Die „Weltklasse“ ist zurück – Update: alles nur ein Fake

18 02 2011

Vor gut einem Jahr bin ich durch Pressemeldungen wie diese auf die damalige Seite eines Astrologen aufmerksam geworden, der sich „Alexander Rostami“ nannte und für sich „Weltklasse“ reklamierte. Fand man zwischendurch unter der höchst paradoxen Webadresse „gute-astrologie.de“ lediglich ein  kleines Bildchen, so gibt es dort inzwischen wieder etwas mehr zu sehen. Es fehlen allerdings die lächerlichen Prognosen von damals, und auch das Lalai Lama wird nicht mehr erwähnt.

Immerhin, die branchenüblichen, wichtigtuerischen Behauptungen gibt es natürlich immer noch: Rostamí soll einer der renommiertesten Astrologen der Welt sein und er habe namhafte Klienten auf allen Kontinenten. Auch die „Weltklasse“ findet sich noch im Seitenquelltext:

<title>Startseite - Alexander Rostamí - Astrologe mit Weltklasse - Alexander Rostami

Komisch, außer ihm selbst scheint das niemand zu wissen, denn vor der ersten „Begegnung“ im letzten Jahr war nicht nur mir sein Name vollkommen unbekannt – auch mir persönlich bekannte praktizierenden Astrologen, die ich danach fragte, kannten den Namen Rostamí nicht (… nicht einmal dann, wenn sie in unmittelbarer Nähe der vermeintlichen „Weltklasse“ wohnen),

Noch mehr der branchenüblichen Selbstbeweihräucherungen gibt es auf einer Seite namens „Rostami privat„, auf der man unter dem Motto „Wußten Sie schon, dass Alexander Rostami …“ das übliche, wichtigtuerische Geblubber finden kann. Er soll also schon als Kind „übersinnliche und radiästhetische Fähigkeiten“ gehabt haben? Belege bitte! Er hat „weltweit Klienten„, hilft „als Psychic Detective ehrenamtlich bei der Suche nach Vermissten“ und engagiert sich „für den Schutz junger Hellfühliger„? Ersteres ist weder eine Legitimation (ich kenne eine Schamanin aus Paraguay, die regelmäßig ihre Kunden in der Schweiz besucht – auf deren Kosten), noch ein Beleg für irgendetwas. Beim Thema „Psychic Detective“ würden mich ebenfalls Belege seiner Erfolge (und natürlich auch der Misserfolge!) interessieren und der „Schutz junger Hellfühliger“ ist ja wohl ganz einfach ein riesengroßer Schmarrn (… bin im Moment öfters in München unterwegs, da muss diese Bezeichnung einfach sein).

Jetzt könnte es natürlich sein, dass Rostamí einfach das Kunstprodukt einer PR-.Agentur ist. barsfeld kommunikation heißt das Unternehmen, das komischerweise die Adresse im Impressum mit dem mysteriösen Herrn Rostamí gemeinsam hat.

Herrn Rostamí’s Studierzimmer:

Woogs Straße 1a
64367 Mühltal

Impressum bei barsfeld kommunikation

Woogstraße 1a
64367 Trautheim bei Darmstadt

Tja, Trautheim gehört eben zu Mühltal, das sieht man nicht nur an der Postleitzahl  – als ehemaliger „Gaasehenker“ (… wie können sich nur die Einwohner eines Ortes bzw. Stadtteils solch eine bescheuerte Bezeichnung geben – und ich hab‘ 12 Jahre dort gewohnt …) bzw. damals (über 20 Jahre her) eingewanderter Heiner kenne ich mich in der Gegend ziemlich gut aus …

UPDATE:

OK, das Ganze war tatsächlich ein Fake, ein Projekt unter dem Titel:

Gefahren und Chancen modernen Spindoctorings am Beispiel eines (fiktiven) Angebotes im New-Age-Markt

Kann man natürlich machen, und ich werde die Leute mal kontaktieren, ob sie mir die Auswertung nicht in irgendeiner Form zur Verfügung stellen können. Immerhin habe ich durch meine 3 Artikel mit Sicherheit einige Leute auf ihre Seite gelotst … … und das sollten sie bei ihrer Auswertung auch berücksichtigen.

Den im Kommentar von Horst genannten Vorschlag, mir die Adresse doch von denen schenken zu lassen, möchte ich aber doch dankend ablehnen. Ich wüsste ja gar nichts mit dieser Adresse anzufangen – außer sie vor der Nutzung durch echte Astrologen zu bewahren, die sich gerne mit solchen Namensparadoxien schmücken.

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2 responses

24 02 2011
someone

Wenn man heute auf die website geht sieht man dass das nur ein fake war: http://www.gute-astrologie.de/index.html – aber wozu, das versteh ich nicht?

24 02 2011
Horst

Sieht ganz nach einem Studienprojekt aus. Der Titel hat sich mir jetzt auch nicht sofort erschlossen. Aber googeln macht schlau: Dieses „Spin-Doktor“-Zeug, da geht es wohl um die „Erschaffung von Image und Persönlichkeiten“ mit „Mitteln des strategischen Marketing“, was auch immer das bedeutet (ich bin Physiker, ich glaube nicht an Marketing 😉 ).

Bin dann auch mal auf die Webseite von dieser PR-Agentur und da steht, Zitat:

„Ferner betreuen wir derzeit zwei größere „Real-Life-Projekte“ zur Weiterbildung in den Bereichen „Spindoctoring“ und „Marketing im Web 2.0“. Das Projekt „Spindoctoring“ ist bis Ende Februar 2011 terminiert, „Web 2.0″ bis Anfang 2013. Bewerbungen für eine Teilnahme an diesem Projekt sind bis Mai 2011 möglich..“

Außerdem steht da ganz unten auf der vermeintlichen Astrofritzen-Seite, dass diese völlig paradoxe Internet-Adresse wohl nun abzugeben sei. Sollte man bei denen nicht mal höflich anfragen, ob sie vielleicht diese Adresse Wahrsagercheck schenken? Damit wäre eine dieser Adressen mehr aus der Welt.

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