… und noch fünf Labertaschen für 2013

10 01 2013

Bei der Suche nach weiteren Jahresvorschauen möchte ich heute ein paar weitere Vertreter der Labertaschenfraktion vorstellen.

Ich beginne mit Frau Dr. (!!) Nitsche, die sich hier Gedanken über die Zukunft gemacht hat. Ihre „Wellenastrologie“ liefert ganz andere Bildchern als die „übliche“ Astrologie – aber liefert sie deshalb aber auch andere Inhalte? Zu Beginn ihres Textes „2013 und die nächsten Jahre – mundan gesehen“ steht erstaunlicherweise der Satz „Astrologische Prognosen sind immer auch problematisch.“ Ach hätte sie damit doch einfach begründet, dass sie sich zu keiner Prognose fähig fühle – zumindest ich hätte ihr sofort geglaubt. Stattdessen liefert sie ein Paradebeispiel dafür, dass „mundan gesehen“ ein Synonym für Blindheit zu sein scheint:

Erfolgt der sogenannte Haircut, werden die Schulden über eine steigende Inflation vermindert oder wird eisern in den Staatshaushalten gespart.
Extremes sparen in den Staatshaushalten führt entweder zu Steuererhöhungen oder zu verringerten sozialen Transferleistungen. Beides erhöht die Wahrscheinlichkeit für Protestbewegungen und soziale Unruhen. Beamte zum Beispiel werden nicht sparen wollen.
Ein Haircut in den Staatsanleihen führt zu großen Problemen der Lebensversicherer und Pensionsfonds, abgesehen von den wenigen, die von den Renditen der Staatsverschuldungen leben.
Die Folge wären erhöhte soziale Transferleistungen.
Es ist anzunehmen, dass eine steigende Inflation in Verbindung mit einer Drosselung der Staatsausgaben zu einem Abbau des gigantischen Schuldenberges führen kann. Es ist zurzeit nicht absehbar, dass ein anderer Weg beschritten würde, da hier vielleicht mit weniger sozialen Unruhen zu rechnen ist.

Bei Hannelore Fritsch handelt es sich um eine alte Bekannte, die in ihrer Jahresvorschau lediglich mit Astrogeblubber verzierte Nonsenstipps fürs Privatleben gibt. Das klingt dann so …

Im Hochsommer, genau am 18. und 19. Juli wird das Große Trigon der Wasserzeichen mit Jupiter, Saturn und Neptun exakt. Was für eine Möglichkeit, Gelegenheiten wahr werden zu lassen, lang gehegte Träume zu erfüllen und Erfolge zu verwirklichen. Manch einem wird diese Zeit ganz wundersam vorkommen, Dinge passieren, mit denen man nicht gerechnet hatte, das Leben erscheint wie ein Wunschkonzert.

… oder so …

Bald darauf Mitte August ist dann die Zeit der Wunder schon wieder vorbei, wir können aus allen Wolken fallen und eine Glückssträhne geht zu Ende: Jupiter, Uranus und Pluto bilden ein T-Quadrat. Das Quadrat wird im August erst von Mars und später noch von Venus zu einem Großen kardinalen Quadrat aktiviert. Seien Sie achtsam mit sich und anderen in dieser Zeit. Es ist eine Zeit höchster Spannung.

Aber ob das wirklich für jeden gilt?

Den Herrn MMag. Dr. Harald Geir hatte ich hier auch schon mal erwähnt, weil er tatsächlich auf seiner Webseite durch die Worte „Astrologie trifft Naturwissenschaft“ letztere beleidigt. Für 2013 schickt er gleich zwei Texte ins Rennen, den einen – ganz naturwissenschaftlich – mit „Nachrichten aus der geistigen Welt“ für 2012-2015, den anderen aus den Gestirnsständen herausgeklaubt.  In Letzterem heißt es bedeutungsschwanger:

Das Uranus Pluto Quadrat welches von Mitte April bis Mitte Juni und dann nochmals von Oktober bis Mitte November exakt wird, verschärft die gesamte Situation noch einmal drastisch. Revolutionäre und rebellische Energien mischen sich hinzu. Plötzliche Veränderungen und Umbrüche sind zu erwarten, Kellertüren öffnen sich und die Leichen kommen ans Licht. Echtheit und Eigenverantwortung sind in dieser Zeit mehr denn je gefordert.

