Katastrophenschnepfen voll in Fahrt (Prognosen 2012)

13 01 2012

Von Frau Durer hatte ich vor ihrer Prognose für 2010 nie etwas gehört. Was ich dann lesen musste war dermaßen hanebüchener Katasrophenquatsch, dass ich sie gleich in die Jahresrückschau aufnahm, denn 2010 sollte ein fast apokalyptisches Jahr werden, in
dem sich Folgendes zutragen sollte:

Wieder wird es zu zahlreichen Naturkatastrophen kommen, jedoch in einer neuen Dimension. Es wird  heftigere Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamis, Orkane und andere Katastrophen geben als je zuvor.  Dazu – nicht gleichzeitig – außergewöhnliche (Licht-) Erscheinungen am Himmel. Diese stammen weder von Außerirdischen noch von Engeln oder Heiligen sondern oft aus der Trickkiste der bösen Irdischen.  […]  Es wird zu weiteren Massenentlassungen kommen. Arbeitslosigkeit, Insolvenz, Krankheit sind für viele Menschen die Hauptthemen. […] Es geht in Richtung Nahrungsmittelknappheit und Verteuerung Geldentwertung, Währungsreform Verelendung, Verwahrlosung – so langsam wird unser Land aussehen, wie wir es nur aus  „Science Fiction“- Filmen kennen. […] 2010 ist das Jahr des Volkszorns. […] Es wird zu Nahrungsmittelengpässen kommen und zu Verteuerung. Es kann sogar zu schweren Ernteausfällen kommen. […] Die Totalüberwachung wird bei uns voranschreiben und uns alle erfassen. Das ist bei uns der neue Personalausweis. Dieser dient dazu, den Chip voranzubringen. Dieser ist nämlich mitten in der Entwicklung. Vermutlich wird geplant, zunächst jeden, der ins Gefängnis kommt, zu chippen. Später (ab 2012) dann uns alle. Dies wird zumindest auf der Agenda stehen.

Für 2011 war die Prognose irgendwie ähnlich, wie folgende Ausschnitte zeigen:

Versicherungsgesellschaften gehen unter. Unendlich viele Firmen gehen in Insolvenz. Weltweit läuft das Finanzsystem immer mehr aus dem Ruder. […] Das ganze Finanz- und Wirtschaftssystem kommt 2011 zuerst ins Trudeln um letztlich abzustürzen. […] Die Währungsumstellung, die beschlossen und vorbereitet, wenn auch noch bislang noch nicht real eingeführt, wird 2011 unausweichlich. Die Frage ist nur, ob es dann nicht schon zu spät ist. […] 2011 wird das Jahr außergewöhnlicher Katastrophen. (wirkt bis 3/12) Es sieht aus als würde durch ein sog „wissenschaftliches“ Experiment ein großes Gebiet wie in ein Ungleichgewicht geraten. und als würden sich “Vergangenheit und Zukunft“ überschneiden. Inmitten des Geschehens wird es ein großes Unglück geben, auf das die ganze Welt mit Entsetzen schaut. Es wird sein, als würde ein riesiges Gebiet wie ausgelöscht werden. Einige bezeichnen es als ein lange angekündigtes „Zeichen“. In der Folge gibt es schlimme Krankheiten, was manche Personen sehr praktisch finden. Es sieht nach einem Massensterben aus, wie eine Verseuchung aus, eine Überschwemmung, Feuer – in der Folge gibt es schlimme Krankheiten, was manche Personen sehr praktisch finden. Einige bezeichnen dieses Geschehen als ein lange angekündigtes „Zeichen“. […] 2011 wird es mehr Überschwemmungen geben als je zuvor, aber auch noch mehr Feuer. Millionen von Menschen werden ihr Zuhause verlieren. Es wird noch mehr Erdbeben geben und darüber hinaus neue Wetterphänomene: Elektrische Stürme und sind möglich. Auch Sonnenstürme! Es wird plötzliche Wetterveränderungen innerhalb weniger Minuten geben. […] Die Überwachungs- Zwangsneurose wird mehr und mehr zum Kontroll-Wahn. Es wird s viele geheime Überwachungen  und eine neue geheime Überwachungstechnik geben. Angezeigt wird dies durch Pluto aus 12 in 1 im Quadrat zu Mars in 3. Aber auch das wird aufgedeckt werden.

