Prognosen 2013: Astrologen sammeln selbst

5 01 2013

Mit den Leuten der Online-Astrologie-Zeitung Loop! hatte ich in der Vergangenheit ja bereits das Vergnügen (hier und hier). Jetzt scheint man dort auch einmal tatsächlich irgendwie prüfen zu wollen, ob die Astrologie wirklich für Jahresprognosen taugt (wovon man dort natürlich überzeugt ist!). Am 22. Dezember 2012 hat Loop! deshalb dazu aufgerufen, doch eigene (astrologische) Texte zum Jahr 2013 zu schicken, an die folgende vier Anforderungen gestellt wurden:

1. Keine Aussagen ohne eine nachvollziehbare astrologische Begründung.

Klar, dass die Astrologen eine astrologische Begründung für die Aussagen fordern. Mir persönlich ist diese allerdings egal, erst einmal müssen die Aussagen in irgendeiner Form zutreffend sein, bevor mich die Methode näher interessiert.

2. Keine tendenziell negativen und angsterzeugenden Aussagen. Niemand möchte hören, dass die Welt jetzt eben 2013 untergeht.

Diese Anforderung ist meines Erachtens ein wenig eigenwillig. Wenn denn die Welt tatsächlich völlig überraschend untergeht und irgendjemand dies aus den Sternen „richtig“ (!!) vorausgesehen hätte, dann würde sich eine solche, richtige Prognose auf Grund ihres Inhalts disqualifizieren – warum diese Einschränkung? Aber egal, die Verantwortlichen von Loop! können natürlich für ihre Prognosensammlung auch gerne ihre eigenen Regeln aufstellen.

3. Alle gemachten Aussagen sollten weitestgehend eindeutig sein, d.h. die Aussage sollte beim Eintreten des Ereignisses  darauf beziehbar sein.

Genau! Diese Anforderung ist auch ein zentraler Punkt meiner Prognosensammlung. Die üblichen Blabla-Prognosen sind ja in der Praxis schlicht und einfach nicht zu prüfen, so dass diese Forderung wirklich nur zu begrüßen ist. Und das Beispiel dazu könnte fast von mir sein:

Wer glaubt, dass Dortmund auch 2013 deutscher Fußballmeister wird, sollte dies auch so ausdrücken, wer nur eine Tendenz für ein gutes Abschneiden sieht, benennt das dann eben so.

Ich hätte noch ergänzt, dass auch das „gute Abschneiden“ noch definiert werden muss. Um beim Beispiel zu bleiben: Wenn sich Dortmund nicht für die Champions-League qualifiziert, jedoch Pokalsieger wird – ist das dann „gutes Abschneiden“? Genau solche Abgrenzungen muss man aber treffen, wenn es denn darum geht tatsächlich zu zeigen, dass die Astrologie kann was sie behauptet. Ohne solche Abgrenzungen ist es schlicht unmöglich, die Qualität einer Prognose zu bewerten.

4. Alle üblichen Verdächtigen wie Nostradamus, die Mayas oder außerirdische Botschaften haben in einer astrologischen Prognose nichts verloren, jedenfalls nicht bei uns.

Auch diese Anforderung ist natürlich sinnvoll, wenn die Texte in einer Astrologie-Zeitung erscheinen sollen.

Bisher gibt es in dieser Sammlung zwei Texte. Der eine trägt den Titel „2013: Euro, Dollar + der Underground“ und stammt von Christian Frei, der andere heißt „2013 und die Bundesrepublik“ und wurde von Gerhard Himmel verfasst. Die Texte genügen wohl der ersten Anforderung und begründen ausführlich astrologisch (was ich nicht beurteilen kann und will). Auch bezieht sich keiner der Texte auf Nostradamus et al. – Anforderung 4 ist also auch erfüllt. Ein Weltuntergang wird auch nicht vorausgesagt – aber ob das reicht, um Anforderung 2 bereits zu erfüllen? Natürlich habe ich mir die Texte hauptsächlich im Hinblick auf die Anforderung 3 angeschaut …

Fangen wir mit dem ersten Text an. Dieser besteht zum Teil aus Ausschnitten eines älteren Textes des Autors und irgendwie finde ich einfach keine in irgend einer Weise prüfbare Aussage zum Jahr 2013. Oder ist das Folgende etwa als „Prognose“ anzusehen?

Es besteht die Möglichkeit, gerade im Jahr 2013, mit dem sich anbahnenden großen Trigon zwischen Jupiter, Saturn und Neptun, Kontinuität in einen Entwicklungsprozess zu bringen.

