Astrologische Schönrechnerei

4 06 2013

Die Seite astrax.de beobachte ich schon seit vielen Jahren. Der Autor hatte 2001 bis 2004 immer wieder Tage definiert, ab denen die Börse nach unten gehen sollte und sich eine Trefferquote von 84% bescheinigt, die sich bei näherem Hinsehen allerdings als eher lächerlich entpuppte – dass seine Trefferquote genau der Zufallserwartung entsprach, konnte man leicht zeigen.

Später dann hatte ich eine Zeit lang ganz konsequent sein Experiment verfolgt, mit dem er – immer einen Monat im Voraus – prognostiziert ob der DAX an einem Handelstag steigt oder fällt. Immerhin, das Vorgehen ist hier aus wissenschaftlicher Sicht vollkommen in Ordnung. Treffer sind eindeutig definiert, und das Berechnen der Trefferquote ist wirklich sehr leicht. Es war wieder einmal leicht zu zeigen, dass dieses Experiment eben keine auffälligen Trefferquoten lieferte, und auch in diesem Jahr sieht es bei diesem Experiment eher mau aus. Wobei ich die Tatsache, dass seine Trefferquote in 2013 im Moment gerade mal bei 46% liegt, als normale statistsche Schwankung ansehe.

Herr K. macht aber seit 2011 noch eine weitere Vorhersage, und um die soll es jetzt gehen. Was er da prognostiziert klingt so:

Wann geht die Börse runter? Psychologische Stimmung, Grundhaltung:
Jahresprognose (veröffentlicht am 09.01.2013) Börse weltweit in 2013

Dieses Mal versucht er also eine Art psychologische Stimmung astrologisch zu beurteilen – und er „misst“ seinen „Erfolg“ an Hand der Börsenindices DAX und DowJones. Mal sehen wie gut das bisher geklappt hat und wie gut seine Trefferquote ist. Beginnen wir im Jahr 2011 (auf der Webseite unter „Börse / Rückblick“ zu finden):

Januar:        anfangs unruhig, auf und ab, ab 13. abwärts, ab 25. aufwärts
DAX: 6990 -> 7077 • DOW: 11.671 -> 11.879 richtig

OK, das Häkchen soll also einen Treffer anzeigen. Aber war das wirklich so? Man kann ja die historischen Indexstände zum Beispiel bei yahoo-Finanzen einsehen, was ich natürlich auch gleich getan habe. Besonders unruhig war der Börsenmonat ja nicht, irgendwie „auf und ab“ geht es immer, dass es ab dem 13. Januar abwärts ging war nicht so ganz richtig und das mit dem „aufwärts“ ab dem 25. Januar ebenfalls nicht (DAX: am 13.1. 7075; am 25.1. 7059 und am 31.1. 7077; DowJones am 13.1. 11731; am 25.1. 11977 und am 31.1. 11891). Dass die Märkte über den Monat hin steigen hatte er nirgends vorausgesagt – wofür also das Häkchen? Aber weiter zum Februar:

Februar:       ein „schwarzer Monat“
DAX: 7184 -> 7272 • DOW: 12.040 -> 12.187
Der „schwarze Monat“: 21.02.-18.03.2011, DAX verlor 9 %, DOW 4 % richtig

Das am Ende der letzten Zeile zu findende Häkchen ist eine absolute Frechheit! Wie man an den Daten sieht war der Februar eben kein „schwarzer Monat“ – beide Indices sind leicht gestiegen …

März:           Erholung
DAX: 7223 -> 7041 • DOW: 12.058 -> 12.320 richtig

Und wieder ein Häkchen … … obwohl es beim DAX einen Verlust von über 2,5% gab. Bestenfalls ein halbes Häkchen wäre angebracht gewesen – und zwar für die bisherigen drei Monate. Während sich in der Logik des astrologischen Prognostikers also quasi bereits 3:0 Treffer ergeben haben sieht der gesunde Menschenverstands bestenfalls das Verhältnis 0,5:2,5. Von April bis November kann ich dem Herrn sogar zustimmen, bei 5 von 8 Monaten gestehe auch ihn ihm Treffer zu, dazu 3 Nieten – fehlt nur noch der Dezember:

Dezember:    unstet, instabil, auf und ab, seitwärts
DAX: 6036 ->5898 • DOW: 12.020 -> 12.218 richtig falsch

Hmmm – wenn der DAX also um etwa 2% fällt ist das „seitwärts“, wenn der DOW um weniger als 2% steigt ist das nicht seitwärts???? Und wie war das im Mai?Weniger als 2% Verlust im DOW waren ein Beleg für „abwärts“? Also irgendwie sind die Trefferdefinitionen doch sehr widersprüchlich. Mehr als 50% Trefferquote kann man ihm für 2011 nicht zugestehen.

Und 2012? Da geht es eigentlich genau so weiter. Immerhin gibt er jetzt auch eine Gesamtperformance an:

Monatsprognosen: 2 x unentschieden, 3 x falsch, 7 x richtig = 70 % richtig.

Na ja, die 2* Unentschieden addieren sich zu 8 aus 12 statt 7 aus 10 – dann wären es also nur 66%. Aber die einzelnen „Treffer“ sind auch ein wenig zweifelhaft, insbesondere wenn man sie mit denen aus dem letzten Jahr vergleicht. So hatte er sich im April einen „Abwärts-Treffer“ auch für den DOW gutgeschrieen, obwohl der Index nur um etwas mehr als 0,3% fiel (im Jahr vorher fiel das noch unter „seitwärts“). Änliches ist das im Dezember (da fiel der DOW um weniger als 0,2%) und auch der vermeintliche DAX-Aufwärtstreffer im November ist mit weniger als 1% eher zweifelhaft.

Aber das zeigt schon das Hauptproblem dieser Prognosen. Eine genaue Definition von „aufwärts“, „abwärts“ oder „seitwärts“ sucht man vergebens und die von Herrn K. selbst getroffenen Abgrenzungen sind widersprüchlich. Sow erden seine vermeintlichen Treffer einfach nur noch lächerlich.

Und für 2012 macht der Mann genau so weiter:

Januar:        unruhig, abwärts
DAX: 7779 -> 7776 • DOW: 13.332 -> 13.861 richtig/ falsch

Eine Differenz von ganzen 3 Punkten beim DAX ist also ein Beleg für „abwärts“?

März:           ruhig, aufwärts
DAX: 7742 -> 7795 • DOW: 14.054 -> 14.579 richtig

Eine Differenz von weniger als einem Prozent beim DAX ist also ein Beleg für „aufwärts“? Nicht doch „seitwärts“?

Nein, so kann man nicht zeigen, dass irgendwelche astrologischen Analysen sich für die Voraussage von Aktienmärkten eignen. Dafür müsste Herr K. sich schon vorher ein wenig genauer dazu äußern, was denn nun als Treffer für seine Prognosen anzusehen ist – und was eben nicht!


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One response

7 06 2013
Horst Lauer - Der Skeptiker

Verehrter!

In der DDR hatten wir seinerzeit keine Börse, und somit auch nicht einen solch sagenhaften Kokolores!

Eine Schande, dieses lächerliche Spekulantentum; gar unerträglich diese kapitalistischen Auswüchse, die von einer volkswirtschaftlichen Scheinwissenschaft auch noch pseudorational begründet wird.

Verbindliche Grüße!

Horst Lauer

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