Sensation: Homöopathiekonzern zahlt Geld zurück

23 04 2012

Der Homöopathiekonzern Boiron – das ist der mit der unendlich verdünnten Ententeilen, der bereits vor einigen tagen hier erwähnt wurde – zeigt sich kundenfreundlich, zumindest in diesem einen Fall. Was war passiert? Ganz einfach: Carrie, die eine Hälfte des wunderbaren Podcasts Oh No, Ross and Carrie! hatte sich nämlich einem heroischen Selbstversuch unterworfen. Das war übrigens ganz im Sinne des Untertitels des Podcasts: „we show up so you don’t have to.“ – durch den man sich zum Beispiel den Besuch eines Kreationistenmuseums dank ihres sehr lustigen und lehrreichen Berichts ersparen kann.
Auf YouTube hat sie aber nicht nur ihren Schnupfen dokumentiert, sondern auch ihre Anfragen wegen des verwendeten Boiron-Homöopathikums.

Sehr schön ist natürlich schon nach etwa o:45 Minuten die Antwort des „Poison-Centers“ – also einer Art Giftnotrufzentrale – auf ihren Anruf, sie hätte versehentlich die doppelte Dosis eingeworfen. Was die Worte „bogus“ und (total!) „rip-off“ bedeuten kann jeder, der des Englischen nicht mächtig ist, bei Leo nachlesen. Da die Boiron-Dame bei ihrem Rückruf nur ziemlich lächerliche Ausflüchte findet, schreibt Carrie noch einen Brief, legt die Rechnung bei und wartet …

… und das Unglaubliche passiert: Boiron ersetzt ihr die bezahlten 10,29$ – mittels eines echten Schecks (also keine homöopathische Bezahlung!), für den das Unternehmen nochmals 6 $ löhnen muss. Man mag sich gar nicht vorstellen was passieren würde, wenn das alle Käufer von Homöopathika machen würden …

Ich glaube ja nicht, dass deutsche Hersteller von Homöopathika ähnlich kundenfreundlich agieren würden. Aber vielleicht sollte man’s mal versuchen – ist ja gar keine schlechte Idee …





Nachtrag zur Woche der Homöodingsbums

13 04 2012

In den Begleitmaterialien zur Woche der Homöopathie (Motto: Homöopathie bei unerfülltem Kinderwunsch) sind auch zwei Studien angegeben, die Belege für die Wirksamkeit der Verschüttelungsmedizin bei diesem Thema liefern sollen. Der RatioBlog hat sich die Studien unter dem Titel „Macht Homöopathie Kinder?“ angesehen. Die eine Studie (Männer) sagt nichts aus, bei der anderen (Frauen) werden gar keine „richtigen“ Homöopathika getestet (es ist ein so genanntes Komplexmittel mit drei Wirkstoffen in der „Potenzierung“ D5 – also nichts anderes als ein stark verdünntes „normales“ Arzneimittel), was aber bei einem nicht signifikanten Ergebnis sowieso egal ist.

Aber so sind sie, die Homöopadingenskasper. Die Realität wird ausgeblendet, wenn sie nicht zum eigenen Weltbild passt. Mein Lieblingsbeispiel fand sich schon vor einiger Zeit ebenfalls beim RatioBlog: Hier zeigten sich Wirkungsunterschiede ganz offensichtlich in Abhängigkeit vom Alkoholgehalt (also dem Verdünnungsträger!) der verschiedenen verwendeten Mittelchen – diese widersprachen vollständig der homöopathischen Leere, aber die Homöopathen schrieben trotzdem ein positives Ergebnis für ihre Verschüttlungen auf.

Und dass aus Marketinggründen auch ganz klar formulierte Sätze aus einer Studie umdefiniert werden zeigt dieser Bericht bei Excanwahn





