Tierhomöopathen im Größenwahn: Der CargoCult-Bachelor

28 09 2011

Richard Feynman prägte den schönen Begriff der Cargo-Cult-Wissenschaft und erklärte ihn in seiner Semester-Eröffnungsrede  1974 am California Institute of Technology wie folgt:

Auf den Samoainseln haben die Einheimischen nicht begriffen, was es mit den Flugzeugen auf sich hat, die während des Krieges landeten und ihnen alle möglichen herrlichen Dinge brachten. Und jetzt huldigen sie einem Flugzeugkult. Sie legen künstliche Landebahnen an, neben denen sie Feuer entzünden, um die Signallichter nachzuahmen. Und in einer Holzhütte hockt so ein armer Eingeborener mit hölzernen Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, und dreht den Kopf hin und her. Auch Radartürme aus Holz haben sie und alles mögliche andere und hoffen, so die Flugzeuge anzulocken, die ihnen die schönen Dinge bringen. Sie machen alles richtig. Der Form nach einwandfrei. Alles sieht genau so aus wie damals. Aber es haut nicht hin. Nicht ein Flugzeug landet.

Was hat das aber jetzt mit Tierhomöopathie zu tun? Oder mit einem Bachelor? Eigentlich nichts, es sei denn man schaut sich die Seiten von animalmundi an, denn was springt einem da sofort ins Auge:

Studium der Tierhomöopathie jetzt auf Bachelor-Niveau

Dazu gibt es noch eine mit einschläferndem Geklimper unterlegte Präsentation zum neuen Studienkonzept in dem  die Leute von diesem „Institut“ (so darf sich eigentlich alles und jeder nennen) ganz forsch behaupten:

An der Akkreditierung für den Studienbeginn 2012 arbeiten wir mit Nachdruck!

Oha! Und liest man dann noch genauer nach, dann geht es nicht um irgend einen Bachelor (wie z.B. bei den Menschenhomöopathen – die hätten gerne einen Bachelor of Arts gehabt, den die Uni Magdeburg jetzt doch nicht mitveranstalten will), sondern ausgerechnet um einen Bachelor of Science:

Das Studium ist bereits jetzt in der Lage Ihnen einen Studienumfang zu bieten, der den Anforderungen eines Bachelor-Studienganges gerecht wird. Animalmundi arbeitet intensiv an der Verwirklichung seines Ziels einen  Bachelor of Science für klassische Tierhomöopathie zu realisieren. (gleiches gilt für die Tierpsychologie)

Nun ja, die Verantwortlichen glauben offensichtlich tatsächlich, dass sie Wissenschaft betreiben und geben sich in einer Pressemeldung sehr optimistisch:

Mit der staatlichen Anerkennung als Bachelor-Studiengang im nächsten Jahr wird animalmundi das europaweit erste Institut sein, das diesen Abschluss ermöglicht.

Aber so weit ist es ja zunächst mal gar nicht. Die Leute von animalmundi haben ihre künstliche Landebahn angelegt und daneben Feuer entzündet die Struktur ihrer Ausbildung einem Bachelorstudium angelehnt und sie haben ihre hölzerne Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen darstellen sollen, aufgesetzt den Aufwand für die Ausbildung nach – dem bei echten Bachelorn üblichen – ECTS berechnet. Aber braucht man für einen B. Sc. nicht doch etwas mehr, vielleicht so etwas wie Wissenschaft?

Immerhin: 6 Tage Präsenzseminar und etwa ebenso viel für web-based-training werden für das Modul Wissenschaftliches Arbeiten veranschlagt – und ich würde ja doch gerne wissen, was da gelehrt wird. Wenn da auch nur ein klein wenig (also nicht homöopathisch verdünnt!) wissenschaftliche Methode drin ist, dann müssten danach ja die meisten ihr – kostenpflichtiges – „Studium“ wegen Unsinnigkeit abbrechen. Geht man mit wissenschaftlicher Methodik an die Tierhomöopathie heran, dann muss man neben den üblichen Widersprüchen zu einer Vielzahl bekannt gut belegter Naturgesetze auch noch „schlucken“, dass die Königsdisziplin der Homöopathen – die ausführliche Anamnese – bei Tieren gar nicht möglich ist. Dass Frauchen und Herrchen eines Goldfischs oder Meerschweinchens befragt werden, dürfte da auch wenig befriedigend sein – und schließt herrenlose Fundtiere doch eigentlich a priori von einer Behandlung aus. Oder muss in den letzt genannten Fällen eine der verlinkten Personen (deren selbst behauptete Fähigkeiten sich übrigens ziemlich leicht wissenschaftlich überprüfen lassen) hinzugezogen werden?

In jedem Fall wäre es natürlich ein Skandal, wenn ein solcher Bachelor (und dann noch Sc.) tatsächlich in irgendeiner Form Realität werden würde. Aber bisher reden ja – glücklicherweise – nur die Veranstalter dieser Kurse selbt von einem solchen Titel. Ob da die Spenden helfen, die man extra für dieses Bachelor bei den verblendeten gläubigen Anhängern einsammeln will? Ich schlage vor, dass sie für ihre Tierhomöopathie-Ausbildung entweder den B. o. Sch. (Bachelor of Schalatanerie – der natürlich auf einer Visitenkarte und einem „Praxisschild“ immer voll ausgeschrieben werden muss) oder eben einen CargoCult-Bachelor (der immer mit dem Zusatz „Muster ohne Wert“ oder „alles Quatsch mit Soße“ in gleicher Schriftgröße zu verzieren ist) verleihen dürfen – dann haben sie ihren Bachelor und können zumindest das Spendensammeln beenden.

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2 responses

1 10 2011
Presseschau: Orakeltiere und eine Homöopathie-Vorlesung at gwup | die skeptiker

[…] Orakeltiere, die bei der Rugby-WM in Neuseeland zum Einsatz kommen, und bescheinigt außerdem jenen Tierhomöopathen einen gepflegten Größenwahn, die ihr Huschi-Fuschi-Fach ernsthaft als Bachelor-Studiengang […]

25 10 2011
Horst lauer | Jadelogistics

[…] Tierhomöopathen im Größenwahn: Der CargoCult-Bachelor … Comments Off […]

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