Wissenschaft bestätigt Tierkreiszeichen? Nein, tut sie nicht!

25 02 2014

Auf astrophenix.de, einem astrologischen Onlinejournal – fand sich ein Artikel mit dem Titel „Wissenschaft bestätigt Tierkreiszeichen„, der wieder einmal zeigt, dass Astrologen immer dann wenn sie meinen, eine wissenschaftliche Untersuchung würde ihre Behauptungen bestätigen, stolz die Öffentlichkeit informieren – während sie die überwiegend negativen Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen geflissentlich ignorieren. In diesem Fall geht es um einen Artikel in P.M., der – auf der Titelseite angekündigt – tatsächlich mit dem Titel „Das erste Horoskop der Wissenschaft“ angekündigt wurde. Allerdings geht es in diesem Thema gar nicht um Horoskope, sondern um Forschungen, die zum Beispiel Zusammenhänge zwischen Geburtsmonat und Langlebigkeit untersuchen. Das ist nicht neu, und wurde bereits 2004 in dem BuchMai-Frau sucht Dezember-Mann – Wie der Geburtsmonat Gesundheit, Partnerschaft und Karriere beeinflusst“ von Prof. Dr. Peter Axt und der Ärztin Dr. Michaela Axt-Gadermann beschrieben, und nicht nur dort.

Ich gebe ja zu, dass ich den Artikel im P.M. nicht gelesen habe, aber das oben erwähnte – nicht unbedingt hochwissenschaftliche – Buch schon, und auch von dem britischen Psychologen Richard Wiseman sind ähnliche Forschungen bekannt. Bei Astrophenix jedenfalls freut sich der Autor „Astro-Fox“ über die Aussage im P.M.-Artikel, dass der „Geburtsmonat statistisch gesehen für das Menschenleben prägend“ sei und zieht natürlich gleich Rückschlüsse auf die Astrologie. Natürlich betrachtet er zunächst sein eigenes Sternzeichen und den überwiegend dazugehörigen Monat November, ein Geburtsmonat bei dem die Lebenserwartung hierzulande ein paar Monate höher ist als beim Durchschnitt der Bevölkerung:

Obwohl dem Skorpion der “Tod” zugeordnet ist, sagt eine im Artikel aufgeführte Studie sinngemäß: “Die Herbstgeborenen” haben eine besonders hohe Lebenserwartung”.

Aha! Dem Skorpion ist der Tod zugeordnet – den Novembergeborenen aber ein etwas längeres Leben. Ein Widerspruch? Niemals! Die Astrologie kennt keine Widersprüche!

Nun – das erscheint möglicherweise widersprüchlich. Ist es aber nicht. Wer sich mit dem Tod auseinandersetzen soll, benötigt mit “diesem” Erfahrung – diese gewinnt man nicht in einem frühen eigenen Tod, sondern, wenn man das Fortgehen anderer Menschen erlebt.

Blöd ist nur, dass in dem Artikel auch erwähnt zu werden scheint, dass diese statistischen Analysen auf der Südhalbkugel auch funktionieren, dort aber um ein halbes Jahr verschoben. So hatte bereits die „born lucky“-Studie von Richard Wiseman ergeben, dass auf den britischen Inseln diejenigen Personen sich am glücklichsten fühlten, die im Sommer geboren wurden, genau wie auch auf Neuseeland, nur dass der Sommer dort eben nicht im Mai sondern im November beginnt. Manchen Astrologen scheint dies übrigens unbekannt zu sein, denn der Österreicher Dietmar Hager erklärte Ende 2013 in einem Interview mit der Zeitung Kurier:

Wenn wir der Natur in der Widderlaufzeit zuschauen, sehen wir, dass die ersten Pflanzen die Schneedecke durchbrechen. 

Auf der Südhalbkugel wird es zu diesem Zeitpunkt aber kälter und ungemütlicher, das Argument ist also schlicht und einfach falsch. Und auch in anderen Weltgegenden – zum Beispiel in der Gegend um den Äquator – passt das eben nicht. Trotzdem gilt in Neuseeland und am Äquator die selbe Astrologie wie hierzulande. Immerhin scheint dem Astro-Fox das aufgefallen zu sein, denn er schreibt:

Zu Folge einer aufgeführten Studie erscheint es sinnvoll, für Geburten der Südhalbkugel den Tierkreis um 180° zu drehen – eine Idee, die meines Wissens schon Michael Roscher anführte.

Mag ja sein, dass ein Astrologe diese Idee schon einmal hatte, aber damit sind für den Astro-Fox wohl alle australischen, neuseeländischen, argentinischen und urguayanischen Astrologen absolute Flaschen, da sie die völlige Falschheit ihrer Horoskope bisher offensichtlich gar nicht bemerkt haben.

Und überhaupt: Mich würde ja am meisten interessieren wie die Astrologen dann den Übergang vom Nordhemisphärenhoroskop („normal“) zum Südhemisphärenhoroskop („um 180 Grad geklappt“) definieren würden. Reicht es bei Menschen, die südlich des Äquators (wenn auch nur ein paar Meter – z.B. in Kampala, Uganda oder Quito, Ecuador; beide Städte liegen auf dem Äquator) geboren sind einfach „umzuklappen“ und damit aus einem „Widder“ eine „Waage“ und aus einer „Jungfrau“ einen „Stier“ zu machen? Oder wird das irgendwie schrittweise gemacht, und falls ja in welchen Schritten?

Egal! Es mag ja spannend, und manchmal sogar nützlich (siehe hier zum Thema Allergien) sein, solche Daten auszuwerten, meines Wissens sind diese Effekte jedoch relativ klein. Auf keinen Fall sind sie ein Beleg für die Gültigkeit irgendwelcher astrologischer Deutungsphantasien. Nicht einmal auf der Nordhalbkugel …

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