Wer wird Fußball-Weltmeister 2014? – Teil 1: Statistische Prognosen – auch zum Selbermachen!

8 06 2014

Noch eine Woche bis zur Fußball-WM und so langsam wird es Zeit für den Beginn meiner fast schon traditionellen Prognosesammlung. Wie üblich äußern sich im Vorfeld ein paar Statistiker von Unis oder Großbanken, die ihre geballte Rechnerpower für ausufernde statistische Simulationen nutzen.

Bei Goldmann Sachs mündet das in eine 67-seitige Analyse unter dem Titel „The World Cup and Economics 2014„, die auch eine Simulation des gesamten Turniers beinhaltet. Das Ergebnis: Brasilien (48,5% Wahrscheinlichkeit für den Titelgewinn) besiegt Argentinien (14,1%) im Finale, Deutschland (11,4%) scheidet – wie Spanien (9,8%) – im Halbfinale aus. Bei der Unicredit-Bank sieht es ähnlich aus, gemäß dieses Berichts heißt der Sieger ebenfalls Brasilien, Argentinien verliert das Finale und Deutschland unterliegt im Spiel um den dritten Platz (hier soll der Gegner Uruguay heißen). Die Berechnungen der Universität Innsbruck liefern ein fast identisches Ergebnis: Brasilien (22,5%) vor Argentinien (15,8%), dahinter Deutschland (13,4%) und Spanien (11,8%). Auf der Webseite Fußballvorhersage wurde bereits Anfang Mai mit den zum 3.5. bekannten Daten (ELO-Rating, Weltrangliste, Wettquoten – s.u.) eine Simuation des gesamten Turniers ins Netz gestellt, hier soll im Finale Brasilien die Spanier besiegen, Deutschland wird nach einem Sieg über Argentinien Dritter. Auch auf der Webseite des Schweizer Mathematikers Roger Kaufmann haben die Brasilianer (27,7%) die Nase vorne, gefolgt von Argentinien (13,2%), Deutschland (10,2%) und Spanien (9,4%) – nach Beginn der WM werden diese Titelwahrscheinlichkeiten aber regelmäßig durch Eintrag der aktuellen Spielergebnisse neu berechnet. Nur der Dortmunder Physikprofessor Metin Tolan schafft es sein Simulationsprogramm so zu manipulieren, dass am Ende der Berechnungen die deutsche Mannschaft (mit 20,33% Siegeswahrscheinlichkeit, vor den Niederlanden mit 18,61% – Brasilien hat da nur 9,04% und Spanien gar nur 0,65%) an der Spitze steht, und er gibt das sogar zu: „Bei meinen Berechnungen kommt natürlich immer Deutschland raus„.

Der Trick von Tolan ist dabei, dass er offensichtlich von den verschiedenen Faktoren, die man für eine solche Simulation benutzen kann, diejenigen am höchsten gewichtet, bei denen die deutsche Mannschaft irgendwelche Vorteile hat: in diesem Falle die vielen erzielten Tore in der Qualifikation. Andere Faktoren, die in solche Berechnungen eingehen sind die offizielle FIFA-Weltrangliste, mehr oder weniger aktuelle Wettquoten diverser Wettanbieter, die Ergebnisse früherer WM Turniere sowie anderer Länderspiele, der aktuelle Marktwert der Spieler, der Heimvorteil (… und die Tatsache dass noch nie ein europäisches Team bei einer WM in Südamerika gewinnen konnte) sowie das  – meines Erachtens sehr interessante – ELO-Rating (das von der FIBA Weltrangliste zum Teil deutlich abweicht). Der Fanasie sind dabei wohl kaum Grenzen gesetzt und für die Gewichtung der einzelnen Faktoren lässt sich wohl fast immer eine richtig klingende Begründung finden.

