Labertaschenparade 2013: Ganz viel Nichtssagendes aus ganz Deutschland

31 12 2012

In verschiedenen Zeitungen ist es seit Jahren üblich, zum Jahresende zur lokalen (vermeintlichen) „Wahrsagergröße“ (ein Widerspruch in sich) zu gehen und nach dem neuen Jahr zu fragen. Hier eine kleine Auswahl aus den verschiedensten Zeitungen.

Beginnen wir im hohen Norden, bei den Lübecker Nachrichten. Dort darf eine alte Bekannte die Zukunft auspendeln: Martina Kaczmarek! Sie sagt einen trockenen Sommer voraus, und der bringe „nicht nur einige kleinere Brände, sondern auch Ungeziefer.“ Und sonst? Es soll für die Bienen und die Obstbauern ein gutes Jahr werden, Anfang des Jahres droht Dauerfrost (Wow, wie überrachend!) und ansonsten wird die CDU die Kommunalwahlen gewinnen, aber auch die Piraten würden den Kreistag entern. Beim Blick auf ganz Deutschland bleibt Frau Kaczmarek auch vage:

„Die Kriege im Nahen Osten werden bleiben“, sagt Martina Kaczmarek. Die Welt werde nicht klüger. Anderswo schmelzen die Eisberge und werfen große Klumpen ab.

Und auch zur Bundestagswahl äußert sie sich noch:

Bei der Bundestagswahl verlieren die Großen weitere Anteile. „Ich sehe jemanden dazukommen, aber niemanden herausgehen.“

Dazu wird dann noch ausgiebig ihr vermeintlicher Treffer bei der Suche nach einem vermissten Bergsteiger erzählt – allerdings in der Heldenversion der Frau K.. Allzu viel hat sie ja nicht erpendelt …

Der Westen und die Welt bedienen sich einer dapd-Meldung, die die Prognosen eines „Orakel von Delitzsch“ mit Teilen meiner aktuellen Prognoserückschau mixt. Autorin der Prognosen ist Birgit Vildebrand – eine Kartenlegerin. Sensationelles hat sie allerdings auch nicht zu bieten:

„Steinbrück wird Vize-Kanzler“, sagt die 52-Jährige plötzlich. „Ich hab’s in den Karten gesehen.“

Aha, es soll also eine große Koalition geben … … und dazu noch zwei absolut unprüfbare Sätze:

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kümmere sich lieber um sein Privatleben als um die Euro-Krise. Und der gebürtige Görlitzer Ex-Kicker Michael Ballack leide angeblich an Selbstzweifeln, da er sein Karriereende nur schwer verkrafte.

Also auch hier wieder wunderbares Blabla …

Beim Berliner Tagesspiegel dürfen gleich drei selbst ernannte Zukunftskenner ans Werk. Malkiel Rouven Dietrich ist einer von ihnen, noch so ein alter Bekannter. Und was weiß er über Berlin:

„Große Vielfältigkeit, aber auch ein Skandal-Horoskop – Berlin ist herb und hat wenig Stil.“

Äh, naja – und was bedeutet das jetzt? Nun aber mal ein wenig mehr Details:

BER könne man vergessen, sagt Dietrich, er sehe eine Fertigstellung in der zweiten Jahreshälfte 2014. Der Spatenstich zum Bau, es war der 5. September 2006, sei „astrologisch ein Fass ohne Boden“ gewesen. Ein „Fluchhafen“ wird da gebaut. Auch die Planeten des Regierenden Bürgermeisters hat Dietrich mit seinem Rechner im Blick: „Ab Juli 2013 lastet eine gravierende Jupiterspannung auf seiner Sonne“. Soll heißen: Wowereit müsse mit Unbeliebtheit kämpfen und den BER durchboxen. Er bleibe aber im Amt.

