Prognosen 2011: Noch mehr Katastrophen und das übliche Blabla

30 12 2010

Nikki Pezaro kann’s nicht lassen. Auch für 2011 hat sie wieder viele Prognosen auf ihrer Webseite aufgelistet und neben den üblichen Katastrophen (überall Erdbeben und Terroranschläge!) finden sich nicht nur viel aus den Vorjahren Kopiertes sondern auch das ein oder andere Schmankerl für’s Kuriositätenkabinett. Hufeisenförmige UFOs über Roswell (World Predictions Nr. 22), Riesenspinnen (Nr. 48) und eine Pille die Menschen binnen 30 Tagen jünger werden lassen soll (Nr. 96) – der übliche Quatsch wie jedes Jahr.  Die Regenbogenpresse scheint sie nicht verfolgt zu haben, denn bei ihrer Nr. 6 in der Rubrik „The Royals“ (Wedding in Monaco) dürfte es um Albert II. gehen – und dessen Hochzeit ist seit Monaten für Anfang Juli 2011 angekündigt. Wenn ihre World Prediction Nr. 14 tatsächlich wahr werden sollte schlage ich vor, dass sie sich als Testperson zur Verfügung stellt. Sie hätte „The world’s first brain transplant“ bitter nötig!

Die Voraussage, dass FDP-Chef Westerwelle abtreten wird (oder muß) bescherte Mona Stein mediale Aufmerksamkeit. Mehr Konkretes gibt es von ihr nicht, und für eine Hellseherin ist der Ausblick auf die Wahlen in Berlin geradezu lächerlich:  Das Duell um das Berliner Rathaus im Herbst wird laut Mona Stein „wahrscheinlich“ nicht die Grüne Renate Künast gewinnen. Diese sei zwar sehr intelligent, aber etwas herrisch. SPD-Amtsinhaber Klaus Wowereit hingegen lasse alles schleifen. Eventuell werde er es wieder schaffen. Oder es komme jemand ganz Neues.

Winfried Noé hat gleich mehrere Ausblicke auf das Kommende Jahr auf Lager. Bei diesem reiht er völlig sinnfrei Sätze über Yin und Yang-Planeten aneinander und schließt mit einer Warnung: „Venus-Neptun in Verbindung mit Chiron lässt das Geld (Venus) wegfließen (Neptun).“ Angekündigt ist auch ein Artikel mit dem Thema 2011 und die Numerologie …

… aber schon der Text darunter zeigt, dass das verlinkte Zahlengemurmel aus dem letzten Jahr stammt. Genial dabei der Anfang:

Was geschieht eigentlich numerologisch, wenn die 2009 durch die 2010 ersetzt wird? Ganz einfach, es fällt eine Neun weg, und eine Eins kommt hinzu.

Aber das ist noch nicht alles, denn Herr Noé kennt ja auch die besten Tage 2011 für Liebe, Gesundheit und Beruf. Das Jahr wird also mit Spontanheilungen und Knochenbrüchen beginnen und in den Zeiträumen 30.3.-23.4., 3.-27.8. und 24.11.-14.12. soll man sich vor wichtigen Zusagen und Vertragsschlüssen hüten.

Im Newsletter des Allgeier-Verlags vom 23.12. gibt es natürlich auch eine Jahresvorschau 2011. Während aber bei Noé Venus, Neptun und Chiron das Geld abfließen lassen, schauen die Allgeiers einfach woanders hin und schwupps haben sie bezüglich der Finanzen eine positive Nachricht: Jupiter im Stier verspricht finanziellen Aufschwung und Lebensgenuss. Aber natürlich fehlen unter dem Punkt „Die besondere Konstellation“ auch die üblichen Schwarzsehereien nicht:

Was das weltliche Geschehen betrifft, bleibt die Gefahr von Gewalttaten, insbesondere von Amokläufen und Anschlägen recht hoch. Es wäre in der Tat besser, größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

Mehr davon haben sie in ihrem Astrologischen Jahrbuch auf Lager: Dort werden auf den Seiten 10 und 11 die „schwierigsten Tage“ mit Texten wie diesem aufgelistet:

1. bis 30. Juni. Saturn-Plutoweckt Fanatismus und kann Naturkatastrophen auslösen. Uranus-Pluto steht für Katastrophen, im schlimmsten Fall mit Nuklearkraft.

