Die acht Astrologen von der Astrowoche (Labertaschen reloaded)

22 12 2012

Schon für die Prognosen für 2012 hatte ich einen ausführlichen Artikel aus der Astrowoche berücksichtigt, und wie nicht anders zu erwarten liefert diese Postille auch für 2013 Material für meine Sammlung. Der FrageWie wird das neue Jahr?“ stellten sich

  • Erich Bauer:  nicht nur Astrologe sondern auch Diplompsychologe – da muss an irgendeiner Uni damals etwas schief gelaufen sein …
  • Kurt Allgeier: wird als „Nostradamus-Experte“ angekündigt – ich kannte ihn bisher nur als Katastrophenastrologe
  • Christine Schoppa: soll als Astrologin den Schwerpunkt „Gesundheit“ haben – meines Erachtens eine fast schon gemeingefährliche Kombination
  • Michael Allgeier: leitet das Astrokolleg seines Vaters und von Winfried Noe – ist ansonsten in der Vergangenheit weitgehend durch schwammiges Blabla aufgefallen
  • Ruth Siegenthaler: hat einen Schwerpunkt namens „visuelle Astrologie“ – was immer das sein mag
  • Christopher Weidner: „nur“ exam. Astrologe – sonst nichts
  • Antonia Langsdorf: TV-Astrologin – und ehemalige Dschungelcampbewohnerin
  • Gebriele Sperzel: Astrologin und Autorin – Aha, wird bestimmt ein Astrologiebuch geschrieben haben …

Und warum?

Die Astrowoche hat sie zusammengerufen, um eine Prognose gebeten: Was 2013 aus unserer Welt, aus unserem Geld, aus unseren alten Menschen, aus uns selbst wird. Droht ein Krieg, ist unsere Erde in Gefahr? Unser Astrogipfel gibt Prognosen für 2013 ab.

Mal sehen was da so alles kommt. Prognosen? Echt? Bei dem Labertaschensamelsurium würden mich echte Prognosen wirklich überraschen. Fangen wir mit der ersten von sechs vermeintlichen Prognoseseiten an. Um was es geht zeigt schon die Zusammenfassung:

Der große Umbruch, einschneidender Wandel der Machtpositionen, sogar Aufstand und Rebellion – unsere Welt und besonders Europa wird sich 2013 entscheidend verändern. Darüber ist sich die Mehrheit der acht Astrologen einig.

Aha, entscheidend verändern. Und wie? Erich Bauer liefert da keine Prognose sondern bestenfalls fromme Wünsche. Kurt Allgeier hat sogar die ganz rosarote Brille auf …

„2013 ist nicht zuletzt deshalb so günstig, weil sich der Glücksplanet Jupiter in der ersten Jahreshälfte in den Zwillingen aufhält und in der zweiten im Krebs. Es werden damit so gut wie alle Sternzeichen ihre Glücksphase bekommen. Die ersten vier Monate werden recht gut werden und keine größeren Probleme aufwerfen. Juli und August werden wohl die besten Monate in diesem Jahr werden.“

… und sagt gar nichts. Christine Schoppa labert allgemein von technischem Fortschritt und fordert eine Zuwendung zum Spirituellen. Dagegen wird Michael Allgeier schon etwas konkreter:

„Das demokratische Griechenland ist aus Sicht der Sterne sogar erst am Anfang einer furchtbaren Krise. 2013, 2014, 2015 steht Pluto in Spannung zum Krebs-Aszendent und zum Saturn von Griechenland, die zusätzlich von Uranus befeuert werden. Das bedeutet: absoluter Staatsbankrott. Nichts geht mehr. Die Bündnispartner sind innerlich schon längst abgefallen. Die einzige Chance Griechenlands ist der radikale Neuanfang.“

Na ja, aber eine Prognose für 2013, die vielleicht erst 2014 oder 2015 eintritt ist auch nicht so toll. Ruth Siegenthaler weiß gar nichts:

