Astro TV? Nein, Hessischer Rundfunk! (mit Update)

31 12 2014

Wer am 30.12.2014 beim Zappen über die Sendung „hallo Hessen“ im hessischen Fernsehen gestolpert ist (sie ist noch ein paar Tage in der Mediathek verfügbar), dürfte ein wenig überrascht gewesen sein. Was dort zu sehen war würde man eher bei einem Sender wie Astro-TV erwarten: Eine völlig unkritische Selbstdarstellung eines selbsternannten Handlesers, Pendlers und Wahrsagers, dem der Hessische Rundfunk auf Kosten der Gebührenzahler eine über 40-minütige Werbeveranstaltung ermöglichte. Kritische Rückfragen? Fehlanzeige! Und die Reaktion auf kritische Stimmen auf Facebook spricht auch Bände:

hr301214Das „Augenzwinkern“ war nirgends zu sehen, stattdessen Werbung pur mit einem  vermeintlich „sensationellen“ Prognosetreffer (siehe Update unten) des Wahrsagers – für einen öffentlich-rechtlichen Sender mit Bildungsauftrag war das ein absolutes Armutszeugnis, und beim HR  nicht das erste Mal.

Beibt die Frage ob der HR diesem Menschen auch noch eine Gage gezahlt hat? Ich befürchte ja, dass die das getan haben – und damit die Gebührenzahler auf deren eigene Kosten veralbert. Wieviele auf diesen lächerlichen Unsinn hereingefallen sind möchte ich gar nicht wissen – für den Wahrsager ist es auf jeden Fall ein lukratives Geschäft: 20 Euro nimmt der für eine „Kurzberatung“, 100 Euro für eine Stunde Gelaber – und natürlich wirbt er im Internet gerne mit diesen Auftritten. Dass der Mann nicht mehr als schwammiges Gelaber drauf hat konnte man in der Sendung übrigens sehr gut überprüfen …

Zum sensationellen Prognosetreffer:

Der Handleser/Pendler-Schwurbifex hatte einer Teilnehmerin an der Vorjahressendung (einer Frankfurter Konditorin) kommenden Kindersegen prognostiziert, und tatsächlich, im August wurde der Dame ein Kindlein geboren. Komisch ist dabei natürlich, dass die Frau zum Zeitpunkt der Sendung so etwa in der 8. Schwangerschaftswoche gewesen sein muss (wenn es denn keine Frühgeburt war) und ihr die Schwangerschaft schon „irgendwie“ hätte auffallen müssen („ihre Tage“ dürfte sie ja schon 2 mal nicht gehabt haben). So ist die Darstellung des hr nicht nur eine lächerliche Esoterikwerbung, mit dem nach dem Duktus der Sendung quasi selbst recherchierten Trefferbeispiel wird der Fernsehzuschauer schlicht und einfach betrogen!

 

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Prognosen 2015: Triviales von Herrn Staudt und Frau Bulanik

25 12 2014

Heute habe ich mir die Webseiten von zwei Astrologen und die dort zu findenden Texte für das Jahr 2015 angesehen. Es handelt sich um den Münchner Sterndeuter Olaf Staudt sowie seine Frankfurter Kollegin Aylin Bulanik – beide zeigen, dass sie aus den Sternen wohl gar nichts lesen können, denn der Informationsgehalt ihrer jeweiligen „Jahresvorschau“ ist schlicht und einfach lächerlich.

Fangen wir mit Herrn Staudt an, der für 2015 folgende sensationelle Dinge vorherzusgaen weiß:

Das erste Quartal steht letztmalig im Zeichen des Uranus/Pluto-Quadrates, das die vergangenen Jahre so nachhaltig geprägt hat. Dementsprechend dürften die ersten Monate nochmals turbulent verlaufen. Dabei sind sowohl weichenstellende Entscheidungen als auch überraschende Entwicklungen und Ereignisse möglich.

Aha, und wenig später:

Dieser Aspekt wird verstärkt durch ein Halbquadrat von Saturn und Pluto, welches von Mitte Juni bis Ende August permanent wirksam ist. Unter dieser Zeitqualität besteht, um es vorsichtig auszudrücken, erhöhtes Krisenpotential. Typisch für Verbindungen von Uranus und Neptun sind Naturkatastrophen, beispielsweise Erdbeben. Zudem könnte die weltpolitische oder wirtschaftliche Situation einmal mehr eskalieren.

Schließlich gibt es sogar irgendwie gute Aussichten:

Zwischen Ende Juli und Anfang September ist Venus rückläufig. In dieser Zeit werden Partnerschaften und Allianzen aller Art einem Test unterzogen. Bestehende Unstimmigkeiten und Probleme kommen an die Oberfläche. In positiver Hinsicht besteht die Möglichkeit, Konflikte und Frustrationen zu bereinigen.

 Tja, bei Herrn Staudt ist also irgend etwas möglich, es besteht teilweise erhöhtes Krisenpotential und vielleicht gibt es Erdbeben. Bei solch nichtssagenden Texten in die man wahlweise so ziemlich alles hineindefinieren oder sie eben als Nonsensschwurbelei abtuen kann frage ich mich immer wer – außer mir – denn noch solche Seiten liest.

