Kein Honoraranspruch für „Lebensberatung“ durch Kartenlegen

18 06 2010

Ein wunderbares Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart:

Das Versprechen einer Lebensberatung, die sich auf die magischen Kräfte gelegter Karten gründet, ist auf eine im Rechtssinn unmögliche Leistung gerichtet. Ein Honoraranspruch für diese Leistung besteht nicht.

In der Rechtslupe gibt’s dazu einen ausführlichen Artikel. In dem dort beschriebenen Fall ging es um die übliche Telefonabzocke eins der üblichen Angebote zur telefonischen Lebensberatung mittels Tarotkarten. Die Kartenlegerin hatte ihrem Kunden zwar nicht versprochen, dass das von ihr aus den Karten fantasierte Zeugs eintreten wird, aber das Gericht äußerte sich klar und deutlich:

Ein Vergütungsanspruch besteht allerdings nicht, weil die von der Klägerin versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind, so dass der Anspruch auf die Gegenleistung entfällt (§§ 326 Abs. 1, 275 Abs. 1 BGB).

Eigentlich müsste Questico ja jetzt sofort sein Geschäftsmodell ändern …


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21 responses

19 06 2010
» Na, habt ihr mal diese tollen Leute gesehen, die … Nachtwächters fußballfreier Blah

[…] auslegen? Da rufen sogar welche an. Allerdings führt diese »Dienstleistung« zu keinem Honoraranspruch, da die versprochenen Dienste objektiv unmöglich sind, meint jedenfalls das OLG Stuttgart. […]

25 06 2010
Wer hat Erfahrung mit Beraterportal www.stelaris.net? | Schufa Löschen

[…] Kein Honoraranspruch für „Lebensberatung“ durch Kartenlegen … […]

9 07 2010
nachgetragen

Ah super. Und wenn die Anti-Faltencreme meine Falten nicht beseitigt, zahle ich die auch nicht? Hochzeiten („bis dass der Tod euch scheidet“) kosten dann wohl im Falle einer Scheidung auch nichts mehr.

Dieses Urteil ist ja mal ein echter Sieg für die Vernunft. Wer eine Leistung in Anspruch nimmt, braucht dafür nicht zu bezahlen, wenn ihm hinterher einfällt, dass das ja alles doof ist. Aber dass Vorstände reihenweise Unternehmen an die Wand fahren und dafür noch mit millionenschweren Abfindungen abgespeist werden, ist rechtens.

9 07 2010
wahrsagercheck

@nachgetragen
Bei Hochzeiten ist das ein gegenseitiges Versprechen, das ist ein schlechter Vergleich.
Bei der Faltencreme gilt, dass der Hersteller natürlich keine falschen Versprechungen in der Werbung machen darf – es sei denn er kann sie irgendwie nachweisen. Heute sichern sich die Firmen natürlich ab und werben häufig mit Meinungsumfragen a la „85% der Anwender fühlten sich nach 2 Wochen jünger aussehend“ – begleitet mit einem klein aufscheinenden Hinweis, dass sich diese Zahl aus einer Umfrage unter 125 Lesern der Zeitschrift LHJGJKG ergeben hat (… wobei verschwiegen wird, dass dieser Zeitung eine Probe mit einer Antwortkarte und einem Gewinnspiel beilag).

In diesem Fall geht es aber um das Versprechen einer Leistung, die objektiv unmöglich ist (Falten können ja tatsächlich verschwinden – notfalls durch zukleistern …).

9 07 2010
nachgetragen

So weit ich weiß, weisen „Lebensberater“ genauso darauf hin, dass sie keine Erfolgsgarantie geben, wie Kosmetikhersteller – nur dass Erstere nicht erst Tausende Tierversuche durchführen. Dieser Hinweis ist bei hiesiger Rechtsprechung allein schon aus Haftungsgründen notwendig.

Egal, wie man nun zu den Leistungen von Lebensberatern stehen mag: Ich propagiere die Eigenverantwortlichkeit des Menschen. Wenn ich für 12 Euro/Minute irgendwo anrufe oder einen Besuch zu einem bestimmten Stundensatz vereinbare, dann ist das meine Entscheidung, und wenn ich das vereinbare, dann muss ich das auch zahlen.

