Vor dem Viertelfinale: Mehr Wahrscheinlichkeiten und der unvermeidliche Orakelzoo

22 06 2012

Vor dem Viertelfinale zunächst ein weiterer Blick auf die EM-Zahlenakrobaten. Noch etwas besser als bei Castrol (74,4%) sieht die Siegeswahrscheinlichkeit des deutschen Teams für das Viertelfinale bei Herrn Kaufmann aus. Auf 79,5% beziffert der Mathematiker die Wahrscheinlichkeit, dass Löw’s Truppe das Halbfinale erreicht. Für die Spanier ist die Chance mit 79,6% nur minimal höher, während bei Castrol die Spanier nur auf 66% kommen. Die Titelwahrscheinlichkeiten sehen aktuell (vor dem ersten Viertelfinale) so aus:

  • Spanien 38,4%(Kaufmann) / 31,9% (Castrol)
  • Deutschland 28,6%  / 20,3%
  • England 11,5% / 15,8%
  • Portugal 8,0% / 11,8%
  • Italien 5,2% / 6,0%
  • Tschechien 3,4% / 2,8%
  • Frankreich 3,0% / 9,0%
  • Griechenland 1,8% / 2,3%

Bis auf die bei Castrol erstaunlich hohe Titelwahrscheinlichkeit für Frankreich ähnelt sich die Zahlen doch ziemlich, zumindest ist die Reihenfolge der Teams bis auf diese eine Ausnahme identisch. Ob sich das irgendwie in einem Spielverlauf bemerkbar machen wird, das wird man an den nächsten Abenden ja sehen können.

Nun aber wieder zum Orakelzoo, und wie zuletzt wende ich mich zunächst den bisherigen Richtigratern zu. Rein statistisch müsste man erwarten, dass etwa die Hälfte der tierischen Nostradamusnachfolger daneben liegen werden, aber wie das bei EM-Orakeln so ist, können wir ja nicht unbedingt von einem echten Zufallsversuch ausgehen. Aber egal, die zumindest teilweise Nachfolge von Paul will geklärt werden – und falls es Elefantendame Nelly wird, dann können wir bei einer Lebenserwartung von bis zu 70 Jahren noch eine ganze Reihe von Turnieren von ihr orakeln lassen.

Weniger langlebig sind Meerschweinchen. Herr Zottel wählt wieder die deutsche Seite, da aber seine Lebenserwartung nur 6-8 Jahre beträgt und sein Alter nicht bekannt ist ist es schon zweifelhaft, ob er zur nächsten WM in Brasilien noch zur Verfügung steht. Seine 5 Artgenossen hier schubbern zunächst an beiden mit Landesflaggen verzierten Eierkartons herum – letztendlich wird aber die deutsche Kiste geöffnet: noch eine Siegesprognose (mit Verlängerung?).

Otterdame Ferret hat sich ebenfalls für Deutschland entschieden. Die Aussichten auf eine Fortsetzung der Karriere in 2014 sind bei einer Lebenserwartung von bis zu 22 Jahren (bei in Gefangenschaft gehaltenen Tieren) gar nicht so schlecht.

Die noch verbliebenen Werbeorakel haben noch nicht alle ihr Votum abgegeben. Während WerbeFairkel Uli die deutsche Fahne ins Tor bereits ins Tor schob hat sich die  WerbeMeersau noch nicht entschieden. Werbehund Life tippt auf 3:1, muss aber damit leben, dass er beim letzten Spiel zwar den richtigen Sieger, aber das falsche Ergebnis (4:1) orakelte.

Auch die vom WallStreet Journal ins Rennen geschickte Mopsdame Joyce wählt zielsicher den deutschen Napf und Papagei Lorenzo entscheidet sich – ausnahmsweise ganz schnell –  ebenfalls für Deutschland.

Bisher bedeutet das – bei zwei noch ausstehenden Qualitätstipps (Katze Sunny fehlt auch noch) – die Qualitätsorakel setzen einstimmig (!!!!) auf Deutschland!

Boah! So etwas war ja noch nie da! Gibt es da denn gar keine Gegenstimmen? Ehrlicherweise muss ich zugeben: Doch, die gibt es! Zwar nicht von den bisher richtige gelegen habenden Viechzeugs, aber zum Beispiel vom mopsigen Ottorakel von radio Nordbayern, denn das frißt griechisches Bifteki lieber als eine deutsche Knackwurst. Ist Otto nach seinem ersten falschen Tipp (Unentschieden gegen Dänemark) jetzt einfach alles egal? Oder ist das eine Reminiszenz an seinen Namensvetter, Griechenlands Ex-Trainer „Rehakles“? Oder ist Otto einfach nur das einzige Orakel, dass seine Hirnzellen Orakelfähigkeiten noch nicht in schwarz-rot-goldene Fanträume eingewickelt hat? Ich weiß es nicht, aber ich warte schon gespannt auf den Rest der tierischen Tipprunde und danke schon mal den Betreuern von Otto, dass sie mit dieser Prognose so souverän umgegangen sind.

Dass die meisten auf Deutschland setzen (z.B. aktuell auch Alpaka Kasimir) ist ja eigentlich klar (und nein, ich würde niemals irgendwelche Manipulationen vermuten …), aber jetzt (01:02 Uhr) ist es zu spät, das weiter zu verfolgen. Nach dem morgendlichen Aufstehen werde ich den Rest des Zoos besuchen – ob ich dabei auch noch auf die blöde Kuh Yvonne treffe weiß ich noch gar nicht.

Nicht mehr berücksichtigen werde ich solch plumpe Manipulationsversuche wie die von Bayern 1. Der wie immer leicht desorientiert wirkende Redaktionsmops Xaver wird einfach – mit einem Leckerchen  – ins deutsch Tor gelockt. Das ist weder spannend noch lustig. Dieses Mal gabs immerhin eine Abwechslung im deutschen Tor: keine Weißwürste sondern ein von Xaver souverän ignoriertes Brathendl. Das griechische Tor war übrigens mit einem (BR-Rettungs-)Schirm geschmückt – nachdem der zunächst am Tor sitzende, ausgestopfte Geier (bitte kitzeln, das war lustig gemeint!) entfernt wurde. Sollte morgen Abend, beim privaten Rudelgucken, unser wunderbar netter Ouzolieferant wieder anwesend sein, dann werde ich mich für BR1 prophylaktisch entschuldigen.

Nachher mehr aus dem Orakelzoo …


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