Sensationell! Jetzt, wo der Termin zur Eröffnung des neuen Flughafens seit Monaten gefährdet scheint sieht auch Dietrich dort Probleme. Aber immerhin: Mit der zweiten Jahreshälfte 2014 wagt er sogar so etwas wie ein Prognose.

Seine Kollegin Nanny Tober widerspricht ihm ein wenig bei astrologischen Feinheiten, und bezeichnet irrwitzigerweise den Flughafen für 2014 (!!!) als „Unglückskind“. Und was bedeutet das jetzt?

Etwas konkreter ist da Kerstin Rossbander. Sie geht davon aus, dass der Flughafen im nächsten Jahr eröffnet wird:

„Rund um den Flughafen wird es 2013 noch viel Ärger geben – aber er wird im Herbst eröffnet. Ich spüre, dass Köpfe rollen werden.“

Beim Wetter ist sie weniger optimistisch:

„Der Januar wird sehr kalt, danach suppt es aus, dunkel und nass. Auch wenn die Techniker bei der S-Bahn mit großen Vorhaben herangehen, werden sie es nicht schaffen, Ausfälle zu verhindern.“

Bleiben die Voraussagen zur Hertha und ihren Chancen auf den Wiederaufstieg in die Bundesliga:

Was den Aufstieg der Hertha in die erste Liga angeht, so sind die Seher uneinig. Keinen Aufstieg sieht Rossbander. Die Spieler seien zu eitel – „ihr Zusammenhalt wirkt auf mich hoppelig, beinahe verkrampft“. Astrologe Dietrich hingegen sieht einen Erfolg vorher: „Die Hertha schafft’s! Und bleibt auf Erfolgskurs.“ Allein Tober möchte sich nicht ganz festlegen: „Ich sehe, dass sie knapp den Aufstieg schaffen. Es ist etwas dunkel, aber am Ende könnte ein Tor entscheiden.“

Genau! Ein Tor wird entscheiden – es geht ja auch schließlich um Fußball …

Das Mindener Tagblatt bietet mit der Kartenlegerin Silvie Kollin eine bekannte Kartenlegerin auf, die im Sommer mit Frau Maischberger plaudern durfte. Eigentlich ärgert mich dieses Interview – hatten die Leute vom Mindener Tagblatt doch zur EM den ganzen Orakeltierwahn mit ihrem „Blechnager“ wunderbar karikiert. Aber Frau Kollin sagt sowieso nichts – aber auch wirklich gar nichts. Sie traut dem SPD-Kandidaten den Wahlsieg in NIedersachsen zu … … und prophezeit für Doris Schröder-Köpf: „Das wird ihr Jahr.

In der Augsburger Allgemeinen durfte – wieder einmal – Ramona Kreis etwas zum folgenden Jahr sagen. Das Geschlecht des Kindes von William und Kate sagt sie natürlich nicht voraus – ihre Ausrede, dass dies Unglück bringen würde, ist allerdings überraschend. Weiter haben ihr die Sterne geflüstert, dass

  • Prinz Harry sich noch nicht für eine Frau entscheiden kann
  • das ZDF „Wetten dass“ nicht absetzen wird
  • Markus Lanz weiter „Wetten dass“ moderiert
  • der FC Augsburg nicht Meister wird (!!!!!!!!!)
  • Angela Merkel in jedem Fall Kanzlerin bleiben wird
  • die CSU die Bayernwahl gewinnt, aber nicht die absolute Mehrheit erreicht.

Den Fans des FC Bayern München empfiehlt sie übrigens Beten:

Ich habe die Bärenkarte gezogen. Das ist eine kraftvolle Karte, die zeigt, dass es die Bayern durch ihr Können und ihren Ehrgeiz schaffen können. Leider habe ich keine Glückskarte gezogen. Und genau das – Glück – wird entscheidend sein. Die Fans des FC Bayern müssen zur Göttin Fortuna beten.