Anstatt nun für eine erbrachte Leistung (was ist denn mit der aufgewendeten Zeit?) das Honorar zu verweigern, wäre es sinnvoller, den vielbeschworenen mündigen Bürger endlich auch in der Praxis als Tatsache anzunehmen. Dieses Urteil tut das nicht, indem es wieder ein Stück (Eigen-)Verantwortlichkeit abnimmt.

9 07 2010
wahrsagercheck

@nachgetragen
Die Tierversuche brauchen die Faltencremefuzzies insbesondere auch für den Nachweis, dass die Schmiere nicht schädlich ist (gab’s da nicht vor Jahren ein Skandälchen weil Schauspielerin Uschi Glas für eine Creme warb, die bei vielen Nutzern einen ziemlich üblen Hautausschlag verursa chte?).
Ich habe übrigens nicht gegen diese selbst ernannte Lebensberaterzunft – sie sollten allerdings ganz klar belegen müssen, über welche Qualifikationen sie für diese Aufgabe verfügen (um in der „Allgemeinen Lebensberatung“ bei der Diakonie arbeiten zu dürfen musst du eine entsprechende Ausbildung als Pädagoge, Theologe oder Psychologe und möglichst einschlägige Zusatzqualifikationen nachweisen) – wobei die Nennung der Ausbildung alleine nicht genügt (ich hatte mal ein Reiki-Zertifikat II. Grad … … erworben innerhalb von 5 Minuten) sondern genau belegt werden muss wann, was wie lange gelernt wurde und welche Prüfung am Ende ggf. abgelegt wurde. Dann darf meinetwegen auch jemand seine Dienste mit der Qualifikation „hab’s zwar nicht gelernt aber kann’s besser“ anbieten … … in jedem Fall hat der Kunde zumindest die Chance den Kram zu überprüfen.
Ansonsten gilt hier das „Behindertenprinzip“: Es ist absolut böse einen Behinderten oder ein Kind zu beklauen. Das Anrufen von solchen „Beratungsangeboten“ kann zu einer Sucht werden und sollte dann auch wie eine Krankheit behandelt werden. Einem Menschen, der wegen eines Beinbruchs nicht gut zu Fuß ist die Tasche zu klauen ist ziemlich böse – einen psychisch kranken Menschen auszunehmen finde ich da nicht weniger böse, sondern viel schlimmer da das Opfer auch noch – auf deutsch gesagt – vollkommen verarscht wird..

9 07 2010
nachgetragen

Alkohol kann auch zu einer Sucht werden. Brauche ich jetzt mein Bier nicht mehr zu bezahlen? Weil es jemanden anderes gibt, der süchtig danach ist? Oder werden könnte? Die Logik kann ich nicht nachvollziehen.

„Journalist“ darf sich JEDER nennen. Keinerlei Qualifikationsnachweise erforderlich. Ich fürchte, die können wesentlich mehr Schaden anrichten als Lebensberater.

Der Begriff „Lebensberater“ ist ja mit Absicht so schwammig gehalten, weil die Leistung entsprechend ist. Wer einen Psychologen braucht, findet leicht einen, denn diese Berufsbezeichnung darf zum Glück nicht jeder tragen.

9 07 2010
nachgetragen

P.S.: Wenn im Einzelfall Ausbeutung von Menschen vorliegt, die aus bestimmten Gründen nicht Herr über ihre Entscheidungen sind, dann sollen bitte auch Einzelfallentscheidungen getroffen werden. Ich habe noch nie davon gehört, dass ein Spielsüchtiger seine Spieleinsätze am Automaten nicht zu bezahlen brauchte, selbst wenn er in seinem Leben noch nie mehr als 2 Euro gewonnen hat.