Ähnlich inhaltsleer liest sich der Jahrestext von Aylin Bulanik, die sich aber mehr auf die persönliche Ebene ihrer Leser begibt. Solche Passagen gibt es zwar auch bei Herrn Staudt, hier ist es aber irgendwie ein ganz klein wenig konkreter. Natürlich nicht am Anfang, denn dieser vom 14.3. bis 2.8. gültige Satz …

Während der Saturn-Transite bekommen wir entweder die Quittung für vergangene Fehler serviert oder wir ernten die Erfolge unserer vorangegangenen Bemühungen.

… lässt ja schon mal alles offen und die Frau hätte ihn sich auch einfach sparen können – oder ergänzen, dass vielleicht auch gar nichts passiert. Dazu gibt es noch eine Liste von Geburtstagen, die zwischen März und August irgendwie „auf die Probe gestellt werden„, aber was das nun konkret bedeuten soll, darüber schweigt die Autorin. Irgendetwas Genaueres scheinen ihr die Sterne nicht sagen zu können. Immerhin wird sie in einem anderen Abschnitt zumindest scheinbar ein wenig konkreter:

Wir erleben diese Zeitqualität so intensiv, dass sie uns tatsächlich zunächst einmal wie Stillstand vorkommt. Eine innere Ruhelosigkeit macht sich plötzlich in uns breit. Wir sind nicht mehr gewillt, weiterhin den alten Trott zu ertragen, die langweilige Beziehung fortzusetzen, uns bei der Arbeit einengen zu lassen oder länger in der kleinen Wohnung auszuhalten. Die Folgen sind meistens Arbeitswechsel, Selbständigkeit, Umzug oder Trennung/Scheidung.

Oha! Und das soll man tatsächlich alles aus den Sternen lesen können? Kann man natürlich nicht, aber es lässt sich natürlich trefflich über irgendwelche „Zeitqualitäten“ labern. Für 3 mal drei Wochen hat Frau Bulanik dann noch ganz besondere Tipps parat:

Während der Rückläufigkeit des Merkur ist es nicht besonders ratsam, Arbeitsverträge oder Mietverträge zu unterschreiben. Der Vertrag kann aufgelöst werden, es kann zu einer Kündigung kommen. Briefe gehen verloren, es entstehen Missverständnisse in der Kommunikation. Auch Reisen (Streik, Verzögerung, Annulierung, Verschiebung), Umzüge (Probleme im Haus, keine lange Verweildauer), Geschäftsabschlüsse (Verträge!) und Telefonanschlüsse (Störungen) stehen in dieser Zeit nicht unbedingt unter den besten Voraussetzungen.

Ob streikende Eisenbahner oder Piloten sich tatsächlich an die Rückläufigkeit des Merkur halten? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen! Ein Glück, dass sich wohl nur wenige Menschen an solche Tipps halten – drei mal drei Wochen ohne Geschäftsabschlüsse, Reisen oder Umzüge – merkt die Autorin nicht wie lächerlich sie sich damit macht?

Auf einer zweiten Seite beschäftigt sich Frau Bulanik noch mit Politikern und Promis und hat zwei Listen von Namen, die kein gutes bzw. kein positives Jahr zu erwarten haben:

Celine Dion, Pink, Brad Pitt und Angeline Jolie, Johnny Depp, John Travolta, Sylvester Stallone, Seal, Mila Kunis,Melanie Griffith, JayZ und Beyonce Knowles, Blake Lively und Ryan Reynolds, Madonna, Britney Spears, Marc Anthony, Alessandra Meyer-Wölden, Oliver Pocher, Boris Becker (Promis)

sowie aus der Politik:

Barack Obama, Angela Merkel (Februar, März 2015), Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble (Februar, März, April 2015 Rücktritt?), Walter Steinmeier, Wladimir Putin (Russland), Arsenij Jazenjuk (Ukraine), Victor Orban (Ungarn), Helmut Kohl (Altbundeskanzler), Tayyip Erdogan und Davutoglu (Türkei), Joachim Gauck, Dilma Roussef (Brasilien), Mario Draghi (EZB-Präsident, immer mehr Anfeindungen gegen ihn), Jean-Claude Juncker (Präsident der EU-Kommission), Matteo Renzi (Italien: Februar, März, Juni 2015)

Sophia und Juan Carlos von Spanien

Irgendwie sieht das so aus, als habe Frau Bulanik einfach ein paar Namen zusammengeschrieben – was mit „nicht gut“ oder „nicht positiv“ gemeint ist, darüber lässt sie sich ja nicht aus. Zum Ende hat sie aber immerhin noch ein paar konkrete Promiprognosen auf Lager, und dieses Mal geht es um ein weiteres Standardthema: Schwangerschaften! Immerhin nennt sie zwei Kandidatinnen:

Jennifer Aniston dagegen könnte in 2015 endlich schwanger werden, genauso gute Chancen hat auch Rihanna. Beide haben diesbezüglich vielversprechende Transite. Vielleicht verschweigen sie uns auch schon ihre Geheimnisse!

