TAM2013: Klasse Vorträge, spannende Diskussionen und (wieder) ein 1-Million-Dollar-Fail

24 07 2013

Nach dem ich auf das Wichtigste beim TAM2013 aus meiner Sicht bereit eingegangen bin, nun einmal ein Überblick über die Themen und Vorträge. Dabei gebe ich zu, dass ich einige Vorträge geschwänzt habe, da man irgendwann ja auch einmal schlafen muss … … und der Zeitplan war schon sehr eng!

Die „opening remarks“ von DJ Grothe, James Randi und den durch die gesamte Veranstaltung führenden George Hrab waren schon mal ein guter Appetizer (den Showpart kann man sich, mir einigen Erklärungen, auf George Hrabs sehr unterhaltsamem Geological Podcast – in Folge 322, ab ca. Minute 17 – anhören). Was dann folgte waren Vorträge und Podiumsdiskussionen, und die Namen auf der Bühne lesen sich wie das „who is who“ der Skeptikerszene. Dazu eine Liveaufnahme des „Skeptic’s Guide to the Universe“ (hier nachzuhören) und am Ende wurde dann noch eine 1-million-dollar-challenge live aufgelöst.

Neue Inhalte waren für einen langjährigen Skeptiker zwar nicht zu entdecken, aber es gab – neben ein paar wohl typisch amerikanischen Seltsamkeiten, insbesondere aus der religiösen Ecke – einfach eine große Menge an wirklich guten Vorträgen. Hier meine – subjektiven – Highlights:

Die Vorstellung des Films „An Honest Liar“ (über das Leben von James Randi), mit den beiden Filmemachern und Randi selbst, inclusive einiger sehr unterhaltsamer Filmausschnitte, die den Filmemachern beim Stöbern in Randis Archiven aufgefallen waren. Das wird auf jeden Fall ein Film, den man sich anschauen sollte – und wenn man den Filmemachern glauben will dürfte genug Material für mindestens zwei DVDs voller Outtakes vorhanden sein.

In search of the light“ von Susan Blackmore war eines der ersten skeptischen Bücher, die ich mir damals in den späten Neunzigern angeschafft hatte. Deshalb war ich auf ihren Vortrag „Fighting the Fakers – and Failing“ sehr gespannt, und wurde nicht enttäuscht. Es ging darum, dass es Esoterikern nach einem gescheiterten Experiment immer wieder gelingt, die Ergebnisse durch neu gefundene „Erkenntnisse“ dann doch irgendwie in ein gelungenes Experiment umzuinterpretieren. In diesem Fall waren es die Hersteller kleiner Kristalle, die sich zum Beispiel auch die Gattin des ehemaligen britischen Regierungschefs gerne um den Hals hängte, und deren Hersteller (selten genug!) sich tatsächlich auf einen Test einliess. Keine neue Erkenntnis, aber der Vortrag war einfach klasse … … und ich hab mich natürlich gefreut, dass sie sich mit mir fotografieren liess:

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Den Namen Dan Arielly hate ich bis dato noch nicht gehört, obwohl es seine Bücher sogar auf deutsch gibt (… und die Titel sind wirklich cool). Sein Ausflug in die Welt der alltäglichen Lügen (mit wirklich herrlichen Tests, häufig in Kneipen …) war herzerfrischend, spannend, lehrreich und ein tolles Beispiel für extrem unterhaltsame Wissenschaft. Für die Details des Vortrags „The honest truth about dishonesty: how we lie to everyone-especially ourselves“ muss ich jetzt natürlich erst mal das entsprechende Buch lesen (… und die anderen wohl auch).

Marty Klein präsentierte ein wohl eher spezifisch amerikanisches Problem, das er in seinem Vortrag („Junk Science, moral panics, and sex„) so spannend darlegte, dass ich mir das dazugehörige Werk gleich kaufen musste. In seinem Buch „america’s war on sex“ beschreibt er „the continuing attack on law, lust and liberty“, also den Angriff religiöser Gruppen auf die Gesetzgebung und die menschliche Freiheit in dem man mit sexuellen Themen argumentiert (dass dies ein Angriff auf die Lust ist versteht sich von selbst). Beispiele sind die in den USA üblichen Selbstverpflichtungen Jugendlicher, vor der Ehe abstinent zu leben (… die übrigens von 88% der Jugendlichen gebrochen werden).

Michael E. Mann ist einer der weltweit profiliertesten Klimawissenschaftler, und einer der Menschen, die von den Leugnern einer von Menschen verursachten globalen Erwärmung am härtesten bekämpft werden. In seinem Vortrag „The Hockey Stick and the Climate Wars“ zeigte er eindrucksvoll, wie die andere Seite lügt, trickst und täuscht – und sich eben nicht um die in immer größerer Menge vorhandenen Daten schert.

Der absolute Superstar von TAM2013 war aber Sanal Edamaruku. In seinem Vortrag „Indian Gurus: From flying fakirs and starving saints“ ging er auch auf seine beiden bekanntesten „Enthüllungen“ ein, die Entzauberung eines Gurus, der ihn vor laufender Kamera umbringen wollte (hier ein paar Ausschnitte) …

… und die Entzauberung eines christlichen „Wasserwunders“ (eine Jesusstatue tropfte – wegen des Abwassers einer nahe gelegenen Reinigung sowie des Kapillareffektes). Letzteres hat ihm übrigens eine Klage wegen Blasphemie eingebracht, und um der Verhaftung zu entgehen lebt er inzwischen in Helsinki.

Zum Schluß ganz kurz zur diesjährigen 1-Million-Dollar-Challenge. Eine solche „Veranstaltung“ ist wenig unterhaltsam, ja geradezu langweilig – aber ich denke, dass man auch genau das zeigen muss. Eine Behauptung (dieses Mal ging es um ein remote-viewing-Experiment) zu prüfen ist weniger „sexy“ als kurz und – möglicherweise unterhaltsam – über das Ergebnis zu berichten. Ich finde es gut, dass auch ein solches Experiment im Rahmen des TAM2013 statt fand.

Was habe ich mitgenommen? Nun ja, viele Bücher, viele tolle Erinnerungen und ganz viel Lust auf TAM2014. Mal sehen ob ich das hinkriege … (… und zu dem Showprogramm schreib‘ ich auch noch was).

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2 responses

24 07 2013
maxlrainer

Mußte der Link zu Sanal Edamaruku wirklich sein? Meine kleine Tochter hat sich totgelacht – fast. Und wir müssen uns jetzt dauernd „Ohm ringelingling“ anhören. DAS sind Fernwirkungen!

1 08 2013
Ganzheitliche Autoreparatur @ gwup | die skeptiker

[…] 2013: Klasse Vorträge, spannende Diskussionen und (wieder) […]

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