Esoterikplauderstündchen bei Maischberger … (mit Update)

21 07 2012

Für kommenden Dienstag hat die ARD ‚mal wieder ein Esoterikplauderstündchen ins Programm genommen. Die Sendung „Menschen bei Maischberger“ steht unter dem Motto „Horoskope, Handlesen, Tarotkarten: Unsinn, der hilft?“ und ich wage vorauszusagen, dass im Verlaufe der Sendung das Astrologie-Bullshit-Bingo mindestens ein Mal erfolgreich gespielt werden kann. Beim Blick auf die Gästeliste überfällt mich schon vorab ein leichtes Gruseln denn wie bei solchen Sendungen üblich sind die Esoteriker klar in der Überzahl. Gespannt bin ich ja, wie sich Frau Maischberger selbst positioniert. Vor ein paar Jahren hatte Sie in einer Sendung mit ähnlicher Thematik Winfried Noê mit einer seiner Fehlprognosen konfrontiert und dessen Versuch sich herauszureden mit einem kurzen „Das stand so auf ihrer Webseite“ beendet.   Aber schauen wir uns einfach mal die Teilnehmer an dieser Talkrunde an.

Als erste Hella von Sinnen. Ob man ihren Humor mag ist natürlich Geschmacksache, aber bei „genial daneben“ finde ich sie wirklich klasse. Warum sie dabei ist? Hier stehts:

Astrologie hat für die Moderatorin jedoch nichts mit Glaube zu tun, „sondern mit Wissen und Erfahrung.“

Ok, also ein Astrologiefan? Schlimmer! Eine Hobby-Astrologin! Und weil wir gerade bei Sternschwurblern sind wurde auch „Deutschlands besten Astrologin“ eingeladen. Der Name dieser Dame – Mauretania Gregor – war mir bis dato völlig unbekannt. Hier übrigens ihr aktuelles Werbevideo für Juli …

… mit dem sie Werbung für das auf ihrer Webseite angebotene, monatliche Liebeshoroskop macht. Das kostet „ab 8,95 Euro“ – und man kann das dann auf ihrer Webseite anschauen. Und das verspricht sie:

Ihr erfahrt die heißesten Dating-Tage, ich sage Euch wann Ihr welchem Typ in die Arme laufen könnt und was schon die Qualität der Zeit über die Begegnung aussagt.

Natürlich gibt’s auch beste sowie schwierige Termine für Aussprachen und offene Gespräche über Gefühle, unerfüllte Sehnsüchte und Wünsche…

Das Übliche also! Aber wie fertig muss man sein, wenn man sich solche Videos wirklich für „mindestens 15 Minuten“ pro Sternzeichen antut? Den – wohl überwiegend – Zuhörerinnen wird permanent – mit enervierender Stimme, dickem Pathos und einer Mimik als wollte sie einem Kleinkind erklären wie man aufs Töpfchen geht – dick und fett Honig ums Maul geklatscht! Klar, das wollen die hören! Und jeden Monat wieder!

Eine Kartenlegerin muss natürlich auch sein. Auch hier ist es „Deutschlands Kartenlegerin Nr.1„! Auch diesen Namen – Sylvie Kollin – kannte ich bis dato noch nicht. In was sie Nummer 1 ist steht natürlich nicht da, aber ihr Selbstbewußtsein scheint grenzenlos:

„Man kann aus den Karten alles lesen. Die Karten sagen, was sowieso kommt“

Alles? Wirklich? Eingeladen ist auch einer ihrer Kunden: der Schauspieler Uwe Ochsenknecht, denn er

hat schon mehrmals den Rat der Kartenlegerin Sylvie Kollin gesucht und bescheinigt ihr eine neunzigprozentige Trefferquote.

Tut er tatsächlich, und zwar am Anfang und Ende ihres Imagevideos:

Wunderbar natürlich der Kerner-Schnipsel bei 0:34 …

Über Jürgen Fliege braucht man eigentlich nichts mehr schreiben. Dass der jeden esoterischen Mist vertritt ist bekannt. Ob man ihn mal wieder nach seiner Essenz fragen sollte? Vielleicht lässt er sich ja von Frau Gregor ein Liebeshoroskop erstellen …

Welche Rolle Prof. Dr. Ulrich Walter (Ex-Astronaut und Physiker) in diesem Panoptikum zugedacht ist weiß ich nicht. Dieser Satz …

Der Physiker und Lehrstuhlinhaber für Raumfahrttechnik hat sich einmal die Hand lesen lasse: Ihm wurde prophezeit, wie er sterben würde.