„Es werden Veränderungen stattfinden, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Wir müssen mit einer Verschlimmerung der Zustände rechnen, bevor sich die Dinge zum Besseren wenden können.“

Ah ja, und was bedeutet das jetzt genau? Blablabla – sonst nichts! Und auch Christopher Weidner faselt nur Schwammiges während Antonia Langsdorf ein Auseinanderbrechen der Eurozone befürchtet, allerdings nur bis 2014, wenns bis dann nicht passiert dann eben nicht. Und Gabriele Sperzel spielt die Aufstandskarte:

„Die astrologische Konstellation von Uranus im Quadrat zu Pluto konfrontiert uns auch im Jahr 2013 (und weit darüber hinaus) mit mächtigen Energien von Umsturz und Veränderung. Die Richtung für Deutschland und Europa geht schon klar erkennbar zu notwendigen Umstrukturierungen in eine sozialere Wirtschaftsordnung. Der Unmut der Bevölkerung wird sich immer häufiger in Demonstrationen (leider auch gewalttätigen) Luft machen.

Beim Thema Geld auf der zweiten Prognosenseite finden sich nichts außer Blabllabla, so dass man diese Seite getrost ignorieren kann. Auch auf der dritten Prognoseseite zum Thema Renten gibt es nur allgemeines Geblubber. Auf der nächsten Prognoseseite geht es dann aber richtig rund, denn es geht um Katastrophen. Schon die Zusammenfassung würde frösteln lassen, wenn solche allgemeine Katastrophenprognosen nicht der Normalfall bei den astrologischen Propheten wäre: „Die Astrologen vom Astrogipfel sehen große Umweltkatastrophen auf uns zukommen: Erdbeben, Überschwemmungen, Tsunamis.“ Wird’s wenigstens ein wenig konkreter? Nicht bei Christopher Weidner, der Prognosen solcher Art sowieso als gewagt empfindet und sich klugerweise völlig zurückhält. Auch Ruth Siegenthaler sagt eigentlich nichts, außer dass mit mehr Naturkatastrophen zu rechnen ist. Aber mit welchen? Und wann und wo? Vielleicht gibts Näheres bei Michael Allgeier? Nein, gibts nicht:

„Insgesamt bleibt die Gefahr von Erdbeben, Tsunamis, Erdrutschen, Wirbelstürmen groß. Diese Umweltkatastrophen werden das gesamte Wassermann-Zeitalter und insbesondere diese Jahre, in denen Uranus, der Herr der neuen Ära, angegriffen ist, begleiten. 2013 scheint mir jedoch Saturn im Skorpion noch bedrohlicher. Er legt die Finger in die Wunden unserer Zeit und hat als Krisenplanet seit jeher einen sehr zweifelhaften Ruf. Einstmals tauchte er im Zusammenhang mit der Pest auf und auch heute kann er der Vorbote von Epidemien und Seuchen sein. Gesund leben ist also ein Muss 2013.

Und sein Vater wird auch nicht konkreter:

Wir werden sie ganz allgemein im Mai und Juni, im Oktober und November wieder zu spüren bekommen und müssen deshalb auch in diesem Jahr auf heftige Naturkatastrophen gefasst sein.

Da will auch Christine Schoppa nichts Konkretes liefern …

„Terroranschläge, Katastrophen, schlimme Unwetter und Epidemien – immer wieder ereilten uns in der Vergangenheit solche Hiobsbotschaften. Und es wird leider weiter so bleiben, die Erde beruhigt sich nicht, mit Uranus und Pluto muss nach wie vor mit großen Wetter- und Umweltkatastrophen (Stürmen, Überschwemmungen, Tsunamis) gerechnet werden.