Insgesamt zählen übrigens so ca. 190 Tage zu den schwierigen und Ende Juni wird’s sogar doppelt gefährlich: zwischen dem 23. und 30. soll sich die Unfallgefahr erhöhen und es droht ein Flugzeugabsturz. Beim Katastrophen-Rundumschlag auf Seite 11 fehlt eigentlich nur das Wort Tsunami, ansonsten ist alles da: Vulkanausbruch, Zwischenfall im Kernkraftwerk, besonders heftige Erdbeben, schlimme Terroranschlägen und kriegerischen Auseinandersetzungen. „Ziemlich dick“ kommt es dann im November – aber nur für Bundeskanzlerin Angela Merkel (Seite 13): Sie könnte sogar krank werden oder einen Unfall erleiden.






Nachgereicht: „Topprognosen“ für 2010

28 12 2010

Die alljährliche Prognoserückschau führt bisweilen dazu, dass mir einzelne Astrologen und Wahrsager ihre eigenen Prognosetexte zum abgelaufenen Jahr mit dem Hinweis zuschicken, dass diese doch so viel besser gewesen seien als die von mir in der Pressemeldung erwähnten. Dieses Jahr war es eine österreichische Astrologin, die mir mit folgendem Kommentar ihr Welthoroskop 2010 zusendete:

Es gibt nicht nur laute Stümper, sondern auch stille Könner.

Vermutlich zählt sich die Dame selbst zu den stillen Könnern – Grund genug sich mal mit ihr zu beschäftigen.

Beim Namen ihrer Webseite rollen sich mir schon die Fußnägel hoch: http://astro-medizin.eu/. Und natürlich ist die Dame laut  Selbstbeweihräucherung Selbstbeschreibung die renommierteste Astrologin Europas, und der Name ihrer Webpräsenz erklärt sich dann auch ganz einfach:

Sie ist ausschließlich forschend tätig ist. Da sie gerne Kinderärztin geworden wäre, wurde ihr Forschungsgebiet Medizin. Und da ein Wassermann mit Widder Aszendent keine ausgetretenen Wege geht, interessierte sie die pränatale Diagnostik (vorgerburtliche Prägung). Heute ist sie auf diesem Gebiet weltweit Expertin.

Tatsächlich? Expertin? Das sieht man natürlich am Inhalt eines ihrer Bücher:

In Ihrem Buch „Dem Leben vor dem Leben auf der Spur“ behandelt sie neben 9 Krebserkrankungen u.a. auch den plötzlichen Kindstod durch Atemstillstand, Autismus, Diabetes und auch Aids und Gleichgeschlechtliche Liebe. Auch sie ist erbbedingt und pränatal erkennbar. Ihrer Meinung nach ist sie eine Variante der Schöpfung und eine vorgegebene, natürliche Geburtenkontrolle.

Unfassbar! Aids soll also pränatal (… aus dem Horoskop) erkennbar sein …

Nun aber  zu den Prognosen der alten Dame (Jahrgang 1925) für die letzten Jahre. Ich habe für den Katastropheneil ihrer Weltprognosen der Jahre 2007, 2008, 2009 und 2010 eine kleine Tabelle erstellt („ja“ bedeutet: wird in der Prognose erwähnt):

2007 2008 2009 2010
Naturkatastrophen(allgemein) ja ja ja ja
Seuchen/Epidemien ja ja ja
Abnahme der Sonnenenergie ja ja
Schneemassen / Lawinen ja ja ja
Hitze/Dürre ja ja ja ja
Waldbrände ja ja ja ja
Wasser/Luftverschmutzung ja ja ja ja
sterbende Wälder ja
Orkane ziehen Schneisen der Verwüstung ja ja ja
„galoppierender“ Klimawandel (o.ä.) ja ja ja
Pole schmelzen ja ja
Anstieg Meeresspiegel / Inseln versinken ja ja ja ja
Menschen hungern ja ja ja ja
Wasserknappheit ja ja ja ja
Störfehler in Atomkraftwerken ja ja ja ja
schwere Flugzeugunfälle ja ja ja
Stromausfälle ja ja ja
Schiffsunglücke ja ja

Fazit: Die Abnahme der Sonnenenergie ist offensichtlich 2009 zum Stillstand gekommen, sterbende Wälder gibt es sogar schon seit 2008 nicht mehr – dafür werden seit 2008 Stromausfälle und Flugzeugabstürze vorausgesagt und seit 2009 auch Schiffsunglücke. Meine Vermutung für das von ihr angedrohte „Welthoroskop 2011“: Eine große Portion Naturkatastrophen (Erdbeben, Vukanausbrüche etc.), gewürzt mit den üblichen Folgen (Hunger, Wasserknappheit); dazu ein wenig Klimawandel und eine Prise Technikkatastrophen (Atomkraftwerke, Flugzeuge etc.) – es würde mich wundern, wenn ich mit dieser Prognose völlig falsch liegen sollte ..

