Prognosemenü 2015: Dreifaches Scharlatantenblabla mit überraschend leichter Katastrophenbeilage

9 04 2015

Schon Anfang April und hier wurden gerade einmal die Einlassungen von 14 PrognostikerINNEn besprochen – da muss sich langsam mal etwas ändern. Also werfen wir heute mal einen Blick auf die Prognosen zum aktuellen Jahr folgender drei bereits seit Jahren hier bekannten Scharlatanten:

Schauen wir zunächst mal zu Frau Durer, die ihre 12 spärlich bedruckten Seiten mit folgendem knalligen Statement einleitet:

2015 ist das Jahr der Angst.

Und warum?

Es beginnt mit der schleichenden Auflösung der bestehenden Bedingungen.

Aha! Nach ein wenig Blabla wird es überraschend ein wenig konkreter:

Zum einen gibt es große Veränderungen bezüglich Immobilien.
Man wird von etlichen Erdrutschen hären – etliche Häuser, ja ganze Dörfer werden wieder vom Erdboden verschluckt. Doch 2015 wird es schlimmer als je zuvor.

Ja, die ersten Katastrophen sind abgehakt, kommt da noch mehr? Weiter geht es so:

Das Wohnen wird besetzt werden.
Äh, was? Durch Erdrutsche etwa? Wohl doch eher durch nicht näher benannte Gesetze:
Im Bereich Immobilien und Wohnen wird es noch weitere und zahlreiche Regulierungen geben.

Und so weiter und sofort! Alles wird schlimm, wenn auch nicht ganz so schlimm wie sie es für die letzten Jahre vorausgesagt hatte. Nicht einmal das endgültige Euro-Ende traut sie sich wieder vorauszusagen, stattdessen viel bedeutungsschwangeres Geraune:

Im April/Mai gibt es erneut eine kleine Euro-Schock-Welle, die Ende Juni aufgefangen wird, doch schon steht – durch ein anderes Ereignis ausgelöst – Ungemach ins Haus und der Euro trudelt erneut.
Ab Herbst wird es dann noch schlimmer, auch wenn Ende September eine echte Euro-Ist-Der-Beste-Vorstellung gegeben wird.
Ab Herbst / Winter 2015 wird es dann richtig schlimm. Neue Gesetze werden erlassen, die alles noch mehr kontrollieren und regulieren sollen.
Ende Oktober wertet der Euro erneut ab und ab Dezember 15/Januar 16 beginnt ein beispielloser Euro-Existenz-Krieg.

Die erstaunlich kleine Prise Naturkatastrophen ist bei Frau Durer dann aber mal so etwas von wischi-waschi:

Auch 2015 wird das Wetter wieder extrem werden. Wieder werden ganze Landstriche überschwemmt werden. Außerdem wird es eine große Natur-Katastrophe in Asien geben. Niemand wird helfen können.

Bei Rosalinde Haller ist es auch nicht besser. Zwar hat sie ein ganzes Dutzend Texte auf ihrer Webseite für 2015 zusammengeschrieben, aber viele davon sind einfach lächerlich. Was bedeutet zum Beispiel diese „Aura-Soma-Vorhersage„?

Der Clown/Pagliacci/Nr. 72
Man soll den inneren traurigen Clown befreien. Den Pierrot loslassen.
Stillen Sie innere emotionale Bedürfnisse, dies ist mit der „blauen Stille und dem blauen Frieden“ möglich.
Auf einer tieferen Ebene bezieht sich die Farbkombination Blau/Violett mit Goldsprenkel und Orange auf genetische Bedienungen wie keine andere Flasche sonst.
Aussage: So ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr das Himmelreich nicht erlangen.

Oder weiß außer Frau Haller irgendjemand, dass die neue, seit über drei Monaten amtierende Farbe des Jahres in der Mode stark dem Jupiter, Zeus Urprinzip [entspricht] und irgendetwas mit „Liebe/Sexualität“ zu tun hat? Die „sehr anregenden Farbgebung“ ist damit:

ROT / ROT TÖNE / ROTBRAUN / ORANGE

Die Farbe des Jahres scheint ihrer selbst gar nicht so sicher zu sein, aber immerhin ist ihre irgendwie multiplen Persönlichkeiten Farbigkeiten solche „welche das Temperament fördern„.