Wenigstens das wird man Ende 2015 nachprüfen können …

(Das sind Nummer 4 und 5 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Prognosen 2015: Erdbeben, überall Erdbeben – und Terror! Nikki Pezaro mit neuem Prognoserekord!

24 12 2014

290 Prognosen und dazu eine Liste von sage und schreibe 195 Personen auf ihrer alljährlichen „Death and Health Watch“ Liste, das kanadische Medium Nikki Pezaro scheint sich um einen Platz im Guinessbuch der Rekorde bewerben zu wollen – als größte Wahrversagerin aller Zeiten. Schade ist dabei, dass sie den ganz skurrilen Prognosen etwas abgeschworen zu haben scheint, aber das ein oder andere Highlight findet sich natürlich immer noch. Wie immer hat Frau Pezaro ihre kurzen Prognosen irgendwie thematisch sortiert und dann jeweils durchnummeriert – und sie hat natürlich wieder ausführlich aus den Prognosen der letzten Jahre kopiert. Aber zunächst zu den nackten Zahlen:

  • 137 „World Predictions“
  • 55 „Star Predictions“
  • 24 „Canadian Predictions“ (neu)
  • 60 „Wild International Weather Predictions“
  • eine (1) unter der (ebenfalls neuen) Rubrik „Predictions for the Royal family of Monaco“
  • 13 mal „The Royals“

… und die bereits erwähnten 195 Namen auf der „Death and Health Watch“ Liste. Inhaltlich ist der Schwerpunkt dabei klar: Erdbeben und Terror überall, dazu eine große Portion weiterer Katastrophen aller Art und bei Stars, Sternchen und gekrönten Häuptern das übliche Sammelsurium von Trennungen, Kindersegen und Krankheiten. Und klar, da George Clooney 2014 geheiratet hat gibt es auch diese Prognose:

George Clooney has to watch his marriage

Bei den Katastrophen hat Frau Pezaro eine fast endlose Reihe von Erdbeben zu bieten. 55 mal vermutet sie das für das kommende Jahr, und zwar so ziemlich überall in den USA (Kalifornien kommt natürlich gleich mehrfach vor), Kanada und dem Rest der Welt, bisweilen auch gerne mit einem Tsunami als Zugabe. Unter den Ländern für die sie irgendwelche Erdbeben prognostiziert sind die folgenden:

Chile und Peru (mit Tsunami), China, Iran, Panama, Italien (Rom!), Thailand und Indonesien (mit Tsunami), Philipinen, Guam, Großbritannien (London), Malta, Russland, Griechenland (Korfu, Kreta), Zypern, Japan (natürlich mit Tsunami), Südafrika und Afghanistan

Ziemlich ermüdend das Ganze, ebenso wie ihre Liste der von Terror bedrohten Städte:

Washington DC, Paris, Casablanca, Melbourne, London, Schottland, Toronto, New York, Boston, Los Angeles, Niagara Fälle, …

Dazu sollen – wieder einmal – einige berühmte Gebäude Feuer fangen, ein paar Flugzeuge abstürzen oder zusammenstoßen – und eins von einem Meteoriten getroffen werden. Und für manche Menschen in Alaska kommt 2015 wohl nicht nur Gutes von oben (Weltprognose Nr. 19):

 Eagles attacking people in Anchorage, Alaska

 Außerdem soll noch ein Meteorit auf die Erde stürzen, und zwar in Neuseeland (World Predictions Nr. 38):

A meteorite strikes Auckland, New Zealand

Immerhin, auf ihrer „Death and Health Watch“ Liste hat sie wenigstens die Schreibfehler beseitigt und statt „Arnold Swarzenhagger“ heißt der Mann dieses Mal richtig:  „Arnold Schwarzenegger„. Natürlich gibt es auch neue Namen, und dabei einen, den die Skeptiker der Welt kennen: Zwischen Gordon Lightfoot und April Lavigne steht doch tatsächlich:

James Randi

Eigentlich ein gutes Zeichen für den inzwischen 86-jährigen, denn nur wenige aus dieser Liste sterben im Prognosejahr tatsächlich – obwohl Pezaro doch überwiegend Menschen mit einem doch schon recht hohen Alter dort hineinkritzelt. Aber vielleicht ist das auch nur die Retourkutsche auf Randis Aufforderung von 2011, Nikki Pezaro möge sich doch einem einfachen Test stellen, den diese mit fadenscheinigen Begründungen verweigerte.

Bleiben noch ein paar Anmerkungen zu ihren vermeintlichen Prognosetreffern, von denen sie für 2014 immerhin mehr als ein Dutzend nennt. Einer davon ist tatsächlich ein wenig überraschend, denn sie hatte für 2014 tatsächlich ein Zugunglück in der kanadischen Provinz Manitoba vorausgesagt – und dort ist doch dann auch wirklich ein Güterzug entgleist. Dass sie auch Clooneys Hochzeit als Treffer reklamieren möchte ist dagegen lächerlich, denn das hatte sie für 2012 vorausgesagt. Noch lächerlicher sind ihre vermeintlichen Treffer bei einem Erdbeben in der Nähe von San Francisco (wird fast täglich gemessen), dem Vulkanausbruch auf Hawaii (aktive Vulkane gibt’s dort immer) und eine Reihe lächerlicher Promiprognosen, die sich außerdem auf ihre „Death and Health Watch“ Liste beziehen. Bleibt noch das verschwundene Flugzeug, das Pezaro im Bermuda-Dreieck verschwinden sah – passt leider nicht zum verschwunden Flug der Malaysian Airlines, denn bis zum Bermuda-Dreieck hätte der Sprit niemals gereicht.

