Prognosen 2014: Herr Dimde und sein kriegerisches Nostradamusgeschwurbel

17 04 2014

Alle jahre wieder erbricht der selbst ernannte Nostradamusforscher Manfred Dimde ein kleines Büchlein, mit dem er wieder einmal zeigen will, dass sein Lieblingsprophet Nostradamus dann doch irgendwie immer und überall richtig gelegen haben soll. Dieses Ansinnen ist zwar schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt (weil man in Nostradamus wohl er „einen poetischen Chronisten des 16. Jahrhunderts, der in verklausulierten Versen das Zeitgeschehen abbildete.“ sehen sollte), aber man kann ja versuchen Jahr für Jahr mit dem (fast) immer gleichen Unsinn sein Geschäft zu machen. Aber schauen wir uns das diesjährige Machwerk einfach Kapitel für Kapitel an – mal sehen ob es dieses Jahr etwas Besonderes bringt.

Im ersten Kapitel geht es um „Die Feinjustierung der Prophezeiungen“ und eigentlich macht Dimde gleich auf der ersten Seite seine bisherigen Bücher lächerlich. Er, Dimde, der immer wieder behauptet, dass er irgendeinen Zeitcode von Nostradamus entschlüsseln haben will und deshalb immer irgendeinen Vierzeiler auf genau ein Jahr „justieren“ zu können glaubt, muss nämlich zugeben, dass ein von ihm für 2009 gedeutetes Verslein dann doch eher für 2013 gepasst hat. Und um was geht es dabei? Nun ja, um folgenden Text:

Wie wütend Nostrdamus über das Gesehene ist, zeigt diese Anmerkung, die er auf einen weiteren Drahtzieher gemünzt hat: ‚Die Schweineschnauze (Fratze) wird machen solch Schlimmes.‘

Und tatsächlich, der nordkoreanische Jungdiktator scheint in einem Cartoon mit einer Schweineschnauze dargestellt worden zu sein! Dummerweise im falschen Jahr, und noch blöder ist natürlich, dass der direkt folgende Satz auch für 2013 vollkommen sinnlos ist:

Auf internationaler Ebene wird noch versucht, bestimmte Waffen, die in diesem Jahrzehnt entwickelt wuren, zu ächten, aber die elf katholischen südamerikanischen Staaten halten sich nicht daran. 

Aber weiter im Text, wobei das nächste Kapitel („Von der Entwicklung zu besserer Gesundheit und zu einem langen Leben„) eine fast schon sensationelle Schwurbeldichte aufweist – und schon zu Beginn den Beleg, dass Dimde über die aktuelle Nostradamusforschung gar nicht informiert ist. Nein, Herr Dimde, Nostradamus war nicht in erster Linie Arzt, wie sie schreiben (kann man auf Wikipedia nachlesen: er hat selbst gesagt, dass er kein Arzt sei) . Und wo Nostradamus über 60 Milliarden Menschen auf der Erde geschrieben haben soll, das erklärt Dimde auch nicht – schon gar nicht auf welche Nostradamus-Schriften sich der Rest dieser lächerlich naiven Science-Fiction-Prosa bezieht. Wo bitte

  • steht bei Nostradamus dass ein „Zeitalter der Injektionsnadeln“ anbricht (mit welchem Wort hat der diese Nadeln eigentlich beschrieben?)?
  • beschreibt Nostradamus „eine Substanz, die in der Leber entsteht und in der Gallenblase nur für Sekunden stabil ist, die aber entscheidend für die vorzeitige Alterung der Zellen verantwortlich sein soll“ (… und woher wußte Nostradamus überhaupt von Körperzellen?) ???
  • kann man bei Nostradamus nachlesen, dass man „riesige Häuser bauen, deren Kern und zugleich Sockel ein ganzes Gebirgsmassiv“ sein werden?

Was für ein unsinniges Geschwurbel!

Im dritten Kapitel („Der Kerntext des Nostradamus für unsere Zeit„) macht es sich Dimde ganz leicht. Er druckt noch einmal seine in den Jahren 1984 und 1985 erstellten Deutungen für die Jahre 2010 bis 2015 ab, und schreibt:

Heute, fast 30 Jahre später, werden sie die Situationen bereits erkennen und zuordnen können.

Vergegenwärtigen Sie sich dabei bitte, was von den Vorhersagen des Nostradamus bereits zu erkennen ist und was noch im Dunkeln liegt. Immer dann, wenn etwas Ungewöhnliches geschehen ist, suchen Sie bitte in diesen Texten die jeweilige Übereinstimmung.

Aha! Man soll also in den Texten selbst nach Treffern suchen – aber wenn man nun keine findet?

  • Wo war denn der Krieg,  bei dem irgendwie 100 durch zu hohen Lebensstandard verteidigungsunfähige Wohlstandsstaaten verwickelt waren? (2010)
  • Um welche 4 Kriegsjahre ging es da 2011?
  • Wo ist im Mai 2011 die „Unmenschlichkeit eskaliert“?
  • Um den Auslöser welchen Krieges geht es 2011 im Zusammenhang mit Atomkraftwerken?
  • Wer hat 2012 welchen Religionskrieg gewonnen?
  • Welche Waffe wurde 2012 über England eingesetzt?
  • Welcher US-Präsident wurde 2012 ermordert?
  • Welche Tiere waren 2013 wo von Kriegsfolgen betroffen?
  • Wie war das mit der Zusammensetzung des Urins (!!!) 2013, der das Wachstum einer bestimmten Pflanze fördern soll?