Zweifelhafter Kinderspaß mit Wünschelruten

13 04 2012
In Köln durften sich im Zuge der alljährlich von der örtlichen Sparkasse gesponserten Ferienbelustigung Grundschulkinder tatsächlich in der Handhabung von Wünschelruten ausprobieren. Im Bericht der Lokalpresse (der Artikel in der Kölnischen Rundschau mit dem Titel „Wenn die Wünschelrute ausschlägt“ ist derzeit noch kostenlos im Online-Archiv verfügbar – ansonsten habe ich ein schönes Bild der Seite, das in Facebook die Runde machte) wird dabei von der leitenden Scharlatanin Leiterin – einer Frau Klaes, die sich „Baubiologin“ nennt und ein so genanntes  „Institut“ betreibt – ausdrücklich festgestellt, dass die Kinder ja soooooo „offen“ für diesen Mumpitz seien, und eben „nicht so verkopft“.
Und klar, die Kleinen fanden überall Wasseradern, obwohl es die doch – wie mir ein Geologe erläuterte – in dieser Gegend eigentlich gar nicht gibt. Aber das macht ja nichts, Hauptsache die Kids hatten ihren Spaß! „Der kleine Wünschelruten-Lehrgang ist Teil einer Themenwoche der SK Stiftung Kultur der Sparkasse Köln Bonn.„, konnte man in der Zeitung lesen, und weiter heißt es „Zu den Themen Mystik, Kult und Heiligtum in Köln können Grundschüler eine Woche lang verschiedenes lernen, ausprobieren und erleben.“ Ach wäre das schön – und für die Kleinen nicht weniger spannend – gewesen, wenn man wirklich erklärt hätte wie das Rutengewese funktioniert. Ein paar kleine, spannende Versuche wären ohne großen Aufwand möglich gewesen – und die Kinder hätten etwas fürs Leben gelernt. Stattdessen gab’s falsche Pseudoerklärungen, wie die folgende:

Durch die Spannungen von Wasseradern kommt es durch die Füße des Rutengängers zu leichten Muskelkontraktionen in den Händen, so dass sich die Ruten bewegen

Nein Frau Klaes! Selbst wenn es Wasseradern gäbe könnten die nicht durch die Füße der Kids Muskelkontraktionen in den Händen auslösen. Das ist lächerlicher Bullshit! Außerdem widerspricht Ihnen da doch dieser Energetiker aus Österreich (diesen „Beruf“ gibt’s da wirklich, und in mehreren, hochesoterischen Ausprägungen:  „Humanenergetik„, „Tierenergetik“ und „Lebensraum Consulting„), der die Sache mit dem Rutenausschlag ganz anders erklärt. Laut einem hier abgedruckten und mit einem Video garnierten Interview mit diesem Energetiker sind die Auslöser der Rutenausschläge zwar wie bei Frau Klaes „einfach Bäche, die unter der Erde verlaufen“, aber es ist keine Rede von „Spannungen“.  Der Mann will Folgendes wissen: „dieses fließende Wasser gibt Ionen ab, die den Körper beeinflussen„. Au weia! Hat Frau Klaes damit die Kinder nicht unnötig (!!!) irgendwelchen Gefahren ausgesetzt? Welche Wirkung diese Ionen haben, erklärt der kluge Herr mit dem wirren Mayernamen (oder war das doch umgekehrt?) mit einem eindrucksvollen Beispiel:

Wenn eine Forelle in einem Bach einen Wasserfall nach oben schwimmen muss, nutzt sie diese Ionen. Das Wasser fällt nach unten und erzeugt einen negativen Ionenstrom. Der Fisch springt mehrere Meter hoch und lässt sich sozusagen nach oben tragen.

Tja, esoterische Erklärungen für nicht Vorhandenes können wirklich recht lustig sein. Und nein, eigentlich gefährlich ist das ja nicht:

Die Ionen an sich sind nicht schädlich. Sie sind eigentlich Energiebringer. Wenn man erschöpft und müde ist, sollte man sich einige Minuten auf eine Wasserader stellen. Man wird dann regelrecht aufgeladen. Genau dieser Effekt ist aber beim Schlafen schädlich. Menschen brauchen ihre Ruhephasen. Wenn man dann ständig mit Energie aufgeladen wird, kann der Körper nicht rasten. Die Leute bekommen Kreuzweh und allerlei Beschwerden, für die Ärzte keine Ursache finden können.

Und ja, so einfach ist das! Wenn’s irgendwo zwickt sind die Ionen schuld. Und die bösen Dinger sind wirklich extrem mächtig:

Die Ionen steigen bis zu 100 Stockwerke nach oben und durchdringen alles.

Sie durchdringen sogar Telefonleitungen, wie der Herr zu berichten weiß:

Ich bin auf das Wasser sensibilisiert. Inzwischen kann ich grobe Auskünfte sogar über das Telefon erteilen.