9 07 2010
wahrsagercheck

@nachgetragen
Der von mir zitierte bzw. verlinkte Fall war ein Einzelfall (… es gibt allerdings nicht nur diesen). Jedesmal muss das Gericht solche Einzelfälle abwägen, wenn es denn überhaupt dazu kommt. Es sind auch andere Fälle „aktenkundig“, in denen die ach so „liebevollen Lebensberater“ gar nicht erkannt haben (wie auch, ohne entsprechende Ausbildung?), dass die Daueranruferin (es sind überwiegend Frauen, warum auch immer) ein psychiches Problem (… und inzwischen viele Tausend Euro Schulden) hat.
Meines Erachtens geht es um das gleiche Thema wie bei Banken und Versicherungen. Bevor diese mit einem Kunden eine Vertrag abschließen müssen sie (inzwischen, und auch noch lange nicht gut genug) dokumentieren, dass sie den Kunden ordentlich und ausführlich beraten haben (… und der Kunde muss unterschreibt dass er das verstanden hat!) – tun sie das nicht, dann sind sie haftbar. In der Lebensberatungsbranche gibt es nichts auch nur annähernd Adäquates. Ich bin nicht unbedingt für noch mehr und ausufernde gesetzliche Regelungen, aber wenn eine gewisse Beratungs- und Dokumentationspflicht bei Geldgeschäften inzwischen Standard ist (ich kenne diese Branchen und ich weiß sehr gut wie die Leute über den Tisch gezogen wurden), warum nicht auch Ähnliches in dieser Branche?

Wenn ich einen Fernseher kaufe erwarte ich, dass dieser auch funktioniert …

10 07 2010
nachgetragen

„Der von mir zitierte bzw. verlinkte Fall war ein Einzelfall“
Ach so. Ich habe das als Grundsatzurteil verstanden. Immerhin kam das ja schon von einem OLG und dürfte vielleicht in ähnlichen Fällen herangezogen werden.

„Wenn ich einen Fernseher kaufe erwarte ich, dass dieser auch funktioniert …“
Es gibt ziemlich deutliche Unterschieden zwischen Kauf-, Werks- und Dienstverträgen. Aus gutem Grund.

18 07 2010
Klaus

ja gehts noch?
Der Gesamtumsatz der Eso Branche beläuft sich gerade mal auf rd. 500 Mio Euro. Das ist nix!
Also, Aufregung um nix! Oder seit ihr selbst-ernannte Volksaufklärer? Pseudoreligiöse Eiferer, sozusagen. Fürchterlich!
Allein der Afghanistan Einsatz kostet den Steuerzahler 3 Milliarden. Die Endlagerung des Atommülls zig Milliarden. Und und und….. die Esos zahlen vielleicht sogar noch Steuern und Abgaben?
Nee, was ihr hier treibt ist nichts weiteres als Inquisition gegen ein paar Spinner. Und es bleibt Inquisition, auch wenn ihr einen aufklärerischen Hintergrund angebt! Der Spaß daran ist, andere lächerlich zu machen. Darum gehts! Ihr seit genauso schlecht oder gut wie die Aufklärer früherer Zeiten, einschl. der damit verbundenen Irrlehren!

19 07 2010
wahrsagercheck

@Klaus
Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

20 07 2010
Klaus

ist das jetzt dein ernst?
Das sind Spinner, nichts weiter als Spinner. Von deren Treiben wird die Gesellschaft weder besser, noch schlechter! Oder um es ökonomisch auszudrücken. Der Schaden den diese Leute anrichten ist Volkswirtschaftlich zu vernachlässigen!
Auch sonstiger Schaden, ist im Hinblick auf wirkliche Schadensverursacher zu vernachlässigen. Die Bildzeitung lesen auch täglich rd. 9 Millionen Leser. Und ist die Gesellschaft deshalb schlechter, dümmer, besser oder schlauer? Nein! Sie ist!
Das es Wissenschaftlern quer runter geht, dieses ganze Eso Zeugs, ist ja OK. Aber damit hat sichs dann aber auch.
Mir geht auch so einiges auf den Sack, was Wissenschaftler an Blödsinn so verzapfen.
Aber lassen wir das!
Nein, was sie treiben ist Inquisition. Sie könnten auch genauso gut über das Judentum herziehen. (Dann wirds allerdings strafrechtlich relevant, also lassen sie es)
Sie können über die Freimaurer herziehen. ( Das könnte allerdings einen Karriereknick zur Folge haben, da sehr viele Freimaurer in höchsten Positionen zu finden sind. usw. usw.
Also, sucht man sich Eso Deppen als Feindbild, das ist so herrlich einfach!

21 07 2010
wahrsagercheck

@Klaus
Kleiner Tipp: Sie müssen hier nicht mitlesen. Wenn sie diese Posts wegen Irrelevanz zu sehr aufregen, dann einfach ignorieren – das senkt den Blutdruck …

24 07 2010
Klaus

das gilt dann aber bitte schön für alle Heilsverkünder!
Besonders und gerade auch die aus der Wissenschaft. Die modernen Glaskugelseher halt!

24 07 2010
notatall

Zwischen einer erbringbaren Leistung und einer nicht erbringbaren Leistung steht unsere Wahrnehmung.
Daher ist es grundsätzlich unlauter, jemandem eine Leistung als solche zu verkaufen, die rational nicht erkannt/oder nachvollzogen werden kann.
In Situationen, wo eine „Lebensberatung“ notwendig ist, hat daher eine nicht nachvollziehbare „Leistung“ nur Scheincharakter. Solche Gespräche sind ja nicht unbedingt als schlecht einzustufen, jedoch ist darauf hinzuweisen, dass das eine reine Unterhaltung mit keinerlei Relevanz zu einem Lebensproblem haben kann! Wenn es den Kunden dazu bringt, dass ein Lachen entsteht, dann ist es auch zu bezahlen, ansonsten ein Gespräch wie auf einer Parkbank mit einer zufällig anwesenden Person, kostet auch kein Geld, jedoch Zeit für die Beteiligten!

11 10 2010
fille

Das bedeutet, liebe Wahrsager: erst kassieren, dann wahrsagen.

Beliebt ist auch die Methode des verwünschens bei Nicht-bezahlung.

13 12 2010
Gabriela

Ich habe eine Webseite und biete Kartenlegen und Lebenshilfe.
Ich habe auf meiner Webseite deutlich folgendes angebracht:
„Dieses Beratungsangebot dient nur zum Zweck der Unterhaltung. Alle Auskünfte sind subjektiv und unverbindlich und stellen keine magischen Versprechen dar“.
Damit müßte man rechtlich auch soweit im grünen Bereich sein.

14 12 2010
wahrsagercheck

Hallo Gabriela,

wenn du diesen „Disclaimer“ auch immer brav deinen Anrufern vorliest, dann wäre das wirklich fair.

Ansonsten eine kleine Frage: Was befähigt dich dazu, wildfremden Menschen Lebenshilfe anzubieten? Ich kenne einige Profis aus diesem Metier, die in offiziellen Beratungsstellen (z.B. Caritas, Diakonie) arbeiten. Alle haben mindestens eine, häufig mehrere – mehrjährige! – Spezialausbildungen zu diesem Thema zusätzlich zu einem einschlägigen Studium (Sozialpädagogik, Psychologie) absolviert und die dazugehörigen Prüfungen bestanden. Mit welchem Wissen kannst du aufwarten?

3 09 2012
Sabine Pointner

Nur ein Beispiel: Ein Weltenbummler ohne Ausbildung kennt die Welt besser als ein Geografe. Damit will ich sagen, dass es nicht immer um die Ausbildung geht, wie gut man in seinem Job ist. Es geht um Interesse und wieviel man aufopfert.

3 09 2012
Horst Lauer - Der Skeptiker

Verehrte Frau Pointer,

ich komme gerade bei Ihrem elektronischen Leserbrief nicht recht mit. Wollen Sie dem geneigten Leser etwa sagen, einem Esoterizisten oder gar einem Astrologen stehe eine Vergütung zu? Gar von Staatswegen? Das vermag doch nicht Ihre Meinung zu sein? Oder ist es die Schlaflosigkeit, welche mich einmal mehr erfaßt hat und mich den Sinn Ihres Leserbriefes nicht erfassen läßt?

Gleichwohl erfreut mich, daß Sie sich mit der Geographie auseinanderzusetzen scheinen. Diese gute, alte Wissenschaft verdient unser aller Respekt! Nicht zuletzt die Erfindung der modernen Navigation mittels G.P.S. Technik hat die Menschen frei gemacht von der Navigation mittels der Sterne, welche für manchen womöglich eine Verführungsfalle in Richtung der Astrologie gewesen sein mag. Auf hoher See soll, glaubt man den psychologischen Forschern, so mancher tüchtige Matrose in Verwirrung durch lange Zeiten auf dem Wasser aus Versehen nicht nur dem Weibe zugeneigt gewesen sein. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn die ständige Fixierung auf die Sterne zwecks Navigation auch andere Verwirrungen gezeigt hätte. Gut, daß diese Zeiten vorüber sind.

Verbindlichst!

Horst Lauer

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