Immerhin – Frau Kreis ist von den hier zitierten die Mutigste …

Aktuelles Fazit für 2013: Neben den sieben weitgehenden Prognoseverweigerern hier waren es bisher acht + fünf + eins + eins, also insgesamt 22 Astrologen, Pendler, Hellseher … … aber es kommen garantiert noch ein paar mehr.





Die Orakelqueen aus Neuruppin

27 12 2012

… so heißt dieses schöne Lied von der wunderbaren Frau Scholz alias annamateur (… und als Zugabe gibts einen Tom Waits Klassiker):

 





Nikki did it again

27 12 2012

Ich hatte ja schon hier am Ende gefragt, ob Nikki Pezaro, das kanadische Medium, das ihre Prognosen gerne aus Hollywoodbüchern klaut, schon etwas vorausgesagt hat – inzwischen hat sie sich wieder ins Zeug gelegt und ihre übliche, lange Prognoseliste weitgehend aus den Vorjahren kopiert veröffentlicht. Allerdings sind ihre Prognosen für 2013 ziemlich enttäuschend. Solche Knaller wie aus den Vorjahren bekannt fehlen heuer weitgehend:

  • A live Dinosaur from ancient times (thousands of years old) will be captured (2004, World Predictions Nr. 10)
  • A species like Bigfoot half human half animal will be capture alive in Washington State. (2004, World Predictions Nr. 21)
  • A UFO will land near the Potomac River in Washington, DC. (2007)
  • A new King Kong will emerge in the jungles of Costa Rica. (2007)
  • Loch Ness monster will be captured. (2009, World Predictions Nr. 13)
  • Giant bats will attack a city in South America. (2010, World Predictions Nr. 14)

In diesem Jahr scheint sie sich weniger mit Hollywood beschäftigt zu haben, denn nur Prognose 16 aus den World Predictions scheint mir neu und deutet eindeutig auf einen Film („Der kleine Horrorladen„) hin:

  • Man-eating plants.

Ansonsten gibt es das Übliche: Neben Kopien aus den Vorjahren der übliche Terror und alle Arten von Naturkatastrophen. Beim Terror nennt sie ein paar Städte und Länder, darunter sogar den Frankfurter Flughafen (in Klammern die Prognosenummer aus den „World Predictions):

  • chemical attack on the United States (4),
  • Nuclear attack on New York. (10)
  • Terrorist attack at the Empire State Building. (11)
  • Terrorist attacks in Washington, New York, California, Chicago, Toronto and India. (33)
  • A terrorist attack at Frankfurt Airport. (85)
  • A terrorist attack in Toronto. (109)
  • Terrorist attack in London, England. (115)

Dazu gibt es jede Menge Überschwemmungen, eine Prise Waldbrände und dazwischen immer wieder völlig Sinnloses:

  • Contaminated bodies of water in major cities. (13)
  • A person falling into a large aquarium being killed by fish.(56)
  • A famous person will get eaten by a grizzly. (62)
  • Live turtles in a plane. (66)

Ein paar Kriege gefällig? Bitteschön:

  • Civil War will break out in the USA. (23)
  • Northern Ireland, Belfast and Dublin at war again. (24)
  • Iran and Israel at war attacking each other. (31)
  • North and South Korea attacking each other. (32)
  • Indi and Pakistan at war. (111)

Etwas gewagt ist natürlich diese Prognose …

  • Cuba and Puerto Rico becoming part of the USA. (19)

… zumindest soweit es Kuba betrifft. Fehlen nur noch die Erdbeben, Erdbeben mit Tsunami und noch mehr Erdbeben. Das fängt schon bei ihren „World Predictions“ an …