Und 2012? Was soll es da geben? Na was schon:

Es kommt zu einem kompletten Zusammenbruch des derzeitigen Wirtschafts- und Finanzsystems. Banken brechen zusammen. […] Es wird zu einer Währungsumstellung und Währungsreform kommen. […] Weltweit werden die Systeme zusammenbrechen. […] Zum einen gibt es wieder eine große Umwelt- und Verseuchungskatastrophe. […] 2012 kommt es außerdem zu einer Überschwemmungskatastrophe. Ich sehe nicht, wo, aber ich sehe deutlich, dass nicht einmal mehr eine Kirchturmspitze aus dem Wasser herausschaut. […] Auch sonst gibt es etliche Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche und schwere Erdbeben. […] Etwa im Sommer 2012 wird man in Europa eine Wirtschafts-Zentralregierung einsetzen. Diese ist diktatorisch und totalitär. […] Es wird ein Zwangsarbeitsdienst eingeführt werden. […] 2012 werden mehrere Kriege ausbrechen. In Asien und im Nahen Osten, aber ich sehe auch Kriegsgefahr in Europa. […] Die Euro-Zone wird zerbrechen. Dann werden sich weniger europäische Staaten unter der Europa-Wirtschaftsregierung neu zusammenfügen.

das Ganze endet dann mit diesem wunderbaren Satz:

Noch mehr Informationen über  2012 finden Sie auf der Premiumseite 

Die „Premiumseite“ gibt’s übrigens nur gegen Zahlung bzw. Überweisung echten Geldes auf das Konto der Katastrophenschepfe. Aber gibt es wirklich Leute, die von solchen Schwarzmalereien noch immer nicht genug bekommen können?

Frau Haller aus Wien gehört ebenfalls seit Jahren zu meinen Stammgästen. Auch sie mag es gerne tiefschwarz und entledigt sich ansonsten völlig sinnfreier Wortfolgen zum Jahr 2012. In diesem Artikel werden die Leser nur anfangs ein wenig beruhigt:

Doch dass wirklich etwas Schreckliches passiert, davon gehen Astrologen wie Rosalinde Haller nicht aus. „Die Welt geht auf keinen Fall unter“, prophezeite die Hellseherin.

Danach geht’s richtig los:

Jedoch würden Chaos und Unruhen – sowohl zwischenmenschlich als auch im Umweltbereich – heuer nicht erspart bleiben. Dem US-Dollar und den USA als Wirtschaftsmacht kündigte das Medium im APA-Gespräch den Untergang an. „Auch den Euro und die EU wird es dann in jetziger Form nicht mehr geben.“

Jetzt wechselt Frau Haller endgültig in den Schwarzsehermodus  und bringt ein paar absolute Highlights:

Der 21. Dezember 2012 ist ein „hochbrisantes Datum“, sagte Haller. An diesem Tag geht das Zentralsonnenjahr zu Ende. Dieses zählt umgerechnet 25.800 „Erdenjahre“. „Das ist ein kosmischer Tag“, sagte sie, „und das hat Auswirkung auf die Schwingung der Menschen. Wir kommen in eine andere Frequenz und werden uns anders verhalten.“ Der Elektromagnetismus ändere sich, dadurch komme es nach Ansicht der Seherin zu einer Verschiebung der Erdachse. „Das bringt aufgewühlte Situationen.“ Erdbeben, Überschwemmungen und Naturkatastrophen können dadurch vermehrt auftreten. Die Umwelt ändere sich.