Und was bedeutet das jetzt? Wo sind die von den Loop!-Machern geforderten möglichst genauen Aussagen? Etwa das hier?

Deshalb bleibt die Bruchlinie zwischen Volk und Regierenden/Staat bestehen (nicht nur in Ägypten!), sie wird sich noch verschärfen und erst bei Pluto im Wassermann auflösen. Das dauert noch ein Weilchen, insofern sei ein gepflegter Underground angesagt, eine gepflegte Grauzone.

Ich fand den Text – gemessen an den Anforderungen von Loop! – schon sehr enttäuschend …

Gehen wir zum zweiten Prognoseversuch, erstellt mit meiner liebsten Astrologievariante: der „Hamburger Schule“. Diese greift für ihre Deutungen auf acht fiktive „Planeten“, „Wirkpunkte“ bzw. „Transneptuner“ genannt, mit wunderbaren Namen wie „Kronos“, „Hades“ oder „Admetos“ zu. Hier wird also aus nichtexistenten Planeten „gelesen“ … … aber vielleicht funktioniert’s ja – schauen wir uns also den Text an (an einigen Stellen habe ich die astrologischen Erklärungen durch ein […] ersetzt, da mich ja nur die Prognosen selbst interessieren).

Nach langen astrologischen Erklärungen (die natürlich hier sein müssen – siehe Anforderung 1), folgert der Autor für Deutschland:

Zusammengefasst deute ich für Deutschland als eines der vorrangigsten Thema des Jahres 2013, nämlich Altersarmut und Rente. Durch […] wird dies eine große Veränderung und Veränderung im Sinne der Gesetzgebung sein, gestützt noch durch das Sextil des Saturn im Skorpion und dem Trigon zu Kronos. Kronos= Staatsgewalt, bzw. Größe. Das große überhaupt.

Die Rente bzw. ihre Höhe, das Rentensystem und die in den folgenden Jahren wirksam werdenden Änderungen mit Rentenabschlägen und erhöhtem Renteneintrittsalter sind ja seit Jahren ein vorrangiges Thema in der deutschen Politik. Auch das Thema Altersarmut – in letzter Zeit von Ministerin von der Leyen auf die Agenda gesetzt – ist keineswegs neu. Ob dieses Thema vorrangig sein wird? Hmm – was heißt vorrangig? Wie kann man ermitteln, ob dieses Thema – möglicherweise im Wahlkampf, zur Verwendung in diesem eignet sich das Thema hervorragend – vorrangig ist oder nicht? Leider liefert der Autor hier keine Hinweise, so dass die Aussage irgendwie leer im Raum steht. Gehen wir zur nächsten Aussage:

Laut Hamburger Schule Skorpion im Sinne von Eingang, Produktion und Geburten. Der Saturn bringt hier einen Rückgang. Stier im Sinne von Ausgang: Konsum und Verbrauch, Todesfälle, Rückstände.

OK, was das jetzt bedeuten soll weiß ich wirklich nicht. Geht der Konsum zurück? Wenn ja wie stark? Sind 0,01% Rückgang dann schon ein Treffer oder etwa nicht? Und was bedeutet ein Rückgang der „Rückstände“? Aber weiter:

Es ist also mit viel Aufregung und Streit ([…]) – sozialen Unruhen zu rechnen, die mit dem ganzen Thema im Zusammenhang stehen.

Wie definiert der Autor „Aufregung“ und „Streit“? Was genau versteht er unter sozialen Unruhen? Müssen es Massenproteste sein oder reichen ein paar kleine Demos, die irgendwo im Lande durchgeführt werden? Die nächste Aussage ist ein wenig klarer:

Die allgemeine Wirtschaftskrise wird wohl 2013 stärker auch auf Deutschland sich auswirken und sich im Rückgang von Arbeitsplätzen ([…]) bemerkbar machen.

OK, aber auch hier wäre es interessant, ob es für das Eintreffen der Prognose, dass die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, reicht wenn die Zahl z.B. nur um einige hundert sinkt, oder ob sich die Zahl schon um das ein oder andere Prozentchen reduzieren muss. Außerdem konterkariert der Autor diese Prognose gleich wieder:

Neptun als der Täuscher zeigt die Bemühungen an, die Öffentlichkeit darüber im Unklaren zu lassen oder zu täuschen.

Wenn also wirklich die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, dann wird es der Bevölkerung nicht gesagt? Und wie soll das dann geprüft werden? Sinkt die Zahl der Erwerbstätigen ist’s ein halber Treffer (weil das mit dem Täuschen dann nicht gestimmt hat), steigt die Zahl kann man immer noch behaupten sie wäre eigentlich gesunken und die Verantwortlichen hätten die Information unterschlagen (doppelter Treffer).