Also alles wie gehabt: Frau Pezaro sagt Katastrophen voraus macht sich mit ihren vermeintlichen Treffern lächerlich. Nach vielen Jahren der Beobachtung ihrer Prognosen war das Zugunglück in Manitoba der allererste zumindest  nicht ganz triviale Treffer (obwohl Manitoba ja doch recht groß – fast doppelt so groß wie Deutschland –  ist und die Wahrscheinlichkeit eines – vielleicht nur kleinen – Zugunglücks dort auch wesentlich größer als Null sein wird). Für eine selbst ernannte Hellseherin ist das aber unter aller Kanone … … und ich sage voraus, dass sich das im nächsten Jahr auch nicht ändern wird.

 

(Das ist die Nummer 3 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Prognosen 2015: Nostradamus und die Zombie-Apokalypse

12 12 2014

Im letzten Jahr war ich über die Webseite www.nostradamus-2014.de gestolpert und hatte dieser Seite auch einen Artikel gewidmet. Inzwischen gibt es bereits seit einiger Zeit die neue Webseite www.nostradamus-2015.de, und natürlich habe ich nachgeschaut, was für das kommende Jahr hier so zusammenfantasiert wird. Wie im letzten Jahr traut sich niemand die Autorenschaft für diesen Text zu übernehmen, und das ist durchaus verständlich wenn man sich dieses Machwerk ein wenig genauer anschaut.

Es fängt schon mit einer durchaus anzuzweifelnden Aussage an:

Auch für das Jahr 2015 hat Nostradamus verschiedene Prophezeiungen in seinen Zenturien hinterlassen.

Natürlich würde ich das gerne ein wenig genauer wissen! Um welche Zenturie(n) geht es? Welcher Zenturie ist zum Beispiel die folgende – durchaus konkrete – Prognose entnommen?

Diesen kann entnommen werden, dass sich insbesondere in Nordeuropa eine Art neue Währung etablieren wird.

Ich kenne keine, in der irgendetwas über eine neue Währung in Nordeuropa steht. OK, die Deuter mischen gerne die Worte und Buchstaben durcheinander, aber eine Quelle sollte die Autorin/der Autor doch nennen können, wenn man sich nicht dem Vorwurf aussetzen will man habe sich das alles einfach zusammen fantasiert und dann Nostradamus in die Schuhe geschoben. Aber weiter im Text!

Der nächste Abschnitt hat gar nichts mit Nostradamus zu tun! Nostradamus soll über „durch schädliche Zusätze kontaminierte Nahrung„, über „Altersvorsorge“ und „Wertpapierrenditen“ geschrieben haben? Echt jetzt? Hält der Autor/die Autorin dieses Textes die Leser für vollkommen bescheuert? Nostradamus lebte bekanntlich von 1503 bis 1566, eine Zeit in der es weder Lebensmittelzusätze noch Altersvorsorge in unserem Sinne oder Wertpapiere gab. Aber ok, auf dieser Seite steht ein fast gleichlautender Satz und als Quelle wird hier Manfred Dimde genannt, also jener Nostradamus-Deuter der tatsächlich gerne die Buchstaben einer von ihm willkürlich gewählten Zenturie nach gusto neu zusammenmischt. So kann man sich natürlich aus so ziemlich jeder Zenturie beliebige Unsinnsprognosen basteln.

Und natürlich geht es wieder um den 3. Weltkrieg, schon immer eines der Lieblingsthemen der Nostradamusdeuter. Wurde für 2014 noch der unausweichliche Beginn dieses Krieges prophezeit so sollen jetzt 2015 die „Kämpfe auf psychischer Ebene“ enden. Aber halt, wo steht bei Nostradamus etwas von einer „psychischen Ebene“? Oder gar von  „Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse […], die auf der so genannten feinstofflichen Ebene ausgetragen“ werden? Immerhin eine geniale Idee: Wenn der 3. Weltkrieg partout nicht sichtbar werden will, dann verschiebt man ihn auf die „feinstoffliche Ebene“ – aber irgendwie scheint der Krieg nicht feinstofflich bleiben zu wollen:

Diese Kämpfe der spirituellen Welt werden laut Nostradamus im Verlauf des Jahres 2015 ihren Höhepunkt erreichen und auch andere Erscheinungsformen annehmen. Diese Formen manifestieren sich in internen Auseinandersetzungen. Kriegerische Aktivitäten, Kämpfe, Schlachten und Aufstände werden sich vor allem national ereignen, sodass gegen totalitäre Regime und menschenunwürdige Systeme demonstriert und aufbegehrt wird. Diese Problematik betrifft Volkssysteme und Länder in ihrem Inneren.

