Prognosen 2014: Binsenweisheitengipfel bei der Astrowoche

31 12 2013

Wie bereits in den letzten Jahren hat die Astrowoche auch für 2014 wieder zum so genannten „Astro-Gipfel“ geladen und dieses Mal sieben (letztes Jahr waren es 8) Astrologen um eine Vorschau auf 2014 gebeten. Werfen wir also auch in diesem Jahr wieder einen Blick auf die Ergüsse dieser wenig glorreichen Sieben.

Den Anfang macht

Erich Bauer: Chefastrologe der Astrowoche, Diplompsychologe und Buchautor

Wie gewohnt gibt der Mann weitgehend Positives von sich, und will sich scheinbar selbst arbeitslos machen:

Das wird ein Segen sein, dass unsere Welt nüchterner, aber dafür realistischer werden wird. Und viele werden staunend feststellen, dass die Wirklichkeit viel schöner ist als alle Träume.

Tja, wenn die Welt realistischer wird, dann braucht man ja die Astrologen gar nicht mehr! Und dass sich Menschen Nach Liebe, Geld und Anerkennung sehnen ist auch keine große Neuigkeit – dafür hätte es keinen Blick in die Sterne gebraucht. Aber weiter mit der nächsten Kandiatin:

Christine Schoppa: Astrologin der Astrowoche mit Schwerpunkt Gesundheit und Partnerschaft

Frau Schoppa hatte ja im letzten Jahr ja „mit großen Wetter- und Umweltkatastrophen (Stürmen, Überschwemmungen, Tsunamis)“ gerechnet, und rechtfertigt ihre damalige Einschätzung eines Katastrophenjahres mit einem Rückblick auf „die schlimme Jahrhundertflut, das Flüchtlingsdrama, Terror und Gewalt, dann der Abhörskandal und noch vieles mehr“. Nun ja, Flüchtlingsdrama und Abhörskandal hatten ja nicht unbedingt etwas mit Wetter- und Umweltkatastrophen zu tun, und Überschwemmungen gibt es auch in jedem Jahr (… oder hatte sie irgend etwas von der Donau vorhergesehen????), aber das reicht natürlich um auch für 2014 ein wenig in der Katastrophenkiste zu wühlen:

Tatsache ist, dass das Quadrat von Uranus und Pluto uns auch 2014 in Atem hält und dass Krieg, Katastrophen und Terror nicht mit einem Fingerschnippen plötzlich zu Ende sind.

Der Rest sind allgemeingültige Tipps, die jeder Hobby-Küchenpsychologe auf Lager hat – auch hier fragt man sich warum man für solche Banalitäten in die Sterne schauen muss. Weiter geht es mit

Michael Allgeier: Astrologe, Leiter von Astro-Kolleg Allgeier & Noe

Dieses Mal vermeidet er jegliche Erwähnung von Naturkatastrophen sondern verlegt sich auf Binsenweisheiten zum Berufsleben. Klar, wer sich „mit Mut, Begeisterung und Ausdauer auf neue Herausforderungen“ stürzt, dem könnte ein beruflicher Aufstieg gelingen. Und auch für das Liebesleben seiner Leserinnen und Leser hat er sensationelle Nachrichten: „Es wird viele Trennungen, aber auch sehr viele neue und glückliche Bindungen geben.“ Als nächstes kommt wieder eine Frau zu Wort:

Gabriele Sperzel: Astrologin und Autorin im ENGELmagazin

Bei ihr wird es ein wenig politisch, denn sie schreibt:

Leider werden wir uns auch im Jahr 2014 mit den nun schon bekannten Problemen im Bereich Wirtschaft und Finanzen sowie dem hochbrisanten Thema einer größeren, sozialen Gerechtigkeit auseinandersetzen müssen.

Also auch hier nichts Neues. Und wer sich schon immer gefragt hat, wer an den vielen Turbulenzen Schuld hat, für den hat Frau Sperzel eine Antwort:

Nehmen wir als Beispiel den zwischen 2012 und 2015 vorhandenen Quadrat-Aspekt zwischen Uranus im Widder und Pluto im Steinbock, der wohl hauptsächlich für die weltweiten großen Turbulenzen verantwortlich sein dürfte.

Auch hier ist ansonsten nicht die Spur einer Prognose zu finden, was mich übrigens bei dem nächsten Kandidaten sowieso gewundert hätte, denn jetzt kommt

Christopher Weidner: Exam. Astrologe TPA und System. Therapeut (Heilpraktiker für Psychotherapie)

Sein Text lässt wohl nicht nur mich ratlos zurück, denn was Sätze wie dieser …

Jetzt dürfen wir zeigen, dass wir uns nicht mehr länger unter Wert verkaufen.