Hält der Mann seine Leser für vollkommene Idioten? Herr Dimde hat es nicht einmal für nötig befunden seine damals schon lächerlichen Kriegsphantasien wenigstens ein wenig zu revidieren, auch wenn sie sich aus heutiger Sicht als vollkommen absurder Schwachsinn entpuppen. Und so sind auch seine Prognosen für 2014 geradezu peinlich (drei Beispiele):

  • Für die Bewohner der britischen Inseln kommt es nicht zum sofortigen Tod durch den Einsatz von Chemiewaffen. Ihnen steht eine Zeit der Ratlosogkeit bevor.
  • Stinkender Schlamm färbt die Erstbegorene
  • diverse Atomangriffe (!!!)

Und auch seine alten Texte für 2015 beschäftigen sich mit irgendwelchen Kriegsfolgen – hat der Mann gar nicht gemerkt, dass dieser Krieg bisher gar nicht stattgefunden hat?

Was dann auf fast 50 Seiten folgt ist eine Art Tagebuch (von Anfang April 2012 bis Anfang April 2013), in dem er wahllos und vollkommen sinnfrei irgendwelche Nachrichten kommentiert und bisweilen auch noch allerlei Verschwörungstheorien vermutet. So schreibt Dimde zum am 11. Februar verkündeten Papsrücktritt zum damailgen Monatsende:

Das ist ein wohlbedachter Schritt zu einem interessanten Termin. Zunächst einmal liegt das Datum offenkundig hinter den Parlamentswahlen in Italien.

Ja, lag es. Und warum war das „wohlbedacht“?

Was jedoch nicht sofort gesehen wird, ist dass es sich beim 1. März um den Jahresbeginn von Geheimgesellschaften handelt.

Klar sieht das niemand sofort, Ratzinger trat ja auch zum 28.2. zurück. Und welche Geheimgesellschaften sollen das eigentlich sein, die einen solchen Kalender „verwenden“? Ich vermute, dass es sich hierbei um reine Hirngespinste von Herrn Dimde handelt! Übrigens wurden an einem ersten März auch Glenn Miller, Harry Belafonte und Justin Bieber geboren – das bedeutet jetzt aber ganz bestimmt irgendetwas!!! Und auch das hat ganz sicher etwas mit dem Rücktritt des Papstes zu tun! Doch, ich sage das jetzt ‚mal so, und dann muss es ja wohl stimmen!

Im 5. Kapitel walzt Dimde seine Jahresprognose für 2014 dann nochmal auf 15 Seiten aus, beschreibt darin aber hauptsächlich die Vergangengeit. Klar, die kennt er ja schon und wenn er aus irgendwelchen, aus einem Nostradamusvers willkürlich zusammengeschüttelten, Buchstabenketten irgendwelches Geraune extrahiert, dann wirft das eine ganz einfache Frage auf:

Mancher Leser wird sich an dieser Stelle fragen, warum Nostradamus so kompliziert vorgegangen ist.

Dimde weiß natürlich die Antwort:

Nun, Nostradamus hat mit Bedacht die Inhalte, die er in seinen Visionen gesehen hat, komprimiert. Denn aus Platzgründen musste er das Wichtigste aus jedem jahr von 1555 bis 3798 in jeweils 130 bis 160 Buchstaben zusammenfassen.

Und wer hätte Nostradamus daran hindern wollen, über jedes Jahr einen ganzen Roman zu verfassen? Warum musste er sich auf 130 bis 160 Buchstaben beschränken? Gab es damals in Frankreich ein Gesetz, dass längere Abhandlungen unter Androhung finsterster Strafen verboten hat? Herr Dimde scheint seine Leser für vollkommen bescheuert zu halten! Und mit Nostradamus hat das ganze schon lange gar nichts mehr zu tun. Wenn aus den Vierzeilern von Nostradamus die Buchstaben willkürlich durcheinander geschüttelt und die unsinnigen Ergebnisse dann völlig abgedreht gedeutet werden, dann muss man diese Texte einzig und allein der etwas kriegslastigen Fantasie des Herrn Dimde zuschreiben. Eine Betrachtung dieser Texte erübrigt sich, denn außer sinnlosem Geraune findet sich dort schlicht und einfach NICHTS! Zumindest nichts was irgend einer Erwähnung als Prognose Wert wäre.

Die dann folgende „Erweiterte Nostradamus-Prophetie für das Jahr 2014“ hat zwar ebenso wenig mit Nostradamus zu tun wie die vorigen Texte, aber immerhin gibt es dort die Andeutung von Inhalt.  OK, bei seinem Text zu den „christlich orientierten Staaten“ hat Dimde mal wieder seine Kriegsfantasie im Griff, denn er schreibt:

Nostradamus beschreibt hier die ersten sichtbaren Folgen des Konflikts – einschließlich Hautausschlägen, die wohl durch die Waffeneinsätze entstehen. Er spricht von Ratschlägen, die man den Überlebenden gibt, die apathisch vor sich hin vegetieren.