Tja, und welche „Volkssysteme und Länder“ betrifft das jetzt? Nicht dass ich glaube dass irgendetwas davon bei Nostradamus steht, aber wenn sich hier ein Autor/eine Autorin schon als Nostradamus-Kenner(in) aufspielt, dann sollten doch ein wenig genauere Informationen geliefert werden – der oben erwähnte Herr Dimde kann das doch auch (und liegt üblicherweise vollkommen daneben). Klar auch, dass das ganze Kriegszeug irgendwo zentral gesteuert werden muss. Also gibt es eine Prise Verschwörungstheorie und die Steuerung wird an irgendwelche „höhere, spirituelle Wesenheiten“ delegiert. Am Ende des Abschnitts folgt die Standardprognose vieler Hellseher und Astrologen:

Außerdem hat der Prophet auch für das Jahr 2015 eine auffallend große Folge verschiedener Naturkatastrophen vorausgesagt.

Sensationell! Ich frage jetzt lieber nicht was denn „eine auffallend große Folge“ sein soll, denn der Text ist leider noch nicht zu Ende. Nach ein wenig Kriegsgefasel folgt dann tatsächlich eine durchaus konkrete – und absolut sensationelle – Prognose:

Zwar hat Nostradamus auch prophezeit, dass im Jahr 2015 sämtliche sprachlichen Barrieren auf der Welt aufgehoben werden.

Aha, das riecht nach der Entdeckung des von Douglas Adams in seinem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ beschriebenen „Babelfischs“ – und es wird noch besser:

Außerdem sah er voraus, dass die Menschen in der Lage sein werden, sich mit den tierischen Lebewesen unseres Planeten zu unterhalten. Daraus wird sich ergeben, dass Mensch und Tier in brüderlicher Eintracht zusammenleben und sich eine vegetarische Lebensweise durchsetzt.

Tragisch für die Metzger und Fleischer auf dieser Welt, denn die werden dann wohl allesamt arbeitslos oder müssen auf Gemüsebauer umschulen. Ein hartes Los, auch für mich: Kein Mettbrötchen mehr, keine Thüringer Bratwurst und für meine geliebte (im Grundrezept absolut vegane) Linsensuppe gibt es keine Meenzer Fleischwurst zum reinschnippeln mehr.

Gegen Ende wird der Text dann doch noch erstaunlich konkret, und die diffus genannte „Folge verschiedener Naturkatastrophen“ wird ein wenig detailliert:

Ausgehen werden diese Krisenzustände von den USA. Das Land wird 2015 durch eine verheerende Naturkatastrophe stark getroffen. In der Gegend von Yellowstone erkannte der Seher ein Erdbeben unvorstellbaren Ausmaßes.

Schon toll dass der 1566 verstorbene Nostradamus den Namen einer Gegend gekannt haben soll, die nach einem Fluß benannt wurde der seinen Namen erst 1798 bekam. Es sollen dann noch zwei Vulkanausbrüche folgen die das Weltklima beeinflußen und auch Europa (Vesuv!) soll betroffen sein. Immerhin, den Namen dieses Vulkans könnte Nostradamus tatsächlich gekannt haben, aber wo er für diesen einen Ausbruch für 2015 vorausgesagt haben soll bleibt im vernebelten Hirn des Autors/der Autorin verborgen.

Fehlt noch was? Klar! Nostradamus ohne Nukleargefasel geht irgendwie nicht, also gibt’s noch das:

Aus diesem Kontext heraus sah Nostradamus eine nukleare Katastrophe weltweiter Dimensionen aufkommen.

Seit Jahren das Gleiche, aber ganz am Ende kommt dann doch noch eine „Prognose“, die mir im Zusammenhang mit Nostradamus völlig neu ist … … und die für mich der absolute Höhepunkt dieses Textes ist:

Zusammen mit den gewalttätigen Auseinandersetzungen auf lokaler und nationaler Ebene wird sich auch die spirituelle Welt der Geister und Verstorbenen erheben und sich im Kampf zwischen Gut und Böse zu etablieren

Die Verstorbenen erheben sich? Das kann doch nur bedeuten, dass Zombies (!!!) aktiv im 3. Weltkrieg mitmischen werden und uns alle eine Zombie-Apokalypse erwartet –  aber auf die kann man sich ja  vorbereiten

Jetzt verstehe ich auch, warum für diesen Text niemand die namentliche Autorenschaft übernehmen will und den ganzen Unsinn doch lieber Nostradamus in die Schuhe schiebt: Würde jemand heute solchen hanebüchenen Mumpitz voraussagen, dann würde man dies mehr als einer lockeren Schraube oder dem übermäßigen Genuss psychoaktiver Substanzen zuschreiben, womöglich beidem.

Für mich bleibt eine wichtige Frage leider unbeantwortet: Wenn sich die „vegetarische Lebensweise durchsetzt„, gilt das dann auch für die Zombies?