  • A huge earthquake in the Caribbean. (15)
  • Seattle, Washington in ruins after a large earthquake. (17)
  • A 9.1 earthquake hits Moscow, Russia. (27)
  • A huge earthquake in St. Louis, Missouri, Chicago and Tennessee. (37)
  • A huge earthquake and volcanic eruption in Hawaii. (38)
  • A gigantic earthquake in California. (39)
  • Another catastrophic earthquake in Japan. (43)
  • Giant earthquake in Grand Canyon and Yellowstone Park. (44)
  • Earthquake affecting the Great Lakes. (46)
  • Earthquake in Egypt, destroying part of the pyramids. (50)
  • An Algerian earthquake. (71)
  • Major earthquakes Washington, Oregon, British Columbia and Alaska. (93)

… und findet in den „Wild Weather Predictions“ seine Fortsetzung. Von 24 Voraussagen dort beschäftigen sich 17 eben nicht mit dem Wetter sondern mit Erdbeben und Tsunamis:

  • Earthquake in New Zealand, Australia. (1)
  • Earthquake in the British Isles. (3)
  • Earthquake in New York City and Memphis, Tennessee. (5)
  • A gigantic earthquake in California. (7)
  • An earthquake of great magnitude wiping out Mexico City. (8)
  • An earthquake in Utah. (9)
  • Large earthquake and tornadoes in Quebec, the Niagara region, and in Ontario. (10)
  • Earthquake in Lake Tahoe, San Francisco, San Diego, and Los Angeles. (11)
  • Earthquake in Seattle, Washington. (14)
  • Earthquake in Oregon. (15)
  • Tsunami in Malibu. (17)
  • Russian earthquake. (19)
  • Giant earthquake in Japan along with another tsunami. (20)
  • Tsunami in Alaska, Russia, and Hawaii. (21)
  • Another earthquake effecting New York City, Washington, Maryland, and Virginia. (22)
  • Earthquake in Iran. (23)
  • Earthquake in Los Vegas and Grand Canyon. (24)

Tja, Frau Pezaro hat auch bei ihren Prognosen für 2013 die ganz schwarze Brille aufgesetzt. Und ich sage voraus, dass sie sich auch 2013 nicht trauen wird, die bereits 2011 von der James Randi Foundation ausgesprochene Einladung zum Test ihrer Fähigkeiten anzunehmen …





Börsenkatastrophe 2013? Ein Astrologe will es schon wissen!

26 12 2012

In der schweizer Zeitung Blick (der Focus hat die Meldung übernommen) durfte kurz vor Weihnachten ein Astrologe einen Blick auf das nächste Börsenjahr werfen – und was sagt er voraus:

„Für 2013 sehe ich schwarz.“

Uiuiuiui – das ist ja ganz etwas Besonderes. Ein Astrologe sieht schwarz! Das hatte er übrigens schon häufiger gemacht, denn

Der 38-Jährige erwartete für 2008 und 2010 eine grosse Depression wie 1931 in seiner Heimat Österreich. Und bekam recht.

Tatsächlich? Gab es wirklich 2008 und 2010 eine große Depression in Österreich? Schauen wir ‚mal ins Anleger-Lexikon und suchen den Begriff „Depression“:

Ein nachhaltig konjunktureller Niedergang der Wirtschaft wird als Depression bezeichnet. Ein solcher Niedergang äußert sich in einem erheblichen Rückgang des Sozialprodukts, hoher Arbeitslosigkeit und Deflation. Die letzte Depression fand in den 30er Jahren statt.

Schauen wir doch einfach ‚mal die Daten an:

  • Das Bruttosozialprodukt stieg in Österreich in 2008, fiel in 2009 und stieg in 2010 erneut.
  • Die Arbeitslosenquote lag in Österreich 2008 bei 5,9%, stieg 2009 auf 7,2% und fiel 2010 auf 6,9%.
  • Und eine Deflation gab es auch nicht – wenn man sich den Verbraucherpreisindex (diesen oder diesen) anschaut, dann sank dieser zwischendurch in einzelnen Monaten (2008, 2009, 2010 und 2011) gegenüber dem Vorjahr, stieg aber im Jahresdurchschnitt immer an.