Was für ein hirnverbrannter Schwachsinn! Am Ende wiederholt sie nochmal die Wirtschaftskatastrophen:

Das Horoskop zeigt für die USA und Europa den finanziellen Konkurs, dadurch steigt der Volkszorn. Ab März herrscht für Deutschland eine Konkurskonstellation.

Auf ihrer Webseite gibt es dazu noch Texte, die durchaus Zweifel an der geistigen Gesundheit dieser Dame wecken können. So schreibt sie:

Ab Frühling 2012 herrscht immer mehr die Gelb und Orange Schwingung vor. Dies wird sich auch im Mode Bereich abzeichnen. Bei der Verbindung von Farbe und Metall herrscht Gold vor.

Häh? Was? Aber es geht ja noch weiter, zum Beispiel definiert sie Schutztiere für 2012:

Der Seehund, welcher viel mit Wasser zu tun hat und anzeigt, dass kreative Ideen und Inspiration uns hilft harte Arbeit welche auf uns zukommt zu erledigen. Der Löwe welcher besonders für Ehre und Landgebiete steht. Als König der Tiere hilft er uns Einsamkeit zu überwinden, Kraft zu zeigen und Freude in Gruppen zu finden.

Und ihre allgemeine Prognose für 2012 häuft natürlich wieder Schreckensmeldungen an:

Es ist ein Jahr des Umbruches. Im Laufe, aber spätestens gegen Ende des Jahres erwarte ich den Verfall von zuerst Dollar und bald darauf des Euro.Es wird im Laufe von 2012 schlussendlich Abhebungs Limits geben und man kann dann nicht an sein eigenes Geld heran.[…] Ich erwarte 80% Abwertung der West Währung und 30% minus bei Fern-Ost Währungen. Die Veränderungen werden ein Umstellungs Chaos auslösen. Nach ganz turbulenten 4 Monaten, wird alles wieder ruhiger und normal ablaufen.

Ok, alles klar! Aber es geht noch weiter:

Es kommt zur DEFLATION frühestens Ende 2012, eher 2013. Das sieht folgendermaßen aus: Gläubiger- Verzicht auf (große) Schulden ( des Staates, von Großfirmen). Abbau von Produktion ( Betriebsschließungen-Arbeitslose). Die Deflation ist die Krise mit Insolvenzen und dem Vermögensverfall (Depression). Die Depression beginnt meist unmerklich, in der letzten Phase der Inflation und diese erwarte ich Ende 2012. Anfangs steigen die Preise noch und die Schulden werden mehr. Die Firmenpleiten und Arbeitslosen Zahlen steigen. Plötzlich kommt die Wende. Die Preise stabilisieren sich etwas, man glaubt an Verbesserung, aber der Schein trügt. Man bekämpft die Inflation mit falschen Mitteln. Das Wachstum steht auf null bis minus. Die Deflation ist da. Der Konsum wird stagnieren. Ein großer Teil der Menschen kann nicht mehr kaufen. Der kleinere Teil welcher noch Geld hat, will nicht mehr kaufen. Die Notenbanken übersehen die  Entwicklung. Neues Geld muss gedruckt werden. es gibt deswegen 4 Monate lang Probleme. Alle Überkapazitäten werden abgebaut weil es sonst keine Normalisierung am Finanzmarkt geben wird. Die unsinnige Schulden Vermehrung wird gestoppt. Die Deflation leitet eine neue Zeit der Stabilisierung ein. Allerdings müssen privat bzw. Klein- Schuldner vorsichtig mit Schulden sein. Sie sind keineswegs sicher, dass Ihr Gläubiger/ihre Bank verzichtet.

… und wo sind die Naturkatastrophen? Hmm- die werden hier nur diffus für die weitere Zukunft herbeifantasiert, aber für 2012 gibt’s auch noch was:

Die Sonnenenergie, die Sonnenflecken haben ihren Höhepunkt erreicht und werden sich 2012 nicht mehr wesentlich verstärken. Es werden Energetisch jedoch Kräfte freigesetzt, welche das Denken vieler Menschen verändern.