… ausgerechnet mit 2014 zu tun haben, ist mir nicht so recht klar. Oder haben mir (und Ihnen) die Sterne solches in den letzten Jahren verboten? Der Rest sind auch aus den Binsen geklaubte Trivialitäten wie

Vielleicht müssen wir dem einen oder anderen Menschen die Wahrheit sagen und riskieren dadurch auch den Bruch der Beziehung.

Also wie erwartet, keine Prognosen von Herrn Weidner, also flugs zu

Ruth Siegenthaler: Astrologin mit Schwerpunkt visuelle Astrologie und Fixsterne

Unter den sieben Befragten des Astro-Gipfels ist Frau Siegenthaler klare Siegerin in der Disziplin „bedeutungsschwangeres Schwurbeln ohne Inhalt“. Oder können Sie die folgenden Sätze in irgendein verständliches Deutsch übersetzen?

Uranus im Widder bringt die Befreiung und den neuen Zeitgeist; Pluto im Steinbock setzt regenerative Kräfte frei, um Bestehendes zu transformieren, Saturn im Skorpion fördert alles Unstimmige an die Oberfläche, und Neptun und Chiron in den Fischen fördern eine Kultur des Mitgefühls. Ferner stärkt Jupiter im Krebs in der ersten Jahreshälfte das Vertrauen in unser seelisches Wachstum und in der zweiten unseren Selbstausdruck. Treue und Verlässlichkeit begleiten uns dann, wenn wir uns selbst treu bleiben.

… und weiter geht der Schwurbel:

Auf einer tieferen Ebene geht es darum, dass wir in unserer göttlichen Autorität stehen und uns erlauben, ja oder nein zu einer Situation zu sagen. Wenn wir uns jedoch aus Angst vor Verlust oder Anerkennung verleugnen, fühlt sich unser Herz, in dem unsere göttliche Autorität wohnt, im Stich gelassen. Und wenn dem so ist, werden wir auch nicht treue und verlässliche Menschen anziehen.

Später wendet sich Frau Siegenthaler sogar noch ein wenig den allgemeinen Tendenzen zu und schreibt:

Die Situation ist aus astrologischer Sicht sehr kritisch. Im Weltgeschehen werden die Verhandlungen über die Konfliktherde in der Welt auf Hochtouren laufen. Es bleibt zu hoffen, dass Friedensbemühungen fruchten und es zu keinen weiteren militärischen Interventionen kommt. Trotz aller schrecklichen Ereignisse befinden wir uns im Potenzial einer Zeit der Gnade, weil die gesamte Menschheit als lebendiges Ganzes dazu gezwungen wird, eine Phase der Selbstheilung durchzumachen und neue Wege einzuschlagen, um wieder gesund zu werden.

Aha, es wird kritisch – mehr verraten die Sterne offensichtlich nicht. Genug des Geschwurbels, wenden wir uns der letzten Kandidatin zu:

Antonia Langsdorf: Astrologin, Buchautorin und Moderatorin. Tätig unter anderem bei nexworld.tv

Die Ex-Dschungelcampbewohnerin reiht sich nahtlos in die Banalitätenparade der anderen sechs ein und gibt goldene Tipps, mit Sätzen die schon vor Jahrzehnten jede Oma ihrem Enkel eingetrichtert hat:

Zum Beispiel Treue und Verpflichtung, wenn wir eine tragfähige Partnerschaft führen wollen. Struktur, Plan und Konzentration auf das Ziel, wenn wir beruflichen Erfolg anstreben. Sparsames Haushalten und gesundes Sicherheitsdenken, wenn wir unser Hab und Gut bewahren wollen.

Und das soll jetzt irgendwie mit „Saturn“ zu tun haben? Ach Frau Langsdorf, prophezeien sie doch lieber wieder ein wenig Fußballkram, dann kann man ihnen wenigstens eine Prognose bescheinigen.

Ein Fazit dieser Nonsenstexte erspare ich mir …

(Das waren die Nummern 6-11 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)


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One response

1 01 2014
ulf_der_freak

den zwischen 2012 und 2015 vorhandenen Quadrat-Aspekt zwischen Uranus im Widder und Pluto im Steinbock,

Ob es auch Rechteck-Aspekte gibt oder Tetraeder?

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