(Dieses Highlight an sinnbefreiter Schwurbelei ist die Nummer 2 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)





Der Jahresrückblick 2014 – mit allen Quellen …

12 12 2014

Und hier der Jahresrückblick, so wie die GWUP ihn der Presse überreicht hat – mit den dazugehörigen Quellen (bzw. den Blogartikeln, dort sind die Originalquellen genannt bzw. verlinkt):

Die Pyramiden und das Empire State Building stehen noch

Versinkende Pyramiden, ein kippendes Empire State Building und der zumindest teilweise Einsturz des Kolosseums in Rom gehörten für 2014 zu den Lieblingsprognosen des kanadischen Mediums Nikki Pezaro. Während diese ein besonderes Faible für die Zerstörung welt­weit bekannter Gebäude hatte, blieben ihre Kollegen hierzulande mehr bei den klassischen Prognosethemen und sagten Katastrophen aller Art voraus. Die aktuelle Auswertung der Voraussagen von Hellsehern, Wahrsagern und Astrologen durch die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zeigte auch für 2014 das gewohnte Bild: Wahrsager entpuppen sich als Wahrversager, und auch der astrologische Blick in die Sterne liefert keine Informationen über die Zukunft.

„Einen wirklich aufsehenerregenden Prognosetreffer habe ich noch nie gefunden“, so der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit Jahren diese Prognosen sammelt und auswertet und dem es insbesondere die skurrilen Voraussagen angetan haben. Als Beispiele nennt er den Gorilla, der seinen Pfleger aufessen sollte (Nikki Pezaro) oder die telepathische Übertragung von Krankheiten (LaMont Hamilton). Meist wurden aber doch nur die üblichen Katastrophen – also Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen, Terrorangriffe – vorausgesagt, und wie immer waren die Formulierungen so schwammig, dass sie sich einer ernsthaften Überprüfung von vornherein entzogen. Ein Beispiel lieferte der österreichische Astrologe Rainer Bardel, der für die Karwoche Anfang April eine „Prüfung für die Menschheit“ erwartete und mit „Erdbeben, Kriegsauseinandersetzungen und sogar Anschlägen“ rechnete.

Völlig im Katastrophenwahn gefangen waren die Deuter der Verse des Renaissance-Dichters Nostradamus. Von „giftigem Schnee im Juli“, einer darauffolgenden Hungersnot und der Ermordung der „päpstlichen Familie“ raunt ein entsprechender Text in Allgeiers Astrologischem Jahrbuch; gemäß einer einschlägigen Webseite sollte 2014 „unausweichlich der dritte Weltkrieg beginnen“, und Manfred Dimde fantasierte sich aus den kryptischen Vierzeilern für seinem alljährlichen Nostradamus-Almanach Chemiewaffenangriffe auf England und den Einsatz diverser Atomwaffen zusammen. Glücklicherweise erwies sich die für den 1. Juni angedrohte zerstörerische Säurewolke aus dem All als seit Jahren durch das Internet geisterndes Hirngespinst, und die auf den 22. Februar terminierte Wikinger-Apokalypse „Ragnarök“ als Werbegag eines britischen Museums.

Auch die von esoterischen Prognostikern vorhergesagten Finanz- und Börsenkatastrophen blieben 2014 aus. Laut der österreichischen Wahrsagerin Rosalinde Haller sollte der Euro 70-80% an Wert verlieren, der Schweizer Franken immerhin noch 30-40%. Ihre Kollegin Christiane Durer sah nach der Europawahl Enteignungsgesetze auf Deutschland und Österreich zukommen und die Astrologin Hildegard Leiding wollte in den Sternen wirtschaftliche Depression und Hyperinflation erkannt haben. Für Kunkel sind solche Prognosen schlicht lächerlich, und er fügt hinzu: „Ja, die Wirtschaftsweisen liegen auch fast jedes Jahr daneben, aber bei denen moniert man schon eine Abweichung von 0,5 Prozent beim Wirtschaftswachstum als katastrophale Fehlprognose. Dagegen haben die Astrologen und Hellseher außer Angstmache überhaupt nichts zu bieten.“

Ganz anders sieht das – wie üblich – bei den aus der Regenbogenpresse beliebten Promiprognosen aus. Da für so ziemlich jedes Promipaar die Trennung, für alle Promisingles eine neue Liebe oder gar eine Hochzeit, und für Jungverheiratete aus Königshäusern immer Schwangerschaft und Kindersegen prophezeit wird, gab es 2014 hier auch Treffer zu verzeichnen. So ist Kate, die Gattin des Britenprinzen William, tatsächlich zum zweiten Mal schwanger (unter anderem vorhergesagt von Christian Dion, Blair Robertson, Nikki Pezaro) und bei George Clooney läuteten die seit Jahren immer mal wieder vorausgesagten Hochzeitsglocken. Ab dem nächsten Jahr werden die Auguren dann wohl alljährlich Clooneys Trennung prophezeien – wie dies bei einem anderen berühmten Paar seit Jahren der Fall ist: auch 2014 hatten gleich mehrere Astrologen bei Angelina Jolie und Brad Pitt die bevorstehende Trennung vorhergesagt. Dabei sind die beiden erst seit einigen Monaten verheiratet …