In ihrer „Allgemeinen Prognose“ zeigt Frau Haller, dass ihr Hauptinteresse dem Geld gilt. Irgendwelche lächerlichen Anlagetipps oder -warnungen hat sie zu einer recht langen Liste von Ländern parat – inclusive einiger aus dem letzten Jahr bekannten, sehr gewagten Prozentangaben. Wenigstens streckt sie ihre „Währungen fallen“-Prognosen jetzt ein wenig:

Ich sehe innerhalb der nächsten Jahre eine Euro Abwertung um 60% 70% und immerhin um etwa 40% beim SFR

Nun ja, es fehlt natürlich die Währung, gegen die Euro und Franken fallen sollen …

Also nun zu den üblichen Katatrophen, denen sie einen Extraprognosetext mit dem Titel „Katastrophen 2015“ widmet:

  • Eine Größere Unternehmung z.B. ein neuer Start ins All misslingt. Eine starke Explosion ist zu sehen.
  • Es wird sehr viel von Sonnenflecken, Sonnenstürmen und dadurch, Veränderung in der Atmosphäre zu hören sein.
  • Das Eis an den Polen geht weiter zurück. Die Treibhaus Entwicklung schreitet weiter voran.
  • Die  Vermüllung  der Weltmeere durch Plastik Abfall nimmt bedrohliche Formen an. Man versucht erste Schritte dagegen zu unternehmen. Das Problem des großen Plastik Verbrauches  verlagert sich immer mehr in relativ arme Südländer.
  • Speziell  im Süd-östlichen Bereichen der Erde wird es viele Überschwemmungen, Plötzliche starke Regenfälle und Schlamm- Muren geben. Oft gepaart mit heftigen Stürmen.
  • Etliche große Erdbeben und Vulkan Ausbrüche sind weltweit spürbar. Ein besonders starker in Südamerika  im Raum Peru und Chile. Ein zweiter besonders gefährdeter Bereich ist Neuseeland und Australien.

Ach ja, nichts wirklich Katastrophales, dafür Banales (Plastikmüll im Meer), ein wenig auf die bekannte Klimaerwärmung hinweisen (das ist keine Prognose sondern ein wissenschaftlicher Fakt) und ansonsten alles irgendwie weichgespült. Irgendwie scheint Frau Hallers große Zeit als alljährliche Katastrophenschnepfe vorbei zu sein – dafür labert sie mehr und mehr sinnbefreiten Blödsinn.

Kommen wir zu Elizabeth Teissier, die in der Schweizer Illustrierten auch für 2015 ein wenig vor sich hin prognostiziert hat. Natürlich hat auch sie Katastrophen im Angebot, oder besser: katastrophales Geraune:

Es wird ziemlich explosiv, vor allem im Frühling. Wir erleben eine echte Zivilisationskrise wie in den 60er-Jahren, nur tiefer gehend. Besonders die Bedrohung durch den Islamischen Staat macht mir Sorgen, weil die Zyklen Saturn- Pluto und Saturn-Neptun wirksam sind. Dies war auch 2001 kurz vor 9/11 der Fall.

Immerhin relativiert sie ihre Prognose zumindest dahingehend, dass ein solche auch ohne Sternengeschwurbel möglich gewesen wäre:

Damit müssen wir rechnen. Aber für solche Prognosen braucht es nicht unbedingt die Astrologie. Alle denken, dass dies sehr wahrscheinlich ist. Was ich als Astrologin beisteuern kann: die kritischsten Perioden berechnen. So könnte man mit den Behörden zusammenarbeiten, um an den gefährlichsten Tagen bereit zu sein.

… und die gefährlichsten Tage kann sie natürlich gaaaaaaaanz grob nennen:

Die negativen Phasen sind Anfang Januar, Ende März, in der ersten April-Hälfte und im Juli.

In ihrem Buch “2012-2016 Weltkrise und Neubeginn” (ISBN 978-3-86882-250-2) war sie zumindest auf Seite 164 bezüglich ihrer Prognosen für Frankreich 2015 ein wenig konkreter:

Kurz gesagt, nach einem äußerst kritischen Jahresbeginn – Katastrophen in verschiedenen Bereichen, z.B. Kernkraft, oder Naturkatastrophen wie Unwetter, Erdbeben, etc., Probleme an den Börsen – erscheint 2015 wie das Jahr einer großen, positiven Metamorphose.

Aha, die bisher ausgebliebenen Katastrophen münden in eine positive Metamorphose (wohin eigentlich?) – aber natürlich droht auch hier wieder eine Katastrophe zum Jahresende:

… und eine Krise (besonders auf dem Sektor Finanzen) scheint programmiert bis zum Sommer 2016.

Alles also fast wie immer: die drei Scharlatanten labern bedeutungsschwanger vor sich hin und benennen die ein oder andere Katastrophe, obwohl: in dieser Kategorie gibt es in den nächsten Tagen ein paar deutlich stärkere Kaliber zum Lesen – für all die, denen die für 2015 aus den alten Nostradamusversen herausgezauberte Zombieapokalypse nicht ausreicht …

(Das waren die Nummern 15 bis 17 der Astrologen / Wahrsager / Hellseher für 2014)


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One response

9 04 2015
mallorno

Die Astrologie hat meiner Meinung nach nichts mir Vorhersagen zu tun, sondern mit Geld verdienen durch Menschen verunsichern.

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