Prognosen 2015: Das Jahr wird irgendwie! (… und meine Lokalzeitung macht Esoterikwerbung)

8 12 2014

Das Ende des aktuellen Jahres naht, und schon kriechen die ersten Auguren aus ihren Löchern und beglücken uns mit ihren Prognosen für 2015. Manche dieser vermeintlichen Zukunftskenner werden aber auch von irgendwelchen Zeitungsschreiberlingen aus ihren Löchern gezerrt – und wenn so etwas sogar bei meiner Lokalzeitung passiert, dann finde ich das wenig erheiternd. Es ist schon ein paar Tage her, da konnte man in der Mainzer Allgemeinen Zeitung einen Artikel mit dem Titel

Mainz: 75-Jährige Gonsenheimerin Herlert-Schaaf sagt mit Lenormand-Karten die Zukunft voraus

lesen. Und das tut die Frau gegen Ende des Artikels auch tatsächlich indem sie für das Jahr 2015 folgende „Weisheiten“ zum besten gibt:

Für 2015 sieht sie große Neuerungen, die Glück bringen werden. Und auch für die neue Regierung erkennt sie „Ansehen und Anerkennung“. Die „Schranken“ und Hindernisse würden sich lösen. Und: „Die Dinge tragen bald Früchte und entwickeln sich.“

Äh, ja – und das soll eine ihrer Prognosen sein? Um welche „neue Regierung“ geht es hier eigentlich ? Welche „Schranken und Hindernisse“ werden sich lösen? Und welche „Dinge tragen bald Früchte„?

Der Autor dieser Persiflage auf einen journalistischen Artikel scheint sich mit diesem inhaltsleeren Geplapper zufrieden zu geben und resumiert tatsächlich mit dem Satz: „Na, das will man doch hören!“ Nein, Herr Braun, das will man nicht! Und außerdem finde ich es schon peinlich wenn in der von mir abonnierten Zeitung schamlose Werbung für eine mehr als zweifelhafte Dienstleitung als redaktioneller Artikel ausgegeben wird. Kritische Rückfragen scheint der Autor nicht zu kennen, stattdessen zitiert er lieber die hanebüchenen Behauptungen der Seniorin zum Mischen der Karten:

„Dabei wird das Unterbewusstsein angezapft. Und das Unterbewusstsein kennt Ihr Leben.“

Nein, beim Mischen wird nichts angezapft sondern es werden nur die Karten gemischt. Hätte der Mann übrigens gleich ausprobieren können, indem er nochmal die Karten mischt … … aber nein, stattdessen wird die Werbeveranstaltung weiter getrieben. Dass ausgerechnet die Kartenlegerin darauf hinweist, dass es auch Scharlatane gibt macht den Artikel nicht besser. Immerhin wird deutlich warum die Frau solch zweifelhafte Angebote macht:

Anfangs deutete Herlert-Schaaf nur ihren Freunden die Zukunft. Doch die finanzielle Not machte daraus einen Nebenverdienst. [..] „Ich hatte kein Geld mehr. Ohne das Wahrsagen hätte ich mein Haus verkaufen müssen“, erzählt die gelernte Stenografin.

Aha, es ging und geht also ums Geld! Und das nimmt sie auch heute noch reichlich: 75 Euro kostet ein Termin bei ihr – dabei sagt sie doch auch:

„Man darf keinen Reichtum daraus schlagen“, sagt sie. „Sonst verliert man die Begabung.“

Rückfrage oder Kommentar des Journalistendarstellers der für den Artikel verantwortlich zeichnet dazu? Fehlanzeige!  Dabei könnte man doch sofort auf die Idee kommen, dass sie ihre Fähigkeit längst verloren hat, zumindest wenn man ihre lächerliche Prognose zu meiner Heimatstadt liest:

Auch die politischen Entwicklungen in Mainz kann sie voraussagen. Der Stadt Mainz soll es demnach zukünftig gut ergehen.

Wow! Das wird bestimmt so kommen! Doch, ganz bestimmt, denn sie sagt es doch selbst:

„Meine Prognosen stimmen zu 80 bis 90 Prozent“

Belege bitte!

(Das war die Nummer 1 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2015)


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