Der Rest besteht aus ähnlichen Schwarzsehereien (wer jedes Jahr einen Börsencrash vorhersagt hat alle paar Jahre automatisch einen Treffer …) und mehr oder weniger hanebüchenen Schwurbeleien – und auch hier wiederholt sich so manche Formulierung für die verschiedenen Jahre. Vielleicht liegt das ja daran, dass sie sich auf die Astrologie der „Hamburger Schule“ verlässt? Diese verwendet 8 zusätzliche Planetenimmaterielle Existenzen“, also Objekte, die in der Realität schlicht und einfach nicht existieren. Klar, dass ein solches Vorgehen auch nur zu immateriellen Treffern führen kann.





Prognosen 2011: Erste angedrohte Katastrophen und 5 Weltuntergänge

17 12 2010

Auch für 2011 werden Astrologen, Wahrsager und Hellseher wieder alle nur erdenklichen Katastrophen ankündigen, und wie in den Vorjahren werden sie es auch 2011 nur selten wagen, ihre Prognosen mit irgendwelchen genauen Daten zu versehen. Hier eine erste Auswahl …

Das Ende der Welt droht 2011 laut einer Liste der Ontario Consultants on religious tolerance am 21. Mai, 29. September, 21. Oktober oder 22. November. Die dort ebenfalls gelistete obskure Ankündigung per Mail, dass die Welt am 11.11.11 untergehen wird, dürfte dabei insbesondere in Orten wie Köln oder Düsseldorf Entsetzen auslösen – aber vielleicht passiert’s ja erst am Nachmittag so dass der Karnevalsbeginn von den Jecken noch zünftig begossen werden kann.

Palmblattschwurbifex Thomas Ritter hat in seinem dieses Mal für 2 Jahre „gültigen“ Text erstmals keine detaillierten Terroranschläge auf Lager und widerspricht ansonsten den Weltuntergangspropheten:

Die Erde wird nicht untergehen, und auch nicht unbewohnbar werden.

Die üblichen Katastrophen kann er natürlich auch nicht auslassen – er „verspricht“ sie Russland:

In der Zeit von März 2011 bis Februar 2012 besteht für Russland ein hohes Risiko, durch Klimaveränderungen schwere Nachteile zu erleiden. Erdbeben im Osten und Süden des Landes sind ebenso wie Unfälle im Zusammenhang mit der Energieerzeugung und Schiffstransporten möglich.

Seine alljährlich vorausgesagten Aufstände sollen in naher Zukunft sogar ein ganz prominentes Opfer finden:

In den europäischen Metropolen wird es Aufstände geben, die sich zum großen Teil auch gegen dort ansässige Ausländer richten werden. Besonders blutige Kämpfe werden sich in Paris und Rom, aber auch in Madrid, London und Prag abspielen. In Rom wird auch der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche gestürmt. Zahlreiche Würdenträger sterben bei den Plünderungen, auch der Papst, der zwar zunächst fliehen kann, jedoch außerhalb von Rom in einen Hinterhalt von Plünderern gerät.

Es ist nicht ganz klar, ob diese und weitere ähnliche Schwarzsehereien jetzt schon für 2011 gelten sollen, oder ob sich das alles auf die Folgen des von ihm auf den Oktober 2012 terminierten Kollaps des amerikanischen Finanzsystems bezieht – der von Plünderern gemeuchelte Papst ist auf jeden Fall eine ganz neue Prognose.

Derweil klagen die Hoteliers auf der thailändischen Ferieninsel Phuket: Nachdem irgendwelche Wahrsager Tsunamis angekündigt haben zeigten sich insbesondere asiatische Touristen verunsichert und liessen sich zum Stornieren ihrer Hotelbuchungen verführen.