… macht kaum Hoffnung, dass er die rationale Seite vertreten soll. Man lässt in solchen Talksendungen ja gerne mal jemanden sprechen, der „beide Seiten“ irgendwie anerkennt. Und da ist ein Physikprofessor, der sich aus der Hand lesen liess, doch ein Supergast. Hoffentlich täusche ich mich mit dieser Einschätzung, und Prof. Walter macht es ebenso wie sein Kollege Prof. Martin Lambeck, der in ähnlichen Sendungen (z.B. auch bei Maischberger) immer wieder deutlich jeden Unsinn auch als solchen bezeichnete.

Bleibt noch einer, der sich garantiert dem ganzen Esoterikschwachsinn gegenüber stellt: Michael Schmidt-Salomon. Der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung wird wie folgt angekündigt:

Glaube und Aberglaube, Horoskope und Tarotkarten seien „Schabernack mit einer Menge Risiken und Nebenwirkungen.“ Die Naivität der Menschen werde ausgenutzt, finanzielle und gesundheitliche Gefahren könnten die Folge sein

Stimmt natürlich. Aber er wird möglicherweise alleine gegen alle argumentieren müssen. Wenn er dann so argumentiert wie er in seinem letzten Buch „Keine Macht den Doofen“ schreibt, dann wird das beim Fernsehzuschauer den Eindruck eines hyperarroganten Skeptikers hinterlassen. Seine „Streitschrift“ enthält nämlich meines Erachtens außer verbalen Rundumschlägen (alles Idioten!!!) nur einen eindrucksvollen Beleg dafür, dass er von Ökonomie keine Ahnung hat. Ich drücke ihm natürlich trotzdem alle Daumen …

Schön wäre es ja gewesen, wenn in dieser Sendung auch echte Spezialisten eingeladen worden wären. Ich kenne da zum Beispiel mehrere Psychologen, die den Zuschauern hätten erklären können wie und warum der ganze Unsinn „funktioniert“ …

Update: 

Der Spiegel hat das ganze schön kritisiert, obwohl der Journalist zwischendurch wohl mehrmals nicht hingehört hat. Das merkt man an folgendem Absatz:

Michael Salomon erwies sich als solider Realist und Gegenpol zu dem Aszendenten- und Tarot-Geschnatter, das sich in der Maischbergers Runde ausgesprochen raumgreifend erhob. Der Autor und Sprecher der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung erklärte, dass „Bahnensätze“ wie „bei aller Impulsivität sind sie doch ein sehr romantischer Geist“ irgendwie immer stimmen und brachte bisweilen gar Hella von Sinnen mit seinem etwas irritierenden Dauerlächeln zum Schweigen. Und er warnte vor der „sanften Verblödung“ durch Esoterik, wenn „Spitzentechnologie und Spitzenidiotie aufeinandertreffen“.

OK, der Mann heißt Schmidt Salomon, und war tatsächlich der einzige Lichtblick in der Sendung. „Bahnensätze“ (… ist inzwischen auf SPON korrigiert – aber auf meinem WEbCite-Link noch vorhanden)? Schmidt Salomon hat doch recht ausführlich erklären dürfen was „Barnumsätze“ sind … … aber egal. Ich hab‘ selten etwas peinlicheres im Fernsehen gesehen …

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5 responses

21 07 2012
Horst Lauer - Der Skeptiker

Verehrter Herr Kunkel,

haben Sie recht herzlichen Dank dafür, mir und allen Lesern zur Kenntnis gegeben zu haben, welchen Humbug das öffentlich-rechtliche Fernsehen wieder einmal zu senden plant. Es ist schon ein Graus, wie hier wieder einmal die Freiheit mißbraucht wird, um Verwirrung in den Köpfen des Volkes zu stiften.

Sicher war für uns seinerzeit in der Deutschen Demokratischen Republik nicht alles besser, doch ich kann Ihnen versichern, daß solch ein esoterischer Kokolores damals undenkbar war. Wir haben früher immer gerne „Du und Dein Garten“ geschaut, auch an „Berufe im Bild“ und die „Umschau“ erinneren sich meine Gattin und ich immer wieder gerne.

Offenbar führt die Freiheit der Presse heute zu zügellosen Zuständen, die letztendlich in Esoterik im TV enden. Wird Freiheit derart verstandeslos angewendet, so muss man doch als gesellschaftliches Kollektiv eingreifen. Eine gewisse Kontrolle und Zensur bezüglich Inhalten, ideologischer Ausrichtung und Gästeauswahl scheint wieder zwingend nötig, denn Freiheit kann schließlich nicht bedeuten, daß öffentlich Unsinn verbreitet wird.