OK, warum bei einer Zeitung solche Daten nicht sofort überprüft werden, und stattdessen lieber den Selbstbeweihräucherungen des Astrologen geglaubt wird, das verstehe ich wirklich nicht.

Immerhin kennt der Herr Astrologe die Schuldigen an der Krise, es sind Saturn und Neptun:

Zu mehreren Dutzend Indikatoren, denen er folgt, gehört die Himmelsstellung von Saturn und Neptun. Die sogenannte Trigon-Konstellation der Planeten deute das Platzen einer Finanzblase an. Sie trete im kommenden Juni/ Juli auf.

… und die waren auch am Platzen der Immobilienblase 2007 schuld …

Letztmals lagen die beiden Planeten im Februar und Juni 2007 in jenem Winkel. Prompt platzte die Immobilienblase. Die Aktienmärkte erreichten ihr Allzeithoch. Zimmel empfiehlt Investoren in der jetzigen Phase, am besten alles zu meiden: Staatsanleihen sowieso, aber auch Gold und den Schweizer Franken.

Ach ja, und was erwartet der Sterndeuter konkret:

Die anstehende wirtschaftliche Depression werde grösser sein als in den 1930er-Jahren, weil die heutige Verschuldung höher sei als damals.  Trotz düsterer Aussichten ist Zimmel überzeugt, dass geschickte Anleger gut verdienen können.

Größer als in den 30er Jahren? Glaubt der Mann tatsächlich dass zum Beispiel die Industrieproduktion in den USA um knapp die Hälfte und in Deutschland um 40% fallen wird, wie zum Höhepunkt der damaligen Krise?





Die acht Astrologen von der Astrowoche (Labertaschen reloaded)

22 12 2012

Schon für die Prognosen für 2012 hatte ich einen ausführlichen Artikel aus der Astrowoche berücksichtigt, und wie nicht anders zu erwarten liefert diese Postille auch für 2013 Material für meine Sammlung. Der FrageWie wird das neue Jahr?“ stellten sich

  • Erich Bauer:  nicht nur Astrologe sondern auch Diplompsychologe – da muss an irgendeiner Uni damals etwas schief gelaufen sein …
  • Kurt Allgeier: wird als „Nostradamus-Experte“ angekündigt – ich kannte ihn bisher nur als Katastrophenastrologe
  • Christine Schoppa: soll als Astrologin den Schwerpunkt „Gesundheit“ haben – meines Erachtens eine fast schon gemeingefährliche Kombination
  • Michael Allgeier: leitet das Astrokolleg seines Vaters und von Winfried Noe – ist ansonsten in der Vergangenheit weitgehend durch schwammiges Blabla aufgefallen
  • Ruth Siegenthaler: hat einen Schwerpunkt namens „visuelle Astrologie“ – was immer das sein mag
  • Christopher Weidner: „nur“ exam. Astrologe – sonst nichts
  • Antonia Langsdorf: TV-Astrologin – und ehemalige Dschungelcampbewohnerin
  • Gebriele Sperzel: Astrologin und Autorin – Aha, wird bestimmt ein Astrologiebuch geschrieben haben …

Und warum?

Die Astrowoche hat sie zusammengerufen, um eine Prognose gebeten: Was 2013 aus unserer Welt, aus unserem Geld, aus unseren alten Menschen, aus uns selbst wird. Droht ein Krieg, ist unsere Erde in Gefahr? Unser Astrogipfel gibt Prognosen für 2013 ab.

Mal sehen was da so alles kommt. Prognosen? Echt? Bei dem Labertaschensamelsurium würden mich echte Prognosen wirklich überraschen. Fangen wir mit der ersten von sechs vermeintlichen Prognoseseiten an. Um was es geht zeigt schon die Zusammenfassung:

Der große Umbruch, einschneidender Wandel der Machtpositionen, sogar Aufstand und Rebellion – unsere Welt und besonders Europa wird sich 2013 entscheidend verändern. Darüber ist sich die Mehrheit der acht Astrologen einig.