Welche Kräfte? Klar! Die Frau sagt das nicht! Dafür ist sie bei einem anderen Thema – wieder einmal – sehr exakt. Sie traut sich zwar nicht die Finalpaarung der Fußball-EM vorauszusagen, will aber schon wissen wer die Vorrunde übersteht:

In der Vorrunde sehe ich in Gruppe A , Griechenland und Russland weiter, in Gruppe B Dänemark und Portugal, in Gruppe C Italien und Spanien, in Gruppe D England und Frankreich.

Für die Menschen hierzulande ist das der absolute Gipfel an Schwarzseherei! Die Löw-Kicker sollen also in der Vorrunde scheitern (immerhin gemeinsam mit den Niederlanden) … … wie war das noch bei der letzten EM? Da hatte Frau Haller zunächst auf Italien, später auf Frankreich als neuen Titelträger gesetzt – beide Teams scheiterten spätestens im Viertelfinale …

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Ein wenig Musik zur Erholung …

11 01 2012

… gibt es in diesem herrlichen Clip:

via uiuiuiuiuiuiui





Labertaschenparade 2012 – Teil 2: Qualitätspresse, Heurigentheorie und Bullshitbingo

6 01 2012

Warum vermeintliche Qualitätszeitungen wie die Welt, die taz oder der Kurier aus Wien überhaupt jedes Jahr auf die Schnapsidee kommen ausgerechnet einen Astrologen oder eine Astrologin bzw. beides (!) zum Jahreswechsel zu interviewen weiß ich nicht. Für die Astrologen scheint das in jedem Fall zu bedeuten, dass man sich mit knalligen Aussagen a la „Deutschland wird Europameister“ oder „der Euro wird 2012 abgeschafft“ zurückhalten muss, da die gebildete Leserschaft solche Lächerlichkeiten nicht zu goutieren pflegt.

Annett Klingner durfte  am 30.12.2011 in der Welt nach Herzenslust herumsalbadern und schon am Anfang zeigen, dass ihre Formulierungskunst mit der Realität wenig kompatibel ist:

Es wird auf jeden Fall aufregend. Bis zum Frühlingsanfang besteht ein sogenanntes Trigon zwischen Pluto und Jupiter, das heißt im Horoskop bilden sie zwei Eckpunkte eines Dreiecks. Diese Konstellation bringt ganz bestimmte Energien mit sich. Pluto steht für Macht und Ohnmacht, aber auch für gravierende Änderungen, die man nicht zurückdrehen kann, und für Neuanfänge. Jupiter verkörpert wiederum das, was von Natur aus leicht fällt, er zeigt Optimismus an, aber auch Übertreibungen. Die Kombination aus beiden erklärt sich dann ja fast von selbst.

Was sich da von selbst erklären soll ist nicht nur mir völlig unklar, auch die interviewende Journalistin lag mit ihrem Tipp („Wir sterben einen schönen Tod?“) daneben, denn Frau Klingner widersprach:

Im Gegenteil: Man fühlt sich stark und glaubt, große Veränderungen ganz leicht stemmen zu können. Wer zum Beispiel schon lange ein großes Projekt vor sich her schiebt, für den ist 2012 eine gute Zeit, das anzugehen. Später im Jahr macht uns ein Quadrat von Uranus und Pluto mutiger, ungeduldiger und rebellischer. Uranus steht für das Plötzliche, das Unvorhergesehene. Viele alte Strukturen werden dann wackeln oder in sich zusammenfallen.

Nach ihrer Meinung schließt diese herrlich schwafelige Deutung einen Euro-Crash nicht aus, aber sie würde niemals eine solche Prognose in den Raum stellen. Klar, konkrete Prognosen pflegen die Möglichkeit zu beinhalten, dass sie sich später als falsch erweisen – da sagt man doch lieber wortreich gar nichts und beschwert sich später, dass die Wissenschaft sich ja gar nicht mit der Astrologie auseinandersetzen will. Laut Frau Klingner weigerten sich „die Wissenschaftler“ zum Beispiel die Ergebnisse von Michel Gauquelin zum behaupteten Mars-Effekt zu überprüfen – offensichtlich kennt sie die entsprechenden Veröffentlichungen über die durchgeführten Versuche der Replikation der Gauquelinschen Forschungen nicht, die zum Beispiel hier kurz zusammengefasst werden. Dass das außerdem mit „normaler Astrologie“ nichts zu tun hat hätte Frau Klingner hier nachlesen können.

