Ein Dingens zum Wetter machen!

27 07 2011

In den letzten Wochen war das Wetter ja nicht so toll. Der andauernde Regen ließ einen Journalisten letzten Freitag sogar folgende Verzweiflungsüberschrift verfassen: Tief Otto blieb erwartungsgemäß unbeeindruckt, denn so einfach liess es sich eben nicht verscheuchen.

Dabei ist Tief Otto ist gar nicht schuld an dem schlechten Wetter – das hat ganz andere Gründe. Es sind – man glaubt es kaum – die Lieblingshimmelsphänomene der Verschwörungsfraktion, die Kämmtrails Chemtrails! Erklärt wird das auf einer leicht kommerziellen Webseite mit folgenden Worten:

In Folge von chemtrails zieht meist eine dichte Wolkendecke den Himmel zu. So dass man vieler Orts die chemtrails überhaupt nicht zu Gesicht bekommt.

Man weiß es selbst ganz genau, bei trüben Wetter kommen recht schnell auch trübe Gedanken auf. Und trübe schlecht gelaunte oder auch traurige Menschen lassen sich viel leichter beeinflussen und steuern von Funk und Fernsehen,
aber auch von den Print-Medien( Zeitschriften, Bücher), als gut gelaunte lebenslustige und lebensfrohe Menschen.

Aha! Das schlechte Wetter soll also dafür sorgen, dass wir leichter von Funk und Fernsehen „gesteuert“ werden können. Aber wohin? Und warum? Auch hier findet diese Seite eine Antwort:

Auf der Erde setzt unaufhaltsam eine Erhöhung des Bewusstseins der Bevölkerung ein, und diese ganzen chemtrails( schlechtes trübes Wetter) und die negativen Medien sind nur ein letzter verzweifelter Versuch dies zu verhindern.

Ui! Eine Erhöhung des Bewusstseins? Hab‘ ich noch gar nichts von gemerkt! (Ist aber auch kein Wunder bei dem Mistwetter!) Wie äußert sich das? Vielleicht ja darin, dass sich immer mehr Menschen irgendwelche Abwehrutensilien gegen diese pöhsen Chemtrails kaufen (sollen). Das wäre wohl der Wunsch des Autors dieser Seite, denn der verkauft solche Teile seit Jahren. Sahen diese Chemtrailabwehrdinger anfangs noch ziemlich häßlich aus und trugen teilweise martialische Namen (z.B. hhg für „heilige Handgranaten“) so hat eine Art Evolution dafür gesorgt, dass die Dinger inzwischen sogar als unscheinbare Kunstobjekte durchgehen. Glauben sie nicht? Hier ein paar Screenshots des alten Krams …

… und hier das neue Dingens, das …

… wie der Text unter dem Bild zeigt außerdem für den blauen Himmel verantwortlich gemacht wird, weil …

Der EnergieKegel bricht die Wolkendecke auf, einige Tage nachdem man den EnergieKegel aufgestellt hat, färbt sich der Himmel oft in ein dunkles Rot.
Dadurch das die chemtrails nicht mehr ihre volle Wirkung erzielen können,
verschwinden die Wolken über dem EnergieKegel, und man sieht die
gesamte Verschmutzung der Atmosphäre. […]

Nach einiger Zeit wird immer öfter ein schöner Blauer Himmel zu sehen sein,
wenn der EnergieKegel die Umgebung gereinigt hat.

So einfach ist das also! Man stellt einfach diese kleinen, unscheinbaren weißen Gipskegel Energiekegel auf und schon wird der Himmel blau. Wie das ganze funktionieren soll wird übrigens auch mit Hilfe eines Bilds „erklärt“:

Der Gips bündelt also irgend eine Energie, die dann die bösen Wolken – und ganz zu allererst natürlich die Chemtrails – vertreibt. Beweisfotos gibt’s auch, aber die sollte man sich auf den Seiten selbst anschauen.

Sollte man solche Kegel nicht einfach flächendeckend in Deutschland aufstellen? Gemäß dem Hersteller müsste es mit dem schlechten Wetter dann ja ganz schnell vorbei sein: das ganze Land würde sich in der Sonne räkeln und nette Grillabende mit Freunden würden die Beeinflussung der Bevölkerung durch Glotze und andere Medien zumindest erschweren. Ganz zu schweigen von der dann einsetzenden Bewusstseinserhöhung …

Der Preis von 30 Euro (excl. MWSt., plus 3,90 Euro Versandkosten – also 39,60 Euro insgesamt) macht das Ganze übrigens zu einem absoluten Schnäppchen, wenn man vergleicht wie viel Geld Menschen ansonsten dafür ausgeben, dass sie ein paar Tage in der Sonne liegen können.

Andererseits: Wenn überall solche Kegel ‚rumstehen und die Wolken vertreiben, was würden die Landwirte dazu sagen? Kann man die Dinger wenigstens abschalten, wenn Wälder, Wiesen und Felder nach Flüssigkeit dürsten? Einen Schalter habe ich nicht gesehen, aber vielleicht nützt es ja, die Kegelchen einfach in den Keller zu verbannen, oder mit einem Tuch zu verhängen. Leider steht darüber nichts auf den Seiten des Herstellers.

Bevor ich mir so ein Kegelchen zulege warte ich erst noch auf den nächsten Evolutionsschritt. Wie man bereits an der heutigen Form sieht, fehlen nur noch eine Portion Miniaturisierung, kleine farbliche Anpassungen und ein paar Änderungen im verwendeten Material, dann eignet sich dieses Dingens perfekt für’s kommende Weihnachtsgeschäft:

(da dieses Video nicht mehr da ist, hier eine Art Ersatz:

…)


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2 responses

29 07 2011
buchstaeblich

Toll! Äh, wohnen die geheimnisvollen Chemtrail-Macher dann eigentlich alle woanders? Oder machen die sich ihre schlechte Laune zwecks Bewusstseinstrübung gleich selbst mit? Oder haben die auch Gipsgedöns im Garten und sind in Wahrheit auch die Hersteller/Vertreiber der Gipsgedönse?

18 08 2011
Horst W. Lauer

Der arme Loriot in diesem Kontext…

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