Aha! Und er will wissen, dass sich die materielle und geistige Welt irgendwie verbinden:

Saturn und Neptun in harmonischer Verbindung von Mai bis Juli verbinden materielle mit geistiger Welt. Neue Möglichkeiten tun sich auf um Materielles mit Humanitären auszusöhnen. Auch der Schleier zur anderen Welt lichtet sich immer mehr.

… aber wohl nur wenn man genügend geistige Getränke zu sich nimmt.

Jeanne Philippi hatte bereits im September letzten Jahres „Zeiten des Wandels“ gesehen. Das liest sich dann so …

Gemäß der sich ankündigenden, globalen Tendenzen, ein wechselhaftes Jahr, in dem so manches stark dem Wandel unterliegt. Sowohl politisch und wirtschaftlich gesehen, aber auch bezogen auf individuelle Entwicklungen vieler Menschen.

… also das übliche Blabla.

Die Schweizerin Monika Kissing alias Madame Etoile ist in unserem Nachbarland sehr bekannt und durfte gleich mehrfach etwas zum Jahr 2013 sagen. In dieser Sendung sagt sie nach ca. 5.30 Minuten zur Eurokrise, sie würde sich entweder verschlimmern oder gelöst werden – wow, so genau wollten wir es gar nicht wissen! Ansonsten gehts eher persönlich zu, und höchst allgemein, wie etwa in diesem Text für die „Sonntagszeitung“. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist Frau Kissling auch vertreten – ein Grund für die schweizer Skeptikerkollegen in einer Petition das Ende ihres Engagements dort zu fordern – und da hat sie doch tatsächlich auch eine Prognose für 2013 abgegeben. Obwohl das Wort „Prognose“ für diese Ansammlung belangloser Binsenweisheiten sehr hochgegriffen ist. Folgende nichtssagende Sequenz fällt ihr beispielsweise zur Schweiz ein:

Saturn nähert sich dem Aszendenten des Landeshoroskops und erreicht diesen im Januar 2014. An exakt dieser Position befand sich bei der EWR-Abstimmung vor gut zwanzig Jahren Pluto. Das bedeutet, dass sich die Konsequenzen der damaligen Entscheidung jetzt klar zeigen – möglicherweise auch die Grenzen. Ist damit der bilaterale Weg am Ende? Möglich, aber nicht zwingend. Sicher ist jedoch, dass bis Ende 2013 eine neue und tragfähige Basis mit der EU gefunden werden muss. Dies ist ein steiniger Weg, denn die Schweiz wird noch stärker als 2012 mit Forderungen konfrontiert sein und sich dem Druck teilweise beugen müssen. Gleichzeitig mahnen die Sterne jedoch zu einer klaren Haltung der Schweiz, vor allem zu einer geschlossenen Haltung. Grabenkämpfe innerhalb der politischen Parteien sollten möglichst vermieden werden.

Dass die Dame für solche Nonsenstexte dann auch noch vom Rundfunk bezahlt wird ist schon erstaunlich. Einem Redakteur, der solch inhaltsleeres Geschwafel von sich gäbe würde wahrscheinlich schnellstmöglich der Stuhl vor die Türe gestellt. Auch ihre weitere „Voraussage“, dass es um das Image der Schweiz 2013 nicht zum Besten steht, ist doch angesichts der Debatten über von eidgenössischen Banken gedeckte Steuerflucht längst Schnee von gestern.

(Das waren Nr. 29 bis 33 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2013)


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