Das ist zwar gequirlte …, aber immerhin: Die Hautausschläge könnten ja noch irgendwie passieren! Der Rest ist trivial bis lächerlich (Machtkämpfe in der katholischen Kirche, Auseinandersetzungen in Israel) oder schon von vorneherein falsch (Endphase des Krieges zwischen Muslimen und Nichtmuslimen).

Aber das Elend ist noch immer nicht vorbei, denn es folgen dann noch 108 Seiten „Kalendarium“, die – seit Jahren – immer gleich aufgebaut sind: Eine Woche bekommt eine Doppelseite, rechts darf der Leser unter einem Horoskopbildchen (für welchen Termin gilt das eigentlich???) etwas eintragen, links gibt es das Astrothema (für jeden Tag ein völlig unsinniger Satz wie zum Beispiel „Eine defekte Uhr“ oder „Jemand trägt einen Beutel voll Geld“ oder „Man steckt Rohre ineinander„) und drei Abschnitte für „Besonderheiten und allgemeine Tendenzen in dieser Woche„. Leztere sind unterteilt in „Welt“, „Deutschland“und „Privat“. Die jeweiligen Abschnitte sind nichts weiter als allgemeines Gefasel, das man auf alle möglichen Situationen irgendwie deuten kann, oder eben nicht. Wer irgendeine auch nur halbwegs prüfbare Prognose erwartet, der wird entäuscht werden – stattdessen bedeutungsschwangeres Gelaber ohne Ende. Schauen wir uns doch einfach ‚mal die Texte für die nächste Woche an, da sieht man sehr schön wie das Ganze „funktioniert“. Für die „Welt“ schreibt Dimde:

Die internationale Politik hat jegliches Vertrauen der Bürger verspielt. Aus Machtgier hat ein Staat viele kleine Staaten erpresst und erlebt nun einen Feuersturm. Die Welt geht einschneidenden Veränderungen entgegen. Politiker fliehen vor Kritikern, die ihre Meinung mit Waffengewalt durchsetzen werden. Man beobachtet Großunternehmen, die sich in dieser Zeit sehr unberechenbar verhalten. In so mancher Chefetage herrscht Verzweiflung.

Die Übersetzung ins Deutsche lautet schlicht: Blablabla! Apropos Deutschland – hier schreibt Dimde für die selbe Woche:

Man kann Politiker beobachten, die durch eine trotzige Verhaltensweise das Staatsgefüge mächtig ins Schlingern bringen. Man wird mehrfach einen Neuanfang versuchen. Die befürchteten Risiken werden ihr Potential offenbaren. Man kann diese Zeit als „Ära der boshaften Spiele“ bezeichnen. Überraschend wird ein Politiker das Land verlassen.

Aha!! Wieder nur allgemeines Geblubber! Worum geht es bei dem Neuanfang? Welche Politiker bringen was ins Schlingern? Um welche Risiken geht es? Wer verlässt das Land? Auf diese – einfachen – Fragen hat Dimde natürlich keine Antwort! Privat steht übrigens in der nächsten Woche alles auf „Wechsel“! Im Beruf, in der Familie im Freundeskreis – und auch bei den Kollegen, alles soll irgendwie wechseln!

Fazit: Ein solches Ausschlachten seiner Verse hat Nostradamus wirklich nicht verdient! Das Buch ist eine einzige Armutserklärung des Autors, die mit lächerlichen Begründungen des Autors krude Fantasien einem Menschen in die Schuhe schiebt, der sich nicht mehr wehren kann.

(Das war Nummer 33 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)

 


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3 responses

1 09 2014
Nostradamus und der Erste Weltkrieg – mitnichten ein prophetischer Treffer @ gwup | die skeptiker

[…] 2014: Herr Dimde und sein kriegerisches Nostradamusgeschwurbel, Wahrsagerchecks-Blog am 17. April […]

13 10 2015
Eileen la Faye

Wenn ich Ihre Kommentare zu den Nostradamus-Texten von M. Dimde lese, wird mir einmal mehr klar, warum Nossi verschlüsseln musste. Wenn Nossi nur soviel Platz hatte, wie es eben für die Texte brauchte, könnte man auch daraus schließen, dass er eben nicht so viel Geld in ein Buch stecken wollte. Möglicherweise ahnte er, dass dicke Bücher solcher Couleur nicht grade auch noch gern gelesen werden. Und zu aller Kritik, etwas mehr konstruktiv würde auch Ihnen besser zu Gesicht stehen.

13 10 2015
wahrsagercheck

Wenn er wirklich etwas hätte sagen wollen, dann hätten einfache, klare Sätze a la „DAS wird DANN DA passieren“ genügt! Hätte viel weniger Platz verbraucht als irgendwelche Verschlüsselungen …
Und außerdem: Was ist so schlimm daran, Unsinn als das zu benennen was es ist: Unsinn?

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