Staunen und Rechnen lernen mit Homöopathie

30 07 2013

Wenn Homöopathie schon nicht unbedingt als so etwas wie eine Arznei taugt, so hilft sie immerhin noch beim Staunen, nämlich beim Staunen über Zahlen. So hat Dr. Aust in seinem wunderbaren Blog „Beweisaufnahme zur Homöopathie“ unlängst sehr ausführlich erklärt, wie man das Homöopathikum Vinum Christi C200 herstellen könnte. Das ist gar nicht mal so schwer, denn wenn man davon ausgeht, dass jener Jesus sich damals, beim so genannten letzten Abendmahl, ein gut gefülltes Glas mit etwa 200ml Flüssigkeit genehmigt hatte, so finden wir noch heute in jedem Wassertropfen etwa 5 dieser Moleküle (wenn wir davon ausgehen, dass sich die Flüssigkeit im ganzen auf der Erde verfügbaren Wasser gut verteilt hat). Nach Überschlagsrechnung und unter geschickter Verwendung der so genannten „generalisierten Quantentheorie“ (die ist vom Träger des Goldenen Bretts Prof. Dr. H. Walach erdacht worden – was es dazu zu sagen gibt kann man hier nachlesen) gibt der Autor auch noch herrliche Anwendungstipps für dieses wahrhaft sensationelle Homöopathikum … … einfach einen Zahnstocher in das verschüttelte Mittel und damit dann einen guten Whiskey impfen, das müsste doch eine tolle (und schmackhafte) Medizin ergeben.

In den USA hat man ähnlich gerechnet, das Ergebnis aber ein wenig anders dargestellt. Ein Mensch, der sich „Sai“ nennt hat auf google+ eine Idee veröffentlicht, die sich auf ähnliche Rechenspiele wie die gerade erwähnte Herstellung von Vinum Christi C200 beruft. Hier soll aber kein neues Homöopathikum hergestellt werden, sondern es wird – politisch völlig unkorrekt – eine einfache Forderung an die Herstellervon Homöopathika gestellt:

We have a simple proposal: that all homeopathic products containing less of the advertised ingredient than Hitler’s breath* have a large, clear statement on the front saying (a) how much more of Hitler’s breath they have, and (b) the most common name of the advertised ingredient. I’ve attached a sample for your marketing team’s enjoyment.

Tja, im Beispielbid, dem bekannten Mittel „oscillococcinum“ der französischen Firma Boiron (die schon mal einen kritischen Blogger verklagen wollte), wird angegeben, dass 10^380 mal soviel vom Atem des in Braunau am Inn geborenen Gröfaz in dem Mittelchen ist, als die angepriesenen Inhaltsstoffe (Entenherz und Entenleber). Nun ja, man hätte ja auch eine andere Person als Referenz nehmen können, oder eben vielleicht tatsächlich den Vinum Christi (aber in der Urtinktur), aber auf jeden Fall finde ich die Forderung nach der Nennung des „normalen Namens“ für den beworbenen Inhaltsstoff sehr gut.

Eigentlich dürfte sich kein dem Verbraucherschutz verpflichtet fühlender Politiker folgenden, sehr einfachen Forderungen entziehen:

1. Inhaltsstoffe müssen in Klarnamen (soweit vorhanden) angegeben werden: also Kochsalz statt Nitriacum Chloratum (das es hier sogar in verschiedenen Varianten gibt) oder Hundekacke statt excrementium canium

2. Inhaltsstoffe müssen in gebräuchlicher Gewichts- bzw. Volumenangabe – also g/mg bzw. l/ml – angegeben werden und dürfen nicht durch eine „Geheimsprache“ (C200, LM1000) verschlüsselt werden (das ist ja bestimmt auch für Allergiker wichtig …).

Wie schön wäre es, wenn  dann zusätzlich gefordert werden würde, dass ein Hersteller selbstverständlich jederzeit die Richtigkeit seiner „Mischung“ nachweisen können muss – am besten natürlich in einem Doppelblindversuch …

Aber Schluß mit dem Träumen. Ich finde bei solchen Rechenspielen wirklich erstaunlich welche Ergebnisse Überschlagsrechnungen liefern: mit jedem Atemzug atmen wir ein Molekül aus dem letzten Atemzug Caesars (Link) und mit jedem Liter Wasser trinken wir mehrere Moleküle des Weins vom letzten Abendmahl (wenn es denn stattgefunden haben sollte). Unvorstellbar? Nein! Einfache Rechnerei mit großen und kleinen Zahlen – und mit den bestätigten Ergebnissen zahlloser Forscher verschiedener Fachgebiete!

… und dass diese Erkenntnisse durch einfaches Nachrechnen die Homöopathie immer lächerlicher erscheinen lassen, das finde ich nicht allzu „schlimm“ …


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2 08 2013
Homöopathie: “Deutlich positive” Ergebnisse mit Quanten? @ gwup | die skeptiker

[…] und Rechnen lernen mit Homöopathie, Wahrsagerchecks-Blog am 30. Juli […]

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