Wow! Und am Ende kommt noch eine Warnung vor Scharlatanen:

„Man sollte auf alle Fälle hellhörig werden, sobald jemand versucht, irgendwelche Geräte zur Entstörung zu verkaufen, Einrichtungen, welche die Wasserionen abschirmen oder ähnliches. Diese Geräte funktionieren nicht.“

Und Frau Klaes? Sie „berät Sie in allen Fragen zur Sanierung, Abschirmung von Elektrosmog und Vermeidung von Belastungen“ – auf deutsch: sie labert ihnen einen Ast an die Backe und wird empfehlen das Bett umzustellen. Ob sie auch entsprechende Geräte in einer solchen Nonsens-Beratung  verkaufen will weiß ich nicht, sie bietet aber ein paar lächerliche Entstörungs- und Lebensenergiechips an. Eine Anbieterin von solchem Unsinn auf Kinder loszulassen ist bei Leibe kein Ruhmesblatt für die mit organisierende Sparkasse.





Die Woche der homöopathischen Widersprüche

10 04 2012

Aktuell haben wir ja die Internationale Woche der Homöopathie. Zeit für den RatioBlog auf eines der absurdesten Homöopathika hinzuweisen, das es überhaupt gibt: Oscillococcinum – das Zeugs, das zwar irgendwie aus Entenleber hergestellt werden soll, das aber bei dieser Potenzierung Verdünnung (C200 = 1:10 hoch 400 – das Abtippen der vielen Nullen erspare ich mir jetzt) absolut gar keine Entenleber enthalten kann. Der Hersteller hatte es im letzten Jahr zu einiger Berühmtheit gebracht, da er drohte einen italienischen Blogger wegen eines kritischen Artikels abzumahnen (es gibt natürlich noch viel mehr Links zu diesem Thema …).

Das Motto der diesjährigen Woche ist sehr interessant: Homöopathie bei unerfülltem Kinderwunsch
In der kurzen Beschreibung werden natürlich auch vermeintlich wissenschaftliche Untersuchungen erwähnt, die zeigen sollen, dass mittels Homöopathie bei Männern die Anzahl der Spermien steigt. Ist das aber nicht vollkommen unhomöopathisch? Müsste nicht bei Männern mit einer hohen Spermienverdünnungpotenzierung mit einer viel höheren Fertilisationsrate gerechnet werden? In etwa so wie in diesem schönen Bild:

Und selbstverständlich gibt es auch das Homöopathikum Sperma hominis

… wobei ich gar nicht darüber nachdenken möchte wie das Zeugs in den verschiedenen Darreichungsformen Globuli, Tropfen und Zäpfchen (die Größe ist leider nicht angegeben) zur Anwendung kommen soll.

Noch schöner ist aber diese Seite. Es geht um „Cousto´s neues Verfahren zur Herstellung von Hochpotenzen für die homöopathische Medizin„, das im Folgenden beschrieben wird. Eindrucksvoll ist schon der Anfang des Textes:

Der Schweizer Mathematiker und Musikforscher Hans Cousto ist durch seine Publikationen über das von ihm entdeckte Gesetz der „Kosmischen Oktave“ und den daraus hervorgegangen planetaren Tonfrequenzen weltweit bekannt geworden. Die Planetentöne werden von Therapeuten insbesonders für die Tonakupunktur mit Stimmgabeln angewendet (Ausführliches hierzu unter tune in).

Durch die konsequente Anwendung des Oktavgesetzes und neuer Erkenntnisse aus der Forschung von Hans Cousto im Bereich der klassischen Homöopathie entstand eine vollkommen neue Art der Herstellung von Hochpotenzen. Die ersten Grundüberlegungen basieren auf der Frage, warum eigentlich die Hochpotenzen nach Hanemann im Dezimalsystem hergestellt werden, obwohl weder die chemischen Elemente, noch der genetische Code auf der Basis 10 aufbauen. Sich auf die Schwingungsgesetze der Natur berufend, kam die Einsicht, daß die homöopathischen Hochpotenzen nicht mehr auf der Basis 10 sondern auf der Basis der 8 hergestellt werden müssen!