Susanne Eder hat auf ihrer „5-Jahresvorschau“ ausnahmsweise auch ein paar leicht positive „Nachrichten“, schließt aber auf vermehrte Vulkanausbrüche und Erdbeben:

KLIMAWANDEL
Die Lage dürfte sich etwas stabilisieren. Sei es durch neue Technologien oder durch andere Maßnahmen, die sich allesamt positiv auswirken werden. Die Uranus-Pluto-Verbindung lässt hinkünftig vermehrt auf Vulkanausbrüche und Erdbeben schließen, Überschwemmungen und Orkane hingegen sollten nicht mehr so stark auftreten wie in den letzten Jahren, da Uranus und Neptun nicht mehr in Rezeption stehen. Trotzdem ist das Thema Umweltschutz und Klimakatastrophen sicher noch nicht vom Tisch!

Bei „Wunderweib“ dürfen gleich 8 Astrologen ihre Einschätzung des kommenden Jahres abgeben – und blubbern überwiegend Allgemeines über Gefühle und Partnerschaft. Winfried Noé kündigt an, dass Dollar und Euro bis 2015 „entwertet“, in 2011 aber keine Staatspleiten kommen werden,  seine Kollegin Ruth Siegenthaler weist dagegen auf die positive „Wirkung“ von Katastrophen hin:

Auch im Jahr 2011 geschehen Naturkatastrophen. Das Geschenk, das darin verborgen ist, ist, dass unser Mitgefühl für die notleidenden Menschen wächst und wir einander näherkommen.

Es wird die Opfer zukünftiger Katastrophen (oder die in Haiti postum) sicher beruhigen, dass sie mit ihrem Tod dafür gesorgt haben, dass wir einander näherkommen!





Prognoserückblick 2010: Die vollständige Quellenliste (mit 2 Updates)

15 12 2010

Der diesjährige Prognoserückblick ist veröffentlicht, und wie im letzten Jahr möchte ich hier die vollständige Quellenliste (und ein paar Anmerkungen) verfügbar machen.

Los gehts’s natürlich – fast schon traditionell – mit Nikki Pezaro’s Webseite deren Stand Ende 2009 ich hier gesichert habe.

Die WM-Prognosen fanden sich in der Printpresse …

  • Die Weltmeisterprognose von Sunil Kumar Das stand im Lokalteil Witten der WAZ (datiert auf den 1.1.2010)
  • Ramona Kreis wurde für die Ausgabe vom 29.12.2009 von der Augsburger Allgemeinen Zeitung interviewt
  • von Hans-Jürgen Butz (… und Luisa Franca, Ana Wäsler, Klaudia Braungart und Karin Biela) war in der Silvesterausgabe der tz München auf Seite 4 weitgehend nichtssagendes Blabla zu lesen
  • Astrid Fuhrmann’s Ratereien waren in der Thüringer Allgemeinen vom 31.12.09, Seite TCMZ131 zu lesen

… oder im Internet:

Zu Paul ein kleines Video, das natürlich verschweigt dass die SeaLife-Betreiber auch an anderen Standorten mit ähnlichen WM-Aktionen die Zuschauer in ihren Aqua-Zoo locken wollten: in München durften Seepferdchen ran, in Berlin Langusten und in Hannover Paul’s Artgenosse Armstrong. Vermutlich war das Ergebnis dieser Prognosen so schlecht, dass man sie der Öffentlichkeit lieber verschwieg. Übrigens gab es bereits 2006 ein Oktopusorakel (Benedikt und Angus) – dieses hatte jedoch den deutschen Kickern das Aus im Viertelfinale prophezeit und sich damit für weitere Aufgaben disqualifiziert. Weitere Prognosetiere hatte ich während der WM ja häufiger erwähnt: die blinde Schäferhündin Kobi aus dem Tierheim Weimar hatte immerhin 5 Treffer bei 6 Versuchen während sich das Tierorakel aus dem Chemnitzer Zoo als ziemlich unzuverlässig zeigte (1 Treffer bei 6 Versuchen).