Ebenfalls in der Welt durfte Alexander Graf von Schlieffen eine Art Jahreshoroskop veröffentlichen, das in Bezug auf Nichtigkeit kaum zu übertreffen ist. So bilanziert er am Ende:

Im kommenden Jahr sind es vor allem zwei Themen, die diesen Prozess weiterhin bestimmen. Auf der einen Seite gibt es seit Jahren die Tendenz, durch immer mehr Regeln und Normen die eigene Macht zu behaupten. Diese Reglementierungen beschneiden den Handlungsspielraum beträchtlich. Es könnte sich die Frage stellen, inwieweit Prinzipienhörigkeit die Eigenverantwortlichkeit schwächt.

Dem entgegen steht ein Drang nach Freiheit und Entfaltung von Lebensursprünglichkeit. Diese Konstellation begann am 12. März 2011. Wenn nun diese zwei Kräfte in eine Konfliktspannung geraten, dann erhöht sich der Druck auf beide Themen. Es stellt sich die Frage, ob diese beiden Motive sich ausschließen müssen und somit zu Spaltung führen, was besonders politisch und wirtschaftlich brisant werden könnte. Oder gibt es eine Möglichkeit, beide miteinander in eine Gestalt zu bringen?

Kurz zusammengefasst: Gnampf! (den Link musste ich mal wieder los werden)

So richtig absurd wird es in der taz, wenn Markus Jehle bekennt, dass er nicht an Astrologie glaubt, aber dennoch für die Sitzung mit einem Kunden 150 Euro kassiert. Seine „Ausrede“ gegenüber der Interviewerin „Sie glauben doch auch nicht an Ihr Mikrofon.“ kontert diese soueverän mit „Wenn ich etwas von Technik verstünde, dann könnte ich Ihnen erklären, wie und warum mein Mikrofon funktioniert.„. Kein Wunder, dass Jehle danach lieber wieder in den Schwurbelmodus wechselt und folgende Binsenweisheiten absondert:

Noch steht Saturn in Waage. Da kann man mit Diplomatie, aber auch Drumherumreden das Schlimmste verhindern. Aber wenn Saturn im nächsten Oktober in Skorpion wandert, dann werden schmerzhafte Einschnitte kommen. Auch, was den Wohlstand der Europäer betrifft.

2020 steht Pluto Ende Steinbock, und es beginnt mit Jupiter und Saturn gleichzeitig ein neuer Zyklus, eine neue Ordnung.

Dass er vorher – als ausgebildeter Psychologe – noch ein wenig Psychologiebashing betreibt, darum sollen sich seine Berufskollegen kümmern. Außerdem zeigt Jehle mit der Behauptung …

Im Prinzip ist die Astrologie die älteste Statistik der Welt.

… dass er auch von Statistik keine Ahnung hat – denn gerade statistische Untersuchungen zeigen ja immer wieder, dass zwischen den astrologischen Aussagen und reinem Raten keinerlei Unterschied besteht.

Der absolute Pechvogel bei den Jahreswechselinterviews mit der Qualitätspresse war aber die Präsidentin des österreichischen Astrologenverbandes Maria Luise Mathis. Sie musste sich nicht nur den Fragen der Redaktion des Kurier stellen sondern auch noch mit dem Science-Buster Werner Gruber diskutieren. Letzterem verdanke ich ein Wort, das ich sofort als neuen Fachbegriff etablieren möchte: Die Heurigentheorie! Die Definition ist – für Wiener – sehr einfach: Du sitzt im Heurigen vorm Spritzer und sagst: „Wenn’s anders wär’, wär’s anders.“ (Wer nicht weiß was ein Spritzer ist: In Deutschland nennt man das meistens Weinschorle oder – in meiner früheren Heimat – „en Schoppe“). Nicht nur die oben bereits erwähnten AstrologINNen entpuppen sich immer wieder als wahre Meister in dieser Disziplin.