Der Autor wendet sich nun einem Standardthema der Prognostiker zu:

[…] ist auch ein Hinweis auf Überschwemmungen, Uranus am Aszendenten für plötzliche Einbrüche z.B. Naturkatastrophen. […] zieht sich geographisch von Stockholm über Berlin, durch den italienischen Stiefel, über Tripolis bis nach Südafrika. Auf dieser Achse ist also vermehrt mit Überschwemmungen zu rechnen. Damit auch für Deutschland.

Was heißt „vermehrt“? Wie zählt man das? Der Autor traut sich sogar, Zeiträume anzugeben:

Überschwemmungsgefahr für Deutschland besteht im März, […]. Außerdem im Juni, Juli, […].

Auch hier wieder die Frage: Wann ist das ein Treffer, und wann nicht? „Überschwemmungsgefahr“ besteht ja eigentlich immer, insbesondere zur Schneeschmelze im Frühjahr. Wie hoch muss das Wasser wo steigen, damit diese Prognose als erfüllt gilt? Reicht eine lokale Überschwemmung – zum Beispiel in einem Dorf im Allgäu – oder muss schon einer der größeren Flüsse betroffen sein? Auch hier ist die Aussage schwammig und beinhaltet kaum Prüfbares. Außerdem muss man schon fragen dürfen, ob dies nicht gegen die Anforderung 2 (keine angsterzeugenden Aussagen – wer am Mittelrhein, in Passau oder ähnlichen, von Hochwasser bedrohten, Orten wohnt, bei dem kann eine solche Prognose durchaus Angst erzeugen).

Als Nächstes liefert der Autor noch zwei Zeitfenster für die oben erwähnten Unruhen:

Was die Unruhen betrifft, so ist verstärkt damit zu rechnen, wenn das Laufende Uranus Quadrat zum Asz BRD exakt wird (ab 20.Feb) exakt wird und Ende März […]. Kritisch ist auch Ende Mai, […].

Was der Autor unter Unruhen versteht bzw. wie er die Prognose ggf. verifizieren will steht auch hier nicht. Immerhin gibt es am Ende noch eine Aussage, die meines Erachtens vielleicht ein wenig prüfbar ist:

Zur Zeit der Wahlen im September, steht der Deszendent der BRD in der Mitte zwischen Kronos und Hades laufend = ein Hinweis das die alten Staatsgewalten ein Schwergewicht haben, Außerdem Saturn am MC der BRD. Für mich beides Hinweise dass die Wahl eher konservative Kräfte bevorzugt. Pluto als Signifikant der Wandlung hat dann nicht so eine starke Konstellation aufzuweisen, daher vermute ich, es ändert sich nicht wirklich viel in der Regierungsführung.

Wenn ich das richtig verstehe, soll also die aktuelle Regierungskoalition durch die Wahl bestätigt werden. Das hätte der Autor natürlich auch ganz einfach schreiben können – oder zum Beispiel angeben, mit welcher Wahrscheinlichkeit er mit einer Fortsetzung dieser Koalition rechnet. Dass er am Ende das Wort „Regierungsführung“ benutzt macht aber ein wenig stutzig. Denn selbst wenn sich die Regierung ändert, also eine andere Koalition an die Macht kommt, kann man ja immer noch behaupten, die „Regierungsführung“ an sich habe sich nicht geändert.

Fazit: Ich finde es gut, dass man bei Loop! ein paar Anforderungen an zu veröffentlichende Prognosen stellt. Insbesondere Anforderung 3 finde ich richtig und wichtig, wenn auch – wie oben angemerkt – unvollständig. Leider werden die beiden bisher veröffentlichten Texte dieser wichtigen Anforderung an eine Prognose nicht gerecht, da genau das fehlt, was der Autor des Aufrufs mit seinem Fußballbeispiel – zumindest halbwegs – demonstrierte: die Abgrenzung von Treffern und Nichttreffern schon beim Stellen der Prognose.

(Das waren Nr. 28 und 29 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)


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2 responses

6 01 2013
Anti-Astrologie-Petition @ gwup | die skeptiker

[…] 2013: Astrologen sammeln selbst, Wahrsagerchecks-Blog am 5. Januar […]

25 01 2013
Madame Etoile und die Lila Flieder Töne der Astrologen @ gwup | die skeptiker

[…] 2013: Astrologen sammeln selbst, Wahrsagerchecks-Blog am 5. Januar […]

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