Das „fast apokalyptische Jahr“ samt sinnfreiem Katstrophengeblubber von Christiane Durer ist ja wenigstens vom optischen Eindruck her durchaus noch als lesbar einzustufen, bei den noch drastischeren Schwarzsehereien von Roland Schank schmerzen die Augen angesichts seines unterirdischen Seitendesigns. Susanne Eder hat ein „Langzeitarchiv„, in dem sie ihren Katastrophenprognosen offensichtlich per Zufallsgenerator die ihrer Meinung nach passenden Ereignisse zuordnet. Hier mal die Screenshots zu den im Artikel erwähnten Themen:

Fast noch schöner war die folgende Trefferbezichtigung, die auf ihren Voraussagen für 2009 beruht:

Vorausgesagt hatte sie allerdings etwas ganz anderes:

Die Börsenprognosen habe ich aus Aussagen aus der Zeitung „Die Welt“ vom 3.1.2010, aus der Schweizer Finanzzeitschrift „Cash“ (datiert auf den 1.1.2010), einem Text auf heute.de, der leider nicht mehr online verfügbar ist und sich auch nicht nach WebCite überführen liess sowie einem Interview, das Henning Schäfer mit dem Deutschen Anleger Fernsehen führte (… und das ich am 14. August abgespeichert habe).

Der Rest findet sich dann wieder bei der oben erwähnten Nikki Pezaro.

Update 1: Der Mann heißt natürlich Roland Schank und nicht Schrank!

Update 2: Jetzt hatte ich doch glatt vergessen, meinen eigenen Prognosetreffer zu nennen und zu belegen! In einem Interview mit einem sehr netten Journalisten von der Zeitung Rheinpfalz, das am 3.Januar 2010 erschien, fand sich auch folgende Passage:

… und natürlich lag ich mit dieser Prognose vollkommen richtig! Den Beleg habe ich auf WebCite archiviert.





BGH, BGB und Tarotkarten

14 12 2010

Das Bürgerliche Gesetzbuch ist eine bisweilen verstörende, aber manchemal auch durchaus spannende Lektüre. Um die richtige „Übersetzung“ einiger Paragraphen aus dem BGB ging es in einer Sitzung des Bundesgerichtshofs vom 2. Dezember 2010. Die Robenträger mussten sich mit einem Fall auseinandersetzen, das hier bereits im Juni Thema war und eigentlich auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 8.4.2010 zurückging – die Bezahlung einer Tarotkartenlegerin.

Es ging dabei natürlich um Bares, genau um 6.723,50 Euro. Diese wollte der Kunde im Januar 2009 einer Kartenlegerin nicht mehr zahlen, nachdem er im Laufe des Jahres 2008 sage und schreibe 35.000 Euro an die Dame abgedrückt hatte und berief sich auf den einschlägigen Paragraphen 275 Abs 1 des BGB:

§ 275 Ausschluss der Leistungspflicht

(1) Der Anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist.

Nun ja, irgendwelche Schicksalsberatungen auf Basis von Tarotkarten sind nun mal nicht möglich, für niemanden. Deshalb muss in diesem Falle außerdem § 611 bemüht werden:

§ 611 Vertragstypische Pflichten beim Dienstvertrag

(1) Durch den Dienstvertrag wird derjenige, welcher Dienste zusagt, zur Leistung der versprochenen Dienste, der andere Teil zur Gewährung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

… und da diese zugesagte Leistung schlicht und einfach nicht erbringbar ist, kann die Dame eben dafür keine Zahlung verlangen. Die Leitsätze des Urteils lassen eigentlich keine Fragen offen:

Das Versprechen einer Lebensberatung, die sich auf die magischen Kräfte gelegter Karten gründet, ist auf eine im Rechtssinn unmögliche Leistung gerichtet. Ein Honoraranspruch für diese Leistung besteht nicht.

Das Urteil erwähnt sogar explizit, dass es sich um andere Fragen dieser „Dienstleistung“ gar nicht gekümmert hat:

Dahinstehen kann im Übrigen auch, ob der Wuchertatbestand gegeben ist (§ 138 Abs. 2 BGB), nachdem die Preise der Klägerin sich deutlich von den Preisen abheben, die im Internet regelmäßig für telefonisches Wahrsagen verlangt werden (0,99 EUR/min).

Ich bin schon mal gespannt, zu welchem Ergebnis das BGH bei der Beurteilung dieses Falles gekommen ist – am 13. Januar (kein Freitag) wird das Ergebnis veröffentlicht werden und es bleibt zu hoffen, dass solcher Abzocke in Zukunft mit Verweis auf dieses Urteil ein Riegel vorgeschoben werden kann.








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