Nachdem Bernd Harder dieses Streitgespräch bereits im GWUP-Blog kurz gewürdigt hat, habe ich mir mal das Astrologie-Bullshit-Bingo zur Hand genommen, das mein charismatischer Lieblingssektenführer gerade jüngst zusammengebastelt hat und versucht die Aussagen von Frau Mathis dort eingetragen. Das Ergebnis sieht so aus:

Ok, knapp daneben am erlösenden Ausruf, aber vielleicht habe ich ja etwas übersehen …





Labertaschenparade 2012 – Teil 1 (Astrologen schwurbeln)

4 01 2012

Für 2012 scheinen sich ganz besonders viele Astrologen und Hellseher zu irgendwelchen prognostischen Texten herausgefordert zu fühlen. Noch bevor ich mich um die Printpresse kümmern kann sind es jetzt bereits fast 50 verschiedene Sterndeuter, denen Texte zum neuen Jahr aus der Feder flossen.

Beginnen möchte ich heute mit einem Fachblatt, der Astrowoche. Auf  dieser Webseite kann man die Texte von gleich 11 Astrologen und Astrologinnen zum neuen Jahr lesen und das Ganze endet mit folgendem Fazit

Was unsere großen Astrologen der Welt für das Jahr 2012 prophezeien, ist kein düsteres Katastrophen-Szenario. Aber auch keine Schönfärberei. Im Klartext: Die Welt kann sogar besser werden, vorausgesetzt, wir ändern uns.

Ein wenig Untergang folgt dann aber doch, allerdings ein positiver.  „Das Unwahrhaftige„, „die Ich-Welt“ und „die Welt von gestern“ sollen nämlich untergehen. Dabei ist der letzte Punkt eine wirklich herrliche Binsenwahrheit. Geht die Welt von gestern nicht jeden Tag „unter“? Leben wir nicht immer – quasi automatisch – in der Welt von heute?

Die Texte der 11 Befragten (die sich erstaunlicherweise gar nicht zur Fußball-EM äußern) enthalten überhaupt außer einer Überdosis Astrologengeblubber weitgehend Belangloses und herrliche Binsenwahrheiten wie diese von Christopher Weidner:

Völker werden sich gegen ihre Machthaber erheben und diese werden entsprechend reagieren, denn sie fürchten nichts so sehr wie den Verlust ihrer Macht.

Bei seinem Kollegen Erich Bauer kommt da auch nur ein wenig mehr Konkretes (Ich bin daher sicher, dass es in der Welt weiter zu Aufständen kommen wird. Auch bei uns in Europa, womöglich sogar in Deutschland.) und bei den meisten anderen (Winfried Noé, Christine Schoppa, Claudia Straub, Jasmin Rachlitz  und Konstantin Schott) ist das Ganze ein einziges bedeutungsschwangeres aber absolut sinnfreies Geblubber. Gabriele Sperzel (die das verlinkte Engelhoroskop zu verantworten hat) und Michael Allgeier sagen zwar auch nichts Konkretes zum Jahr 2012, aber sie gehören scheinbar zu den Astrologen die das mit der Prognose irgendwie nicht verstanden zu haben scheinen. Statt über das jahr 2012 schreiben sie über die Vergangenheit – aber sollte diese „Welt von gestern“ nicht (gemäß dem Fazit über alle elf Prognosen) untergehen?

Da ist der Vater von Michael Allgeier schon ein anderes Kaliber. Kurt Allgeier gehört seit Jahren zur Schwarzseherfraktion, und er zeigt das auch für 2012:

Ende Juni und Mitte Juli kommen dann recht heftige Tage. Wir werden wieder Naturkatastrophen erleben, die wohl sogar noch heftiger sein werden als das, was wir zuletzt erlebt haben.

