Noch mehr Leichenfledderer und ein Interview aus Absurdistan

5 04 2011

Angesichts der Katastrophe in Fukushima segeln auch einzelne Homöopathen auf der radioaktiven Angstwelle und versuchen sich mit ihren Angeboten für  „Mittel gegen Radioaktivität“ (sogar auf japanisch!)  die Taschen zu füllen. Bei Astrodicticum Simplex (mit weiteren Beispielen) und im GWUP-Blog wurden diese „Angebote“ schon entsprechend kommentiert. Die üblichen Erklärungsversuche der Astrologen, die im Nachhinein über ihre „Gestirnsstellungen“ herumschwurbeln sind zwar ebenso lächerlich, zocken aber nicht ganz so dreist wie die Anhänger des ultimativen Verdünnungswahns ab. Für all jene, die unter akutem Schwurbeldefizit leiden, es gibt eine ganze Reihe weiterer Beispiele …

Dabei darf auch der Astroletter des Allgeier-Verlags nicht hintan stehen, in dem es mittendrin ganz, ganz düster wird:

Die Erde wird auch aufbrechen im westlichen Teil von Amerika. Der obere Teil von Europa ändert sich in einem kurzen Augenblick. Land wird erscheinen vor der Ostküste von Amerika. Wenn das erste Aufbrechen in der Südsee erscheint, oder im Mittelmeerraum und der Ätna-Region, als Sinken und Aufsteigen von meist gegenüberliegendem Gleichen, wissen wir, es hat begonnen.

Dabei beziehen sich die Allgeiers allerdings nicht auf irgendwelche Sterne, sondern auf den bekannten Katastrophenpropheten Edgar Cayce. Dass übrigens auch als seriös geltende Medien auf den esoterischen Katastrophenzug aufspringen zu müssen glauben zeigte vor einigen Tagen sogar die Süddeutsche – zum Glück ist im GWUP-Blog eine passende Antwort zu lesen.

Auch um Japan ging es in diesem Interview im Deutschen Absurditäten Anleger Fernsehen. Die Interviewerin Christina Thonack hat sich in der Vergangenheit schon des Öfteren als völlig unkritische Stichwortgeberin für unsinniges Geblubber verschiedener Astrologen betätigt, und auch in diesem Fall lässt sie die einschlägig bekannte Iris Treppner minutenlang Sinnlosigkeiten absondern ohne auch nur eine einzige Aussage der Frau in Frage zu stellen. Ich habe mir erlaubt, mögliche Fragen und Anmerkungen in rot in dieses „Interview“ einzubauen. Frau Thonack’s Stichworte sind in schwarz, Frau Treppners Unsinn in blau:

Was sagen sie zu Japan, war die Katastrophe absehbar?

Nein, eigentlich nicht oder vielleicht doch!

Also wie jetzt? Hätte man es voraussehen können, oder nicht?

Also über den NIKKEI hätte man die Krisensituation vielleicht erkennen können, wenn man sich damit auseinandergesetzt hätte.

Standardausrede! Schon die derzeit von der Polizei gesuchte Patricia Bahrani hat des öfteren auf entsprechende Fragen mit der gleichen Ausrede geantwortet!

Ich hab’s persönlich jetzt nicht getan, weil meine Prognosen beim NIKKEI – wie soll ich jetzt sagen – weniger treffsicher waren …

Noch weniger treffsicher als der andere Mumpitz? Ist ja kaum möglich …

… deswegen habe ich den NIKKEI einfach rausgenommen. Allerdings wenn man jetzt die richtigen Daten gehabt hätte, dann hätte man einen Hinweis darauf haben können, dass es dort kriselt.

Es kriselt? Eine zynischere Umschreibung für die dortigen Katastrophen habe ich bisher kaum gelesen!

Einen einzigen Hinweis habe ich, das ist der Transit Neptun-Saturn, der ist zur Zeit aktiv und zwar bis 2013 noch und das ist eine Konkurskonstellation, aber die wirkt sich auf jeden anders aus.