Aha, entscheidend verändern. Und wie? Erich Bauer liefert da keine Prognose sondern bestenfalls fromme Wünsche. Kurt Allgeier hat sogar die ganz rosarote Brille auf …

„2013 ist nicht zuletzt deshalb so günstig, weil sich der Glücksplanet Jupiter in der ersten Jahreshälfte in den Zwillingen aufhält und in der zweiten im Krebs. Es werden damit so gut wie alle Sternzeichen ihre Glücksphase bekommen. Die ersten vier Monate werden recht gut werden und keine größeren Probleme aufwerfen. Juli und August werden wohl die besten Monate in diesem Jahr werden.“

… und sagt gar nichts. Christine Schoppa labert allgemein von technischem Fortschritt und fordert eine Zuwendung zum Spirituellen. Dagegen wird Michael Allgeier schon etwas konkreter:

„Das demokratische Griechenland ist aus Sicht der Sterne sogar erst am Anfang einer furchtbaren Krise. 2013, 2014, 2015 steht Pluto in Spannung zum Krebs-Aszendent und zum Saturn von Griechenland, die zusätzlich von Uranus befeuert werden. Das bedeutet: absoluter Staatsbankrott. Nichts geht mehr. Die Bündnispartner sind innerlich schon längst abgefallen. Die einzige Chance Griechenlands ist der radikale Neuanfang.“

Na ja, aber eine Prognose für 2013, die vielleicht erst 2014 oder 2015 eintritt ist auch nicht so toll. Ruth Siegenthaler weiß gar nichts:

„Es werden Veränderungen stattfinden, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Wir müssen mit einer Verschlimmerung der Zustände rechnen, bevor sich die Dinge zum Besseren wenden können.“

Ah ja, und was bedeutet das jetzt genau? Blablabla – sonst nichts! Und auch Christopher Weidner faselt nur Schwammiges während Antonia Langsdorf ein Auseinanderbrechen der Eurozone befürchtet, allerdings nur bis 2014, wenns bis dann nicht passiert dann eben nicht. Und Gabriele Sperzel spielt die Aufstandskarte:

„Die astrologische Konstellation von Uranus im Quadrat zu Pluto konfrontiert uns auch im Jahr 2013 (und weit darüber hinaus) mit mächtigen Energien von Umsturz und Veränderung. Die Richtung für Deutschland und Europa geht schon klar erkennbar zu notwendigen Umstrukturierungen in eine sozialere Wirtschaftsordnung. Der Unmut der Bevölkerung wird sich immer häufiger in Demonstrationen (leider auch gewalttätigen) Luft machen.

Beim Thema Geld auf der zweiten Prognosenseite finden sich nichts außer Blabllabla, so dass man diese Seite getrost ignorieren kann. Auch auf der dritten Prognoseseite zum Thema Renten gibt es nur allgemeines Geblubber. Auf der nächsten Prognoseseite geht es dann aber richtig rund, denn es geht um Katastrophen. Schon die Zusammenfassung würde frösteln lassen, wenn solche allgemeine Katastrophenprognosen nicht der Normalfall bei den astrologischen Propheten wäre: „Die Astrologen vom Astrogipfel sehen große Umweltkatastrophen auf uns zukommen: Erdbeben, Überschwemmungen, Tsunamis.“ Wird’s wenigstens ein wenig konkreter? Nicht bei Christopher Weidner, der Prognosen solcher Art sowieso als gewagt empfindet und sich klugerweise völlig zurückhält. Auch Ruth Siegenthaler sagt eigentlich nichts, außer dass mit mehr Naturkatastrophen zu rechnen ist. Aber mit welchen? Und wann und wo? Vielleicht gibts Näheres bei Michael Allgeier? Nein, gibts nicht:

„Insgesamt bleibt die Gefahr von Erdbeben, Tsunamis, Erdrutschen, Wirbelstürmen groß. Diese Umweltkatastrophen werden das gesamte Wassermann-Zeitalter und insbesondere diese Jahre, in denen Uranus, der Herr der neuen Ära, angegriffen ist, begleiten. 2013 scheint mir jedoch Saturn im Skorpion noch bedrohlicher. Er legt die Finger in die Wunden unserer Zeit und hat als Krisenplanet seit jeher einen sehr zweifelhaften Ruf. Einstmals tauchte er im Zusammenhang mit der Pest auf und auch heute kann er der Vorbote von Epidemien und Seuchen sein. Gesund leben ist also ein Muss 2013.

Und sein Vater wird auch nicht konkreter:

Wir werden sie ganz allgemein im Mai und Juni, im Oktober und November wieder zu spüren bekommen und müssen deshalb auch in diesem Jahr auf heftige Naturkatastrophen gefasst sein.

Da will auch Christine Schoppa nichts Konkretes liefern …

„Terroranschläge, Katastrophen, schlimme Unwetter und Epidemien – immer wieder ereilten uns in der Vergangenheit solche Hiobsbotschaften. Und es wird leider weiter so bleiben, die Erde beruhigt sich nicht, mit Uranus und Pluto muss nach wie vor mit großen Wetter- und Umweltkatastrophen (Stürmen, Überschwemmungen, Tsunamis) gerechnet werden.

… und garniert das mit diffusen Ängsten, unter anderem vor Energiesparlampen:

Aber am schlimmsten sehe ich die Gefahr von den schleichenden Giften in unserem Umfeld. Wie zum Beispiel die neuen Energielampen, die man im Sondermüll entsorgen muss, da sie Quecksilber enthalten. Bricht so eine Lampe, muss man mit schweren gesundheitlichen Schäden rechnen. Viele wissen gar nicht von der Gefahr. Und so ist es mit vielen Produkten, die in Umlauf geraten.

Antonia Langsdorf beherrscht das große Blablaba auch:

„Die größte Problematik sehe ich im Bereich von Trinkwasser, Chemikalien und schleichenden Vergiftungen. Ich befürchte selbst gemachte Katastrophen durch Pestizide und Medikamentenrückstände, die ins Trinkwasser gelangen, oder eine neue Ölpest durch ein Schiffsunglück.“

Und Erich Bauer? Hat der wenigstens eine Prognose? Nein:

Die Erderwärmung zeitigt immer schlimmere Folgen, wie uns zuletzt der Hurrikan Sandy überdeutlich vor Augen geführt hat. Und an verschiedenen Orten der Erde drohen kriegerische Auseinandersetzungen wie zwischen Israel und Iran, China und Japan, Indien und Pakistan, ganz zu schweigen davon, dass es anscheinend unmöglich ist, den Terrorismus aus der Welt zu verbannen.

Auf der nächsten Seite wird es optimistisch – aber inhaltlich bleibt das Ganze dünner als dünn. Auf der letzten Seite geht es dann um Kriege, und da verknotet sich die Logik in Antonia Langsdorfs Hirn schon sehr speziell:

Es wird also weniger Kriege eher soziale Unruhen zwischen politischen Gruppen geben. Das kann durchaus Kriege auslösen.

Ja was denn nun? Mehr oder weniger Kriege? Ansonsten wird auf die bekannten Krisenherde hingewiesen, und das wars.

Insgesamt sind das sieben Seiten (die Einführung und sechs Prognoseseiten), auf denen man irgendetwas Konkretes schlicht und einfach nicht finden kann. Inhaltsleeres Gelaber, allgemeine Vermutungen für die man durch die Lektüre der täglichen lokalen Tageszeitung schon überqualifiziert scheint – bisweilen garniert mit astrologischem Quatsch. Und das soll die eingangs gestellte Frage nach 2013 beantworten? Wie stand es auf der ersten Seite dieses Labertextes:

Verblüffend, aber auch beunruhigend, wie wenig Gegensätze zwischen den einzelnen Prognosen für 2013 auftauchten. Wir können uns also unsere Lieblingsantwort, die uns beschwichtigt, kaum aussuchen. Wir müssen uns damit abfinden: Es wird so kommen. Und Ende.