Wie man den ebenfalls von ihm vorhergesehenen „Computer-Totalausfall“ am besten übersteht weiß er natürlich auch (die letzten 3 Worte stehen tatsächlich so da):

Es ist deshalb sinnvoll, sich zu Hause einen kleinen Geldvorrat anzulegen, um damit über einige Tage hinwegzukommen. Denn es würde auch kein Geldautomat mehr funktionieren und die Bank könnte auch nichts ausbezahlen. Vielleicht brauchen wir dann auch einen Wasservorrat, weil es auch kein Wasser gibt, und Kerzen, weil der Strom ausfällt. Und so weiter

Fehlt noch Ruth Siegenthaler. Die Schweizerin fängt schon ganz toll an:

Die Astrophysiker unserer Zeit bestätigen, was schon die Astronomen der Mayas gesagt haben: Von 2008 bis 2016 befindet sich unsere Sonne in größter Nähe zum galaktischen Zentrum und am 22. Dezember 2012 ist die maximale Annäherung erreicht. Dieses Ereignis findet nur ungefähr alle 26 000 Jahre statt und symbolisiert das Ende eines Zyklus, in dem der Lernprozess der Menschheit auf Angst und Leiden gründete.

So richtig zu ihrer Schwurbelhochform läuft sie allerdings erst in der Langfassung der Jahresvorschau auf ihrer Webseite auf. Was die Frau sich da alles so zusammen fantasiert ist ein unglaublicher Parforce-Ritt durch das esoterische Buzzwords-Imperium.

Bei Susanne Eder gibt es Sensationelles: „Telepathie, Feinfühligkeit, Sensibilität für alles, was hier auf unserem Planeten geschieht, steht jetzt im Vordergrund.“ – aber was bedeutet das? Da sind ihre Katastropheprognosen doch ein wenig konkreter:

Gefährlich wird es leider immer wieder dann, wenn auch Mars bei o.a. Pluto-Uranus-Quadrat mitspielt, da kann es zu Bombenattentaten, Terroranschlägen, Flugzeugunfällen und anderen Katastrophen kommen.
Besonders kritische Tage sind: 10. – 22. Juli und 20. November – 3. Dezember 2012.

Klar, es fehlen die genauen Prognosen des was und wo – und es wäre schon sehr unwahrscheinlich wenn während der beiden angegebenen Zeiträume nicht zumindest eine der gelisteten Katastrophen irgendwo auf der Welt für eine Pressemeldung sorgen würde.

Dr. Harald Geir nennt sich „Kosmobiologe“ und leidet schon zu Beginn seines mit „Jahreshoroskop 2012 – global“ überschriebenen Geschreibsels unter einer leichten Jahreszahlenstörung:

Rein astrologisch gesehen befinden wir uns – von den Themen her – schon längst im Jahr 2012 bzw. es erstreckt sich über mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte.

Tolle Idee! Ein Jahr dass sich über Jahrzehnte erstreckt war mir bisher auch unbekannt. Der Rest ist das allgemeine schwachsinnige Astrogelaber, das man auch schon in den anderen Texten findet. Auch seine Landsfrau Gerda Rogers konnte bei relevant.at nur astrologisches Gelaber liefern. Immerhin sollen wir jetzt wissen, dass Österreich Skorpion und der Euro sowie die EU Widder sind.

Es ist schon verwunderlich, dass diese Astrologen meinen ihre Kunden würden sich mit solch nichtigen Wortaneinanderreihungen zufrieden geben. Wie bemerkte eine astrologiebegeisterte Bekannte beim Lesen der elf oben verlinkten „Jahresprognosen“ kopfschüttelnd: „Aber da steht ja gar nix drin!“  Recht hat sie, aber das Nichts ist beim Inhalt astrologischer Jahresprognosen ja eigentlich zu erwarten.

 








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