Typisch astrologische Entscheidungsneurose: Eine Konkurskonstellation, die sich auf jeden anders auswirkt – wieso greift eigentlich die Interviewerin nicht ein?

Zum Beispiel van Gaal, der Trainer von Bayern München hat diese Konstellation auch …

Ja, ja – Frau Treppner möchte wohl lieber über Fußball salbadern, auch das ist nichts Neues … … aber was sie hier macht heißt auf Deutsch: Themaverfehlung! Aber so lange es die Interviewerin nicht merkt …

… und der verlässt zum Beispiel den Verein. Also es wirkt sich bei jedem anders aus und ich hätte jetzt nicht angenommen, dass es so heftig in Japan aussehen könnte.

Ja wie jetzt? Erst sagt sie, sie hätte nicht nachgeschaut, jetzt hat sie nicht angenommen, dass so etwas passieren könnte? Merkt Frau Thonack eigentlich irgendwann, dass Frau Treppner nur Müll redet?

Das heißt, die Schwierigkeiten können auch bis 2013 noch Nachwirkungen zeigen?

Nö, sie merkt es offensichtlich nicht! Wenigstens hätte sie fragen können, was denn jetzt van Gaal mit Japan zu tun haben soll und ob sie jetzt nachgeschaut habe oder eben nicht …

Ich hoffe, dass es nur bis 2013 geht. Ich hab‘ auch nicht das Originalhoroskop da ich nicht den Einstieg der Handelszeit habe des NIKKEI. Das ist alles spekulativ …

Danke! Also das war jetzt offen zugegebenes reines Raten! Warum bricht die Interviewerin das Ganze nicht einfach ab? Ihre Gesprächspartnerin hat doch offensichtlich keine Ahnung wovon sie redet!

… mir fehlen viele weitere Angaben um mich da festlegen zu können oder zu wollen. Ich hoffe, dass nur dieser Transit dafür sorgt, dass es eben zur Zeit schlecht aussieht in Japan und dass ein Ende 2013 in Sicht ist.

Äh, ein Ende von was? Aber ok, sie will sich ja nicht festlegen …

Übertragen wir das mal auf Deutschland. Wie wird denn der DAX sich nach den Problemen in Japan weiter entwickeln.

Wow! Ganz unerwartet schießt Frau Thonack eine konkrete Frage aus der Hüfte! Respekt! Das riecht ja fast schon nach dem Hauch einer Redaktionsassisstenzanwärterin …

Ich meine schon im letzten Jahr gesagt zu haben, ihnen gegenüber (ich glaub‘ es war im August) dass es jetzt im Februar/März turbulent zu geht.

Nöö! Im Augustinterview (mit der gleichen Interviewerin) hatte sie nichts dergleichen gesagt, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass es bis zum Jahresende eher „seitwärts“ weiter gehen sollte (falsch). Im Dezember laberte sie tatsächlich über März 2011 – es ging aber dabei gar nicht um den DAX, sondern um die  VW-Aktie.

Woher diese Einflüsse kommen, das war mir da auch nicht klar, jetzt wissen wir das! Aber ich glaube, insgesamt wird der DAX unbeeindruckt aus der Sache ‚rausgehen. Also natürlich geht’s jetzt mit ‚runter, keiner weiß jetzt wo’s hingeht, wo die Leute etwas anlegen sollen, aber es stellt sich hier schnell heraus, wo die Schwerpunkte sind.

Ja, man sieht wo die Schwerpunkte sind! Frau Treppner zeigt – zum wiederholten Mal – dass sie auch ohne jedes Wissen bereit ist völlig sinnfreien Schwachsinn in irgendwelche Mikrofone zu posaunen – wenn man sie denn lässt.

Wer sich auch noch den Rest antun will, der kann sich’s ja hier anhören


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One response

10 04 2011
Wollust und Triebleben: Winfried Noe ist nur noch peinlich | gwup | die skeptiker

[…] die im Nachhinein über die ”Gestirnsstellungen” herumschwurbeln, gibt es zahllose Beispiele, etwa im Zusammenhang mit der […]

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