Mit freundlichem Gruß!
Horst Lauer

21 07 2012
Auf dem Redefluss schwimmt die Esoterik oben @ gwup | die skeptiker

[…] vermittelt hat. Ist aber wohl leider nicht der Fall, wie Kollege Michael Kunkel vom Wahrsagerchecks-Blog in Erfahrung gebracht […]

25 07 2012
Felix Blankenstein

Armer Fernesehzuschauer und hiesiger Kommentator Horst Lauer – oder hat sich die Redaktion diese Zuschrift mit dem Wunsch nach der Rückkehr der Fernsehzensur womöglich selbst ausgedacht? Falls nicht – bleiben Sie beim MDR, der wiederholt bestimmt auch die Umschau und Willi Schwabes Rumpelkammer und den Schwarzen Kanal und noch mehr. Auch damals hat man versucht, die Leute brav zu halten, heute verdient man daran wenigstens ordentlich Geld.
Für mich ist nicht skandalös, das die ARD jedem Spinner die Möglichkeit gibt, seinen Blödsinn unter dem dümmlichen Nicken einer „investigativen“ Journalistin zu erzählen, das ist man gewohnt. Ich staune aber, daß man Herrn Flieges mehrfach geäußertes Ansinnen, man dürfe Zahlungen an Astrologen nicht verteufeln, wenn man gleichzeit Geld für das deutsche Gesundheitssystem ausgebe, nicht zurückwies! Saß da eine geistig überforderte Moderatorin, für welche die hiesige Medizin auf eine Stufe mit Scharlatanerie gehört oder ein Flaggschiff der ARD?
Die ARD sollte dringend eine Richtigstellung herausgeben oder sich von Frau Maischbergers Unterlassung deutlich distanzieren. Oder gleich von Frau Maischberger. Nicht vergessen: Es sind unsere Gebühren!
Und Herrn Fliege viel Spaß, wenn er sich demnächst besser von der „besten Astrologin Deutschlands“ behandeln läßt!! Aber ob die auch für diese Art von Geistesschwäche etwas parat hat?

25 07 2012
Horst Lauer - Der Skeptiker

Verehrter Herr Blankenstein,

früher, als wir gesellschaftlich noch besser organisiert waren, war das Fernsehen in der Tat besser, lehrreicher und rationaler. Wie so viele andere gute Errungenschaften unserer der Rationalität verbundenen Deutschen Demokratischen Republik, wurde auch unser allseits beliebter Rundfunk nach der so genannten „Wende“ gnadenlos abgewickelt. Dabei wäre dieser Kokolores der Frau Maischberger damals absolut undenkbar gewesen. Sie werden erschüttert sein, daß ich Ihnen leider sagen muß, daß das Programm des MDR mitnichten die Güte und intellektuelle Tiefe der früheren Zeiten des Fernsehens der DDR hat.

Stoßen Sie sich doch bitte nicht am Terminus der Zensur, verehrter Herr Blankenstein. Sie fordern nichts anderes als ich, indem Sie äußern, daß vom Rundfunk kein Kokolores der Öffentlichkeit vorgesetzt wird. Zensur bedeutet nichts anderes, als daß man dafür Sorge trägt, daß dem Kollektiv nicht die geistigen Verwirrungen Einzelner zugemutet werden. Diese kann durch das Redaktionskollektiv erfolgen oder durch den Gesprächsleiter.

Was die Behandlung derart Verwirrter angeht, die Sie angesprochen haben, erinnere ich mich positiv an die Behandlungserfolge meines Schwippschwagers Wolfhardt, der nach Lektüre von Westliteratur religiöse Verwirrungen entwickelt hatte. Wir waren sehr froh, mit Unterstützung der Betriebsgewerkschaftsleitung veranlassen zu können, daß er sich in Behandlung begibt. Besonders eine Elektrokrampftherapie zeitigte lobenswerte Erfolge.

Verehrter Herr Blankenberg, es stimmt mich nun froh, daß junge Menschen wie Sie unser gutes, skeptisches Denken in die Zukunft führen. Allein, scheuen Sie sich nicht, klar zu sprechen. An Zensur ist nichts falsch, Sie sind ein tüchtiger junger Mann, eines guten Geistes Kind, und Sie bedürfen sich nicht hinter kapitalistischen Argumenten wie jener der monatlichen Rundfunkempfangsgebühren zu verstecken.

Mit freundlichen Grüßen
Horst Lauer

27 07 2012
Frank Seher

is schon übel wenn man über esoterik fachsimpelt ( von simpel , bzw dahin dümpeln ) ohne diese Personen wie oben geannnt im Bericht zu kennen .

Armutszeugnis

Sorry ….. Dr Null ahnung streitet sich mit Super Schlaumeier ohne Esoterik zu lesen

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