Der Rest ist so richtig herrlich abgedrehtes Wort- und Zahlengeschwurbel (auch die anderen Seiten dieser Internetpräsenz sind absurd: z.B. die erwähnte „Phonophorese„, also Tonpunktur – eine Art Akupunktur mit Stimmgabeln!!!), dass man fast überliest, dass der Autor hier tatsächlich Spermien schüttelt. Eine völlig neue Potenzierungsschreibweise ist dem Mann auch eingefallen: „CCLVI 16„, also 256 hoch 16. Wenn man bei Erwähnung des „Hare Krishna“ Mantras (in voller Länge tatsächlich 32 Silben – passt also zur Basis 8) und irgendwelchen Mandalas als weitere Schüttelhilfsmittel glaubt, das war’s jetzt an Abstrusität, dann setzt der Mann locker noch eins drauf:

Eine Musik zur Begleitung dieser Schüttelvorgänge sollte im Ton G mit 194,18 Hz gestimmt sein, da die Hauptresonanz der DNS-Ketten ein G ist und ein G auch der Tageston der Erde ist.

Und natürlich hilft das:

Die Wirkung dieser Spermahochpotenzen ist übrigens erstaunlich – eine ganze Reihe von Freunden haben mir das schon nachgemacht und sind danach echt geiler geworden.

Nur das Ende dieser Seite ist eine Enttäuschung, ja eigentlich sogar ein Skandal! Der Autor weist auf Nebenwirkungen hin! Seine und seiner Freunde selbstgeschüttelte homöopathische Spermien (das meine ich natürlich nur im Sinne seiner beschriebenen Anweisungen) haben negative Auswirkungen:

Eine ganze Reihe hat allerdings so zwei bis drei Wochen nach Beginn des Einnehmens über Nierenschmerzen geklagt.

Ist das der Preis für’s – na ihr wisst schon? Ist ja nicht allzu hoch, denn …

Diese sind dann aber nach etwa 2 bis 3 Wochen wieder verschwunden (ohne absetzen der Hochpotenz).

Na bitte! Und was machen die – offensichtlich – Jungs dann:

Nun sind wir da am Weiterexperimentieren – und am Genießen der Wirkung !

Die Vorstellung ist betäubend: Ein paar Männer sitzen bei eigenartiger Musik, Mantras murmelnd vor Mandalas … …  und wenn sie nicht gestorben sind dann schütteln sie immer noch, und schütteln und schütteln und schütteln …





Weltbild gefällig? (Zwei Danksagungen)

9 04 2012

Danke Jörg W.! Dieses Video erklärt kurz und prägnant dein (und mein) Weltbild:

Und auch auf diese hervorragende Miniserie über „Diskussionszerstörer“ kann man nicht oft genug hinweisen:

Teil 1: Galileo – Gambit

Teil 2: Informier dich erst mal

Teil 3: Beweis doch mal…

Teil 4: Idioten

Teil 5: Finale

Wer statt Videos lieber lesen möchte, dem bietet der RatioBlog eine sage und schreibe 20-teilige Reihe (!!!!) über die „beliebtesten“ Fehlschlüsse. Danke auch dafür!





Tiefkühlpizza, Foren-Zensur und viele schlechte Screenshots

8 04 2012

Nehmen wir ‚mal an, ich kaufe mir zum ersten Mal die – fleißig beworbene – Tiefkühlpizza XY, bereite sie anweisungsgemäß zu und … … werde dann bitter enttäuscht. Als Mitglied der Pizzafreunde-Community* würde ich sofort meine Erfahrungen mit dieser Pizza mit den anderen Pizzafreunden teilen wollen, würde nachschauen, ob es schon einen Thread zur Tiefkühlpizza XY gibt bzw. einen neuen eröffnen und dann meine Erfahrungen posten:

Was für eine Enttäuschung! Die neue Pizza XY aus der Serie „Gusto Riscante“ sieht beim Auspacken noch sehr gut aus, aber das ist auch schon alles. Natürlich sieht der Belag auf dem Titelbild besser aus, als in der Realität – aber das gilt ja für so ziemlich alle Tiefkühlpizzas. Das Backergebnis lieferte schon ‚mal einen Teig, der mit einem Pizzaschneider gar nicht zu zerteilen war. Die Konsistenz erinnerte an einen viel zu dick geratenen Pappkarton – und der Geschmack leider auch. Die Tomatensosse war rot, aber das war auch das Einzige was bei dieser faden und öden Pampe an Tomaten erinnerte. Die Salami hatte die Konsistenz eines durchgekauten Kaugummis und der – viel zu spärliche – Käse roch (und schmeckte) wie meine Füße nach halbstündigen Joggen.

