit einer solchen Prognose bei den heimatlichen Fans nicht unbeliebt.








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