Aus für die Spaßdoktortitel

13 09 2012
Ach wie Schade! Jetzt habe ich doch glatt vergessen mir einen dieser lustigen und billigen Doktortitel zu kaufen, die vor ein paar Monaten zu einem leichten Rauschen in der Medienwelt geführt hatten. Das Verwaltungsgericht Berlin hat  unter dem Aktenzeichen VG 3 L 216.12 das Tragen solcher Doktortitel untersagt. Auf der Webseite der verkaufenden Firma ist der Hinweis zum Tragen des Titels inzwischen gelöscht.
Ich hatte damals die Begründung für das erlaubte Tragen eines solchen Titels von der Webseite des Anbieters sinngemäß zitiert. Es schien so, dass selbst ernannten Kirchen – wie dieses MDLC Institute – alle möglichen unsinnigen Titel vergeben dürfen, und dass diese Titel auch in Deutschland getragen werden dürfen – wenn eine Verwechslung mit echten akademischen Titeln ausgeschlossen ist. Ich hatte damals durchaus Zweifel und merkte an:
das finde ich das wirklich Beste an dieser ganzen Sache. Offensichtlich haben diese kaufbaren Doktortitel auch deswegen so tolle Namen, damit sie nicht mit echten Doktortiteln verwechselt werden können. Das “Fachgebiet” muss wohl ausreichend unwissenschaftlich sein, damit es für die “Allgemeinheit” als reiner Kauftitel erkennbar werden kann (wenn sich die Leute da mal nicht täuschen)

Während Titel in „ufology“, „divinity“ oder „immortality“ wohl sofort als Unsinn zu entlarven sind, fand das Verwaltungsgericht ein Beispiel, dass für Verwechselungen geradezu prädestiniert scheint:

So könne etwa die Bezeichnung „Psychic Sciences“ von einem flüchtigen Betrachter leicht mit „Psychologie“ verwechselt werden. Andere „Fachbereiche“ besäßen zwar bei Übersetzung in die deutsche Sprache offensichtlich keine Ähnlichkeit zu allgemein anerkannten wissenschaftlichen Fachbereichen; die Beurteilung setze aber differenzierte Englischkenntnisse voraus, über die der durchschnittliche Betrachter nicht verfüge. Bei bloß oberflächlicher Betrachtung sei daher gerade nicht ohne weiteres erkennbar, dass es sich bei den Titeln um „Phantasiegebilde“ bzw. „Scherzartikel“ handele.

Der Hinweis auf die differenzierten Englischkenntnisse ist dabei vollkommen richtig. Dass „Psychic“ im Deutschen mit „Medium“, „Hellseher“ oder ganz allgemein mit „Mensch mit übernatürlichen Fähigkeiten“ zu übersetzen ist, geht wahrscheinlich über die normalen Schulenglischkenntnisse hinaus. Und selbst wer sich den richtigen Wortsinn – vielleicht durch die Krimiserie „Psych“ – erschließen kann, der müsste noch wissen, dass „übernatürliche Wissenschaften“ ein Paradoxon an sich darstellen. Bei meiner Anmerkung hatte ich eher daran gedacht, dass bei den Fakedoktoren in Homöopathie und Astrologie die Gefahr einer Verwechslung mit einem echten Titel meines Erachtens schon dadurch gegeben war, dass – laut einer Umfrage der EU-Komission in 2005 – 30% der Europäer die Homöopathie und 41% die Astrologie für wissenschaftlich halten. Bei „alternative therapy“ und „alternative health“ hätte ich auch darauf gewettet, dass sich leicht Menschen finden lassen, die einen solchen Titel wirklich ernst nehmen und vor dem Träger vor Ehrfurcht erstarren.

Die Urkunde bleibt den Käufern natürlich erhalten und man kann sie auch weiter nutzen – allerdings eben nur noch als Wandschmuck. Dafür dürfte der Preis (39 Euro mit Groupon-Gutschein, soweit ich mich erinnere; ungefähr 120 Euro ohne) allerdings dann doch etwas hoch gewesen sein. Ich hätte ja nichts dagegen, wenn die Käufer ihre Titel weiter auf ihre Visitenkarte drucken dürfen – dabei sollte allerdings zwingend Kaufdatum und Kaufpreis angegeben werden müssen, etwa so:

Dr. h.c. of <whatever> MDLC Institiute (USA) – gekauft am 16. August 2012 für 39 Euro –

So wäre eine Verwechslungsgefahr mit echten Titeln wohl kaum gegeben, aber wer würde einen solchen Titel auf seine Visitenkarte drucken wollen?

PS: Bei Trägern echter akademischer Titel könnte man eine ähnliche Pflichtangabe ja auch vorsehen: Statt möglicher Aberkennung des Titels wegen zu vieler Plagiate könnte man den Träger verpflichten, seinen Titel in Zukunft  um den Zusatz „plag.“ für „erkanntes Plagiat“ zu ergänzen.


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26 09 2012
Horst Lauer - Der Skeptiker

Verehrter Michael Kunkel,

gestern ist mir gar plötzlich ein Schreck in die Glieder gefahren, als ich während unserer nachmittäglichen Kaffeerunde im Radio den Werberundfundfunk einer Astrologin gehört habe. Potzblitz aber auch, was dort gemeldet wurde!

Wie kann das angehen? Da wurde behauptet, die Dame habe alles bisher Dagewesene aus den Sternen prognostiziert und könne mir Ratschläge für Investitionen geben.

Sofort habe ich unseren Älteren angerufen, damit er herausfände, wer diese Damen denn sei, die derart Gewaltiges behauptet, daß dies im Rundfunk verkündet wird. Mein Sohn hat nun recherchiert und diese Weltnetzseite herausgefunden: http://www.astro-vm.de/

Verehrter Herr Kunkel, vielleicht wollen Sie dort einmal hinschauen und diese Dame prüfen? Sicher ist sie eine Kandidatin für diesen wunderbaren Internetpranger. Sie scheint recht berühmt zu, so verstehe ich das. Was ich nicht verstehe, ist ihr Verhältnis zum katholischen Papst, den sie gemäß den Angaben auf ihrer Weltnetzseite auch in den Planeten sieht. Ich habe wirklich gar keine Vorstellung darüber, wie dies funktionieren soll?

Es kann doch nicht angehen, daß sich die Esoterizisten bereits im Rundfunk breit machen. Naive Zeitgenossen, dergestalt wie etwa unsere Schwiegertochter laufen doch Gefahr, ihr Gespartes zu diesen Leuten zu tragen!

Gruß! Auch von meiner Frau, die sich ebenfalls empört hat.

Horst Lauer

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