Bereits Ende 2013 hatte ausgerechnet eine brasilianische Wahrsagerin der deutschen Fußballmannschaft den Titelgewinn prognostiziert, hierzulande war – zumindest vor dem Turnier – kein Astrologe oder Hellseher dermaßen mutig. Während der WM selbst hatten dann wieder die Orakeltiere das Sagen, konnten aber dem legendären Orakelkraken Paul nicht das Wasser reichen. Er war 2010 durch einige korrekte WM-Tipps berühmt geworden. Warum es diesmal anders lief, lag wohl großteils am Unentschieden der deutschen Kicker gegen Ghana, denn bei den meisten tierischen Orakelversuchen war ein Unentschieden als Tipp gar nicht vorgesehen. „Die wenigen Tiere die diesen Tipp richtig hatten, versagten dann später – oder es wurde ein früherer, falscher Tipp einfach umgedeutet“, so Kunkel, der auch diese Art von Prognosen gesammelt und ausgewertet hat. Vor dem Finale waren dann auch wieder einige Astrologen aktiv: Während unter anderem bei der Online-Astrologie-Zeitschrift „Loop“ die Sterne auf Argentinien hinzuweisen schienen, wollten andere Sterndeuter einen deutschen Sieg erkennen. Einem gewissen Herrn Götze wird es bei seinem erfolgreichen Torschuss egal gewesen sein, wie die Sterne dazu standen.

Für 2015 erwartet Kunkel die Voraussage der üblichen Katastrophen. Sogar eine aktuelle Weltuntergangsprognose für den kommenden September kennt er schon. Diese dürfte ähnlich „erfolgreich“ sein wie die Voraussage des Absturzes von Flug JJ3720 über der Stadt Sao Paolo durch den brasilianischen Hellseher Jucelino Nobrega da Luz. Der für Ende November terminierte Flug fand ohne Probleme seinen Zielflughafen Brasilia – nachdem die Fluggesellschaft kurzerhand die Flugnummer geändert hatte. Aber hätte der Hellseher dies nicht auch vorhersehen müssen?

 





Das Reiseportal hotel.de will Paare trennen? Ohne mich!

9 12 2014

Liebe Leute von hotel.de,

danke, danke, danke! Das habt Ihr ja eine tolle Idee gehabt! Mit Eurer Entscheidung, in Zukunft euren Kunden Reisetipps nach deren jeweiligen Sternzeichen anzubieten zwingt ihr mich quasi dazu den Link auf eure Webseite in meinen sämtlichen Browsern zu löschen und in Zukunft bei meinen häufigen Dienstreisen auf  andere Hotelbuchungsportale zu setzen. Eine „wichtige Sondermeldung“ aus dem Presseportal der Gastronomie und Hotellerie ist Schuld daran, dass ich in Zukunft auf eure Dienste verzichten werde und mich freue dass ihr dann keine  Provisionen von meinen Hotelaufenthalten kassiert. In der Pressemeldung steht nach einigem Blabla der folgende Satz:

Auch heutzutage, im Zeitalter der Technologie und Wissenschaft, vertraut ein großer Teil der Deutschen diesen Angaben. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2012 halten 5,4 % der Befragten „viel“ und 33,4 % zumindest „etwas“ von Astrologie und Horoskopen.

Dieser verweist auf eine Studie, die leider nicht ohne teuren Premiumzugang (49 Euro pro Monat) bei statista.de verfügbar ist, deren Ergebnis mir aber nicht unplausibel scheint. Und das ist für Euch der Grund vollkommen den Verstand zu verlieren und in Zukunft Eure Reisetipps mit Astrologie anzureichern? Wegen der 5,4%???? Offenbar schon, wie man weiter lesen kann:

Dieses Ergebnis veranlasste die hotel.de-Redaktion, bei der Auswahl von Reisetipps für das nächste Jahr einen etwas ungewöhnlichen Weg einzuschlagen. Unterstützt wird sie dabei von namhaften Astrologen, die eine Lösung für eine der ältesten Fragen der Astrologie entwickelt haben: An welchen Orten fühlt sich welches Sternzeichen am wohlsten? Die astrologischen Landkarten und Stadtpläne sind so genau, dass sich damit der individuelle Wohlfühlfaktor einer Person zu einer exakten Adresse, einem Haus oder Grundstück berechnen lässt. Gemeinsam mit dem Astrologen erstellte hotel.de nun ein Reisehoroskop für das Jahr 2015 und zeigt, welche Destinationen für welches Sternzeichen besonders geeignet sind.