Wer ein wenig mit solchen Gewichtungen ein wenig spielen will, der kann dies auf der Seite „Fußballmathe“ tun. Für die eigene Prognose können die Gewichtungen für die Kategorien „Vergangene Spiele“, „Torverhältnis“ und „FIFA-Punkte“ variiert werden:

fubama

 

Bisher ist es mir allerdings nicht gelungen durch irgendeine Einstellung die Prognose eines brasilianischen Titelgewinns zu verhindern …

Viel mehr Spielmaterial für die Vergabe eigener Gewichtungen – und damit viel mehr auch wirklich unterschiedliche Ergebnisse – gibt es beim Spiel mit dem Worldcup-Simulator der Freien Universität Berlin. Hier darf man nämlich die verschiedenen Gewichtungen einfach ändern und neben der Gewichtung für ELO-Rating, FIFA-Weltrangliste, ESPN’s Soccer Power Index (den habe ich im Netz nicht lokalisieren können), dem Wert der Spieler, des Heimvorteils und dem Alter der Spieler kann zusätzlich nicht nur ein „Glücksfaktor“ eingebaut sondern es kann auch ein eigenes Kriterium für die einzelnen Teams definiert, bewertet und nach eigenem Gutdünken gewichtet werden. Einzige Schwäche der Seite ist die etwas unübersichtliche Gestaltung des jeweiligen Ergebnisses, aber das Spielen mit dem Simulator macht wirklich Spaß. Da man auch die Anzahl der für die Berechnung des Ergebnisses notwendigen Simulationen einfach verändern kann sind auch sehr obskure Ergebnisse möglich. Gewichtet man zum Beispiel alle „echten“ Faktoren mit einer Null und den Glücksfaktor mit „1“, dann kann bei der Standardeinstellung von 10.000 Simulationsrunden natürlich jede Mannschaft als Sieger erscheinen. Setzt man dazu noch die Anzahl der Simulationen auf 1, kriegt man sehr überraschende Sieger, analog einer Folge von einfachen Zufallsexperimenten a la Münzwurf: so kann dann in einer Prognose auch Kamerun im Finale Frankreich besiegen. Auch einen deutschen Sieg kann man sich dadurch zusammenbasteln  – ich gebe aber zu, dass ich bei dieser Simualtion ein wenig übertrieben habe, denn wenn die deutsche Mannschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% den Titel gewinnen soll (gefolgt von Spanien 9%, Brasilien 6% und Argentinien mit 5%) dann muss man schon sehr viel tricksen. Die Standardeinstellungen des Simulators liefern übrigens eine bereits bekannte Prognose: Brasilien (25%) vor Spanien (14%), Argentinien (14%), Deutschland (13%) und dann lange nichts. Spannend wird es auch hier nach Beginn des Turniers, denn die aktuellen Spielergebnisse kann man bei eigenen Simualtionen in das Ergebnis einfließen lassen, oder eben auch nicht.

Fazit:

Brasilien ist bei den statistischen Simulationen der klare Favorit, Argentinien, Deutschland, Spanien und vielleicht noch Uruguay oder die Niederlande haben gemäß diesen Berechnungen ebenfalls Chancen, für den Rest der Teams scheinen die Aussichten auf den Titel nicht allzu gut. Allerdings ist offen, ob diese Simuationen auch berücksichtigt haben, dass Stephen Hawking der englischen Mannschaft eine Erfolgsformel berechnet hat. Er empfiehlt unter anderem „rote Hemden, eine 4-3-3-Formation und blonde Elfmeterschützen„, Faktoren die nicht unbedingt in den anderen Simulationen enthalten sind. Vielleicht hilft das ja dem so genannten „Mutterland des Fußballs“ …


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3 responses

8 06 2014
Die Tierorakel der WM 2014 @ gwup | die skeptiker

[…] wird Fußball-Weltmeister? Teil 1: Statistische Prognosen, Wahrsagerchecks-Blog am 8. Juni […]

13 06 2014
Der Ball rollt, die WM-Orakel werden von der Leine gelassen @ gwup | die skeptiker

[…] wird Fußball-Weltmeister? – Teil 1: Statistische Prognosen, Wahrsagerchecks-Blog am 8. Juni […]

23 06 2014
Janik

Der worldcup-Simulator gefällt mir🙂

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