Vielleicht ergäbe sich daraus eine Diskussion mit anderen in der Pizzafreundecommnity – mit Leuten, die das Bouquet der Tomatensosse preisen und/oder denen die leichte Pfeffernote der Salami ganz besonders mundete. Der ganz normale Alltag in Internetforen also – und wenn jetzt der Forenbetreiber auf Veranlassung des Herstellers der Tiefkühlpizza meinen Beitrag löschen würde, dann würde dies bei den anderen Foristis mit ziemlicher Sicherheit ein kleines Shitstörmchen auslösen.

Würde ich allerdings in selbigem Forum behaupten, dass der Hersteller der Tiefkühlpizza XY es mit der Hygiene nicht so genau nimmt und man deshalb insbesondere bei der Sorte XY doch vorab prüfen sollte ob nicht unter der ein oder anderen Salamischeibe eine tiefgefrorene Küchenschabe oder ein Mäuseschwänzchen den Teig zieren, dann wäre die Löschung meines Beitrags nicht nur höchst wahrscheinlich, sondern sogar gerechtfertigt.

Halber Themawechsel: In der Lesercommunity  „bfriends“ der Zeitschrift „Brigitte“ wird des Öfteren über esoterische Angebote diskutiert, und fleißig werden von den Posterinnen die Erfahrungen mit AstrologINNen, KartenlegerINNEn und anderen Anbietern solcher Dienstleistungen – selbstverständlich mit Namensnennung – ausgetauscht. Das scheint normalerweise auch bei negativen Meinungen kein Problem zu sein, wie man in den folgenden Zitaten lesen kann:

Marlies Döscher hat mal einer Freundin von mir geraten, sie solle schnell mit ihrem OdB poppen, um zu sehen, ob sich eine Beziehung mit ihm wirklich lohnt. Sehr seriös . So weit ich weiß, ist auch keine ihrer Voraussagen eingetroffen.

Petra Röntgen – ich weiß, hier wurde sie empfohlen, ich kann das nicht und ich kenne viele ihrer ehemaligen Kundinnen, bei denen genau wie bei mir rein gar nichts eingetroffen ist. Sie ist eine Schönrednerin. Mir hat sie damals was erzählt von einem Haus im Grünen mit meinem Freund und zwei Kindern. Jetzt sind wir getrennt. Und auch den anderen Kundinnen hat sie das Blaue vom Himmel erzählt, dass natürlich nie eingetroffen ist. Sie hat so Spitzenbewertungen, weil die Kunden in ihrer ersten Euphorie nach dem Gespräch sofort 5 Sterne vergeben.

Maria Theresia Grass alias Thekla – hat total viele Spitzenbewertungen, redet aber nur schön und ich kenne viele Kunden von ihr, keine einzige ist heute mit ihrem Herzensmann zusammen

Lediglich allzu dreiste (Eigen-)Werbung scheint hier entfernt zu werden. In diesem Thread sieht es aber ein wenig anders aus. Dort gibt es einen Beitrag von „schnabel“, datiert auf den 29.12.2011, 17:23 Uhr, der heute so aussieht:

Die gleiche zensierte Leere ziert einen weiteren Beitrag von „schnabel“ (17:59 Uhr am gleichen Tag), sowie Beiträge von „aninmi“ (01.03.2012, 11:03 Uhr) und „einmalname“ (03.03.11:45 Uhr). Bei einem weiteren Post von „schnabel“ (30.12.2011, 12:34 Uhr) variiert die Begründung leicht:

Was stand eigentlich in den von der Forenadministration inkriminierten Beiträgen? Waren es eher persönliche Erfahrungsberichte – und damit erlaubt! – oder doch eher wüste Anschuldigungen ohne jeden Beleg? Zufällig hatte ich diese Seiten per Screenshot gesichert, so dass ganz einfach zu dokumentieren ist, was die Administratoren von bfriends.de hier wegzensiert haben.

Interessant ist dabei, dass alle zensierten Beiträge bis Mitte März noch ganz normal im Forum verfügbar waren. Die Forenzensur bei bfriends.de schlug ziemlich genau dann zu, als auch ich eine Mail bekam, in der mir vorgeworfen wurde, dass ich mit diesem uralten Beitrag irgendwie gegen mehrere Gesetze verstoßen haben sollte. Ich habe allerdings nicht mit Löschung des Beitrags reagiert, denn wie mir mehrere Juristen, die ich eher zufällig traf, bestätigten gibt es keinen Grund, seine Meinung nur deswegen vor der Öffentlichkeit zu verbergen, weil diese der Anbieterin/dem Anbieter nicht gefällt.

