Der Sportastrologe macht Pause – und erstaunt mit Selbsterkenntnis

7 04 2016
Der selbst ernannte „Sportastrologe“ Jannis Okun („Fußballastrologe“ wäre wohl ein passenderer Titel) hat auf seinem Blog AstroArena eine Pause angekündigt. Dort hatte er bisher allerlei Prognosen – überwiegend zu Fußballspielen, andere Sportarten spielten nur eine Nebenrolle –  abgegeben, sich diverser Treffer bezichtigt und durfte in der Folge bisweilen auch in den Medien über irgendwelche Fussballspiele, den Ausgang der Bundesliga oder die Zukunft einzelner Mannschaften reden. Inzwischen hat er scheinbar selbst gemerkt, dass seine im Blog zu findenden Prognosen weit von der Qualität entfernt waren, die er wohl selbst erwartet hatte. Seine Pause leitet er mit dem Eingeständnis seines Scheiterns bei den letzten beiden Vorhersagen ein:
Bereits nach meinen Prognosen vor der Länderspielpause, die man wohlwollend noch als “Negativlauf” hätte bezeichnen können, äußerte ich, wie froh über die zwei folgenden freien Wochen bin. Gleich nachdem diese vorbei war, versemmelte ich dann die nächste Prognose auf hochtrabende Weise als ich einen Wolfsburger Sieg in Leverkusen vorhergesagte[…]Nur fünf Tage später folgte dann der nächste Fehlschlag auf ganzer Linie. Der sportastrologe prognostizierte, dass der VfL “keine Chance” gegen Real Madrid im Champions-League-Viertelfinale haben würde.
Bekanntlich gewann Leverkusen gegen Wolfsburg klar mit 3:0 (sein Tipp war 1:3) und Wolfsburg schlug dann Real Madrid mit 2:0 (hier hatte er auf 0:3 getippt). Nun ja, Fehlprognosen sind ja nichts Besonderes, die kommen ja immer wieder mal vor, aber dass sich ein selbst ernannter Prognostiker ein Scheitern auf der ganzen Linie bescheinigt ist bemerkenswert:
Selbst wenn man sich die ganzen Prognosen der letzten Wochen genauer ansieht, z.B. die Analysen zu einzelnen Spielern, so muss man konstatieren, dass hier aber auch so gut wie gar nichts stimmte, nicht selten sogar das Gegenteil eintrat. Es war kein Pech und keine Prognosen, die man doch noch in irgendeiner Form als Erfolg hätten werten können (z.B. später Ausgleich bei einer Siegprognose), nein, es war in aller Regel ein Versagen auf ganzer Linie. Ohne Wenn und Aber.
Soviel Selbsterkenntnis habe ich von einem Astrologen lange nicht mehr gelesen, auch wenn er diese ein klein wenig verwässert. Dass Astrologen es gerne als „Erfolg“ ansehen, wenn ihre Siegprognose durch einen späten Ausgleich „gekillt“ wird fand ich schon immer sehr eigenartig – wenn ich Sieg voraussage und es endet Unentschieden dann lag ich eben falsch. So richtig erstaunt hat mich dann noch der folgende Satz:
Um einem “aufmunterndem” Argument von Vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen
– der Einwand, das ich hier ja auch schon “viele herausragende Prognosen” abgeliefert hätte (dies ist übrigens keineswegs statistisch belegt), wird mit jeder Fehlprognose mehr und mehr ad absurdum geführt.
Ich gebe ja zu, dass ich diesem Blog nur ganz sporadisch etwas Aufmerksamkeit gewidmet habe, weil ich erstens kein großer Fußballfan bin und mir zweitens jedweder Sportwettenkran gepflegt am Allerwertesten vorbei geht (Herr Okun postet bisweilen seine Wettscheine, am liebsten natürlich wenn er damit gewonnen hat – auch wenn er dazu gar keinen Artikel auf seinem Blog veröffentlicht hatte), aber dass er den ein oder anderen Treffer gelandet hat ist mir nicht entgangen. So richtig spektakulär fand ich die  Treffer allerdings nicht, denn er hat oft so viele Namen oder mögliche Entwicklungen vorab in den Vordergrund gestellt – und dann in der folgenden Analyse einfach vergessen, wenns denn nicht gepasst hat. Und bevor man etwas überhaupt statistisch beurteilen kann müsste man vorab das gesamte Procedere (z.B. die Art der Prognosen; was gilt als Treffer, was als Niete; usw. usf.) festlegen, darauf hatte ich Herrn Okun schon während der WM 2014 hingewiesen.