Klar, wenn keine Prognosen zu finden sind, gibt es auch keine Gegensätze – und wir müssen uns damit abfinden, dass es eh so kommt wie es kommt … … und damit, dass diese acht Astrologen offensichtlich Nichts, aber auch wirklich gar Nichts, über die Zukunft aus den Sternen lesen können.

Mit den fünfen aus dem ersten 2013-Post sind es jetzt 13 Wahrsager/Astrologen/Hellseher für die nächste Rückschau.





Meine App hat den Weltuntergang verschoben!

21 12 2012

Tja, der Weltuntergang – jetzt ist er also wieder einmal nicht in vollem Gange, auch wenn einige Witzbolde mit Photoshop Bilder wie dieses zusammenbasteln:

(gefunden bei StreetArt Germany)

Noch obskurer war das Verhalten meiner Weltuntergangsapp auf meinem Smartphone. Installiert hatte ich diese Gag-App schon vor langer Zeit …

app

… und sie zählte auch brav die Zeit bis zum 21.12.2012, 00:00 Uhr herunter. Um Mitternacht gab es dann ein kleines Katastrophenfilmchen – und ich war natürlich gespannt, was die App anzeigen würde, nachdem der Countdown auf Null war. Und ich bin wirklich überrascht, denn so sah die App heute (21.12.2012) um 15:18:42 aus:

21122012008

Sie zählt also erneut einen Weltuntergangscountdown – dieses Mal bis zum 5. November 2013. Woher dieses Datum kommt? Egal, wahrscheinlich irgendwie ausgewürfelt, oder der Geburtstag des App-Programmierers oder seines Goldhamsters oder … … interessiert das irgendwen?

Dass dieses Datum keine ähnliche Berühmtheit erlangen wird wie das nicht stattfindende Ende des Maya-Kalenders ist sowieso klar. Das Datum ist nämlich ganz doof: Wann soll man denn Weltuntergangspartys veranstalten, wenn die Welt an einem Dienstag untergeht?





Der Weltuntergang in Bildern – eine Vorschau

18 12 2012

Beginnen wir mit dem Wetter. Wie es einem Weltuntergang geziemt wird es heiß, sehr heiß sogar – und danach fällt das Wetter erst mal aus:

(Quelle: The Richard Dawkins Foundation for Reason and Science)

… und zwar überall:

Foto: This week's weather forecast.

(Quelle:??? gefunden hab‘ ichs dort)

Blöd ist das für all die, die auf eine andere Art von Weltuntergang gesetzt haben:

Mist, der schöne Cartoon ist weg ... ... Noah baut 'ne Arche um den Weltuntergang zu entkommen - aber die wird von einem Meteoriten zerstört ...

(Quelle: http://www.facebook.com/atheism.unleashed)

Bis dahin dürfen die letzten Türchen geöffnet …

(Quelle: Sheng Fui – wo sonst?)

… und noch ein paar Mal Bullshitbingo zum Weltuntergang gepielt werden:

(Quelle: Sheng Fui – noch einmal muss mein charismatischer Sektenführer mit dem Faible für Basmatitee ran)

Bis dann der große Tag mit seinem vollen Programm beginnt:

(Quelle: Hmm, gefunden hab ich’s hier )

Nach der Abreise der Mayas kann man sich den Rest (Fußball, Engel) ja eigentlich sparen und stattdessen eine der vielen Weltuntergangsparties besuchen. Die Bilder davon gibts dann im nächsten Leben … … nach dem das Folgende passiert:

(Quelle: gefunden bei All science, all the time)








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