Bei bfriends.de scheint man da anderer Meinung zu sein – bzw. man zensiert lieber grundlos die Beiträge seiner Forumsteilnehmerinnen, statt die Esoterikanbieterin auf das grundgesetzlich garantierte Recht auf freie Meinungsäußerung hinzuweisen. Schaut man sich die Originalposts an, dann waren es wirklich rein subjektive Erfahrungsberichte, die sich allerdings kritisch mit diesem „sehr speziellen“ Angebot auseinandersetzten. Hier ein paar Ausschnitte aus dem Post von „schnabel“:

Ist hier irgend eine Schmähkritik oder eine Beleidigung der Anbieterin zu lesen?

Am Ende musste noch der finanziellen Aspekts der Aktion geklärt werden:

Auch hier („einmalname“) wurde lediglich die eigene Erfahrung mit dieser Anbieterin geschildert:

Nur im Post von „aninmi“ finden sich nach der folgenden Passage …

…ein paar Bemerkungen, die man mit einer großen Portion Böswilligkeit als  grenzwertig einstufen könnte (deswegen lasse ich diese Passagen auch weg).

Wie „schnabel“ außerdem berichtete, ist Forenzensur bei dieser Anbieterin nicht unüblich:

Auf die letzte Frage von „schnabel“ kann ich mit ja antworten. Die Frau scheint jedem Forum und jedem Blog, der „etwas Negatives“ (Originalzitat!!!) über sie schreibt eine entsprechende Mail zu schicken. Und offenbar gelingt es ihr tatsächlich die  ein oder andere Forenadministration – zum Beispiel bei bfriends.de – zu beeindrucken. Dass die Forenadministration einer so großen und mächtigen Zeitschrift wie der Brigitte sich von einer Esoterikanbieterin so leicht einschüchtern lässt, das hätte ich nicht gedacht, denn andere Foren sind da offensichtlich weniger (hier wird nur der Name der Anbieterin abgekürzt) oder gar nicht (in diesem Forum gibt’s den Originaltext) einzuschüchtern.

Die Verantwortlichen bei bfriends.de sollten sich entscheiden, ob sie eher auf der Seite ihrer Community stehen (… und deren Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigen!!!) oder ob sie lieber die vermeintlichen Rechte von Menschen verteidigen, deren Angebote gemäß BGB § 275 nach deutschen Recht generell nichtig sind („Der Anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den Schuldner oder für jedermann unmöglich ist.„).

*ich wüsste nicht dass es eine solche Pizzafreundecommunity gibt, die existierende Webseite pizzafreunde.de gehört übrigens einem Lieferdienst, über den ich mangels konkreter Erfahrung keine Aussage tätigen kann.





Ein Astrologe beschwert sich …

6 04 2012

… aber nicht über mich, sondern über die für ihn zuständige Lokalpresse. Die Posse spielt in Görlitz. Dort wird am 22. April ein neuer Bürgermeister gewählt und in der vorbereitenden Berichterstattung der Lokalzeitung sollte auch die Meinung eines Astrologen eingeholt werden. Das ist zwar völliger Blödsinn, aber Lokalredaktionen machen das schon ‚mal (manchmal übrigens auch erst hinterher). Normalerweise lassen Sterndeuter ja solche Gelegenheiten nicht aus, da sie wissen dass die Nennung ihres Namens in der Öffentlichkeit nichts anderes als kostenlose Werbung für ihr Tun ist. In diesem Fall kam es aber ganz anders. Die Anfrage der Lokalredakteurin wurde vom Astrologen nämlich nicht beantwortet. Nicht dass der Astrologe vielleicht irgendwelche Skrupel gehabt hätte, auch war er von dem Geistesblitz, dass solche Prognosen doch eh absoluter Humbug sind, verschont geblieben – nein, er verweigerte die Antwort, weil die Redakteurin ihn, den großen Astrologen, für seine „Dienste“ nicht bezahlen wollte.