Zu seinen „besonderen Treffern“, denen er in seinem Blog eine eigene Rubrik widmet, ein paar Zitate aus einer seiner von ihm selbst als Topprognosetreffer eingestuften Voraussage zum DFB-Pokalfinale 2015 (Wolfsburg siegte 3:1 gegen Borussia Dortmund):
  • Mit den starken Aspekten der Offensivkräfte kann ich mir ein anschauliches, offenes Finale vorstellen. Ich bin mal mutig und tippe auf ein 2:2.
  • Eine Entscheidung erst im Elfmeterschießen halte ich schließlich für gut denkbar.
  • Wolfsburg holt sich zum ersten Mal den Pokal. Die starken Transite haben sich bestätigt. Als das Pokalfinale feststand, war ich mir schon ziemlich sicher, dass der VfL es packt. Erst als ich heute noch mal den BVB durchgeschaut habe und neben Jupiter Trigon Saturn im BVB-Vereinshoroskop noch auf die Aulösungen bei Reus und Aubameyang gestoßen bin, sind mir noch mal Zweifel gekommen.
Dazu gibt es viele Horoskopbildchen und ganz viel Astroblabla a la …
Sonne und Merkur in Opposition zu Mars wäre als kritischer Transit vorhanden bei einer Geburtszeit nachts/morgens. Venus Trigon Mondknoten sieht dagegen positiv aus. Im Quadrat zur Venus würden Sonne und Merkur bei einer sehr späten Geburtszeit stehen.
Die Sätze galten übrigens dem Dortmunder Spieler Marcel Schmelzer. In seiner Nachbetrachtung schreibt sich Okun dann einen „Treffer“ gut, weil der Dortmunder Verteidiger eine zu einem Tor führende Flanke nicht verhindern konnte. So richtig toll ist dieser Treffer eh nicht. Eine der beiden Mannschaften wird gewinnen (50%-Chance), hier hatte er richtig gelegen. In den Details (2:2, ggf. Elfmeterschießen) eben nicht.
Hoch anzurechnen ist Herrn Okun, dass er  tatsächlich versucht seine Prognosen „transparent“ zu machen – wobei allerdings der auch von ihm benutzte, sehr schwammige, Astrologensprech (siehe Schmelzer-Beispiel) eine für die kritischen Analyse notwendige, möglichst objektive Einschätzung seiner Aussagen verhindert. Ich glaube ihm natürlich, dass er seine astrologische Tätigkeit ernst nimmt (genommen hat?), jetzt will er sich auf jeden Fall – wahrscheinlich – eine Pause gönnen:
Um die Sache zum Ende zu bringen. Ich werde hier – wenn überhaupt – bis zum Ende der Saison nur noch ganz vereinzelt meine astrologischen Ergüsse unter die Leserschaft bringen. Was dann zur Europameisterschaft passieren wird, steht in den Sternen – obwohl sicher bin ich mir diesbezüglich auch nicht mehr… Vor allem meine Masterarbeit freut sich über die neu hinzugewonnene Zeit in den kommenden Wochen
Für seine Masterarbeit wünsche ich ihm natürlich gutes Gelingen, und falls er zur EM ein paar Prognosen hat werde ich mich natürlich mit diesen beschäftigen. Manche werden vielleicht auch hoffen, dass die ausführlichen Diskussionen mit ihm im Blog von Florian Freistetter  vielleicht doch Wirkung gezeigt haben. Seine Pausenankündigung klingt auf jeden Fall so, als würde er durchaus auch an seiner Methode zweifeln. Vielleicht hat er es inzwischen selbst gemerkt, dass die von ihm häufig vehement verteidigte Sterndeuterei einfach keine vernünftigen Ergebnisse liefern kann. Er wäre nicht der Erste

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