… und garniert das mit diffusen Ängsten, unter anderem vor Energiesparlampen:

Aber am schlimmsten sehe ich die Gefahr von den schleichenden Giften in unserem Umfeld. Wie zum Beispiel die neuen Energielampen, die man im Sondermüll entsorgen muss, da sie Quecksilber enthalten. Bricht so eine Lampe, muss man mit schweren gesundheitlichen Schäden rechnen. Viele wissen gar nicht von der Gefahr. Und so ist es mit vielen Produkten, die in Umlauf geraten.

Antonia Langsdorf beherrscht das große Blablaba auch:

„Die größte Problematik sehe ich im Bereich von Trinkwasser, Chemikalien und schleichenden Vergiftungen. Ich befürchte selbst gemachte Katastrophen durch Pestizide und Medikamentenrückstände, die ins Trinkwasser gelangen, oder eine neue Ölpest durch ein Schiffsunglück.“

Und Erich Bauer? Hat der wenigstens eine Prognose? Nein:

Die Erderwärmung zeitigt immer schlimmere Folgen, wie uns zuletzt der Hurrikan Sandy überdeutlich vor Augen geführt hat. Und an verschiedenen Orten der Erde drohen kriegerische Auseinandersetzungen wie zwischen Israel und Iran, China und Japan, Indien und Pakistan, ganz zu schweigen davon, dass es anscheinend unmöglich ist, den Terrorismus aus der Welt zu verbannen.

Auf der nächsten Seite wird es optimistisch – aber inhaltlich bleibt das Ganze dünner als dünn. Auf der letzten Seite geht es dann um Kriege, und da verknotet sich die Logik in Antonia Langsdorfs Hirn schon sehr speziell:

Es wird also weniger Kriege eher soziale Unruhen zwischen politischen Gruppen geben. Das kann durchaus Kriege auslösen.

Ja was denn nun? Mehr oder weniger Kriege? Ansonsten wird auf die bekannten Krisenherde hingewiesen, und das wars.

Insgesamt sind das sieben Seiten (die Einführung und sechs Prognoseseiten), auf denen man irgendetwas Konkretes schlicht und einfach nicht finden kann. Inhaltsleeres Gelaber, allgemeine Vermutungen für die man durch die Lektüre der täglichen lokalen Tageszeitung schon überqualifiziert scheint – bisweilen garniert mit astrologischem Quatsch. Und das soll die eingangs gestellte Frage nach 2013 beantworten? Wie stand es auf der ersten Seite dieses Labertextes:

Verblüffend, aber auch beunruhigend, wie wenig Gegensätze zwischen den einzelnen Prognosen für 2013 auftauchten. Wir können uns also unsere Lieblingsantwort, die uns beschwichtigt, kaum aussuchen. Wir müssen uns damit abfinden: Es wird so kommen. Und Ende.

Klar, wenn keine Prognosen zu finden sind, gibt es auch keine Gegensätze – und wir müssen uns damit abfinden, dass es eh so kommt wie es kommt … … und damit, dass diese acht Astrologen offensichtlich Nichts, aber auch wirklich gar Nichts, über die Zukunft aus den Sternen lesen können.

Mit den fünfen aus dem ersten 2013-Post sind es jetzt 13 Wahrsager/Astrologen/Hellseher für die nächste Rückschau.


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2 responses

22 12 2012
Willie

2013 scheint mir jedoch Saturn im Skorpion noch bedrohlicher. Er legt die Finger in die Wunden unserer Zeit und hat als Krisenplanet seit jeher einen sehr zweifelhaften Ruf. Einstmals tauchte er im Zusammenhang mit der Pest auf und auch heute kann er der Vorbote von Epidemien und Seuchen sein. Gesund leben ist also ein Muss 2013.

Immerhin hatte der Saturn bis ~1347 nichts böses im Sinn😉 und hat sich erst dann seiner alten „Mythologie“ erinnert ….

25 12 2013
Wahrsagen im “Nachtcafé” @ gwup | die skeptiker

[…] acht Astrologen von der Astrowoche, Wahrsagerchecks-Blog am 22. Dezember […]

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