Und damit auch die ganze Welt von diesem Quatsch Notiz nehmen kann machte der Astrologe die Sache öffentlich. Sein Mittel war ein offener Brief an die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt. Veröffentlicht hat er seinen Sermon aber nicht in der Zeitung selbst, sondern in der Onlinepostille dieses ebenfalls in Görlitz ansässigen Herren, der in mehreren selbst verlegten Büchern die widerliche „Germanische Neue Medizin“ propagiert und noch heute auf dieser einschlägigen Webseite  im Impressum zu finden ist.  In einem solchen Umfeld lässt es sich gut gegen die böse, knausrige Presse schimpfen:

[…] würden Sie Ihre Arbeit auch gratis tun, nur weil jemand es auch machen würde? Heute verlangte eine SZ-Redakteurin von mir, dass für die morgige Samstagsausgabe eine kostenlose astrologischen Prognose zur Wahl am 22.4. in Görlitzer abgebe. Aus Dresden hätten sie schon einen Astrologen, der das gratis tue. Nun, ich beschäftige mich seit 1980 professionell mit Astrologie, u.a. Hunderte von Radiosendungen, bei denen das Standardhonorar momentan bei 400 Euro liegt. Ich habe abgelehnt und erhielt darauf eine beleidigte Email der Journalistin.

Tja, die Journalistin war sicher perplex, weil der Astrologe für die kostenfreie Werbung in Form seiner Namensnennung in einem Artikel sogar noch bezahlt werden wollte. Und seine Rache ist nun schon gänzlich bizarr: Er veröffentlicht auf oben genannter Webseite einfach die Horoskope der beiden Kandidaten – ganz kostenlos! Allzu viel Zeit scheint er aber in diese „Arbeit“ nicht investiert zu haben, denn die Texte tragen diesen Cpyrightvermerk:© Texte von Anita Cortesi. Offensichtlich besitzt der Mann also ein Astrologieprogramm, dass nach Eingabe von Geburtsdaten Texte liefert, die  auf dieser Werbeseite beworben werden. Und ich muss ehrlich zugeben, diese Texte sind wahre Meisterleistungen! Banalitäten und Trivialitäten – passend auf mindestens 95% der Menschheit –  werden mit einem ganz, ganz dicken Klecks Honig dem Leser ums Maul geschmiert. Lesen kann man das in Passagen wie dieser …

Sie brauchen überdurchschnittlich viel freien Spielraum im Beruf, um die eigene Kreativität, Erfindergabe und Ihr Improvisationstalent einzubringen. Ein Beruf, in dem allzu genau vorgegeben ist, was Sie zu tun haben, gibt Ihnen leicht das Gefühl, eingesperrt zu sein.

… oder dieser …

Sie haben eine weiche Ader, mit der Sie sofort spüren, was Ihr Tun bei anderen bewirkt. Oder anders formuliert identifizieren Sie sich mit Ihrer Umwelt, wenn Sie handeln. Sie fühlen fast hautnah mit, wie andere auf Ihre Aktivitäten reagieren. Dies lässt Sie das eigene Tun feinfühlig auf die Umwelt abstimmen.

… oder jener …

Um effizient lernen zu können, muss Ihre Begeisterung geweckt sein. Sie haben wenig Lust, trockenen Lernstoff zu pauken. Aber wenn eine zündende Idee Sie zum Lernen veranlasst, packen Sie den zu lernenden Stoff an, als gelte es, eine Festung zu erobern. Auf ähnliche Weise sind Sie für ein Thema entweder Feuer und Flamme und verschaffen sich in kurzer Zeit eine Menge Informationen oder es lässt Sie gänzlich unberührt.

Ist das nicht toll, dass wir alle Bürgermeisterkandidat in Görlitz sein könnten? Dabei habe ich nicht einmal nach besonders sinnfreien oder banalen Passagen gesucht – ich habe eher zufällig drei nicht allzu lange Stücke aus den beiden Horoskopen herausgenommen …

Wenigstens versucht es der Mann am Ende seines offenen Briefes (der zwar an die Bürgermeisterkandidaten gerichtet ist, sich aber am Ende eigentlich nur an die Lokalredakteurin wendet) noch mit ein wenig Humor:

P.S: Sie wünschen eine astrologische Prognose? Nun gut: Die mundane Aspektierung der Transitoren Jupiter, Uranus und Pluto in Bezug auf die Radix-Konstellationen der Lichter Sonne und Mond in den Tierkreiszeichen Widder und Stier wird den Ausschlag geben.

Äh, ja! Hätte der Mann das nicht noch mit einem …

😉

… garniert, wäre dieser Text doch wirklich als typische Astrologenprognose durchgegangen. Seine vermeintliche Persiflage hat genau so viel Inhalt wie die Abschnitte aus den – von ihm selbst seinem Computer entlockten – „richtigen“ Horoskopen: Null, Nada, Nichts, Niente, …








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