Ein Reisehoroskop? Echt jetzt? Und dafür habt ihr „namhafte Astrologen“ (wen denn? würde mich echt interessieren!) gewinnen können? Und glaubt ihr echt, dass die Astrologen genaue Landkarten haben? Von der Astrologie werden die übrigens nicht genau, und vermeintlich genaues Geschwafel bleibt immer noch Geschwafel, denn dass man mittels der Sterndeutung einen „individuellen Wohnfühlfaktor“ ermitteln kann wäre mir neu. Und was ist eigentlich wenn bei reisenden Paaren die „individuellen Wohlfühlfaktoren“ nicht zusammen passen? Sollen die dann getrennt wohnen und reisen? Immerhin würde das zwei Mal Provision für euch bedeuten, und wenn ihr dann noch so vollkommen passende Beispiele nennt …

Energie tanken Skorpione in München, Waagen in London, Fische in Amsterdam

… fragt man sich schon, was denn Paare mit unterschiedlichen Sternzeiche dann machen sollen. OK, manches Paar mit Skorpion/Waage, Waage/Fische oder Skorpion/Fische wird euch möglicherweise sogar dankbar sein, ich jedoch nicht! Mich ärgert im Nachhinein jeder Cent Provision den ihr von mir für meine vielen Buchungen (insbesondere München, obwohl ich doch gar kein Skorpion bin) kassiert habt. Zum Glück gibt es noch andere Hotelportale …





Prognosen 2015: Das Jahr wird irgendwie! (… und meine Lokalzeitung macht Esoterikwerbung)

8 12 2014

Das Ende des aktuellen Jahres naht, und schon kriechen die ersten Auguren aus ihren Löchern und beglücken uns mit ihren Prognosen für 2015. Manche dieser vermeintlichen Zukunftskenner werden aber auch von irgendwelchen Zeitungsschreiberlingen aus ihren Löchern gezerrt – und wenn so etwas sogar bei meiner Lokalzeitung passiert, dann finde ich das wenig erheiternd. Es ist schon ein paar Tage her, da konnte man in der Mainzer Allgemeinen Zeitung einen Artikel mit dem Titel

Mainz: 75-Jährige Gonsenheimerin Herlert-Schaaf sagt mit Lenormand-Karten die Zukunft voraus

lesen. Und das tut die Frau gegen Ende des Artikels auch tatsächlich indem sie für das Jahr 2015 folgende „Weisheiten“ zum besten gibt:

Für 2015 sieht sie große Neuerungen, die Glück bringen werden. Und auch für die neue Regierung erkennt sie „Ansehen und Anerkennung“. Die „Schranken“ und Hindernisse würden sich lösen. Und: „Die Dinge tragen bald Früchte und entwickeln sich.“

Äh, ja – und das soll eine ihrer Prognosen sein? Um welche „neue Regierung“ geht es hier eigentlich ? Welche „Schranken und Hindernisse“ werden sich lösen? Und welche „Dinge tragen bald Früchte„?

Der Autor dieser Persiflage auf einen journalistischen Artikel scheint sich mit diesem inhaltsleeren Geplapper zufrieden zu geben und resumiert tatsächlich mit dem Satz: „Na, das will man doch hören!“ Nein, Herr Braun, das will man nicht! Und außerdem finde ich es schon peinlich wenn in der von mir abonnierten Zeitung schamlose Werbung für eine mehr als zweifelhafte Dienstleitung als redaktioneller Artikel ausgegeben wird. Kritische Rückfragen scheint der Autor nicht zu kennen, stattdessen zitiert er lieber die hanebüchenen Behauptungen der Seniorin zum Mischen der Karten:

„Dabei wird das Unterbewusstsein angezapft. Und das Unterbewusstsein kennt Ihr Leben.“

Nein, beim Mischen wird nichts angezapft sondern es werden nur die Karten gemischt. Hätte der Mann übrigens gleich ausprobieren können, indem er nochmal die Karten mischt … … aber nein, stattdessen wird die Werbeveranstaltung weiter getrieben. Dass ausgerechnet die Kartenlegerin darauf hinweist, dass es auch Scharlatane gibt macht den Artikel nicht besser. Immerhin wird deutlich warum die Frau solch zweifelhafte Angebote macht:

Anfangs deutete Herlert-Schaaf nur ihren Freunden die Zukunft. Doch die finanzielle Not machte daraus einen Nebenverdienst. [..] „Ich hatte kein Geld mehr. Ohne das Wahrsagen hätte ich mein Haus verkaufen müssen“, erzählt die gelernte Stenografin.

Aha, es ging und geht also ums Geld! Und das nimmt sie auch heute noch reichlich: 75 Euro kostet ein Termin bei ihr – dabei sagt sie doch auch:

„Man darf keinen Reichtum daraus schlagen“, sagt sie. „Sonst verliert man die Begabung.“

Rückfrage oder Kommentar des Journalistendarstellers der für den Artikel verantwortlich zeichnet dazu? Fehlanzeige!  Dabei könnte man doch sofort auf die Idee kommen, dass sie ihre Fähigkeit längst verloren hat, zumindest wenn man ihre lächerliche Prognose zu meiner Heimatstadt liest:

Auch die politischen Entwicklungen in Mainz kann sie voraussagen. Der Stadt Mainz soll es demnach zukünftig gut ergehen.

Wow! Das wird bestimmt so kommen! Doch, ganz bestimmt, denn sie sagt es doch selbst:

„Meine Prognosen stimmen zu 80 bis 90 Prozent“

Belege bitte!

(Das war die Nummer 1 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)








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