Das Eurobarometer und die Astrologie

25 05 2012

Die bei Astrodicticum Simplex schon vor einem halben Jahr ausführlich beschriebene (und diskutierte) Studie zu „Astrology Beliefs among Undergraduate Students“ habe ich mir erst jetzt im Detail angesehen – und dabei sind mir zwei andere Studien eingefallen, die ich hier kurz vorstellen möchte. Die EU-Komission fragt nämlich immer mal wieder die Menschen in den Mitgliedsländern (… und sogar darüber hinaus) was sie zu bestimmten, nicht nur aktuellen Themen denken. Eurobarometer heißt das Ganze und bei den beiden Umfragen zum Thema „Europeans, Science and Technology“ aus den Jahren 2001 und 2005 war auch die Einstellung der Europäer zur Astrologie Thema.

Die Umfrage aus dem Jahr 2001 war seinerzeit zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, weil neben der Einstellung der Europäer zu verschiedenen echten oder vermeintlichen Wissenschaftsbereichen auch verschiedene Aussagen mit  Wahr/Falsch/Weiß Nicht bewertet werden sollten – und die Ergebnisse durchaus überraschend waren:

Jeder 5. glaubte also, dass die Erde nur einen Monat braucht um die Sonne zu umrunden, und jeder 4. lässt die Sonne um die Erde kreisen – da wundert man sich nicht einmal, dass in der damaligen Umfrage über die Hälfte der Befragten die Astrologie als „eher wissenschaftlich“ erachtete:

Wobei diese Einschätzung weitgehend unabhängig vom Bildungsniveau zu sein schien, wie folgende Unterscheidung nach dem „Ausbildungsende“ zeigte:

Bei den oben gezeigten 13 einzuschätzenden Aussagen war die Anzahl der richtigen Antworten übrigens direkt vom Bildungsniveau abhängig, denn während Europäer, die ihre Ausbildung vor dem 15. Lebensjahr vollendet hatten im Schnitt nur 6,4 Aussagen richtig bewerteten lagen solche, die beim Ende ihrer Ausbildung älter als 20 Jahre waren mit 9,0 Richtigen doch wesentlich besser.

In 2005 wurden die Fragen zur Wissenschaftlichkeit dann ein wenig geändert. Dieses Mal mussten die Europäer die verschiedenen Fachgebiete auf einer Skala von 1 (absolut unwissenschaftlich) bis 5 („harte“ Wissenschaft) bewerten – und auch die Homöopathie tauchte in der Liste auf. Als weiteres Schmankerl ließ man die eine Hälfte ihre Einschätzung zur Astrologie angeben, die andere zu Horoskopen. Letztere Unterscheidung zeigte ein wahrlich beeindruckendes Ergebnis: Während 41% der Befragten die Astrologie auf obiger Skala mit 4 oder 5 bewerteten …

… waren es bei Horoskopen gerade ‚mal 13%.

Offensichtlich können die Menschen also sehr gut zwischen Astrologie und Horoskopen (in Zeitungen etc.) unterscheiden und billigen letzterem Thema Wissenschaftlichkeit nur in homöopathischen Dosen zu. Deutlich wird das auch, wenn man sich die durchschnittlichen Bewertungen anschaut …

… und noch deutlicher, wenn man die Achse an die richtige Stelle verschiebt (eine Bewertung mit „0“ war gar nicht möglich):

Es überrascht mich nicht, dass jeder Dritte der Homöopathie und gar 41% der Astrologie eine hohe Wissenschaftlichkeit zubilligen. Mit einem gewissen Prozentsatz mehr oder weniger fanatischer Anhänger solcher reinen Glaubenssysteme wird man wohl immer leben müssen, es wäre aber schön, wenn es nicht gar so viele wären. Vielleicht hilft ja die Resolution vom Welt-Skeptiker-Kongress am letzten Wochenende (es war absolut Klasse!), diese Anteile zu verringern …


Aktionen

Information

One response

25 05 2012
Anasazy

Ich vermute mal, das ein Teil der Befragten dazu neigte Astronomie und Astrologie zu verwechseln bzw. beides gleichzusetzen. Also quasi so, wie es auch bei Physiologie und Psychologie hin und wieder der Fall ist.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: